Deutschland Artikel - Der Eskapist Outdoor-Blog: Wandern, Trekking, Backpacking Wed, 29 Jul 2026 21:51:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://der-eskapist.de/wp-content/uploads/2023/12/cropped-android-chrome-512x512-1-32x32.png Deutschland Artikel - Der Eskapist 32 32 Kaserne Vogelsang: Die geheime russische Geisterstadt im Wald https://der-eskapist.de/deutschland/kaserne-vogelsang-die-geheime-russische-geisterstadt-im-wald/ https://der-eskapist.de/deutschland/kaserne-vogelsang-die-geheime-russische-geisterstadt-im-wald/#comments Sat, 19 Apr 2025 17:58:43 +0000 https://der-eskapist.de/?p=5468 Update April 2025: Das Areal der Kaserne Vogelsang wird weiterhin renaturiert. Es stehen aber noch ein paar Gebäude. Aktuelle Infos dazu am Ende des Artikels. In diesem Artikel: Der Weg ins Niemandsland beginnt keine 100 Meter hinter dem Bahnhof. Ein paar baufällige Lagerhallen am Straßenrand, rostiger Maschendrahtzaun, dazwischen etwas verloren ein Einfamilienhaus. Kein Schild weist […]

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Update April 2025: Das Areal der Kaserne Vogelsang wird weiterhin renaturiert. Es stehen aber noch ein paar Gebäude. Aktuelle Infos dazu am Ende des Artikels.

In diesem Artikel:

Der Weg ins Niemandsland beginnt keine 100 Meter hinter dem Bahnhof. Ein paar baufällige Lagerhallen am Straßenrand, rostiger Maschendrahtzaun, dazwischen etwas verloren ein Einfamilienhaus. Kein Schild weist die Richtung. Wenn man nicht weiß, wonach man suchen muss, würde man diesen Ort keines weiteren Blickes würdigen.

Was vielleicht auch beabsichtigt ist. Nur ein paar Kilometer entfernt von hier wurden bis vor wenigen Jahrzehnten Nuklearraketen in unterirdischen Bunkern gelagert.


Kaserne Vogelsang: Die verlassene Stadt im Wald

Wir sind auf dem Weg zur Kaserne Vogelsang. Der frühere Armeestützpunkt wurde 1994 von der russischen Armee aufgegeben und ist seitdem ein „Lost Place“, ein vergessener Ort. Früher lebten hier 15.000 Soldaten mit ihren Familien abgeschieden von der Außenwelt. Über 500 Gebäude verteilen sich über das riesige Gelände – eine regelrechte Stadt mitten im Wald.

Eine Viertelstunde spazieren wir auf dem kerzengeraden Weg durch den verschneiten Wald. Kein Geräusch bis auf das Knirschen des Schnees unter unseren Schuhen. Eiskalte klare Luft, die Sonne scheint am blauen Himmel – der perfekte Tag, um sich in die Untiefen der jüngeren Vergangenheit zu begeben.

Kaserne Vogelsang Warnschild

Schließlich erreichen wir eine Schranke, dahinter die Überreste eines Pförtnerhäuschens. Ein Schild am Baum informiert uns, dass wir militärisches Sperrgelände betreten. „Von der Liegenschaft gehen erhebliche Gefahren für Leben und Gesundheit aus.“ Wir nehmen die Warnung zur Kenntnis, aber das kann uns jetzt auch nicht mehr aufhalten.

Kurz darauf lichtet sich der Wald zu unserer Linken. Ein riesiges offenes Feld breitet sich vor uns aus, in der Mitte davon ein langgezogener grasbewachsener Hügel, der nicht natürlich aussieht. Vielleicht einer der Bunker? Wir stapfen durch den Schnee, um uns das näher anzuschauen.

Ab unter die Erde

Keine fünf Minuten später wissen wir, dass wir mit unserer Vermutung recht hatten. Ein winziger Tunnel führt in den Hügel. Im Inneren ist es stockfinster. Feuchte Luft kommt uns entgegen, als wir uns reinquetschen und im Gänsemarsch vorwärts kriechen.

Eingang zum Raketenbunker in der Kaserne Vogelsang.

Nackte Betonwände leuchten im Schein unserer Handy-Taschenlampen. Glassplitter knirschen unter unseren Füßen.


Nach ein paar Metern endet der Gang und wir stehen in einer Art unterirdischer Lagerhalle. An der halbkreisförmigen Decke verlaufen dicke Rippen aus Stein, dazwischen einige rostige Metallverstrebungen. Ich bin kein Experte für Militärarchitektur aber die tunnelähnliche, längliche Form des Bauwerks scheint wie gemacht für die Lagerung von Raketen.

Ein weiterer schmaler Tunnel führt in eine zweite baugleiche Halle. Die Wände sind eingestürzt, auf beiden Seiten türmen sich Schuttberge auf.  Mit angehaltenem Atem tasten wir uns langsam vorwärts. Auf der Seite zweigt ein weiterer Tunnel in die Finsternis ab.

Kaserne Vogelsang Bunker

Wir entschließen uns weiterzugehen. Vielleicht hundert Meter weiter erreichen wir eine weitere Kammer. Verrostete Treppen aus Stahl führen in die Tiefe. Ich wage einen Blick hinunter und sehe im Schein der Lampe mein Spiegelbild. Anscheinend ist der untere Teil des Komplexes überflutet. Vielleicht Regenwasser, das im Lauf der Zeit heruntergesickert ist.

Also wieder zurück in die Lagerhalle. Es ist kalt, feucht und langsam würde ich diese finsteren Katakomben gerne verlassen. Gerade als wir umdrehen wollen, sehen wir vor uns schwachen Lichtschein. Durch ein Loch in der Decke fällt Sonnenlicht herab und da ist auch eine Leiter. Zwei Minuten später begrüßen uns die wärmenden Strahlen der winterlichen Mittagssonne.

Grafitti in der Garnison Vogelsang.

Von unterirdischen Bunkeranlagen haben wir nach diesem Ausflug fürs Erste genug. Es wird Zeit, die eigentliche Stadt inspizieren.

Lese-Tipp: Vergessene Orte in Berlin und Brandenburg

Dieser tolle Bildband* stellt 37 spannende Lost Places rund um Berlin vor: verlassene Militäranlagen, aufgegebene Bahnhöfe, Flugplätze aus dem kalten Krieg, alte Brücken – vieles davon eher unbekannt und längst nicht nur die „Klassiker“.

Sehr schön ist die Übersichtskarte, auf der alle Lost Places eingezeichnet sind. Dazu gibt es jede Menge Informationen zum geschichtlichen Hintergrund der Orte und natürlich viele fantastische Fotos.

Ein Buch, das Lust macht, direkt loszuziehen und auf Entdeckungstour zu gehen!

Lost in Vogelsang

Wir folgen dem Weg ins Zentrum, gespannt was uns noch erwartet. Und plötzlich sind wir da. Ganz unvermittelt. Im einen Moment sind da einfach nur Bäume, im nächsten stehen wir auf einer Art Platz, um uns herum überall Gebäude in den unterschiedlichsten Stadien des Verfalls.

Jede Richtung scheint genau so gut wie die andere zu sein. Also gehen wir einfach los und stöbern zwischen den Ruinen herum. Wir kommen an einem niedrigen Gebäude, von dem nur noch die Stahlverstrebungen und einige zerbrochene Glasscheiben übrig sind. Vielleicht früher einmal ein Gewächshaus?


An einer Mauer finden wir die Überreste eines Wandreliefs, das in den Stein gehauen ist. Wie zu erwarten martialische Szenen: Arbeiter an Maschinengewehren, der Sowjetstern, ein Raketenpanzer beim Angriff. Nebendran das finstere Gesicht eines Soldaten, das aber vermutlich ein Graffiti neueren Datums ist.


Das Innere der Gebäude ist in einem schrecklichen Zustand. Putz blättert in dicken Flocken von den Wänden. Die nackten Decken und Wände sind an vielen Stellen eingestürzt. In einigen Räumen ragen uns die Holzdielen in grotesken Winkeln entgegen. Obwohl die Gebäude offenstehen und den Elementen fast ungeschützt ausgeliefert sind, liegt ein muffiger Geruch in der Luft.

Lost Place Vogelsang Brandenburg
Vogelsang die Stadt im Wald
Ehemalige russische Kaserne Vogelsang Decke eines Gebäudes.
Früheres Wohnquartier in der Kaserne Vogelsang.

Während wir durch die Ruinen spazieren machen wir uns einen Spaß daraus, zu erraten, was hier früher einmal gewesen sein könnte. Manchmal ist es gar nicht so schwer. Klos sind immer gut zu erkennen und häufig noch recht gut erhalten. Die kleinen Zimmer mit Fenstern, die alle ihren eigenen Ofen in der Wand haben, könnten die Privatzimmer der Offiziere gewesen sein.

Schau dir hier meine outdoortaugliche Fotoausrüstung an:

Spuren der Vergangenheit

Andere Bauwerke machen uns stutzig. In einem kleinen Gebäude finden wir ein mehrere Meter tiefes gekacheltes Becken, in das eine rostige Leiter hinunterführt.

Tauchbecken für Übungszwecke in Vogelsang.

Daneben eine Art Kessel. Könnte ein Boiler gewesen sein, aber das merkwürdige Rohr an der Seite gibt dem Ganzen eher das Aussehen einer Panzerhaubitze. Wurden hier Übungen für Kampfeinsätze unter Wasser durchgeführt?

Boiler oder Panzer in der Geisterstadt.

In einem Gebäude – vielleicht ein Schulungszentrum – lehnt eine alte Tafel mit Fotos an der Wand. Panzer rollen über ein Feld. Eine startende Weltraumrakete. Soldaten, die Gefechtsübungen durchführen. Szenen aus einer Welt, die längst untergegangen ist. Schade, dass keiner von uns Russisch kann und wir den Text nicht verstehen.


Ein großer Speisesaal ist noch gut als solcher zu erkennen. Auf der einen Seite hinter einem Gitter die Essensausgabe, an der Wand kitschige Blümchenbilder, ein Balalaikaspieler und tanzende Frauen. Ein Wunder, dass die Malereien noch so gut erhalten sind. In ein paar Jahren wird wahrscheinlich nicht mehr viel übrig sein.

Wandgemälde im Speisesaal der Garnison.

Irgendwann haben wir genug gesehen. Es geht auf den Nachmittag zu und wir beschließend zum Bahnhof zurückzulaufen. Zwischen den Bäumen tauchen immer neue Häuser auf. Hier könnte man tagelang herumspazieren und würde immer noch etwas Neues entdecken. Aber das ist eine Sache für das nächste Mal.

Bahnhofsgebäude Vogelsang.

Anreise

Aus Berlin mit dem Zug RB 12 Richtung Templin bis zum Bahnhof Vogelsang. Von dort ein Stück an den Gleisen entlang nach Süden bis zur Burgwaller Straße. Dann einfach rechts abbiegen und der Straße durch den Wald folgen. Bis zum Zentrum der Garnison ist es ein Fußmarsch von knapp 2 Km.

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Kaserne Vogelsang Karte

Ich hab auf der Karte mal einige interessante Punkte eingetragen. Keine Gewähr, dass die Gebäudebezeichnungen stimmen. Der halbe Spaß ist, selbst darüber nachzugrübeln, was das früher gewesen sein könnte.

Kaserne Vogelsang

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

Auf der Webseite Heimatgalerie.de gibt es zudem einige alte Karten der Garnison Vogelsang. Außerdem findest du dort jede Menge Hintergrundinformationen zum Standort. Sehr interessant, um etwas über die Geschichte der Garnison zu erfahren.

Tipp: Gar nicht weit von der Kaserne Vogelsang liegt ein weiterer Truppenübungsplatz in der Kleinen Schorfheide. Schau dir diesen Beitrag für mehr Infos an.

Meine Empfehlungen zum Wandern*

Ist die Kaserne Vogelsang frei zugänglich?

Das Gelände ist nicht abgesperrt und kann frei betreten werden. Ich habe einige Schilder gesehen, laut denen die Kaserne videoüberwacht wird. Neben einigen anderen Spaziergängern und Wanderern war von Personal o.ä. aber nichts zu sehen. Führungen auf dem Gelände gibt es meines Wissens nach nicht.

Zerfallenes Gebäude auf dem Garnisonsgelände Vogelsang.

Sicherheit

  • Die Gebäude sind baufällig und in einem sehr schlechten Zustand. Betreten auf eigene Gefahr!
  • Vor allem die Fußböden in den oberen Etagen sind häufig eingebrochen und machen keinen sehr vertrauenswürdigen Eindruck. Hier ist Vorsicht angebracht.
  • In den Bunkern ist es stockfinster. Ein Headlamp macht Sinn, wenn du da rein willst. Ich verwende dieses Modell:

Wie es mit Munitionsverseuchung aussieht, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist es aber sicherer, auf den Wegen zu bleiben und nicht im Unterholz herumzulaufen. Außerdem trifft man immer mal wieder auf halbzugewachsene Abflussschächte und Löcher im Boden.

Grafitti sitzendes Mädchen Es war einmal.

Aktueller Zustand der Kaserne Vogelsang

Mein vorletzter Besuch war im Jahr 2022. Ich war zusammen mit Wolf-Sören Treusch unterwegs, der eine Radio-Reportage für DLF Kultur machte. Schon damals standen nur noch 28 Gebäude, darunter die Halle mit dem Schwimmbecken und dem Übungspanzer sowie einer der Speisesäle.

Auch die „Heldenmauer“ mit den martialischen Wandreliefs war noch vorhanden, aber schon in deutlich schlechteren Zustand. Ein Mitarbeiter des Wachdienstes meinte, dass das Gelände überwacht wird und auch Platzverweise ausgesprochen werden. Ansonsten waren etliche Bagger und auch ein paar Bauarbeiter zugange.

Ein paar Fotos vom November 2022 (zum Vergrößern anklicken):

Die Reportage über die Kaserne Vogelsang lief in der Sendung „Ländereport“. Den Link dazu findet ihr hier: Von der Sowjetkaserne zur Geisterstadt. Hört gerne mal rein, meine Wenigkeit kommt in der Sendung auch zu Wort.

Kaserne Vogelsang im Jahr 2025

Im April war ich mal wieder in Vogelsang und habe den etwas verregneten Ostersamstag genutzt, um zu schauen, was wie es auf dem Gelände aussieht. Wie zu erwarten war, hat sich einiges in Vogelsang getan. Die Bagger haben in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet.

Was noch steht:

Ich habe mal mitgezählt: Inzwischen dürften nur noch etwa 15- 20 Gebäude auf dem gesamten Gelände stehen.

  • Im Südosten der Hauptgarnison stehen noch einige größere Häuser, ich vermute die früheren Mannschaftsbaracken und einige Lagerräume. Dort kann man auch noch reingehen, auch ins erste Stockwerk.
  • Ganz am Ende dieser Gebäudereihe befindet sich noch eine Mauer mit einem gut erhaltenen Relief.
  • Die Kläranlage ganz im Osten des Areals ist auch noch vorhanden.
  • Ebenso die Panzerbaracken im Westen, wo sich auch einer der unterirdischen Hangars befindet.
  • Der unterirdische Hangar ist immer noch zugänglich, der Tunnel ist immer noch deutlich zu sehen, wenn man weiß wo man suchen muss. Bei einem der Ausgänge wurde eine Leiter entfernt. Der Verbindungsweg zwischen den Hallen ist inzwischen eingestürzt.
  • Die Wachtürme des gut versteckten Nachrichtenbunkers stehen auch noch. Einer der Tunnel ist immer noch über eine Leiter zugänglich. Ich war aber nicht unten, weil es geregnet hat.

Bildergalerie April 2025:


Was nicht mehr steht:

Der riesige Hauptkomplex der Anlage am Ende der Straße von Vogelsang, ist inzwischen komplett verschwunden. Mich hat das doch etwas betroffen gemacht: Die Speisesäle mit den schönen Wandmalereien, die Offiziersquartiere, die alten Gemüsegärten und das Schwimmbad mit dem Panzer – alles weg. Die Bagger haben sämtliche Gebäude einfach dem Erdboden gleichgemacht.

Immerhin steht noch die Heldenmauer. Wahrscheinlich wird das einzige sein, was noch von der Kaserne übrig bleibt – wenn man sie denn nicht auch abreißt. Als nächstes werden die Bagger wahrscheinlich die letzten verbliebenen Gebäude zerstören. Ich vermute, in spätestens 5 Jahren wird man hier höchstens noch ein paar Mauerreste sehen.

Hier stand mal das Haus, das auf dem Titelbild dieses Artikels zu sehen ist.

Mein Fazit

Die ehemalige Kaserne Vogelsang ist immer noch einen Besuch wert, aber das Gelände verliert zunehmend seine Gestalt. Früher fühlte es sich wirklich noch wie eine richtige Geisterstadt mitten in der Uckermark an. Inzwischen sind es nur noch ein paar vereinzelte Ruinen und Grundmauern. Und am Ende werden auch diese greifbaren Spuren der Vergangenheit verschwinden.

Ich finde es immer noch ein Jammer, dass man diese wirklich interessante historische Stätte nicht bewahrt hat, z.B. in Form eine Geschichtsparks. So was kann funktionieren, siehe das Beispiel der unterirdischen Stadt Projekt Riese bei unseren Nachbarn in Polen. Da ist das eine große Attraktion, die Besucher anzieht und Geld in strukturschwache Regionen bringt. Bei uns fehlt anscheinend die Vision für solche Ideen. Da macht man die Geschichte lieber platt und lässt Gras über die Sache wachsen. Wirklich schade…

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Wanderung zur Goebbels-Villa am Bogensee: Lost Place im Grünen https://der-eskapist.de/deutschland/goebbels-villa-am-bogensee-wanderung-lost-place/ https://der-eskapist.de/deutschland/goebbels-villa-am-bogensee-wanderung-lost-place/#respond Fri, 18 Apr 2025 18:15:49 +0000 https://der-eskapist.de/?p=25254 In diesem Artikel: Die hügelreichen Wälder des Naturparks Barnim sind eines der besten Ausflugs- und Wanderziele im näheren Umfeld von Berlin. Man kommt gut mit dem Zug hin, die Fahrt ist kurz und spätestens hinter Basdorf verschwinden die letzten Spuren der Großstadt. Ab jetzt kommen nur noch Wälder, Felder und Seen, hier regiert die Natur! […]

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In diesem Artikel:

Die hügelreichen Wälder des Naturparks Barnim sind eines der besten Ausflugs- und Wanderziele im näheren Umfeld von Berlin. Man kommt gut mit dem Zug hin, die Fahrt ist kurz und spätestens hinter Basdorf verschwinden die letzten Spuren der Großstadt. Ab jetzt kommen nur noch Wälder, Felder und Seen, hier regiert die Natur!

Daneben gibt es hier aber auch einen interessanten Lost Place, den ich mir schon länger mal anschauen wollte: Den Waldhof des Reichspropaganda-Ministers Joseph Goebbels am Bogensee. Bis zum Endkampf um Berlin im Frühjahr 1945 verbrachte der große Manipulator der Nazis immer wieder längere Zeit in der Abgeschiedenheit der Barnimer Wälder, empfing Künstler und Journalisten, las, schrieb und arbeitete. Auch seine berüchtigte Rede vom „Totalen Krieg“ entstand genau hier.

Das Anwesen steht seit langem leer, ist aber noch relativ gut erhalten. Vom nächsten Bahnhof Wandlitzsee sind es etwa 2 Stunden zu Fuß, die Wanderung durch die hügelige Waldlandschaft ist sehr reizvoll. Unterwegs kommen wir an einigen schönen Seen vorbei und Einkehrmöglichkeiten gibt es auch noch.

Ein Super-Tagesausflug für Berliner also! Im Folgenden möchte ich die Wanderung kurz mal vorstellen.

Wanderer sitzt am Bogensee.

Auf einen Blick:

  • 🌲Landschaftlich reizvolle Wanderung durch die Wälder des Naturparks Barnim
  • 📏Länge: ca. 16 km
  • ⏳Dauer: ca. 5-6 Stunden
  • 🔺Schwierigkeit: leicht
  • 🔥Abenteuerfaktor: mittel
  • 🏊‍♂️Mehrere Seen mit Bademöglichkeit
  • 🍽Einkehrmöglichkeit in Ützdorf etwa zur Hälfte der Tour
  • 🚄schnell mit dem Zug von Berlin aus erreichbar

Übersichtskarte und GPS-Track

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Wanderung zur Goebbels-Villa am Bogensee: Tourbeschreibung

Die Tour startet direkt am Bahnhof Wandlitzsee. Wir überqueren die Gleise, biegen dann rechts in die Ruhlsdorfer Straße und folgen nun für knapp 2 Kilometer der bekannten 66-Seen-Wanderung, die zunächst oberhalb von drei kleinen Seen verläuft, den „Heiligen Pfühlen“.

Erster Abschnitt bis zum Bogensee

Nach dem zweiten See lassen wir den Ort endgültig hinter uns. Wir laufen auf einem Waldweg über eine Holzbrücke zum Nordufer von Pfuhl Nummer 3, das wir aber kurz darauf wieder verlassen. Auf einem etwas breiteren Pfad geht es kurz nach Norden, hier nehmen wir dann die erste Abzweigung rechts und biegen auf einen kleinen Pfad ein.

Bank am Bogensee.
Bank am dritten der „Heiligen Pfühle“.

Der folgende Abschnitt durch die Hügel oberhalb des Regenbogensees ist sehr schön: Ein schmaler, urwüchsiger Weg, der sich in einigem Auf- und Ab durch die Wälder windet. Schließlich treffen wir wieder auf einen breiteren Weg. Hier zweigen wir nicht nach rechts zum Liepnitzsee ab, sondern halten uns links und wandern zu „Wunderlichs Moor“, ein großes Sumpfgebiet auf einer offenen Lichtung im Wald.


Ab hier geht es überwiegend auf etwas breiteren Schneisem durch den Wald nach Norden bis wir nach knapp 1,5 Kilometer die große Autostraße L29 kreuzen. Zum Glück aber nur kurz, danach sind es noch rund 2 Kilometer bis wir schließlich in Bogensee ankommen, das letzte Stück auf einer breiten Chaussee im Wald.

Am Waldhof von Goebbels in Bogensee

Die Goebbels-Villa liegt etwa 200 Meter nördlich des Bogensees neben einem Forstbetriebshof. Rechts neben der Einfahrt befindet sich ein kleiner Hügel, vermutlich ein ehemaliger Wachposten und/oder Bunker. Wenn man auf den Hügel hochklettert, kann man oben einige tiefe Spalten im Erdreich sehen.

Blick auf die Villa am Bogensee.
Einfahrt des Waldhofs am Bogensee.

Das Gelände rund um die Villa ist frei zugänglich und nicht abgezäunt. Das eher schmucklose Anwesen besteht aus einem Haupthaus und mehreren Nebengebäuden. Rechts neben dem Haupteingang steht eine (inzwischen kopflose) Skulptur von zwei sich umarmenden Liebenden. Vielleicht nicht ganz unpassend: Das Anwesen galt zur Nazi-Zeit als „Liebesnest“ von Goebbels, weil er sich hier zeitweise mit der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova ein Schäferstündchen in der romantischen Waldeinsamkeit gönnte.


Ins Gebäude kommt man nicht rein, es ist abgeschlossen. Auf der Rückseite kann man aber ganz gut durch die Fenster reinschauen. So wie ich es gesehen habe, steht das Gebäude komplett leer. Ebenfalls auf der Rückseite führen einige überwachsene Trampelpfade in den Wald zwischen Anwesen und Bogensee. Die verlieren sich aber schnell im Dickicht.

Rückweg nach Ützdorf und zum Liepnitzsee

Für den Rückweg machen wir zunächst einen Schlenker zum Südufer des Bogensees – der Ausblick über den See ist herrlich. Anschließend geht es 2 Kilometer auf schönen Waldwegen weiter, bis wir an dem kleinen Weiler Ützdorf rauskommen, eines dieser typischen Brandenburger Mini-Dörfer, die geschätzt aus ungefähr 20 Häusern bestehen.

Häuser in Ützdorf.
Ankunft in Ützdorf.

Wer bei Wanderungen in Brandenburg sein Butterbrot vergisst, muss häufig hungern – hier aber nicht. Direkt an der Märkischen Eiszeitstraße liegt nämlich das Hotel & Restaurant Jägerheim Ützdorf – der perfekte Ort für eine Pause ungefähr zur Halbzeit. Die Preise sind etwas höher als in meiner Pizzeria in Friedrichshain. Aber das Restaurant ist auch mitten im Nirgendwo und das Essen ist super. Insofern eine Top-Empfehlung!

Restaurant am Liepnitzsee.
Außenterrasse des Restaurants am Liepnitzsee.

Gut gestärkt folgen wir anschließend kurz der Straße und biegen auf dem Parkplatz rechts dann auf einen Naturweg ab, der uns ins kurzer Zeit zum Südufer des Liepnitzsees führt. Die folgenden 4 Kilometer sind noch einmal ein echtes Highlight: Der wunderschöne Naturweg führt immer direkt am See entlang, es gibt viele Badeoptionen und es ist auch garnicht mal so viel los.


Ungefähr auf der Mitte der Strecke kommen wir an der Liepnitzseefähre vorbei. Die Fähre zwischen Nord- und Südufer fährt ab etwa Mitte April und macht einen Zwischenstopp auf dem „Großen Werder“, der Insel in der Mitte des Sees. Dort bekommt man in der Insulaner-Klause Kaffee und Kuchen.

Fähre über den Liepnitzsee.
Hier fährt die Fähre über den Liepnitzsee – die Wanderung abkürzen kann man damit aber nicht.

Kurz hinter der markanten Sanddüne am Westufer des Sees, biegen wir rechts auf den etwas breiteren Liepnitzweg, der uns vom See weg zu den ersten Häusern von Wandlitz führt. Hier treffen wir auch auf ein Schild „1,5 Kilometer zum Bahnhof“. Das letzte Stück führt zwischen Feldern entlang vom kaum befahrenen Lanker Weg. Schließlich kommen wir wieder an den Gleisen raus, biegen rechts ab und sind 200 Meter später am Bahnhof Wandlitz.

Am Bahnhof Wandlitzsee.
Am Bahnhof Wandltizsee.

Anfahrt

Den Startpunkt der Wanderung am Bahnhof Wandlitzsee erreichst du von Berlin aus mit der RB 27, der sogenannten Heidekrautbahn (Fahrplan und Infos). Der Zug fährt stündlich ab Berlin-Karow. Die Fahrtzeit von Karow bis Wandlitzsee beträgt nur knapp 20 Minuten, die Anfahrt ist also schnell und unkompliziert.

Im Bahnhof befindet sich auch eine kleine Touristinformation, wo man Karten und Broschüren mit Wandervorschlägen bekommt. Außerdem gibt es ein Stück weiter runter am See eine großes italienisches Restaurant. Selbst wenn du den stündlichen Zug verpasst, ist das also nicht der Weltuntergang.

Strecke des Zugs RB 27.
Bild: Niederbarnimer Eisenbahn AG/NEB Betriebsgesellschaft mbH

Sonstige Tipps

Ab etwa Mai geht es in Brandenburg mit der Stechmückenplage los und die Biester sind durch die vielen Seen und stehenden Gewässer zahlreich und ziemlich hartnäckig. Bei Wanderungen in der warmen Jahreszeit empfiehlt sich daher immer, ein starkes Insektenschutzmittel mitzunehmen.

Die Wege sind häufig unmarkiert, da wir auf dieser Tour keinem bestimmten durchgängigen Wanderweg folgen. Zur Navigation empfehle ich daher entweder eine Karte oder eine Wander-App mit dem GPS-Track. Wenn du mit Handy navigierst, denke daran eine Powerbank mitzunehmen, damit dir unterwegs nicht der Saft ausgeht.

Ich verwende bei Tagestouren gerne dieses leichte und kompakte Modell von Anker:

Mein Fazit

Ich hatte mir die Villa am Bogensee größer und imposanter vorgestellt, das Gebäude ist eigentlich recht unscheinbar. Wenn man die Geschichte dahinter bedenkt, ist es dennoch ein lohnendes Ziel. Highlight dieser Wanderung fand ich aber vor allem die tolle Natur und die schönen Wege an den Seen. Da das Ganze dann auch noch extrem gut von Berlin aus erreichbar ist, kann ich nur sagen: Absolute Empfehlung für einen Tagestrip!

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Berlin – Sächsische Schweiz mit dem Zug: So geht’s in 2 Stunden https://der-eskapist.de/deutschland/berlin-saechsische-schweiz-zug-fahrplan-infos-eurocity/ https://der-eskapist.de/deutschland/berlin-saechsische-schweiz-zug-fahrplan-infos-eurocity/#respond Tue, 21 Jan 2025 14:14:24 +0000 https://der-eskapist.de/?p=23624 In diesem Artikel: Berlin ist ja bekanntlich nicht gerade mit Gebirgen gesegnet. Brandenburg ist flaches Land, ein paar Hügel aus der letzten Eiszeit sind hier das höchste der Gefühle. Aber zum Glück gibt es da noch die vielbesungene Sächsische Schweiz, die vielleicht romantischste Landschaft Deutschlands: Das weltberühmte Elbsandsteingebirge. Das ist von Berlin aus gesehen nämlich […]

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In diesem Artikel:

Berlin ist ja bekanntlich nicht gerade mit Gebirgen gesegnet. Brandenburg ist flaches Land, ein paar Hügel aus der letzten Eiszeit sind hier das höchste der Gefühle. Aber zum Glück gibt es da noch die vielbesungene Sächsische Schweiz, die vielleicht romantischste Landschaft Deutschlands: Das weltberühmte Elbsandsteingebirge.

Das ist von Berlin aus gesehen nämlich näher als man denkt!

Knapp 180 Kilometer sind es von Berlin bis Bad Schandau, dem Kurstädtchen im Herzen des Nationalparks Sächsische Schweiz. Das Tolle dabei: Es gibt eine Direktverbindung mit dem Zug. Die Fahrt von Berlin Hauptbahnhof bis nach Bad Schandau dauert nur etwas mehr als zwei Stunden – und schon sind wir mitten in der mystischen Felsenwelt. Das ist nicht viel weiter als in die Uckermark zu gondeln, sogar Tagesausflüge sind damit problemlos möglich – schon ziemlich genial.

Gucken wir uns jetzt also mal an, wie das genau funktioniert!

Bei der Zugfahrt von Berlin nach Bad Schandau

Mit dem Eurocity-Zug von Berlin in die Sächsische Schweiz

Unser Mittel der Wahl, um von Berlin ohne Umwege in die Sächsische Schweiz zu gelangen sind die Eurocity-Züge des staatlichen tschechischen Eisenbahnunternehmens České dráhy. Die Bahngesellschaft bietet mit den Zügen EC 170 bis EC 179 eine tägliche Verbindung von Berlin bis Prag bzw. Budapest an. Letzter Halt vor der deutsch-tschechischen Grenze ist Bad Schandau.

Die Fahrt nach Bad Schandau geht über Dresden dauert und dauert etwa 2 Stunden 15 Minuten. Die Verbindung gibt es täglich, also von Montag bis Sonntag. Jeden Tag fahren ab 7:00 Uhr morgens insgesamt 6 Züge hin und 6 Züge zurück. Ein Umsteigen ist nicht erforderlich. Du setzt dich in Berlin in den Zug und kommst 2 Stunden später in der Sächsischen Schweiz an. Einfacher geht’s nicht.

Eurocity-Zug von Berlin in die Sächsische Schweiz

Alternative: Railjet 257 Vindobona

Eine weitere Möglichkeit ist der Railjet 257 „Vindobona“, der einmal täglich von Berlin bis nach Graz und abends als Nightjet 457 zurückfährt. Auch dieser Zug fährt durch Tschechien und macht dabei einen letzten Zwischenstopp auf deutschem Boden in Bad Schandau. Allerdings sind diese Züge teurer und die Fahrt dauert sogar länger. Der normale Eurocity ist meiner Meinung nach also die bessere Option.

Zugfahrplan 2025 des Eurocity von Berlin nach Bad Schandau als PDF-Download

Hier kannst du dir den Fahrplan 2025 für die EC-Züge und den Railjet als PDF-Datei herunterladen und auf deinem Handy speichern bzw. ausdrucken.

Fahrplan Eurocity Berlin Sächsische Schweiz PDF Download

Du findest die Verbindungen zudem auch im ganz normalen Zugfinder* der DB. Prüfe vor Fahrtantritt sicherheitshalber noch einmal, ob es Verspätungen gibt. Die Züge sind meiner Erfahrung nach aber pünktlich, Ausfälle hatte ich damit auch noch nicht.

Gilt das Deutschlandticket in den EC-Zügen?

Kommen wir mal zur Preisfrage: Gilt das beliebte Deutschlandticket auf dieser Verbindung? Schließlich fahren wir ja ausschließlich auf deutschem Boden. Kann ich mich also einfach in den Zug hocken und quasi gratis ins Elbsandsteingebirge fahren, so wie mit dem Harz Berlin Express?

Leider nein.

Denn die EC-Züge werden erstens nicht von der Deutschen Bahn betrieben und sie zählen zweitens nicht zum Regionalverkehr. Es sind Fernzüge, im Prinzip also nichts anderes als normale Intercity-Züge oder ICEs. Mit denen braucht man in Deutschland ja auch eine Fahrkarte und kann nicht nur mit dem Deutschlandticket fahren.

Dass das Deutschlandticket auf dieser Strecke nicht anerkannt wird, ist vielleicht der einzige Wehrmutstropfen an der ganzen Geschichte.  Ansonsten wäre ich wahrscheinlich auch jeden freien Tag im Elbsandsteingebirge…

Aber: Die Fahrt ist nicht besonders teuer und wenn du eine Bahncard* hast, ist es sogar noch preiswerter. Es kostet also kein Vermögen von Berlin in die Sächsische Schweiz zu fahren, das ist immer noch ein ziemlich günstiger Tagesausflug. Dazu jetzt ein paar Infos. 

Zugschild EC 171 nach Bad Schandau am Berliner Hauptbahnhof.

Wie teuer ist die Zugfahrt mit dem Eurocity in die Sächsische Schweiz

Der Preis für die Fahrkarten hängt, wie immer, davon ab, wann du das Ticket kaufst. Im günstigsten Fall beträgt der Preis ab 17,99 Euro für eine einfache Fahrt. So viel bezahlst du, wenn du am Montag ein Ticket für das nächste Wochenende kaufst. Ein paar Tage danach steigt der Preis auf 21,99 Euro, am Tag vorher auf 23,99 Euro. Am gleichen Tag kostet es dann sogar über 30 Euro.

Beachte zudem, dass die Verbindungen später am Tag etwas teurer sind als die ganz frühen. Teurer als 25 Euro für eine einfache Fahrt wird es aber nicht, wenn du rechtzeitig ein Ticket kaufst. Das ist auch der beste Tipp, den ich dir geben kann: Kauf das Ticket am besten immer eine Woche vorher. Benutzte dazu den Sparpreisfinder*, dort findest du den besten Preis. 

So sparst du Geld mit der Bahncard

Zweiter Tipp: Bahncard besorgen, wenn du die Verbindung regelmäßig nutzen willst. Du kannst auf dieser Strecke die Bahncard 25 nutzen und sparst bei jedem Ticketkauf 25% des Preises. Die Probe-Bahncard 25* kostet nur 20 Euro, das lohnt sich also sehr schnell.

Wir können das ja gerade mal durchrechnen:

Einfaches Ticket: 17,99 Euro – mit Bahncard-Vergünstigung 25 % weniger = 13,49 Euro, gespart: 4,50 Euro

Trip hin und zurück: 35, 98 Euro – mit Bahncard-Vergünstigung 25 % weniger = 26,98 Euro, gespart: 9 Euro

Für den kompletten Trip und zurück, sparst du mit der Bahncard 25 jeweils 9 Euro. Die Bahncard 25 kostet nur 20 Euro. Heißt: Du hast das nach 2 Ausflügen direkt wieder drin.

Man muss dazu sagen: Das Probeabo gilt nur für 3 Monate und wird danach in ein reguläres Bahncard-Abo für 62 Euro im Jahr umgewandelt. Aber selbst wenn du die Bahncard nur für 3 Monate nutzt und in dieser Zeit mehr als 2 Ausflüge mit dem Zug in die Sächsische Schweiz machst, lohnt es sich immer noch.

Großraumabteil des Eurocity Zugs von Berlin in die Sächsische Schweiz.

Meine Erfahrungen und Tipps für die Zugfahrt von Berlin ins Elbsandsteingebirge

Der Eurocity ist die Sorte gemütlicher Zug, die manche vielleicht noch von früher kennen. In den meisten Wagen gibt es kuschelige 6-er Abteile. Dort kommt man vielleicht sogar mit anderen Mitreisenden ins Gespräch – heute ja fast schon eine Ausnahme. Daneben gibt es aber auch ein paar Großraumwagen.

In den Abteilen gibt es keine Steckdosen zum Aufladen, in den Großraumwagen aber schon. Der Zug bietet zudem kostenfreies WLAN. Ein Bordrestaurant ist auch vorhanden, die Preise sind etwas günstiger als bei der Deutschen Bahn. Kartenzahlung wird akzeptiert.

Speisewagen des EC 171 von Berlin nach Bad Schandau.

Mit dem EC nach Dresden und mit dem Regionalzug in die Sächsische Schweiz

Du musst nicht zwangsweise mit dem EC nach Bad Schandau fahren. Je nachdem, wo du genau in der Sächsischen Schweiz hinwillst, kann es Sinn machen nur bis Dresden zu fahren und dort die S-Bahnlinie S 1 zu nehmen. Die S1 von Dresden fährt alle anderen Orte in der Sächsischen Schweiz an, z.B. Pirna, Rathen, Wehlen oder Schmilka und verkehrt etwa halbstündlich.

Auch für den Rückweg ist diese Option unter Umständen sinnvoll: Du musst dann nicht zwangsweise nach Bad Schandau zurück. Stattdessen buchst du die Rückfahrt nach Berlin mit dem EC von Dresden aus und fährst mit der S-Bahn aus der Sächsischen Schweiz dorthin. Damit sind z.B. Tageswanderungen möglich, bei denen du an einem anderen Ort als dem Startpunkt rauskommst.

Elbfähre vom Bahnhof Bad Schandau auf das rechte Elbufer.
Fähre über die Elbe am Bahnhof Bad Schandau. Die Stadt liegt am anderen Ufer.

Elbfähren beachten

Und noch ein Tipp: Die Bahnstationen in der Sächsischen Schweiz liegen allesamt auf der linken Elbseite, die Städte aber rechtselbisch. Wenn du auf die rechte Seite des Flusses willst, musst du also eine der Personenfähren nehmen, die sich in der Nähe der Bahnhöfe befinden. Die Fähren verkehren meist im viertelstündlichen Takt, in kleineren Orten (z.B. Schmilka) aber auch auf Zuruf – einfach dem Kapitän winken, er kommt dann rübergetuckert.

Hier findest du die Fahrpläne für die Elbfähren. Plane gerade bei der Rückfahrt nicht zu knapp mit der Zeit, am besten fährst du ca. 30 Minuten vor der Zugfahrt rüber. Ansonsten kann es eng werden, wenn du gerade eine Fähre verpasst hast, ich habe da schon einige bange Momente erlebt…

Ebenfalls erwähnenswert: Auf den Fähren kannst du dein Deutschlandticket verwenden, sofern du eines besitzt. Ansonsten kostet die Fahrt knapp 2 Euro. Die Fähre in Bad Schandau ist derzeit aber ohnehin kostenlos, da die Elbbrücke bis mindestens 2026 komplett gesperrt ist. Bad Schandau ist durch den Ausfall der Brücke im Moment quasi eine geteilte Stadt.

Ansicht vom Bahnhof Bad Schandau.

Ausflugstipps für die Sächsische Schweiz

Um alle Ausflugstipps für die Sächsische Schweiz aufzuzählen, bräuchte man eigentlich einen eigenen Blog. Daher hier nur ein paar Vorschläge, die sich gut als Tagestour machen lassen. Prinzipiell kannst du aber fast alle bekannten Orte gut an einem Tag besuchen und abends zurück nach Berlin fahren.

Finde günstige Unterkünfte in der Sächsischen Schweiz:

 

Basteibrücke

Blick auf die Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz.

Das vielleicht bekannteste Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz. Ziemlich überlaufen, aber zumindest einmal sollte man es gesehen haben. Zuerst nach Dresden, dann mit der S1 nach Rathen. Von hier in etwa einer halben Stunde zu Fuß bis zur Bastei. Anschließend evtl. über die Schwedenlöcher absteigen und zu den Honigsteinen wandern. Danach wieder nach Rathen – eine recht entspannte Halbtagestour (ca. 6 km).

Schrammsteine

Blick auf die Schrammsteine in der Sächsischen Schweiz.

Ein weiterer Klassiker und gut als Tageswanderung machbar. Von Bad Schandau zuerst nach Ostrau, dann auf der vierten Etappe des Malerwegs zu den Schrammsteinen. Wer noch Energie hat, kann anschließend dem Malerweg bis zu den Affensteinen folgen und dort ein bisschen auf der oberen Affensteinpromenade rumturnen (sehr lohnende Aussichten). Alternativ durch die „Wilde Hölle“ zum Carolafelsen kraxeln und über den Dingen schweben – auch gut. Anschließend weiter nach Schmilka und von dort zurück nach Dresden (ca. 15 km).

Lichtenhainer Wasserfall

Kirnitzschtalbahn in Bad Schandau.

Eine bekannte Touri-Attraktion und im Frühling/Sommer schön anzuschauen. Im Moment läuft er wegen Beschädigung nur zeitweise, im Frühjahr 2025 soll er wieder offiziell eingeweiht werden.  Vor allem die Fahrt mit der schnuckeligen historischen Kirnitzschtalbahn zum Wasserfall lohnt sich. Außerdem starten hier viele Wanderwege, z.B. zum Felsentor Kuhstall.

Drei-Steine-Wanderung

Tafelberge in der Sächsischen Schweiz.

Eine schöne Wanderung auf der linken Elbseite, bei der drei bekannte Tafelberge überschritten werden: Kleinhennersdorfer Stein, Papststein und Gohrisch. Start ist Bad Schandau, von hier aus sind es etwa 12 Kilometer bis zum nächsten Ort Königstein. Anschließend mit der S-Bahn zurück nach Dresden. Auf dem Papststein gibt es eine ganzjährig geöffnete Bergwirtschaft zum unterwegs einkehren.

Wie gesagt: Das sind nur ein paar Tipps für den Anfang. Es gibt in der Sächsischen Schweiz unzählige Möglichkeiten, das Netz ist voll mit Tipps. Gute Infos zu Wanderungen und Ausflügen findest du z.B. auf dem Elbsandsteinblog.

Mehrtägige Aufenthalte in der Sächsischen Schweiz

Natürlich kannst du auch mehrere Tage oder über das komplette Wochenende in der Sächsischen Schweiz bleiben. Das geht sehr gut, da jeden Tag Züge fahren. Ich habe das selbst schon ein paar Mal gemacht. Es lohnt sich vor allem für etwas entferntere Ziele, die nur schlecht als Tagesausflug erreichbar sind, z.B. die gesamte Region um den Großen Zschand in der hinteren Sächsischen Schweiz.

Zwei preiswerte Optionen zum Übernachten, die ich persönlich empfehlen kann, sind:

Zentrum Apartment

  • Bad Schandau
  • Direkt an der Kirnitzschtalbahn
  • Sauber + gute Ausstattung
  • Komplette Ferienwohnung

Pension grenzeck

  • Schmilka
  • Direkter Zugang zu Wanderwegen
  • Gute Ausstattung in der Küche
  • Ideal für 2 Personen

Mein Fazit

Als ich die Eurocity-Zugverbindung in die Sächsische Schweiz vor ein paar Jahren entdeckt habe, hat mich das ein bisschen damit versöhnt, dass es in Berlin keine richtigen Berge gibt. Denn einfach mal bequem mit dem Zug in 2 Stunden in eine der schönsten Naturlandschaften Deutschlands fahren zu können – das ist schon eine feine Sache. Bis zum Harz ist es auch nicht so weit. Berlin ist also doch gar nicht so schlecht für Wanderfreunde, auch wenn die Alpen weit weg sein mögen.

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Hast du noch Fragen oder Anmerkungen zum Eurocity nach Bad Schandau? Kennst du andere interessante Zugverbindungen in Berlin? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören!

Der Beitrag Berlin – Sächsische Schweiz mit dem Zug: So geht’s in 2 Stunden erschien zuerst auf Der Eskapist.

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Harz Berlin Express: Fahrplan 2026, Preise + Deutschlandticket https://der-eskapist.de/deutschland/harz-berlin-express-fahrplan-preise-deutschlandticket/ https://der-eskapist.de/deutschland/harz-berlin-express-fahrplan-preise-deutschlandticket/#comments Mon, 13 Jan 2025 21:55:02 +0000 https://der-eskapist.de/?p=23508 In diesem Artikel: Nach meiner ersten Fahrt mit dem Harz Berlin Express habe ich mich ein bisschen so gefühlt, als ob ich jetzt auch zu den coolen Berlinern gehöre, die Bescheid wissen. Es ist nicht so, dass die Strecke ein absoluter Geheimtipp ist. Aber für mich als Neuhinzugezogener war das 2017 eine ziemliche Überraschung: In […]

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In diesem Artikel:

Nach meiner ersten Fahrt mit dem Harz Berlin Express habe ich mich ein bisschen so gefühlt, als ob ich jetzt auch zu den coolen Berlinern gehöre, die Bescheid wissen. Es ist nicht so, dass die Strecke ein absoluter Geheimtipp ist. Aber für mich als Neuhinzugezogener war das 2017 eine ziemliche Überraschung: In knapp 3 Stunden ohne Umsteigen mit dem Zug von Berlin Alexanderplatz direkt in das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands.

Schon ein starker Szenenwechsel.

Wenn du mal ein bisschen frische Gebirgsluft schnappen willst und keine Lust mehr auf das Flachland Brandenburgs hast, ist der Harz Berlin Express daher eine Super-Option: Stressfrei, ohne Auto und ohne Umsteigen direkt von der hektischen Großstadt in die Natur. Inzwischen wird auch das Deutschlandticket auf der ganzen Strecke anerkannt. Damit ist sogar ein preiswerter Tagesausflug in den Harz von Berlin aus drin.

Schauen wir uns den Harz Berlin Express also mal genauer an!

Unterwegs im Harz Berlin Express nach Thale.

Was ist der Harz Berlin Express?

Der Harz Berlin Express (HBX) ist eine direkte Zugverbindung zwischen Berlin und dem Harz. Die Strecke führt von Berlin-Ostbahnhof über Magdeburg nach Halberstadt. Dort wird der Zug geteilt. Ein Teil fährt weiter nach Thale, der andere nach Goslar. Weitere Zwischenstopps sind beliebte Orte wie Wernigerode, Ilsenburg oder Quedlinburg.

Der Harz Berlin Express ist ein Ausflugszug. Er fährt das ganze Jahr über ausschließlich am Wochenende (Samstag + Sonntag) und zwar 2x täglich: Morgens um 7:00 Uhr hin und abends gegen 17:15 Uhr wieder zurück. Eine Ausnahme ist, wenn du vom Harz nach Berlin fahren willst. Hier gibt es auch eine HBX-Verbindung am Freitag-Nachmittag.

Fahrplan 2026 des Harz Berlin Express als PDF-Download

Hier kannst du dir den aktuellen Fahrplan 2026 für den Harz Berlin Express herunterladen:

Hinweis: Im Download findest du jeweils die Abfahrtzeiten von Berlin und Zeiten für die Rückfahrt aus dem Harz.

Betreiberwechsel 2025: HBX nicht mehr bei Abellio

Der Harz Berlin Express wird seit Dezember 2024 nicht mehr von dem Berliner Unternehmen Abellio betrieben. Abellio hat inzwischen zahlreiche Streckennetze an andere Eisenbahngesellschaften verkauft. Der Berlin Harz Express wird jetzt von Start Mitteldeutschland weitergeführt.

Das Schöne dabei: An der Strecke und am Fahrplan hat sich durch den Betreiberwechsel nichts geändert. Allerdings an den Kosten – und zwar zum Guten. Start Mitteldeutschland erkennt das beliebte Deutschlandticket* nämlich auf der gesamten Strecke an.

Innenansicht von Abteil des Harz Berlin Express.
Eine Fahrradmitnahme ist im HBX auch möglich, kostet aber 3 Euro extra.

Harz Berlin Express: Mit dem Deutschlandticket kostenlos fahren

Ja, richtig gelesen: Mit dem Deutschlandticket kannst du ohne weitere Kosten auf der gesamten Strecke von Berlin in den Harz fahren. Das ging früher nicht. Bislang gab es einen Abschnitt zwischen Berlin und Genthin, auf dem VBB-Tickets und der Deutschlandtarif nicht anerkannt wurden. Das hat sich jetzt geändert. Das Deutschlandticket gilt ohne weitere Einschränkungen auf der kompletten Strecke.

Finde preiswerte Unterkünfte in Wernigerode:

 

Kosten des Harz Berlin Express und so kaufst du Tickets

Falls du kein Deutschlandticket besitzt, sind das hier die regulären Kosten des Harz Berlin Express:

  • Einzelfahrschein: 20,00 €
  • Einzelfahrschein Hin- und Rück: 33,00 €
  • Familienfahrschein Hin- und Rück: 44,00 €

Wenn du einen Tages- oder Wochenendausflug von Berlin machst, ist auf jeden Fall die Anschaffung eines Hin- und Rückfahrscheins sinnvoll. Gleiches gilt für einen Familientrip, hier lohnt sich natürlich der Familienfahrschein.

Dabei ist zu beachten: Als Familie gelten 2 Erwachsene und deren Kinder bis 14 Jahre. Wenn du mit mehreren Freunden unterwegs bist, muss also jeder ein eigenes Ticket kaufen. So etwas wie das Brandenburgticket (1 Ticket für bis zu 5 Personen) gibt es im HBX leider nicht. Trotzdem finde ich den Preis für die knapp 200 Kilometer lange Strecke ziemlich fair.

Außenansicht vom HBX Harz Berlin Express.

Wenn du vorhast, regelmäßig mit dem Zug in den Harz zu fahren (und daran kann man sich schon gewöhnen), macht die Anschaffung des Deutschlandtickets auf jeden Fall Sinn.

Das „49-Euro-Ticket“ ist jetzt zwar teurer und kostet tatsächlich 58 Euro. Aber das hast du bereits nach 2 Fahrten mit dem HBX wieder drin – und mit dem Ticket steht dir natürlich der gesamte Nahverkehr in ganz Deutschland offen. Ich kann mir inzwischen ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen, ohne dieses Ticket zu leben.


Lies auch:

So kaufst du Tickets für den Harz Berlin Express

Ohne Deutschlandticket kaufst du die Fahrscheine am besten direkt im Zug. Dort gibt es einen Automaten. Alternativ kannst du die Fahrscheine auch beim Schaffner kaufen. Eine Kartenzahlung ist möglich.

Fahrkartenschalter im HBX.

Meine Erfahrungen + Tipps für die Fahrt mit dem Harz Berlin Express

Ich bin seit 2017 etliche Male mit dem HBX gefahren. Meistens hat das auch problemlos geklappt. Hier dennoch ein paar Tipps.

  • Checke unbedingt am Vorabend mit dem Online-Fahrplan* der DB nach aktuellen Störungen oder Änderungen der Strecke – mir ist es auch schon passiert, dass der HBX ausgefallen ist.
  • Wenn du den HBX am Nachmittag zurück nach Berlin verpasst – keine Sorge. Es fährt ca. 1 Stunde später auch noch eine Regionalbahn nach Magdeburg mit anschließender Verbindung nach Berlin.
Infotafel zum HBX am Bahnhof Berlin Alexanderplatz.
  • Was gelegentlich auch vorkommt: Die Strecke wird innerhalb Berlins umgeleitet. Bei meiner letzten Fahrt wurden beispielsweise alle Haltestellen innerhalb Berlins gestrichen. Die Fahrt startete am Bahnhof Wannsee. Auch das siehst du im Online-Fahrplan*.
  • Beachte die Zugteilung: Der vordere Wagen des HBX fährt ab Halberstadt nach Thale, der hintere nach Goslar. Wenn du den Wagen wechseln musst, machst du das am besten in Magdeburg bzw. spätestens in Halberstadt. Dort gibt es jeweils einen Aufenthalt von ca. 10 Minuten.
Bahnhof Halberstadt mit Schild.
In Halberstadt wird der Zug geteilt: Ein Wagen fährt nach Thale, der andere nach Goslar.
  • Die Sitzplätze sind jeweils mit UBS-Buchsen zum Aufladen von Smartphones ausgestattet. Toiletten gibt es im Zug ebenfalls, WLAN aber nicht. Ein Bordrestaurant auch nicht.
  • Die Fahrt ist relativ lang, etwas über 3 Stunden in eine Richtung. Ein gutes Buch, ein Kartenspiel etc. mitzunehmen, kann also nicht schaden.  

Tipp: Damit dir unterwegs im Harz nicht der Saft ausgeht, würde ich bei Ausflügen immer eine kleine Powerbank mitnehmen. Ich verwende dazu die kompakte Anker PowerCore 10000mAh.

Schon am Freitag mit dem HBX von Berlin in den Harz fahren – so geht’s

Wie oben erwähnt, fährt der HBX von Berlin aus nur am Samstag. Du kannst aber trotzdem am Freitag von Berlin in den Harz fahren – und zwar mit der Regionalbahn. Dazu nimmst du die folgenden Verbindungen:

  • RE1 von Berlin nach Magdeburg
  • RE11 von Magdeburg nach Halberstadt bzw. Weiterfahrt nach Thale HBF
  • Alternativ: Von Halberstadt Regionalzüge zu anderen Zielen im Harz

Die Verbindung nach Halberstadt bzw. Thale fährt von Berlin aus einmal die Stunde, die Fahrtzeit ist ungefähr gleich lang bzw. ein Stück länger, weil du einmal umsteigen musst (ca. 3 Stunden 40 Minuten). Der HBX fährt im Prinzip die gleiche Strecke nur ohne Umstieg.

Wenn du Freitag-Nachmittag startest, kommst du mit diesen Verbindungen trotzdem ganz gut in den Harz. Und es sind natürlich alles Regionalzüge. Heißt: Du kannst das Deutschlandticket nutzen und hast keine zusätzlichen Fahrtkosten.  

Persönliche Ausflugstipps für den Harz

Hier sämtliche Ausflugstipps für den Harz aufzuführen, würde den Rahmen des Artikels etwas sprengen. Es kommt auch ein bisschen darauf an, was du machen möchtest. Ich fahre dort beispielsweise hauptsächlich zum Wandern hin. Dazu an dieser Stelle noch ein paar Anmerkungen und Tipps.

Ilsetal im Harz mit Wasserfall.
Im romantischen Ilsetal auf dem Heinrich-Heine-Weg.

Beste Orte für Tageswanderungen mit Heimfahrt abends

Der HBX führt am nördlichen Rand des Harz vorbei. Daher bietet es sich bei Tageswanderungen an, in den Orten zu starten, die möglichst nahe an den Naturhighlights des Nordharz liegen, um Zeit zu sparen. Bei einem Tagesausflug hast du je nach Startpunkt ca. 6-7 Stunden Zeit.

Gute Ausgangspunkte für Wanderungen, bei denen du schnell in der Natur bist, sind:

  • Thale, z.B. Teufelsmauer-Stieg, Bodetal, Hexentanzplatz
  • Goslar, z.B. Weltkulturerbe Rammelsberg, Steinbergalm, Granetalstperre
  • Ilsenburg, z.B. Heinrich-Heine-Weg im Ilsetal
Blick ins Bodetal im Harz.
Das beeindruckende Bodetal ist auch im Winter ein toller Anblick und optimal mit dem HBX erreichbar.

Bodetal

Das spektakuläre Bodetal bei Thale gilt als die größte Felsenschlucht nördlich der Alpen und ist sehr gut als Tagesausflug von Berlin machbar. Start ist in Thale, von hier geht es ca. 10 Kilometer durch die Schlucht bis nach Tresenburg. Von dort dann zurück mit dem Bus nach Thale. Beachte, dass die Schlucht im Winter gesperrt ist.

Auf den Brocken wandern

Blick zum Brocken im Harz.

An einem Tag auf den 1.141 Meter hohen Brocken und wieder zurück zu wandern ist bei Anfahrt mit dem Zug kaum möglich bzw. wenn, dann für gut trainierte Trailrunner (ca. 12 km, 900 hm, einfache Strecke bei Start in Ilsenburg). Was als Tagesausflug geht: Von Wernigerode mit der Harzquerbahn nach Drei Annen Hohe, dort weiter mit der Brockenbahn auf den höchsten Gipfel des Harz (Deutschlandticket nicht gültig).

Schau dir hier meine outdoortaugliche Fotoausrüstung an:

Wochenendtrips

Wenn du ein komplettes Wochenende im Harz bleibst, z.B. Freitag abends anreist und Sonntag zurückfährst, hast du natürlich viel mehr Möglichkeiten und kannst auch weiter entfernte Ziele im mittleren oder südlichen Harz besuchen.

Das hübsche Dörfchen Neuwerk ist ein tolles Ziel für ein Wochenende im Harz.

Ein gute Möglichkeit ist z.B. sich für 2 Nächte (oder vielleicht auch mehr…) eine Ferienwohnung oder ein kleines Apartement im Grünen zu mieten und von dort Ausflüge zu machen. Notiz an mich selbst: Sollte ich eigentlich auch mal wieder machen. Persönlich empfehlen kann ich die folgenden Unterkünfte:

Ferienhaus simone

  • Neuwerk
  • Tolle Lage für Wanderungen
  • Sauber + gute Ausstattung
  • Komplette Ferienwohnung

Villa Waidhof

  • Schierke
  • In unmittelbarer Nähe vom Brocken
  • Mit eigener Sauna
  • Gemütliches Apartement für 2

Böhms Ferienwohnungen

  • Friedrichsbrunn
  • Kostenlose Parkmöglichkeit
  • Direkt über kleinem Laden
  • Ferienwohnung mit Kamin
Rappbodetalsperre mit der berühmten Hängebrücke – ein schönes Ziel für eine Wanderung in der Nähe von Neuwerk.

Mein Fazit zum HBX

Es wird ja inzwischen viel und gerne über die Deutsche Bahn gelästert, teilweise auch zu Recht. Aber nicht alles ist schlecht. Und dazu zählt definitiv der Harz Berlin Express. Vor allem in Kombination mit dem Deutschlandticket ist das eine geniale Verbindung und eine Top-Empfehlung für Wochenend-Ausflüge von Berlin aus. Wenn man jetzt noch mit dem Deutschlandticket in die Sächsische Schweiz käme… Aber man darf ja noch träumen.

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Watzmann-Umrundung: In 4 Tagen durch den Nationalpark Berchtesgaden https://der-eskapist.de/deutschland/watzmann-umrundung-geniale-mehrtagestour-in-berchtesgaden/ https://der-eskapist.de/deutschland/watzmann-umrundung-geniale-mehrtagestour-in-berchtesgaden/#comments Wed, 03 Jul 2024 23:13:57 +0000 https://der-eskapist.de/?p=7410 In diesem Artikel: Vor langer Zeit lebte ein böser König namens Watzmann, dessen einzige Freude die Jagd war und der sein Volk immerzu quälte. Eines Tages kam er mit seiner wilden Meute zu einer friedlichen Hütte im Wald, vor der eine Hirtin mit ihrem Kind saß. Seine Hunde stürzten sich auf das Kind, zerfleischten die […]

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In diesem Artikel:

Vor langer Zeit lebte ein böser König namens Watzmann, dessen einzige Freude die Jagd war und der sein Volk immerzu quälte. Eines Tages kam er mit seiner wilden Meute zu einer friedlichen Hütte im Wald, vor der eine Hirtin mit ihrem Kind saß. Seine Hunde stürzten sich auf das Kind, zerfleischten die Frau und zuletzt den Hirten. Sterbend verfluchte dieser den König Watzmann, der sich daraufhin in Stein verwandelte.

So erzählt es die Sage. Und so thront er noch heute über dem Berchtesgadener Land: Der legendäre Watzmann – ein Mythos, einer der berühmtesten Berge Deutschlands und der höchste Gipfel, der vollständig auf deutschem Staatsgebiet liegt. Mit seinen zwei gewaltigen Felszacken erhebt das sich Massiv an der Mittelspitze bis auf 2.713 Meter über dem Städtchen Schönau am Königssee. Ein Sehnsuchtsziel – jeder der die Berge liebt, landet früher oder später in Berchtesgaden.

Die Parade-Tour am Watzmann ist für viele die berühmt-berüchtigte Watzmann-Überschreitung – die komplette Überquerung aller drei Watzmann-Gipfel auf einem alpinen, ausgesetzten Gebirgssteig. Aber was tun, wenn man keine Lust darauf hat, in luftigen Höhen über steile Felsgrate zu turnen?

Ganz einfach: Die Watzmann-Umrundung.

In 4 Tagen von Hütte zu Hütte rund um den Watzmann

Die mehrtägige Watzmann-Tour ist die sanftere Möglichkeit, sich dem König von Berchtesgaden anzunähern. Die Wanderung hat teilweise immer noch alpinen Charakter, aber die Wege sind nicht ganz so kompromisslos. Frei nach dem Motto „Einmal rundherum, statt mitten durch“ führt die Tour in 4 Tagen von Hütte zu Hütte durch den einzigen Hochgebirgs-Nationalpark Deutschlands und umrundet dabei das gesamte Watzmann-Massiv.

Die Watzmann-Umrundung wird häufig als die schönste Hüttentour in den deutschen Alpen bezeichnet. Was vermutlich an der wahnsinnigen Vielfalt liegt. Jeder Tag bietet neue Einblicke in die prächtige Bergwelt Berchtesgadens: Der türkisblau schimmernde Königssee, das berühmte Watzmannhaus am Fuß des Hochecks, tiefe Wälder und stille Winkel im gletschergeformten Wimbachtal, felsige Gebirgssteige, die zur eindrucksvollen Karstebene des Steinernen Meers an der Grenze zu Österreich führen.

Es ist, alles in allem, eine absolute Traumtour. Ich hatte zunächst ein bisschen Bedenken, dass die Watzmann-Umrundung nur eine Art Verlegenheitslösung für alle ist, die sich die Überschreitung nicht zutrauen. Stimmt aber überhaupt nicht: Diese Wanderung ist von vorne bis hinten der reinste Genuss und für Bergfreunde definitiv keine „zweite Wahl“. Und man braucht nicht mal besonders viel Zeit dafür.

Schauen wir uns das also mal genauer an!


Auf einen Blick

  • Landschaftlich abwechslungsreiche Hüttentour auf spannenden Wegen rund um das Watzmann-Massiv im Nationalpark Berchtesgaden
  • Länge: ca. 47 km
  • Höhenmeter: + 3.150, – 3.190 hm
  • Dauer: 4 Tage (kann auch auf 3 Tage abgekürzt werden)
  • Schwierigkeit: mittel, auch für Einsteiger mit etwas Erfahrung geeignet
  • Abenteuerfaktor: mittel
  • Übernachtung in Berghütten des Alpenvereins, kein Zelten oder Wildcamping
  • Anfahrt unkompliziert mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich

Nationalpark Berchtesgaden: Wanderführer und Wanderkarte

Meine Empfehlung: Plenk´s Spezialführer – Berchtesgadener Alpen

Der exzellente Wanderführer für die Berchtesgadener Alpen* ist das wohl beste Buch für Wanderer in der Region. Ich habe ihn mir direkt vor Ort besorgt und kann ihn wärmstens empfehlen. Das Büchlein erscheint in einem kleinen Berchtesgadener Verlag. Man merkt, dass es wirklich von Ortskundigen geschrieben wurde. Hier gibt’s Tipps, die du anderswo nirgends findet.

Der Wanderführer enthält 75 ausführlich beschriebene Touren mit vielen Fotos. Neben den allseits bekannten Klassikern finden sich auch zahlreiche versteckte Wege, die wohl nur Einheimischen bekannt sind und einige Spaziergänge, die Einblicke in die Geschichte des Berchtesgadener Lands bieten.

Fü die Watzmann-Umrundung besorgst du dir am besten zusätzlich die topografische Wanderkarte Nationalpark Berchtesgaden im Maßstab 1:25.000* des Deutschen Alpenvereins. Die Karte enthält sämtliche Wege und deckt das gesamte Tourengebiet ab. Die DAV-Karten sind generell sehr detailliert und eine gute Wahl für den deutschsprachigen Ostalpen-Raum.

Tipp: Falls du lieber mit Smartphone navigierst: Die beliebte Outdoor-App Outdooractive enthält ebenfalls die Wege und bekannten Trekking-Routen in den Berchtesgadener Alpen. Durchaus einen Blick wert, wenn du regelmäßig Navi-Apps verwendest!

Ebenfalls empfehlenswert:

Watzmann-Umrundung: Übersicht der Mehrtagestour

Die Watzmann-Umrundung startet im beliebten Touristenort Schönau am magisch schönen Königssee, der aber auch ein ziemlicher Touri-Hotspot ist. Es wird aber schnell ruhiger, sobald wir in die dichten Bergwälder Berchtesgadens eintauchen und vorbei an hübschen kleinen Almen auf einem gut ausgebauten Wanderweg bis zum Watzmannhaus auf 1.930 Metern laufen, eine der bekanntesten Berghütten Deutschlands.

Nach einem entspannten Abend auf der Terrasse steht am nächsten Morgen optional der Aufstieg zum niedrigsten Gipfel des Massivs an, dem Watzmann-Hocheck (2.651 m). Nach dem beeindruckenden Panoramablick in luftiger Höhe geht es wieder runter zur Hütte und weiter zum Wimbachgries, ein atemberaubendes Gletschertal zwischen den mächtigen Schuttströmen von Watzmann und Hochkalter.

Tag 3 führt auf einem spannenden Felsensteig über den Trischübel-Pass bis zum Hundstodsgatterl, das die Grenze zwischen Deutschland und Österreich markiert. In dieser einsamen Hochgebirgslandschaft südlich des Watzmann erstreckt sich das Steinerne Meer, eine riesige Karsthochebene, die in ihren bizarren Formen an die versteinerten Wellen eines Meers erinnert. Tagesziel ist das Kärlingerhaus am malerischen Funtensee, dem kältesten Ort Deutschlands.

Die letzte Etappe der Watzmann-Umrundung führt durch die steile Schlucht der „Saugasse“ zurück an den Königssee. Nachdem wir den 80 Meter hohen Schrainbachfall passiert haben, gelangen wir an das Ufer des malerischen Gebirgssees. Einige Kilometer weiter liegt St. Bartholomä direkt vor der imposanten Watzmann-Ostwand, der höchsten Wand der Ostalpen. Mit einem Ausflugsboot geht es dann entspannt zurück nach Schönau, wo die Tour endet.

Karte und GPS-Track

Schau dir auf der interaktiven Karte den Verlauf der Watzmann-Umrundung an und lade dir den GPS-Track herunter.

Watzmann-Umrundung

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

GPX-Download

👉Anleitung zum Öffnen von GPX-Tracks

Watzmann-Umrundung: Etappen und Erfahrungsbericht

Im Folgenden einige Eindrücke in Wort und Bild von den 4 Etappen der Watzmann-Tour, damit du dir einen besseren Eindruck machen kannst. Weiter unten folgen dann die praktischen Tipps für deine eigene Planung.

Watzmann-Umrundung Etappe 1

Route: Schönau am Königssee (605 m) – Kührointhütte (1420 m) – Falzalm (1845 m) – Watzmannhaus (1930 m)

  • Länge: 9 km
  • Höhenmeter: + 1323, – 13
  • Gehzeit: ca. 5 Stunden
  • Schwierigkeit nach SAC: T2

Los geht’s etwas unspektakulär in Schönau am Königssee. Nach einer kurzen Erfrischung in dem nett gelegenen Restaurant Echostüberl laufen wir auf Asphalt an der Bob- und Rodelbahn vorbei und biegen nach ein paar hundert Metern auf einen steilen Waldweg. Den Einstieg zum Grünstein-Klettersteig lassen wir liegen und laufen stattdessen immer weiter nach oben.

Grünstein-Klettersteig im Nationalpark Berchtesgaden.

Das Ganze ist etwas ermüdend und der Weg bietet auch keine großartigen Aussichten. Das ändert sich erst, als wir uns dem Sommerbichel (1293 m) nähern und sich der Wald etwas lichtet. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit bis zur Kührointhütte. Die Hütte ist in eine malerische Almlandschaft wie aus dem Bilderbuch eingebettet und ist der perfekte Ort, um auf der Terrasse eine Rast einzulegen und dem Bimmeln der Kuhglocken zu lauschen.


Anschließend geht es über den Falzsteig weiter, einen wunderschön angelegten felsigen Natursteig, der sich langsam aber stetig in Richtung Watzmann-Massiv emporschraubt. In dem dichten Wald begegnete uns der erste Steinbock der Tour (oder ist es eine Gämse?) und schaute uns mit großen Augen neugierig an. Erst als wir uns auf weniger als 3 Meter näherten, räumte er freiwillig das Feld.

Steinbock bei der Watzmann-Umrundung.

Je weiter wir aufsteigen, desto steiler wird der Weg. Ein paar kleinere Kraxelpassagen sind zu überwinden, es bleibt aber alles im grünen Bereich. Als ich genau hinschaue, erkenne ich zwischen den Bäumen weit über mir das winzig kleine Watzmannhaus, das sich an den Gebirgskamm vor dem Hocheck klammert. Ein großartiges Bild!

Blick auf das Watzmannhaus.

An der Falzalm gibt es ein paar Bänke auf denen wir uns kurz ausruhen, den Blick ins Tal genießen. Danach geht es zum letzten Teil der Etappe. Der Aufstieg zum Watzmannhaus ist an einigen Stellen mit Drahtseilen versichert, aber kein Problem. Fast ganz oben angekommen müssen wir uns an einem Altschneefeld vorbeiquetschen, das den Weg blockiert. Im Spätsommer ist es wahrscheinlich abgeschmolzen.


Das Watzmannhaus ist relativ trubelig, was aber auch irgendwie zu erwarten war. Es ist eben schnell vom Tal aus erreichbar. Echte Hüttenromantik ist hier eher Fehlanzeige. Mich erinnert es eher an ein Sporthotel. Was man aber sagen muss: Es ist alles super organisiert, das Einchecken läuft wie am Schnürchen. Essen gibt es von 18:00 bis 19:30 und nur à la carte. Trinkwasser ist nur an der Theke erhältlich.

Watzmann-Umrundung Etappe 2

Route: Watzmannhaus (1930 m) – Hocheck (2651 m) – Falzalm (1845 m) – Stubenalm (1145 m) – Wimbachklamm (637 m) – Wimbachschloss (937 m) – Wimbachgries-Hütte (1327 m)

  • Länge: 18,9 km
  • Höhenmeter: + 1290, – 1882
  • Gehzeit: ca. 9 Stunden, ohne Aufstieg zum Hocheck  (665 hm) ca. 6 Stunden
  • Schwierigkeit nach SAC: T3 (Aufstieg zum Hocheck, sonst T2)

Heute steht zuerst ein kurzer Morgenspaziergang mit Tagesrucksack zum Watzmann-Hocheck an, bevor es mit vollem Gepäck weitergeht. Natürlich kann man das Hocheck auch auslassen und direkt weiterlaufen. Ich will mir den kleinsten Gipfel des Massivs aber nicht entgehen lassen und fand auch, dass es sich gelohnt hat. Plane ungefähr 4 Stunden hin- und zurück dafür ein. Das Gepäck lässt du währenddessen einfach im Trockenraum vom Watzmannhaus.

Der Aufstieg zum Watzmann-Hocheck.

Auch wenn ich eben Spaziergang geschrieben hab –  die Tour ist eine Bergwanderung in recht steilem und felsigen Gelände. Im Prinzip ist der Weg aber unkompliziert und gut markiert. Etwa auf 2/3 des Wegs überwinden wir eine etwa 10 Meter hohe Steilstufe, die aber mit Drahtseilen entschärft ist. Am Ende folgt noch eine kurze Kraxelei über Felsplatten bis wir am Gipfelkreuz stehen und mit einem umwerfenden 360°-Ausblick über das Berchtesgadener Land belohnt werden.


Hinter dem Hocheck geht es an einem kleinen Unterstand aus Holz zur eigentlichen Watzmann-Überschreitung. Den Einstieg über eine stark ausgesetzte, abschüssige Felsplatte ein paar hundert Meter über dem Erdboden finde ich schon etwas gruselig. Eigentlich aber nicht schlecht: So weiß man genau, was auf einen zukommt und kommt erst gar nicht auf blöde Ideen. Naja.. vielleicht ein anderes Mal. Der Berg läuft ja nicht weg.

Der Einstieg der Watzmann-Überschreitung.

Nach dem erneuten Abstieg zum Watzmannhaus geht es direkt weiter und zwar auf dem gleichen Weg wie gestern zurück zur Falzalm. Hier angekommen halten wir uns aber links auf dem Weg 441, der an der Mitterkaseralm bis zur Stubenalm führt. Die Landschaft ist größtenteils offen und bietet schöne Ausblicke über dichte Wälder, Almwiesen und die Berggipfel nördlich des Königsees.


Danach führt die Route bis zur Wimbachklamm auf einem steil abfallenden, ziemlich unerfreulichen Forstweg mit viel Schotter durch dichten Wald. Der Weg ist relativ rutschig, mit den Wanderstöcken ist es aber gerade so erträglich. Ein paar andere Wanderer, die wir später treffen, haben ungefähr den gleichen Eindruck: Macht keinen Spaß, aber muss man durch.

Brücke in der Wimbachklamm.

Danach wird es entspannter: Wir überqueren die Brücke über die Wimbachklamm und laufen stetig bergan durch das weitläufige, mit lichten Kiefernwäldern bewaldete Wimbachgries. Zur linken Seite die graue Eminenz des Watzmanns, rechts der steil aufragende Hochkalter und seine Nebengipfel, dazwischen riesige Schotterflächen, die von den umliegenden Bergen herabgetragen werden.

Wandern im Wimbachgries.

Ich hatte vorher eigentlich fast nur negatives über das Wimbachgries gelesen. Meist von Watzmann-Aspiranten, die sich über den „langen Hatscher“ durch das Tal nach erfolgreicher Überschreitung beschwerten. Vielleicht sieht man das als Bergsteiger anders, aber mir gefällt das Gebirgstal mit seinen gewaltigen Ausmaßen. Klar – das ist nicht der Gokyo-Tal im Himalaya. Aber man sieht trotzdem sehr schön, mit welcher Urkraft die Berge die Landschaft verformen.


Das Wimbachschloss (schließt um 18:00 Uhr) ist noch einmal ein guter Punkt, den wir für eine kurze Rast nutzen, auch wenn es jetzt nicht mehr weit bis zum Tagesziel ist. Hinter der Gaststätte wird es deutlich ruhiger, da die meisten Leute nur bis hierher und dann wieder zurück zur Wimbachklamm laufen. Die Einzigen, die uns begegnen, ist eine Gruppe von Hobby-Bergsteigern, die gerade die Watzmannüberschreitung hinter sich haben und erhobenen Hauptes mit sichtlichem Stolz ins Tal zurück spazieren.

Ankunft in der Wimbachgrieshütte.

Die Wimbachgrieshütte auf 1327 Metern ist ein echtes Highlight. Klein, urig und mit einem wunderbaren Ausblick auf die Bergkette, die die Grenze zu Österreich markiert. Die Küche hat bis 19:30 geöffnet, Menü wieder à la carte. Zum Glück haben wir noch einen Platz bekommen. Ein Mädel hat nicht reserviert und wird abgewiesen. Zum Glück hat sie einen Schlafsack dabei und sucht sich daraufhin mit ihrem Schlafsack ein Plätzchen im Wald.

Watzmann-Umrundung Etappe 3

Route: Wimbachgries-Hütte (1327 m) – Trischübel (1774 m) – Hundstodgatterl 2188 m– Ingolstädterhaus (2119 m, optional) – Kärlingerhaus am Funtensee (1638 m)

  • Länge: 13,7 km
  • Höhenmeter: + 1171, – 865
  • Gehzeit: ca. 6 Stunden, mit Abstecher zum Ingolstädter Haus (1,6 km, 112 hm) ca. 8 Stunden
  • Schwierigkeit nach SAC: T3

Die dritte Etappe ist mein persönliches Highlight. Heute kommt echtes Hochgebirgsfeeling auf, das man so in Deutschland nicht vermuten würde – eine lange, einsame Wanderung auf schmalen Pfaden mit einzigartigen Landschaftseindrücken und deutlich weniger Leuten auf den Wegen. Was vermutlich auch daran liegt, dass das hintere Wimbachgries einfach nicht so gut für Tagesgäste erreichbar ist und man mindestens einen halben Tag hierherlaufen muss.

Blick in das hintere Wimbachgries von Osten.

Hinter der Wimbachgrieshütte steigt der Weg direkt durch den Bergwald an und führt in vielen Kehren zum Banngraben, der den östlichen Talabschluss markiert. In teils gewagter Wegführung direkt entlang der Steilwand führt die Route weiter hoch zur verfallenen Trischübelalm. Entgegen der Markierung auf der Karte finden wir hier kein Gebäude, nur eine ziemlich zugewachsene Fläche, auf der sich früher vielleicht einmal ein Feld befand.


Dahinter folgen einige Kraxelstellen bis zur Hundstodgrube. Das kesselförmige Hochtal zu Füßen des Großen Hundstod (2594 m) hat seinen Namen nicht ohne Grund: Hier stürzten sich der Sage nach die Hunde des Königs Watzmann in den Tod, als dieser verflucht und zu Stein verwandelt wurde. Die Route führt recht steil durch felsiges Gelände – eigentlich ist es kein richtiger Weg – sie ist aber gut markiert und nicht übermäßig ausgesetzt.

Aufstieg zum Hundstodgatterl.

Bis zum Hundstodgatterl auf 2188 Metern ist es noch ein gutes Stück weiter (ca. 1 Stunde) – wir sind aber auch ziemlich langsam, da hier oben Mitte Juni fast alles noch tief verschneit ist. Die Schneefelder sind aber harmlos und nicht besonders steil. Außerdem sind anscheinend trotzdem genügend Leute unterwegs und wir können einfach den gespurten Wegen unserer Vorgänger folgen.


Am Hundstodgatterl angekommen bietet sich der erste richtige Weitblick ins Steinerne Meer. Eine faszinierende Karstlandschaft, die mit ihren zerfurchten, wellenförmigen Bergkämmen tatsächlich an die versteinerten Wogen eines riesigen Meeres erinnert. Das nutzen wir dann auch erstmal für eine ausgedehnte Kaffeepause mit Traumblick in der ersten Reihe.

Ausblick über das Steinerne Meer.

Als ich vom Pass aus nach rechts oben schaue, sehe ich weit vor mir das Ingolstädter Haus oberhalb des Talkessels. Es liegt nicht direkt am Weg, aber wir entscheiden uns trotzdem hinzulaufen. Der Weg dahin dauert etwa 40 Minuten (einfach). Ich würde den kurzen Abstecher auf jeden Fall empfehlen, allein die Sonnenterrasse in einmaliger Lage lohnt den Umweg.

Theoretisch könnten wir danach noch tiefer in Steinerne Meer eindringen und eine sehr große Schleife in Richtung Riemann-Haus laufen (+ ca. 3 Stunden). Am Ende sparen wir uns das aber und laufen einfach wieder zurück zur Wegkreuzung am Hundstod.


Das folgende Wegstück führt in stetem Auf und Ab am nördlichen Rand des Steinernen Meers vorbei. Eine herrliche Wanderung – keine Menschenseele weit und breit, nur ein paar Murmeltiere, die pfeifend zwischen den Felsen umherhuschen. Weit am Horizont entfernt taucht manchmal eine verlassene Alm auf. Ich fühle mich fast schon ein bisschen wie im einsamen Val Grande in den Bergen des Piemont – der Königsee mit seinen Ausflugsbooten und Touristen ist hier wirklich sehr weit weg.

Verlassene Alm bei der Watzmann-Umrundung.

Zum Schluss wird es dann wieder etwas grüner. Noch ein paar bewaldete Täler und wir erreichen das Kärlingerhaus in einem weitläufigen sanft abfallenden Talkessel am Funtensee.

Blick auf das Kärlingerhaus.

Der See gilt als kältester Ort Deutschlands, da er in einem Kessel liegt in den die kalte Luft sickert. 2001 wurden hier – 46 ° C gemessen! Ich finde es abends auch recht frisch. Zum Baden kann ich mich dann doch nicht durchringen. Im Haus selbst herrscht mal wieder eine ziemliche Party-Stimmung, die mir nach der Bergeinsamkeit des Tages nicht so ganz gefällt. Ich suche mir stattdessen draußen einen Platz auf der Terrasse mit Liegestühlen und genieße den Traumblick auf den Funtensee.

Watzmann-Umrundung Etappe 4

Route: Kärlingerhaus (1638 m) – Saugasse (980 m) – St. Bartholomä (602 m) – Schönau am Königssee (605 m)

  • Länge: 10, 3 km (bis St. Bartholomä)
  • Höhenmeter: + 261, – 1292
  • Gehzeit: ca. 4,5 Stunden bis St. Bartholomä
  • Schwierigkeit nach SAC: T2

Und schon ist es Zeit, König Watzmann Lebewohl zu sagen. Der heutige Tag ist recht kurz da nur noch der Abstieg zum Königssee und die anschließende Bootsfahrt zurück nach Schönau ansteht. So ganz sind wir aber noch nicht bereit für die Stadt und wir überlegen, ob wir die Tour zumindest um ein paar Stunden verlängern. Es gibt da schon ein paar Möglichkeiten.

Vom Kärlingerhaus geht es zunächst leicht aufsteigend auf einen Bergweg zwischen Schneiber und Simertsberg. Ungefähr auf der Höhe der alten Grüberl-Diensthütte erreichen wir den höchste Punkt auf 1670 Metern – ab dann geht es nur noch ganz entspannt herunter. Unterwegs bieten sich einige tolle Ausblicke auf die Hachelköpfe im Süden.

Wandern auf der Watzmann-Umrundung.

Über die steile Schlucht der berüchtigten Saugasse hatte ich im Vorfeld viel gelesen. Tatsächlich ist es halb so wild – zumindest wenn man runterläuft. Der tief in die Berge geschnittene Rinne sieht von oben zwar wahnsinnig steil aus und überwindet auf nur 600 Metern Strecke etwa 300 Höhenmeter. Aber der Weg windet sich in so vielen Serpentinen herunter (32 laut Wikipedia), dass man ganz gemütlich runterspazieren kann.

Die Saugasse von Süden.

Unten angekommen geht es durch ein bezauberndes Wäldchen an der aufgegebenen Schrainbachalm vorbei weiter. Teilweise verläuft der Weg auch direkt am Bach entlang – perfekt um sich kurz die Füße abzukühlen. Zwischen den Bäumen sehen wir jetzt auch schon das türkisblaue Wasser des Königssees unter uns funkeln.


Vorher steht mit dem imposanten Schrainbachwasserfall aber noch einmal ein echte Highlight an. Der Bach stürzt sich an dieser Stelle fast 80 Meter senkrecht in die Tiefe – direkt gegenüber des Wasserfalls verläuft eine kleine natürliche Brücke, auf der ich einen perfekten Blick auf das beeindruckende Naturschauspiel habe.

Blick auf den Schrainbachwasserfall.

Am Ende des Waldwegs erreichen wir eine tolle kleine Badebucht am Königssee. Das Wetter ist blendend, die perfekte Gelegenheit, sich den Schweiß der letzten Tage von der Haut zu spülen und das lassen wir uns auch nicht zweimal sagen. Ein paar hundert Meter weiter südlich gibt es auch einen Kiesstrand, ich finde die Bucht aber schöner.

Baden am Königssee.

Das letzte Wegstück verläuft über Wiesen im Schatten der mächtigen Watzmann-Ostwand. Die Steilwand erhebt sich fast 1.800 Meter in die Höhe – ein wirklich imposanter Anblick und ein toller Abschluss der Tour. Von hier aus ist es dann nur noch ein Katzensprung nach St. Bartholomä und seinem gemütlichen Biergarten im Schatten der Wallfahrtskirche.


Eigentlich wollen wir dann noch über den Rinnkendlsteig weiter. Nach einem Weißbier in der prallen Mittagssonne ist dieser Plan aber relativ schnell Geschichte und wir machen nur noch den kurzen Abstecher zur malerischen Saletalm. Den Röthbachfall, mit 470 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands, können wir nur aus der Ferne bewundern, weil das letzte Boot zurück um viertel vor Sechs abfährt. Zurück geht es dann über den Königssee nach Schönau – eine kurze, aber äußerst erlebisreiche Tour geht zu Ende.

Blick auf den Röthbachfall.

In den folgenden Abschnitten findest du die praktischen Tipps, mit denen du direkt in die Planung deiner eigenen Watzmann-Tour einsteigen kannst.

Anreise nach Schönau am Königssee

Eine Anreise mit dem Auto ist theoretisch möglich. Besucher dürfen bis nach Schönau fahren, aber das Parken ist seit 2023 teurer geworden. In anderen beliebten Alpenregionen gibt es aufgrund des Besucherandrangs schon komplette Fahrverbote, z.B. am Pragser Wildsee am Start des Dolomiten Höhenwegs 1. Vielleicht wird das hier irgendwann auch kommen.

Die gute Nachricht: Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Problem, es gibt ausreichend Verbindungen. Daher ist das meiner Meinung nach auch zu bevorzugen. Schauen wir uns das mal gerade an.

Regionalzug von München

Je nachdem, wo du wohnst, fährst du z.B. mit dem ICE nach München. Dort nimmst du den Regionalzug RE 5 nach Freilassing und fährst anschließend mit der Berchtesgadener Land Bahn S4 nach Berchtesgaden HBF.

Direktzug Königsee IC 2083

Es gibt auch einen Zug, der die Strecke Hamburg – Berchtesgaden bedient und mit dem du nicht umsteigen musst. Der IC 2083 hält an folgenden Stationen:

  1. Hamburg-Altona
  2. Hamburg Hbf
  3. Hannover Hbf
  4. Kassel-Wilhelmshöhe
  5. Würzburg Hbf
  6. Augsburg Hbf
  7. München Ost
  8. Freilassing
  9. Bad Reichenhall
  10. Berchtesgaden Hbf

Die gesamte Fahrt von Hamburg nach Berchtesgaden dauert etwa 10 Stunden, von München sind es mit dem Zug nur etwa 3 Stunden.

Von Berchtesgaden nach Schönau am Königssee

Direkt am Bahnhof Berchtesgaden fahren die Buslinien 841 und 843 bis zum Königssee. Das Angebot wurde zuletzt ausgebaut. Die Busse fahren tagsüber relativ regelmäßig (ca. 1-2 mal die Stunde), die Fahrt dauert nur knapp 10 Minuten und kostet 2 Euro. Für Übernachtungsgäste* mit Gästekarte ist die Fahrt sogar gratis.

Rückfahrt nach Schönau

Die Tour endet in St. Bartholomä im südlichen Teil des Königssees. Von dort kannst du eines der Ausflugsboote zurück nach Schönau nehmen. Die letzte Fahrt geht in der Hauptsaison gegen 18:30 Uhr (Fahrplan). Für die einfache Fahrt haben wir 9 Euro gezahlt.

Fischunkelalm am Obersee.

Hütten buchen für die Watzmann-Umrundung

Die Watzmann-Umrundung ist eine klassische Ostalpen-Hüttentour und damit ausschließlich für die Übernachtung in Berghütten vorgesehen (Anmerkungen zum Wildcampen/Biwakieren weiter unten). Du übernachtest in den folgenden Berghütten:

Watzmannhaus und Kärlingerhaus gehören zum Deutschen Alpenverein (DAV) und sind Schutzhütten der Kategorie I, also die einfachste Kategorie. Die Ausstattung ist dennoch recht komfortabel und geht schon leicht in Richtung Berghotel. Die Wimbachgrieshütte ist eine privat betriebene Hütte des Verbands Naturfreunde und deutlich kleiner.

Die Buchung der beiden DAV-Hütten läuft über das Online-Reservierungsportal Alpsonline, erfordert keine Mitgliedschaft beim DAV und funktioniert so:

  1. Suche dir die Hütte raus, die du reservieren willst und registriere dich beim ersten Mal zunächst mit deiner E-Mail-Adresse.
  2. Gib die Termine, die Anzahl der Personen und Art der Unterkunft ein und bestätige.
  3. Anschließend erhältst du eine Bestätigung per Mail und kannst die Reservierung unter Alpsonline nach dem Login einsehen und bearbeiten.

Die Kreditkarten-Daten sind nur für die Reservierung erforderlich. Du musst alle Hütten in bar bezahlen – bring also ausreichend Bargeld mit! Da die Wimbachgrieshütte nicht Teil des DAV ist, kannst du sie auch nicht über Alpsonline reservieren. Hier rufst du am besten direkt an, um zu reservieren (Tel: 08657-7944001). Auch hier geht nur Barzahlung.

Watzmannhaus.

Mit einer Mitgliedschaft beim DAV bekommst du eine ziemlich deutliche Ermäßigung und zahlst etwa die Hälfte. Wir haben für die Übernachtungen im Matratzenlager folgendes bezahlt:

  • Watzmannhaus: 13 Euro (Nichtmitglieder: 29 Euro)
  • Kärlingerhaus: 13 Euro (Nichtmitglieder: 26 Euro)
  • Wimbachgrieshütte: 24 Euro (DAV gilt als Nichtmitglied)

Generell empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung der Hütten (ca. 3 Monate vorher), da die Hütten im Sommer schnell ausgebucht sind, vor allem an den Wochenenden. Es kann sich aber durchaus lohnen, kurzfristig anzurufen und zu checken, ob jemand abgesprungen ist – auf diese Weise hatten wir noch 2 Plätze in der Wimbachgrieshütte ergattert, die eigentlich schon ausgebucht war.

Mein Tipp: Der Flaschenhals ist die Wimbachgrieshütte, die nur 47 Schlafplätze bietet. Versuche zuerst hier einen Platz zu bekommen und plane die Tour rund um dieses Datum. Bei den anderen Hütten ist die Chance größer, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt noch etwas frei ist.

Ohne Anmeldung in den Hütten übernachten?

In den DAV-Hütten gibt es auch ein Kontingent von 10% aller Schlafplätze, die für spontane Ankömmlinge freigehalten werden. Außerdem auch Notlager, die aber eigentlich für Erschöpfte oder Verletzte freigehalten werden. Daher kann man sich nicht wirklich darauf verlassen, einfach einen Platz zu bekommen, wenn man spontan vorbeikommt.

Meine Erfahrung: Als Solo-Wanderer besteht zumindest eine Chance, auch ohne Anmeldung einen Platz zu bekommen, gerade auf den größeren Hütten. Zu zweit wird es schon deutlich schwieriger. Mit drei oder mehr Personen ist es in einer beliebten Region wie den Berchtesgadener Alpen quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Eingang zum Nationalpark Berchtesgaden.

Zelten und Wildcamping im Nationalpark Berchtesgaden

Camping und Zelten ist im gesamten Nationalpark Berchtesgaden verboten. Gleiches gilt für das alpine Biwakieren, also das Übernachten im freien alpinen Gelände für eine Nacht. Das ist etwas bedauerlich, da vor allem die Wimbachgrieshütte nur wenige Schlafplätze bietet und es in diesem Teil des Nationalparks für Bergsteiger und Wanderer keine (legalen) Alternativen zur Übernachtung gibt.

Ich kann das aber auch irgendwo verstehen. Durch Social Media, Influencer und Co. wurden Hotspots wie die Gumpe am Königsbach-Wasserfall in den letzten Jahren von Touristen aus aller Welt überrannt, die natürlich auch Müll zurücklassen und die Natur zertrampeln. Bei solchen Massen bringt es nichts, an den Verstand der Leute zu appelieren, da helfen nur noch Verbote. Das ist leider so.

Zum Thema:  Mikroabenteuer – Die unbequeme Wahrheit über den Outdoor-Trend

Unsere Erfahrungen mit dem Wildcampen im Nationalpark Berchtesgaden

Wir wollten trotz des offiziellen Verbots eine Nacht im Nationalpark Berchtesgaden wildcampen – notgedrungen, da die Wimbachgrieshütte bereits ausgebucht war. Ansonsten hätten wir die Tour gar nicht machen können, außerdem übernachte ich ohnehin ganz gerne im Zelt in den Bergen.

Auch wenn mich einige Leute dafür jetzt lynchen mögen: Zwei Personen, die zu Fuß unterwegs sind, ihr Zelt spät aufschlagen, sich ruhig verhalten und im Morgengrauen wieder weg sind, halte ich auch in einem Naturschutzgebiet für völlig vertretbar. Und letztlich auch für naturverträglicher als die Alpen mit Zufahrtsstraßen, Skigebieten und Berghotels immer weiter für den motorisierten Massentourismus zu erschließen. Aber das wäre jetzt ein anderes Thema…

Ein gutes Gefühl hatte ich bei der Sache ehrlicherweise aber nicht. Und ich war sehr froh, dass wir doch noch einen Übernachtungsplatz bekamen. Mein Tipp: Wenn es irgendwie geht, würde ich Wildcamping im Nationalpark Berchtesgaden vermeiden. Auch als Solo-Wanderer und auch wenn man das Leave-no-Trace-Prinzip verinnerlicht hat. Solche touristischen Hotspots sind immer kritisch – an manchen Orten hält man sich einfach besser an die Regeln und stellt nicht zu viele Fragen.

Beste Reisezeit für die Watzmann-Umrundung

Die beste Zeit für die Watzmann-Tour sind die Sommermonate, ungefähr von Mitte Juni bis Anfang September. In der zweiten Junihälfte ist der Schnee auch in den höheren Lagen im Normalfall so weit abgeschmolzen, dass man sich dort gefahrlos bewegen kann. Wir hatten rund um den höchsten Punkt am Hundstodsgatterl auf knapp 2.200 Metern teilweise noch einige Schneefelder. Diese waren aber nicht besonders steil.

Ein bisschen hängt das natürlich immer vom vorigen Winter ab. Wenn besonders viel Schnee gefallen ist, können sich die Schneefelder auch noch bis in den August halten. Zur Sicherheit empfiehlt es sich daher, mindestens ein Paar Grödel bzw. Microspikes* dabeizuhaben. Für Wanderungen Anfang Juni sollten Leichtsteigeisen* und Pickel* in den Rucksack. Vor Juni ist die Tour für „normale“ Wanderer ohne alpinistischen Background nicht zu empfehlen.

Noch ein Punkt: Die Hütten schließen im September. Damit fehlen die Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten. Danach wäre die Tour nur noch mittels illegaler Übernachtung im Nationalpark möglich. Das ist, wie erwähnt, nicht unbedingt ratsam. Außerdem könnte das Wetter dann auch schon ziemlich ungemütlich, weil kalt werden.

Schwierigkeit der Watzmann-Umrundung

Die Wanderung um das Watzmann-Massiv ist eine mittelschwere Bergwanderung bis maximal T3 auf der SAC-Skala. Die Wege sind überwiegend gut ausgebaut und markiert. Richtige Kraxelstellen, bei denen du die Hände anlegen musst, gibt es nur am Hockeck und auf einem kurzen Abschnitt zum Trischübel-Pass. Wenn du trittsicher und schwindelfrei bist und mehrere Tage am Stück durchschnittlich 1.000 Höhenmeter im Aufstieg packst, dürfte es keine größeren Probleme geben.

Die Wanderung ist zudem recht kurz. Daher eignet sie sich hervorragend, wenn du mal schauen willst, wie eine Hüttenwanderung in den Alpen abläuft, ohne gleich 8 Tage für eine längere Tour wie den Stubaier Höhenweg aufzubringen. Für komplette Wanderanfänger würde ich die Watzmann-Tour dennoch eher nicht empfehlen. Es ist immer noch eine Gebirgswanderung und nicht einfach ein Spaziergang mit schönen Panoramablicken. Gerade bei schlechtem Wetter könnten einige steilere Wegstellen durchaus kritisch werden.

Wandern in Berchtesgaden.

Kann man die Watzmann-Umrundung auch in 3 Tagen laufen?

Die hier beschriebene, „klassische“ Watzmann-Umrundung kannst du theoretisch auch in 3 Tagen laufen, wenn du die Runde ein bisschen abänderst. Dazu biegst du am dritten Tag am Trischübel nach Osten und folgst dem Weg über die Sigeretplatte, bis dieser an der Schrainbachalm wieder auf den Hauptweg trifft.

Damit dürftest du nachmittags in St. Bartholomä sein, wenn du gegen 9:00 Uhr an der Wimbachgrieshütte startest. Einziger Nachteil: Du verpasst das Steinerne Meer und den Funtensee und damit zwei echte Highlights der Tour.

Eine andere Option wäre, Tag 3 und 4 einfach zu kombinieren. Theoretisch geht das, weil der letzte Tag ziemlich kurz ist. Wenn du den Abstecher zum Ingolstädter auslässt und früh startest, bist du gegen Nachmittag am Kärlingerhaus – von da aus sind es in zügigem Tempo nochmal rund 3-4 Stunden bis St. Bartholomä.

Bei dieser Variante müsstest du aber die letzte Abfahrtszeit der Boote von St. Bartholomä im Hinterkopf behalten (gegen 17:30 Uhr). Ich würde auf jeden Fall die Variante in 4 Tagen empfehlen – schließlich liegt der Reiz bei solchen Touren ja gerade darin, auch mal innezuhalten und nicht einfach nur durchzurauschen.

Watzmann-Umrundung in 4 Tagen.

Watzmann-Tour verlängern

Es gibt etliche Möglichkeiten, die Tour zu verlängern. Besonders gut eignet sich der letzte Tag, der ja recht kurz ist. Hier gäbe es folgende Optionen:

  1. Von St. Bartholomä über den Rinnkendlsteig bis zur Achenkanzel. Von dort weiter bis zur Kührointalm und wieder nach Schönau (ca. 4-5 Stunden zusätzlich)
  2. Noch vor der Saugasse östlich auf Weg 416 zur Fischunkelalm abbiegen und eine große Schleife bis zur Saletalm drehen. Anschließend mit dem Boot nach Schönau (ca. 3 Stunden zusätzlich)
  3. Von St. Bartholomä ein Abstecher zur Saletalm mit dem Boot und dann noch am Obersee spazieren und den Blick auf den Rötbachfall genießen, den höchsten Wasserfall Deutschlands (ca. 2 -3 Stunden zusätzlich)

Es soll auch noch einen alten aufgegebenen Steig am Ostufer des Königssees geben – den sogenannten Ostuferweg. Vom Boot aus sieht man teilweise einige Wegstücke, das Ganze ist anscheinend aber relativ verwildert. Ein schönes Video dazu gibt’s beim Outdoor-Youtuber Sacki.

Ausrüstung und Packliste für die Watzmann-Umrundung

Du übernachtest ausschließlich in Hütten, also brauchst du keine Camping-Ausrüstung mitschleppen. Genau genommen ist die Infrastruktur so gut ausgebaut, dass du theoretisch nicht einmal Snacks oder Müsliriegel mitbringen müsstest, da du alle Naselang an einer Alm vorbeikommst und auf den Hütten auch ein Lunchpaket für den Tag kaufen kannst.

Ich hatte folgende Sachen dabei:

Packliste Bekleidung und Wanderschuhe

ArtikelEmpfehlung
1 T-Shirt Merino kurzIcebreaker Merino*
1 T-Shirt Merino langIcebreaker Merino 200*
1 kurze Trekking-HoseFjällräven Barents Pro Shorts*
2,5-lagige RegenjackePatagonia Torrentshell*
FleecejackePatagonia R1 Hoody*
Daunenjacke Montbell Plasma 1000 Alpine Down Parka*
Regenhose Marmot PreCip*
2 Paar Trekking-SockenSmartwool PHD Light Crew*
2 Unterhosen MerinoIcebreaker Cool-Lite Merino*
SonnenhutNorthface Horizon*
1 Paar Slipper für die HütteExped Camp Slipper*
Wanderschuhe Kategorie BMeindl Vakuum GTX*

Tipp: Schau dir hier meine Packliste für Mehrtageswanderungen an.

Rucksack

Als Rucksack hatte ich meinen bewährten Leichtrucksack Hyberg-Attila X mit 50 Liter Volumen am Start (zum Test). Es würde aber auch ein kleinerer Rucksack mit 35 bis 40 Litern reichen. Als Tagesruckssack hatte ich den superleichten Osprey Ultralight Stuff Pack* dabei.

Schlafsack + Inlet

Für die Hütten reicht ein einfacher Hüttenschlafsack aus, der aber auch zwingend vorgeschrieben ist. Ich verwende dafür den Cocoon MummyLiner Silk*.

Technik

Ausrüstung

Luxus

Sonstiges

  • Müllbeutel
  • Feuerzeug
  • DAV-Ausweis
  • Personalausweis
  • ausreichend Bargeld

Zusammen bin ich mit all dem auf knapp 6 Kg Gewicht gekommen. Wie oben erwähnt hatte ich sicherheitshalber trotzdem Zelt und Isomatte mitgenommen, weil die Hüttensituation bei uns bis zuletzt etwas unklar war. Im Normalfall ist das aber nicht erforderlich – daher solltest du kein Problem haben, auf etwa 5 Kg Gesamtgewicht zu kommen.

Weiterlesen: Ultraleicht-Trekking für Einsteiger: 7 praktische Tipps, die du sofort anwenden kannst

    Und sonst?

    • Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in Berchtesgaden ist die Jugendherberge Berchtesgaden*.
    • Alternativ das Hostel Berchtesgaden neben dem Hauptbahnhof – das einzige mir bekannte Hostel, das sich in einer Burger-King-Filiale befindet.
    • Kleinigkeiten, Snacks und Sachen, die du eventuell vergessen hast, kaufst du am besten in Berchtesgaden – in Schönau hab ich außer Touristen-/ Souvenir-Shops und Restaurants keine Läden entdeckt.
    • Ein schönes, nicht ganz so überlaufenes Restaurant mit tollem Blick auf den Königssee ist das Echostüberl am Nordwestufer.
    • Nimm genügend Bargeld mit, da du alles in Bar bezahlen musst und der letzte Bankautomat in Schönau ist.
    • Smartphones kannst du in den Hütten aufladen, der Handyempfang ist im Nationalpark generell aber eher schlecht – perfekt für eine kleine Auszeit von der Zivilisation.
    • Starte früh morgens um schlechtes Wetter am Nachmittag zu vermeiden. Lass sich aber nicht zu sehr von der Wettervorhersage beunruhigen – wir hatten vier Tage Sonnenschein, obwohl fast durchgängig Unwetter vorhergesagt waren.
    • Im Nationalpark Berchtesgaden sind noch viele andere Hüttentouren möglich – einige Vorschläge findest du hier.
Blick auf den Obersee.

Mein Fazit

Eine geniale Wanderung! Ich hatte schon viel von den Berchtesgadener Alpen gehört, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Diese Hüttentour bietet das volle Programm: Prächtige Bergpanoramen, spannende aber nicht zu übertrieben schwere Wege und eine gut ausgebaute Infrastruktur mit perfekter Rundum-Versorgung.

Natürlich ist Berchtesgaden ein touristischer Hotspot. Trotzdem fand ich es hier zu keiner Zeit unangenehm. Die Leute sind freundlich. Abseits vom Königssee und dem Watzmannhaus war es auch nicht schwer, stille Winkel zu finden. Diese Tour ist ein toller Einstieg in den Nationalpark und eignet sich ideal für ein verlängertes Wochenende. Das war aber ganz bestimmt nicht das letzte Mal, das ich hier war!

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Wandern auf die Zugspitze durchs Reintal: In 1 Tag auf den höchsten Gipfel Deutschlands https://der-eskapist.de/deutschland/wandern-auf-die-zugspitze-die-traumtour-durchs-reintal/ https://der-eskapist.de/deutschland/wandern-auf-die-zugspitze-die-traumtour-durchs-reintal/#comments Sun, 05 Jun 2022 00:43:58 +0000 https://der-eskapist.de/?p=4805 In diesem Artikel: Die Zugspitze ist mit 2.962 Metern der höchste Berg Deutschlands und damit automatisch eines der begehrtesten und beliebtesten Ausflugsziele des Landes. Jedes Jahr pilgern tausende von Touristen nach Garmisch-Partenkirchen, um den höchsten Punkt des Wetterstein-Gebirges zu besteigen. Wenn du das hier liest, gehe ich schwer davon aus, dass du ebenfalls mit dem […]

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In diesem Artikel:


Die Zugspitze ist mit 2.962 Metern der höchste Berg Deutschlands und damit automatisch eines der begehrtesten und beliebtesten Ausflugsziele des Landes. Jedes Jahr pilgern tausende von Touristen nach Garmisch-Partenkirchen, um den höchsten Punkt des Wetterstein-Gebirges zu besteigen. Wenn du das hier liest, gehe ich schwer davon aus, dass du ebenfalls mit dem Gedanken spielst.

Was man aber auch dazusagen muss: Die meisten Besucher der Zugspitze fahren einfach mit der Seilbahn auf den Gipfel der Zugspitze. Schnell ein Ticket gekauft und keine 10 Minuten später darf man von sich behaupten: „Ich war auf der „Top of Germany“. Kann man schon machen… aber irgendwie klingt das nicht richtig, oder? Wo bleibt da das Erlebnis? 

Zu Fuß auf die Zugspitze

Ich vermute jetzt einfach mal, du willst dich nicht bloß hochkarren lassen, um kurz ein Selfie vor dem Gipfelkreuz zu knipsen. Vielleicht geht es dir ja nicht nur um den Gipfel, sondern auch darum, den Weg dahin zu genießen. Eine gute Entscheidung! Denn du kannst auch einfach auf die Zugspitze wandern. Ganz altmodisch, ohne irgendwelche Hilfsmittel. Und zwar auf dem Wanderweg durch das Reintal.

Auf dieser Route für Fußgänger gelangen auch Otto-Normal-Wanderer ohne größere Bergerfahrung auf die Zugspitze. Alles was du brauchst, ist eine ordentliche Brotzeit, feste Schuhe und ein bisschen Schmalz in den Beinen. Und lass dich nicht täuschen: Es ist zwar die einfachste Variante zum Gipfel, aber keineswegs langweilig. Diese wunderschöne Tour steht zu 100% unter dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“.

Zugspitze Wandern für Anfänger.

Auf einen Blick:

  • Landschaftlich abwechslungsreiche Bergwanderung durch Partnachklamm, Reintal und Zugspitzplatt bis auf den höchsten Gipfel von Deutschland
  • Länge: 21,6 Km
  • Höhenmeter: + 2.250 Hm
  • Schwierigkeit: mittel, auch für weniger erfahrene Bergwanderer geeignet
  • Abenteuerfaktor: mittel
  • Gehzeit gesamt: ca. 9 – 10 Stunden (je nach Fitness)
  • Dauer: 1-2 Tage, Wanderung über 2 Tage bietet mehr Genuss und ist einfacher
  • Keine Kletter- oder alpinistische Vorkenntnisse erforderlich, optional einfacher Klettersteig am Ende der Tour, Rückfahrt am einfachsten mit der Zugspitzbahn

Karte und GPS-Datei

Zugspitze über Reintal und Partnachklamm

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

GPX-Download

👉Anleitung zum Öffnen von GPX-Tracks

Wandern auf die Zugspitze durch das Reintal: Das erwartet dich auf dem Normalweg

Der Weg durch das Reintal ist mit knapp 22 Kilometern die längste und einfachste der fünf gängigen Routen auf die Zugspitze – sozusagen der „Normalweg“, der alle klettertechnischen Hindernisse umgeht. Dies ist die Route, die auch der Erstbesteiger der Zugspitze, der Vermessungsingenieur Josef Naus, 1820 für seinen Aufstieg wählte. Damals wurden Berge nicht zum Spaß bestiegen, sondern meist zu ernsthaften, wissenschaftlichen Zwecken.

Kurz gesagt ging es vor allem darum, so unkompliziert wie möglich hochzukommen.

Genau das freut auch den heutigen Wanderer, der zu Fuß auf die Zugspitze will, aber keine Kletterambitionen verspürt. Das gilt umso mehr, da die Reintal-Route äußerst abwechslungsreich ist. Von ganz unten im Tal geht es durch alle Vegetationszonen dieser idyllischen, erstaunlich abgeschiedenen Gebirgslandschaft in einem Rutsch bis in die hochalpine Felsenwelt rund um den Zugspitzgipfel. Auch ohne den Zusatz des „höchstens Punkts von Deutschland“ wäre das immer noch eine absolute Top-Tour!

Wanderung durch das Reintal zur Zugspitze.
Auf dem Weg zum höchsten Berg Deutschlands, kurz hinter der Reintalangerhütte.

Wandern auf die Zugspitze durch das Reintal: Das ist die Route

Start der Wanderung ist die beeindruckende Felsenschlucht der Partnachklamm – ein echtes Highlight gleich zu Beginn. Durch grüne Nadelwälder, immer begleitet von der plätschernden Partnach, geht es anschließend auf flachen Forstwegen durch das untere Reintal. An der Partnachalm (980 m) wird der Weg dann endlich zu einem echten Bergweg. So geht es weiter bis zur Bockhütte (1.052 m), die ein erster guter Punkt für eine Pause ist.

Dahinter wird der Weg immer spektakulärer. Auf der linken Seite des Tals erheben sich mächtige Berggipfel wie der Hochwanner (2.744 m), rechterhand ragen die Höllentalspitzen auf dem berüchtigten Jubiläumsgrat weit über uns in den Himmel. Stetig ansteigend windet sich der Weg zwischen den gewaltigen Kalkwänden des oberen Reintals bis zur Reintalangerhütte (1.370 m). Wenn du die Tour auf 2 Tage aufteilst, findest du hier den perfekten Platz zum Übernachten.

Im letzten Drittel der Wanderung geht es in einem steilen Aufstieg zur Knorrhütte (2.051 m). Bei der Überquerung des Zugspitzplatts, einem ausgedehnten Hochplateau, kannst du sogar noch die Überreste des Schneeferner-Gletschers aus nächster Nähe beobachten. Ein letzter Anstieg führt auf einem kurzen, Klettersteig-ähnlichen Weg über den Südwestgrat auf den Gipfel der Zugspitze. Alternativ fährst du mit der Zahnradbahn von der Bergstation Sonnalpin die letzten Meter bis ganz nach oben.

Wanderführer und Karten für die Zugspitze

Meine Empfehlung: Rother Wanderführer Zugspitze

Der Wanderführer aus dem bekannten Rother-Verlag* enthält 50 Touren rund um den höchsten Gipfel Deutschlands – natürlich sind auch die Aufstiegsrouten auf die Zugspitze beschrieben.

Ich hab mir dieses Buch erst nach der Wanderung durchs Reintal besorgt und dann auch direkt bedauert, was ich verpasst habe. Aber zumindest weiß ich damit, was ich beim nächsten Mal machen werde.

In Verbindung mit einer Wanderkarte* bist du mit diesem Führer bestens gewappnet, um die Zugspitzregion zu erkunden!

Als Karte bietet sich die Alpenvereinskarte Wettersteingebirge/Zugspitze* im Maßstab 1:25.000 an. Eine Alternative ist die Kompass-Karte* im Maßstab 1:35.000, die auch noch Mittenwald abdeckt – perfekt, wenn du danach vielleicht noch den bekannten Mittenwalder Höhenweg machen willst. Außerdem gibt es einen Wanderführer Zugspitze* aus dem Bruckmann-Verlag.

Ebenfalls empfehlenswert:

Wandern auf die Zugspitze: In 1 oder 2 Tagen?

Viele Leute wollen an einem Tag auf die Zugspitze wandern. War bei uns genauso und das haben wir dann auch gemacht: In einem Rutsch von Garmisch-Partenkirchen bis auf den Gipfel. 22 Kilometer klingt ja auch erstmal nicht so viel, oder?

Und ja… es liegt definitiv im Bereich des Möglichen, wenn du zumindest halbwegs in Form bist. Zum Ende hin war es ehrlich gesagt aber eine ziemliche Hetzerei, da wir die letzte Seilbahn zurück ins Tal bekommen mussten. Ich würde es also nicht unbedingt nochmal so machen.

Wenn du vorhast, an einem Tag durch das Reintal bis hoch zur Zugspitze zu wandern, bedenke folgendes:

  • Du machst an einem einzigen Tag über 2.200 Höhenmeter. Das ist ziemlich happig, vor allem wenn du ansonsten keinen Ausdauersport betreibst (Jogging, Trailrunning etc.) oder nicht regelmäßig in die Berge gehst.
  • Der größte und steilste Teil des Aufstiegs (1.600 Höhenmeter) beginnt erst nach ca. 15 km – also dann, wenn du schon viele Stunden unterwegs gewesen bist.
  • Auf dem Zugspitzplatt läufst du durch hochalpines Gelände. Hier kann es zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommen, z.B. durch plötzlichen Nebel, Schneefall oder Unwettern.
  • Auf Bergtouren mit einem konkreten Gipfelziel verliert man meiner Erfahrung nach im letzten Drittel fast immer viel Zeit. Gerade wenn du den Gipfel schon vor dir sieht und denkst, jetzt bist du gleich da, zieht sich das letzte Stück meistens eine gefühlte Ewigkeit.
  • Wenn du bisher noch nicht so viele Wanderungen im alpinen oder hochalpinen Gelände gemacht hast, geht eventuell Zeit drauf, weil du den Weg suchen musst. Ein paar Stellen auf dem Weg von der Knorrhütte bis zum Zugspitzplatt sind nicht so gut markiert.
Zugspitze Reintal Route höchster Gipfel Deutschland wandern.
Auf dem Weg zum Zugspitzplatt. Teilweise gibt es hier keinen richtigen Weg, nur eine markierte Route zwischen den Felsen. Bei schlechter Sicht kann die Orientierung zur Herausforderung werden.

Wandern auf die Zugspitze durchs Reintal: Gehzeiten und Taktik für 1 Tag

Natürlich ist die Wanderung auf die Zugspitze trotzdem als Tagestour möglich. Es gibt auch genug Leute, die das machen. Also, wenn du wirklich Bock drauf hast – go for it. Hier ein paar Tipps und geschätzte Gehzeiten für eine 1-Tagestour durch das Reintal:

  • Wenn du die Wanderung an einem Tag bewältigen willst, starte früh in Garmisch-Partenkirchen. Spätestens gegen 6:30 Uhr, eher noch ein bisschen früher.
  • Versuche gegen 7:00 Uhr am nördlichen Eingang zur Partnachklamm zu sein (Gehzeit: 30 Minuten). Die Klamm hat dieser Zeit allerdings noch nicht geöffnet hat. Daher musst du die Partnachklamm umgehen, so wie weiter unten beschrieben.
  • Am besten Strecke machst du auf den ersten Kilometern bis zur Bockhütte. Hier empfielt es sich, zügig durchzulaufen und keine größeren Pausen zu machen (Gehzeit: 2 Stunden, gesamt: 2,5 Stunden).
  • Bis zur Reintalangerhütte ist die Wanderung generell eher gemütlich (Gehzeit: 2 Stunden, gesamt: 4,5 Stunden). Danach folgen etwa 650 Höhenmeter verteilt über ca. 5 Km Strecke. Das ist der erste wirklich anstrengende Abschnitt der Tour (Gehzeit: 1,5 Stunden, gesamt: 6 Stunden).
  • Versuche bis spätestens 13:00 Uhr an der Knorrhütte zu sein. Ab hier wird das Gelände alpiner und felsiger. Wenn du früh in der Saison wanderst (Mai/Juni), musst du zudem mit Schneefeldern auf dem Weg zum Zugspitzplatt rechnen (Gehzeit: 1,5 – 2 Stunden, gesamt: 7,5 – 8 Stunden).
  • Vom Zugspitzplatt (2.600 m) bis zum Gipfel der Zugspitze (2.962 m) sind es zwar nur etwa 300 Höhenmeter. Allerdings hast du zu diesem Zeitpunkt schon knapp 2.000 Höhenmeter hinter dir – plane für das letzte Stück also lieber einen großzügigen Zeitpuffer ein.
  • Wenn es zeitlich eng wird, kürze lieber mit der Gletscherbahn ab, die vom Zugspitzplatt aus im Minutentakt verkehrt. Der Steig über den Südwestgrat verlangt volle Aufmerksamkeit und ist kein Ort, um rumzuhetzen (Gehzeit: 1,5 – 2 Stunden, gesamt: 9,5 – 10 Stunden).
  • Gehzeit gesamt: 9 -10 Stunden (persönliche Erfahrung, Angaben ohne Gewähr)
Unteres Reintal Wandern auf dem Weg zur Zugspitze.
Wenn du die wunderschöne Natur des Reintals richtig genießen willst, nimm dir lieber 2 Tage Zeit als einfach durchzuhetzen.

Meine persönliche Empfehlung: In 2 Tagen durch das Reintal auf die Zugspitze wandern

Ich würde die Wanderung beim nächsten Mal unbedingt auf zwei Tage verteilen und eine Übernachtung in der Reintalangerhütte einplanen. So läufst du ganz entspannt durchs Reintal und hast ausreichend Zeit, die wunderbare Natur auf dich wirken zu lassen. Die Lage der Hütte im oberen Reintal ist einfach super. Außerdem bist du dann am nächsten Tag gut erholt für das letzte Stück und kannst den Aufstieg zur „Top of Germany“ ohne Zeitdruck genießen.

Wenn du ein bisschen vorausplanst, kannst du die Wanderung auf die Zugspitze bequem in ein einziges Wochenende packen. Es wäre ein ziemlich vollgepacktes Wochenende, aber es ist definitiv möglich. Du kannst das beispielsweise so machen:

  • Freitag: Anfahrt nach Garmisch-Partenkirchen am Nachmittag, dort übernachten. Je nach Länge des Anfahrtsweges evtl. einen halben Tag Urlaub nehmen.
  • Samstag: Lange ausschlafen, frühstücken und gemütlich in 5 – 6 Stunden bis zur Reintalangerhütte laufen. Dort den Nachmittag relaxen und übernachten.
  • Sonntag: Früh starten (ca. 7:00 Uhr), in 5 Stunden auf den Gipfel laufen, dort Mittagspause, anschließend Rückfahrt mit der Seilbahn ins Tal, danach Abreise nach Hause.

Wenn du ein bisschen mehr Zeit hast – umso besser. Neben der Zugspitze kannst du beispielsweise durch die Höllentalklamm wandern. Sehr schön ist auch die spannende Wanderung auf dem Stangensteig über der Höllentalklamm. Ein weiterer Klassiker ist der Rundweg um den idyllischen Eibsee – leider hat es bei uns geregnet, als wir da waren.

Höllental Wanderung Zugspitzregion
Wanderung durch die Höllentalklamm: Ein schöner Einstieg, um die Bergwelt rund um die Zugspitze kennenzulernen.

Anreise

Garmisch-Partenkirchen ist sehr gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar, wesentlich unkomplizierter als etwa Berchtesgaden. Wir sind von Berlin mit dem ICE nach München gefahren. Von dort ging es dann mit der Regionalbahn in etwas über 1 Stunde nach Garmisch-Partenkirchen. Insgesamt haben wir dafür etwa 7 Stunden gebraucht.

Wenn du früh genug ankommst, kannst du den Rest des Tages noch für eine kleinere Tour nutzen, beispielsweise in die Höllentalklamm oder rund um den Eibsee. Die Ortschaften im Umkreis von Garmisch-Partenkirchen, beispielsweise Grainau, Hammersbach oder den Eibsee erreichst du mit der Zugspitze-Zahnradbahn.

Die Zugspitzbahn startet am Zugspitzbahnhof, der einige hundert Meter hinter dem Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen liegt. Eine einfache Fahrt von Garmisch nach Eibsee oder umgekehrt kostet 4,90 Euro. Mit der Zugspitzbahn kommst du nach der Seilbahnfahrt vom Gipfel auch wieder nach Garmisch zurück. Die Fahrpläne sind aufeinander abgestimmt.

Baum mit Camping verboten Schild.

Unterkünfte in Garmisch-Partenkirchen

Wie man sich denken kann, gibt es in Garmisch-Partenkirchen jede Menge Unterkünfte. Die meisten sind ziemlich teuer, was bei einem so beliebten Ferienort auch kein Wunder ist. Aber es gibt auch ein paar preiswertere Optionen. Empfehlenswert sind:

  • DJH-Jugendherberge moun10*: Wahrscheinlich die preiswerteste Unterkunft in Garmisch-Partenkirchen. Du musst eine Mitgliedschaft abschließen, aber selbst dann ist es immer noch günstig.
  • Werdenfelser Hof*: Landhotel mit einfachen, aber sauberen Zimmer und für die Region preiswert. Bis zur Olympia-Schanze sind es etwa 20 Minuten zu Fuß.
  • Weidegg Hotel Garni: Kleines gemütliches Hotel mit Bergblick, Frühstück ist schon im Preis inbegriffen. Ebenfalls in fußläufiger Entfernung zur Olympia-Schanze.

Tipp: Buche frühzeitig (2-3 Monate vorher), da der Ort auch außerhalb der Skisaison aus allen Nähten platzt. Wenn in Garmisch-Partenkirchen keine Zimmer mehr frei sind, kannst du dein Glück im Nachbarort Grainau* versuchen.

Wanderung auf die Zugspitze durch das Reintal: Erfahrungsbericht

Im Folgenden eine detaillierte Beschreibung unserer Wanderung durchs Reintal, einschließlich Highlights, Lowlights und möglichen Schwierigkeiten, die dir vielleicht begegnen werden.

Los geht es an einem frühen Morgen Anfang Juni 2020. Am Vorabend sind wir aus Berlin angereist, Aufstehen war um 6:00 Uhr. Eine Stunde später sind wir an der Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen losgelaufen. Von dort geht es zur Partnachklamm, dem offiziellen Start der Tour. Unser Ziel: In einem Tag auf den Gipfel der Zugspitze laufen und wieder mit der Bahn runterfahren.

Leider haben wir übersehen, dass die Klamm erst um 8:00 Uhr aufmacht. Also geht wertvolle Zeit drauf, die wir vor dem Eingang vertrödeln. Um kurz vor Acht öffnen sich schließlich die Tore und wir starten mit etwas Verspätung unsere Wanderung auf den höchsten Berg Deutschlands.

Partnachklamm am Start der Wanderung durch das Reintal auf die Zugspitze.
Die Partnachklamm ist ein starker Einstieg in die Tour.

Die Partnachklamm ist ein echter Knaller direkt zum Start. Der Bergbach Partnach hat hier eine bis zu 80 Meter tiefe Schlucht in die Berge gegraben. Es ist schon ein Erlebnis zwischen den himmelhohen Felswänden zu laufen, die am frühen Morgen noch ganz feucht sind. Das Wasser der Partnach rauscht mit gewaltiger Kraft (und Lautstärke) durch die Klamm. Von den Seiten strömen zahllose kleine Wasserfälle herab.

Der Weg verläuft abwechselnd direkt am Wasser oder durch in den Berg gegrabene Tunnel und ist gut gesichert. Einzige Herausforderung: Von oben stürzt ständig Wasser in die Klamm herab. Teilweise kommt es mir so vor, als würde ich durch Sprühregen laufen. Deshalb unbedingt eine Regenjacke mitnehmen. Nach knapp 700 Metern ist der Spaß auch schon vorbei und wir erreichen das Ende der Klamm im unteren Reintal.

Beginn des Wanderweges durch das Reintal auf die Zugspitze.
Nach der Partnachklamm wird der Weg zunächst etwas öde. Zum Glück aber nicht lange!

Auf Forstwegen bis zur Bockhütte

Es folgen einige Kilometer auf einem sanft ansteigenden, aber landschaftlich unspektakulären Forstweg durch lichten Nadelwald. Dieses Stück zieht sich für mein Empfinden ziemlich in die Länge. Ich bin kurz davor, die Wanderung als Fehlschlag zu verbuchen, noch bevor es richtig losgeht. Aber es soll zum Glück noch besser werden, viel besser sogar! Und ein Gutes hat die Sache: Immerhin können wir hier gut Strecke machen.

Irgendwann endet der langweilige Wirtschaftsweg an einer kleinen Schutzhütte und wird zu einem echten Wanderweg. Erstmals öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf das Tal und die umliegenden Gipfel des Wettersteingebirges frei. Traumhaft! Kurze Zeit später erreichen wir die Partnachalm auf 1.050 Meter, wo wir uns bei einer kurzen Pause auf der Sonnenterrasse stärken und den Blick über die umliegenden Gipfel schweifen lassen.

Wandern an der Partnachalm im Reintal zur Zugspitze.
An der Partnachalm ist am frühen Morgen noch nicht viel los.


Nach der Partnachalm verläuft der Weg relativ gemütlich entlang der Partnach. Der mächtige Gebirgsfluss aus der Klamm ist hier nur noch ein kleines Bächlein und plätschert munter über die Steine. Die meiste Zeit laufen wir im Schatten der Bäume. Deshalb wird es trotz starkem Sonnenschein nicht zu anstrengend. Ein paar kleinere Anstiege gibt es hier schon, aber nichts Ernstes. Ungefähr 2 Stunden später erreichen wir die Bockhütte, die nur im Sommer geöffnet hat.

Wanderweg entlang der Partnach im unteren Reintal.
Immer schön an der Partnach entlang geht es durchs Reintal.

Traumwanderung bis zur Reintalangerhütte

Jetzt kommt der für mich schönste Teil der Wanderung. Ein langgezogener, nicht zu steiler Anstieg, der sich im Schatten der mächtigen Felswände langsam ins obere Reintal emporschlängelt. Das türkisblaue Wasser der Partnach immer an der Seite passieren wir die Quelle bei den sieben Sprüngen und zahlreiche Gumpen. Die kleinen Becken wurden von dem Wasser der Gebirgsbäche über Jahrhunderte in den Felsen geschliffen.


Von der bekannten Blauen Gumpe, einstmals das Juwel des Reintals, ist nach einem Unwetter im Jahr 2005 leider nur noch ein großes Geröllfeld übriggeblieben. Dafür fällt der Blick auf den weit entfernten Wasserfall der Partnach, der zur linken Seite des Weges in die Tiefe stürzt. Ein wunderbarer Anblick. Und diese himmlische Ruhe! Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich in diesem Moment auch in einem abgelegenen Bergtal im Himalaya sein.

Ausblick vom oberen Reintal.
Blick zurück ins traumhaft schöne Reintal.

Im weiteren Verlauf wird der Weg zunehmend steiler. Nach einem letzten Anstieg am Wasserfall vorbei erreichen wir das obere Reintal und die idyllisch gelegene Reintalangerhütte auf 1.366 Metern. Ein guter Zeitpunkt für eine ausgedehnte Pause. Wir haben bereits 13,5 Kilometer, also fast zwei Drittel der Gesamtstrecke zurückgelegt. Trotzdem warten immer noch knapp 1.600 Höhenmeter auf den verbleibenden 8 Kilometern. Ab hier wird es ernst!

Reintalanger und steiler Aufstieg zur Zugspitze.
Hinter dem Reintalanger geht der Aufstieg richtig los.

Tipp: Wenn du die Tour als Zwei-Tagestour planst, ist die Reintalangerhütte ein guter Ort, um einen Zwischenstopp einzulegen.

Von der Reintalangerhütte ins alpine Ödland

Langsam weicht das Grün der Wälder und Almwiesen nacktem Gestein und dem Grau der Geröllfelder. Das Gelände wird zunehmend alpiner. Nach der Reintalangerhütte geht es immer steiler nach oben. Der bisher angenehm zu laufende Wanderweg wird zu einem Gebirgssteig, der sich über Schrofen und Geröll in Richtung Zugspitzplatt windet.

Aufstieg über Schrofenfelder zur Knorrhütte.
Steiler Anstieg über Schrofen und Geröll nach der Reintalangerhütte.

Im Prinzip ist es immer noch kein schwieriger Weg, auch wenn es ein bisschen steiler wird. Aber die Steigung und die bislang zurückgelegten Kilometer setzen uns doch zu. Ich mache alle paar Minuten eine kurze Pause, drehe mich um und genieße den wunderbaren Blick über das Reintal, das jetzt schon weit unter uns liegt.

Blick auf das Reintal

Zufällig treffen wir auf Henriette, eine andere Wanderin, die ebenfalls aus Berlin stammt. Scheinbar hat sie sich in dem Geröll ein bisschen verlaufen. Aber gemeinsam haben wir nach kurzer Zeit den richtigen Weg wiedergefunden. Schritt für Schritt geht es bis zur Knorrhütte, der letzten Zwischenstation vor dem Gipfelsturm.

Wandern durch das Reintal zur Zugspitze
Auf dem Weg zur Knorrhütte. Hier wird das Gelände deutlich alpiner, man läuft aber weiterhin auf relativ einfachen Bergwegen.

Knorrhütte: Der letzte Stopp vor dem Gipfelsturm

An der Knorrhütte hat sich der Himmel zugezogen und vom Sonnenschein der letzten Stunden ist keine Spur mehr zu sehen. Die Landschaft hat sich in eine karge Steinwüste verwandelt und nach einer kurzen Pause stapfen wir über die Gletschermoräne weiter nach oben. Es ist zwar schon Anfang Juni aber hier oben liegt immer noch Schnee. Schließlich erreichen wir das Schneefernereck am östlichen Rand des Zugspitzplatts.

Früher war das ausgedehnte Hochplateau komplett von einem Gletscher bedeckt. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der Eismasse übrig – der Schneeferner. Der Weg führt relativ gerade nach Westen, bevor es zum Schluss steil über die Südwestflanke zum Gipfel geht. Wobei man heute nicht von Weg sprechen kann. Das Zugspitzplatt ist fast komplett zugeschneit und uns bleibt nichts anderes übrig, als durch den tiefen Schnee zu stapfen.

Der Weg an der Gipfelflanke der Zugspitze.
Weg über das Zugspitzplatt an der Gipfelflanke entlang.

Es ist halb drei Uhr mittags. Der Gipfel ist jetzt schon zum Greifen nah und in der Ferne sehen wir die Station der Gletscherseilbahn Sonnalpin, die die letzten paar Hundert Höhenmeter bis auf den Gipfel führt. Aber die letzten Stunden haben ihre Spuren hinterlassen. Der Weg durch den Schnee zieht sich und es fühlt sich an, als würde ich in Zeitlupe gehen. Eine weitere Stunde vergeht und wir sind noch immer nicht am Fuß des Gipfels.

Auf dem Weg zur Gletscherbahn auf dem Zugspitzplatt. Die Bahn fährt bis ca. 16:30 Uhr alle paar Minuten ab und überwindet die letzten 300 Höhenmeter bis zum Gipfel im Handumdrehen.

Gegen 15:30 Uhr erreichen wir schließlich die Station der Zahnradbahn auf dem Zugspitzplatt. Von hier aus führt auch das letzte Stück des Weges an Drahtseilen entlang über den Südwestgrat bis ganz oben zum Gipfelkreuz. Knapp 300 Höhenmeter Strecke, 1 Kilometer, weniger als eine Stunde Zeit. Sollte schon möglich sein. Aber ist das heute wirklich eine gute Idee?

Blick auf die Zugspitze von der Zahnradbahn Sonnalpin.
Die letzten Meter bis zum Gipfel von der Gondel der Zahnradbahn betrachtet.

Am Ende entscheiden wir uns gegen die Kraxeltour. Die letzte Bahn fährt um 16:30 Uhr zurück ins Tal. Das wird in einer Stunde schon ziemlich knapp. Dazu kommt, dass der Klettersteig möglicherweise vereist ist. Keiner von uns hat Steigeisen oder Grödel dabei. Also nehmen wir stattdessen die Seilbahn und lassen uns das letzte Stück hochfahren.

Bausünden auf dem Gipfel der Zugspitze

Nach der tollen Wanderung ist die Bergstation auf der Zugspitze zugegebenermaßen eine ziemliche Enttäuschung. Das graue Betongebäude ist hässlich und erinnert eher an eine Mischung aus Flughafenterminal und Industriekomplex. Von Bergsteigerromantik ist hier nicht viel zu spüren. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, wenn wirklich jeder auf den Gipfel hochgekarrt werden soll.

Immerhin ist es heute an der Gipfelstation überraschend leer. Außer uns sind nur wenige andere Touristen oben, die ein Foto vom Gipfelkreuz wollen. Bei gutem Wetter kann man die letzten paar Meter bis zum Kreuz auf einem kurzen, ausgesetzten Grat direkt von der Station erreichen. Heute leider auch vereist und wir begnügen uns damit, den „Hillary Step“ von der Absperrung aus zu betrachten.

Beim wohlverdienten Gipfelbier lassen wir die letzten Stunden Revue passieren. Ja… es ist ziemlich ärgerlich, dass wir das letzte Stück des Wegs nicht mehr gepackt und ein bisschen geschummelt haben. Aber die Wanderung war auch so ein tolles Erlebnis. Und wenn ich beim nächsten Mal hier hochkomme, kann ich das Finale immer noch nachholen. Schließlich gibt es ja noch ein paar andere Routen…

Gipfelkreuz der Zugspitze.
Blick auf den Gipfel der Zugspitze. Der mit Drahtseilen und Leitern versicherte Grat war Anfang Juni noch mit Schnee und Eis bedeckt.

Kann man auch als Anfänger auf die Zugspitze wandern?

Wie schwer ist denn jetzt die Wanderung auf die Zugspitze durchs Reintal? Packt man das auch als Anfänger? Meiner Meinung nach: Ja, zumindest wenn du schon ein paar Wanderungen im Gebirge gemacht hast. Die Tour führt zwar in alpines Gelände, aber es ist in erster Linie eine Wanderung ohne „technischen Herausforderungen“, wie es immer so schön heißt. Der Schwierigkeitagrad bewegt sich im Bereich T3 auf der SAC-Skala.

Konkret bedeutet das:

  • Der Einsatz technischer, alpinistischer Hilfsmittel (Seil, Steigeisen, Steinschlaghelm, Klettergurt etc.) ist zu keinem Zeitpunkt erforderlich.
  • Es gibt keine Stellen, an denen geklettert wird und nur sehr wenige, leichte Kraxelstellen.
  • Der Weg ist bis auf ein paar kurze Stellen oberhalb der Knorrhütte durchweg gut markiert. Wenn du aufmerksam bist, besteht keine ernsthafte Gefahr in Absturzgelände zu geraten.
  • Die einzigen ausgesetzten Passagen kommen am Südwestgrat des Zugspitzgipfels vor. Diese sind aber mit Drahtseilen entschärft.

Wenn du nicht zum allerersten Mal in die Berge gehst, regelmäßig wanderst und /oder halbwegs fit bist, dürftest du bei guten Bedingungen keine größeren Probleme bekommen. Gute Bedingungen heißt: Gute Sicht, kein Regen/Unwetter/Schneefall, keine vereisten Wege. In den Sommermonaten Juli bis September ist die Chance am höchsten, dass du solche Bedingungen vorfindest.

Die größte Herausforderung: Über 2.000 Höhenmeter

Eine Sache ist natürlich klar: Es ist immer noch eine Wanderung im Hochgebirge und kein Sonntagsspaziergang im Park. Und die Tour ist sehr lang. Das ist meiner Meinung nach auch die größte Herausforderung der Reintal-Route: Die Länge und die zu bewältigenden 2.200 Höhenmeter. Schauen wir uns dazu einfach mal kurz das Höhendiagramm an:

Wanderung durch das Reintal zur Zugspitze: Höhenprofil

Zugspitze Wandern durch das Reintal Höhenprofil
Zum Vergrößern anklicken

Wie bei Gipfeltouren üblich geht es die meiste Zeit nach oben. Bei der Reintal-Route verteilt sich der Anstieg leider nicht gleichmäßig. Auf den ersten 10 Kilometern, also knapp der Hälfte der Strecke, machst du gerade mal ein bisschen mehr als 500 Höhenmeter, d.h. etwa ein Viertel der insgesamt zu bewältigenden Höhenmeter. Erst danach wird es langsam steiler.

Der eigentliche Anstieg beginnt erst nach der Reintalangerhütte auf Streckenkilometer 14. Hier erwarten dich auf einer Distanz von knapp 8 Kilometern noch einmal 1.600 Höhenmeter bis zum Gipfel. Das heißt: Auf das letzte Drittel Strecke entfallen etwa drei Viertel der Gesamt-Höhenmeter. Das ist kein Zuckerschlecken – und ein weiterer Grund die Wanderung auf zwei Tage aufzuteilen. Dadurch startest du den Gipfelsturm ausgeruht und die Tour wird deutlich leichter.

Wichtig: Wetter im Hochgebirge beachten

Ab dem oberen Reintal führt dich die Wanderung auf die Zugspitze in alpines Gelände. Das ist erstmal kein Grund auszuflippen und sich in die Hose zu machen. Es erfordert aber, dass du dich mit den üblichen Gefahren im Hochgebirge auseinandersetzt. Die wichtigsten sind:

  • Unterkühlung durch plötzliche Wetterumschwünge und Temperatureinbrüche
  • Unvorhergesehene Wetterstürze, die im Hochgebirge extrem schnell auftreten können (teilweise innerhalb weniger Minuten)
  • Orientierungsprobleme durch Nebel, Regen oder plötzlichen Schneefall (Whiteout)
  • Vereiste Wege durch gefrierenden Regen, die ein Vorankommen oder einen Rückzug unmöglich machen (vor allem in steilem Gelände)
  • Steinschlag, Stürze und Unfälle in unzugänglichem, schwer erreichbarem Gelände ohne schnelle Rettungsmöglichkeiten

Wenn du schon ein paar Tourenbeschreibungen (im Internet oder anderswo) gelesen hast, wird dir wahrscheinlich aufgefallen sein, dass diese alpinen Gefahren immer wieder rauf- und runtergebetet werden. Das hat seinen Grund. Auch auf einer einfachen Route kann das Wetter so schlecht werden, dass gefährliche Situationen enstehen können. 2008 erfroren auf dem Zugspitzplatt beispielsweise mehrere Trailrunner, die bei Regen starteten.

Daher gilt:

  • Unbedingt vor der Wanderung den Wetterbericht checken.
  • Nicht bei Gewittergerfahr loslaufen, oder wenn es so aussieht als ob sich das Wetter im Laufe des Tages deutlich verschlechtert.
  • Früh starten, um einen ausreichenden Zeitpuffer nach hinten zu haben.
  • Immer wasserdichte und warme Kleidung mitnehmen: Je höher du gehst, desto kühler wird es – auch im Sommer.
  • Ausreichend Proviant mitnehmen.
  • Physische Karte der Wanderregion mitnehmen (und lernen damit umzugehen).
  • Zusätzlich mit GPS-Gerät und/oder Smartphone mit GPS-Track absichern.

Vorsicht bei Touren im Frühjahr

In den letzten Jahren gab es vermehrt Rettungseinsätze im Bereich der Knorrhütte, weil Wanderer im Schnee steckenblieben, nicht mehr weiterkamen und die Bergrettung alaramierten. Diese Vorfälle ereigneten sich überwiegend im Frühjahr, also in der Zeit von Mitte März bis Mai.

Daher an dieser Stelle nochmal der Hinweis:

Leute, im Frühjahr ist keine Wandersaison im Hochgebirge. Auch wenn im Tal schon die Sonne scheint, liegt in den höheren Lagen der nördlichen Alpen meist noch sehr viel Schnee. Wenn ihr im April durch das Reintal aufsteigt, könnt ihr mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass oberhalb von 1.500 Metern eine dicke Schneedecke liegt und ein Vorankommen mit normaler Wanderausrüstung kaum möglich ist.

Die beste Zeit für diese Wanderung ist von Mitte Juni bis Ende September (siehe unten). Wir hatten die Tour Anfang Juni gemacht, es ging gerade so. 1-2 Wochen vorher hätten wir vielleicht auch umdrehen müssen. Schau dir vorher mit der Zugspitze Webcam an, wie es dort oben aussieht und berücksichtige das bei der Tourenplanung. Hier findest du außerdem eine Übersicht der aktuellen Tourenverhältnisse rund um die Knorrhütte.

Was gerade im Frühsommer häufig vergessen wird: Während unten schon die Sonne scheint, herrschen auf über 2.500 Meter in den Alpen noch winterliche Bedingungen.

Was ist mit dem Klettersteig auf dem Weg zur Zugspitze?

Ein anderes Thema ist der letzte Teil des Anstiegs über den Südwestgrat der Zugspitze. Manchmal wird dieser Abschnitt auch als Klettersteig bezeichnet. Von dem was ich gesehen habe, ist es eher ein versicherter Gebirgssteig im Schwierigkeitsgrad T4 auf der SAC-Skala. Man kann sowas auch Klettersteig nennen, aber wenn dann ist es ein einfacher A bzw. A/B-Steig.

Der „Zugspitz-Klettersteig“ hat ein paar steile, ausgesetzte Stellen ist aber durchweg mit Drahtseilen versichert. Andere Wanderer erzählten uns, die größte Herausforderung sei, dass man über Geröll läuft und auch mit gutem Profil an der Sohle bei jedem Schritt wieder ein Stück herunterrutscht. Im Frühsommer kann es zudem sein, dass der Steig vereist ist und man Steigeisen bzw. Grödel für den Aufstieg benötigt.

Ob man dafür ein Klettersteig-Set benötigt? Darüber kann man sich jetzt streiten. Die einen werden sagen: „Kann ja nicht schaden“. Ich vertrete persönlich eher die Meinung, dass man sich solche etwas schwierigeren Wanderwege besser im Lauf der Zeit mit zunehmender Erfahrung erarbeitet und das dann „einfach so“ geht oder es halt bleiben lässt. Aber letztlich sollte beim Thema Sicherheit jeder für sich selbst entscheiden. Im Zweifelsfall ist ein Klettersteig-Set* bestimmt nicht verkehrt.

Packliste für die Wanderung auf die Zugspitze

Für die Wanderung auf den höchsten Berg Deutschlands benötigst du die übliche Ausrüstung für Wanderungen im Hochgebirge. Konkret gehören die folgenden Dinge auf die Packliste:

GegenstandAnmerkungEmpfehlung
Touren-Rucksack20 – 25 LiterVaude Jura 24*
Regenjackewasserdicht + atmungsaktivMontbell Storm Cruiser*
Warme Bekleidungsschicht zum Wechselnz.B. Fleecepulli, SoftshelljackePatagonia R1 Hoody*
Mützefür Wetterstürze Mountain Equipment Flash Beanie*
Biwaksackfür unfreiwillige Übernachtungen/NotfälleMountain Equipment Ultralight Bivy Bag*
Stirnlampevor allem bei frühem Start sinnvollPetzl Actik Core*
Wanderkarteim Maßstab 1:25.000DAV-Karte Wettersteingebirge/Zugspitze*
Sonnenbrillemit hohem UV-Schutzfaktor Quechua MH530*
SonnencremeLichtschutzfaktor 50Nivea Sun UV*
Wasserflasche2 Liter, da sehr lange WanderungPlatypus Platy Bottle*
ggf. Regenhose für Wetterstürze, schlechtes WetterMarmot PreCip Eco Full Zip*
ggf. Trekkingstöckebei langen Abstiegen sinnvollHelinox Ridgeline LB 135*
ggf. Grödel oder Leichtsteigeisenvor allem im Mai/Juni bzw. September – OktoberSnowline Chainsen*
ggf. GPS-Gerätzur Navigation bei schlechten BedingungenGarmin eTrex 32x*

Tipp: Schau dir auch meine Packliste für Mehrtageswanderungen an. Viele der Sachen dort kannst du natürlich auch für Tagestouren verwenden.

Welche Schuhe brauche ich zum Wandern auf die Zugspitze?

Für meine Wanderung hatte ich die Meindl Vacuum GTX* als Wanderschuhe am Start (zum Test). Das sind sehr robuste Trekking-Stiefel der Kategorie B, also auch fürs Hochgebirge geeignet. Da wir auf dem Zugspitzplatt durch Schneefelder laufen mussten, war das sicherlich nicht verkehrt. Inzwischen würde ich aber wahrscheinlich zu leichteren Schuhen greifen.

Eine mögliche Option sind Trailrunning-Schuhe. Im Sommer sollte die Tour damit kein Problem sein. Ein Nachteil von Trailrunnern ist meiner Meinung nach, dass sie zu schnell verschleißen, gerade auf Bergwegen. Ich bin seit einiger Zeit daher mit den robusten Approach- bzw. Zustiegsschuhen Garmont Dragontail LT* unterwegs – für mich die perfekte Wahl bei Bergwanderungen mit leichtem Gepäck.

Wandern auf die Zugspitze

Nützliche Tipps zur Tourenplanung

Hier noch ein paar letzte Tipps, die dir bei der Planung der Tour behilflich sein könnten. Einiges davon wussten wir vorher nicht. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum wir am Ende ein bisschen Zeitprobleme hatten. Ich drücke die Daumen, dass es bei dir besser klappt!

Öffnungszeiten der Klamm

Beachte, dass die Partnachklamm erst um 8:00 Uhr morgens öffnet. Das hat unsere Zeitplanung etwas durcheinandergebracht, da wir eine dreiviertel Stunde am Eingang der Klamm warten mussten, obwohl wir schon um halb sieben Uhr morgens gestartet sind. Außerdem ist ein Eintrittspreis von 6 Euro fällig.

Partnachklamm umgehen

Du kannst die Partnachklamm auch umgehen, wenn du schon früher da bist. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: 1) Auf dem Parkplatz Wildenau nach rechts auf den Hohen Weg abbiegen und diesem bis zur Partnachalm folgen. 2) an der Graseckbahn vor dem Kassenhäuschen der Klamm nach links abbiegen und dem Weg bis Graseck folgen. Dort rechts bis zur Eisernen Brücke, die Partnach überqueren und anschließend zur Partnachalm weiter.

Öffnungszeiten der Hütten

Die Hütten auf dem Weg haben für Übernachtungsgäste nur im Sommer geöffnet – in der Regel von Ende Mai bis Oktober. Informiere dich aber am besten zur Sicherheit telefonisch. Buche die Hütten auf jeden Fall rechtzeitig vorher – vor allem, wenn du am Wochenende übernachten willst. Als DAV-Mitglied erhältst du einen Rabatt.

Hier sind die Links zu den Hütten:

Beste Reisezeit zum Wandern auf der Zugspitze

Wie im Hochgebirge üblich, ist die Zeit von Mitte/Ende Juni bis Ende September die beste Zeit, um auf die Zugspitze zu wandern. In diesen Monaten ist der Schnee in den höheren Lagen in der Regel abgeschmolzen. Als wir Anfang Juni da waren, ging es gerade so. Der Südwestgrat wäre ohne Grödel aber eventuell kritisch geworden.

Letzte Talfahrt der Seilbahn Zugspitze

Die letzte Talfahrt der Seilbahn vom Gipfel der Zugspitze bis zum Eibsee im Tal ist um 16:30 Uhr. Versuche also spätestens um 16:00 Uhr auf dem Gipfel sein. Die letzte Fahrt von der Gletscherbahn am Zugspitzplatt auf die Zugspitze ist um 16:25 Uhr. Der Preis für eine einfache Fahrt mit der Seilbahn Zugspitze beträgt 35 Euro.

Auf der Zugspitze übernachten

Eine Übernachtungsmöglichkeit auf dem Gipfel ist das Münchner Haus. Die DAV-Hütte der Kategorie II ist aber recht klein und bietet nur 36 Schlafplätze. Im Notfall wird zwar niemand abgewiesen. Wenn du Pech hast und es zu voll wird, kann es aber auch sein, dass du auf dem Fußboden schlafen musst.

Blick ins Wettersteingebirge.

Die 4 anderen Wege auf die Zugspitze

Der Wanderweg durch die Partnachklamm und das Reintal ist nicht der einzige Weg auf die Zugspitze. Es gibt noch vier andere beliebte Routen, die aber teilweise alpinistische Kenntnisse und Ausrüstung (Klettersteigset, Helm, Gurt, evtl. Seil) voraussetzen:

  • Höllentalklamm: Der Weg durchs Höllental auf die Zugspitze ist wahrscheinlich die beliebteste und bekannteste Tour. Auf eine leichte Wanderung durch das Höllental folgen Klettersteigpassagen und die Überquerung des Höllentalferner-Gletschers.
  • Stopselzieher: Die Route über den Stopselzieher-Klettersteig ist der kürzeste Weg auf die Zugspitze und verläuft an der Landesgrenze zwischen Deutschland und Österreich. Zunächst steht wieder ein kurzer Wanderweg an, danach ein anspruchsvoller Klettersteig. Die Strecke gilt als etwas leichter als die Höllentalklamm
  • Gatterl-Tour: Die Gatterl-Tour führt von Österreich auf die Zugspitze und ist wie die Reintal-Route eine reine Wanderung. Hier musst du auch nur 1800 Höhenmeter zurücklegen. Der letzte Teil der Tour führt wie die Wanderung durchs Reintal zur Knorrhütte und von dort zum Zugspitzplatt.
  • Jubiläumsgrat: Die Tour über den Jubiläumsgrat ist eine alpine Gratkraxelei im Schwierigkeitsgrad T6 SAC für die ggf. sogar eine Seilsicherung erforderlich ist. Hier gibt es regelmäßig Unfälle, viele davon mit bösem Ende. Schau dir lieber erstmal ein Video davon an:

Mein Fazit

So das war er also… der höchste Punkt Deutschlands. Ich bin ganz ehrlich: Ich hatte im Vorfeld nicht wahnsinnig viel von dieser Tour erwartet. „Einfachster Weg“ klingt ja immer auch ein bisschen wie „langweiligster Weg“. Aber weit gefehlt. Die Wanderroute durch das Reintal war ein toller Tag in den Bergen, an den ich mich noch lange zurückerinnern werde.

Der zugebaute Gipfel der Zugspitze ist zugegebenermaßen eine mittelschwere Naturkatastrophe und versprüht so ziemlich überhaupt keinen Charme. Aber der Weg dahin…ein Traum. Vor allem hat mich überrascht, wie abgeschieden das Reintal war – und das trotz des Touristenmagnets Zugspitze in der unmittelbaren Nachbarschaft. Definitiv eine empfehlenswerte Tour!

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Der Beitrag Wandern auf die Zugspitze durchs Reintal: In 1 Tag auf den höchsten Gipfel Deutschlands erschien zuerst auf Der Eskapist.

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Traumtour am Werbellinsee: Von Golzow zum Kaiserbahnhof Joachimstal https://der-eskapist.de/deutschland/traumtour-am-werbellinsee-von-golzow-zum-kaiserbahnhof-joachimstal/ https://der-eskapist.de/deutschland/traumtour-am-werbellinsee-von-golzow-zum-kaiserbahnhof-joachimstal/#respond Wed, 16 Jun 2021 21:49:58 +0000 https://der-eskapist.de/?p=7300 Brandenburg hat ja bekanntlich jede Menge schöne Ecken. Deshalb sollte ich auch gar nicht so erstaunt sein, hier immer wieder was Neues zu entdecken. Aber diese Tour im Naturschutzgebiet Buckowseerinne war mal wieder so ein Fall von „Junge – wieso schleppst du dich eigentlich mit Zelt und Rucksack durch einsame Berglandschaften, wenn du so ein […]

Der Beitrag Traumtour am Werbellinsee: Von Golzow zum Kaiserbahnhof Joachimstal erschien zuerst auf Der Eskapist.

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Brandenburg hat ja bekanntlich jede Menge schöne Ecken. Deshalb sollte ich auch gar nicht so erstaunt sein, hier immer wieder was Neues zu entdecken. Aber diese Tour im Naturschutzgebiet Buckowseerinne war mal wieder so ein Fall von „Junge – wieso schleppst du dich eigentlich mit Zelt und Rucksack durch einsame Berglandschaften, wenn du so ein Paradies fast direkt vor der Haustür hast?“

Ok – das wäre vielleicht ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag. Ein gelegentliches Bergabenteuer fördert ja bekanntlich den Charakter und hat von Zeit zu Zeit auch seinen Reiz. Wie auch immer: Diese Wanderung im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat mir so gut gefallen, dass ich sie hier kurz mal vorstellen möchte. Lust auf ein bisschen heile Welt vor den Toren Berlins?

Dann bitte weiterlesen!

Steinkreis am Bültenpfuhl in der Schorfheide in Brandeburg.

Auf einen Blick

  • Streckenwanderung durch das Naturschutzgebiet Buckowseerinne von Golzow über den Werbellinsee zum Kaiserbahnhof Joachimstal
  • Länge: 21,9 km
  • Schwierigkeit: leicht
  • Abenteuerfaktor: niedrig, dafür umso größerer Genuss
  • Bademöglichkeiten: reichlich
  • Einkehrmöglichkeiten: reichlich

Karte und GPS-Track

Von Golzow zum Kaiserbahnhof Joachimstal

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GPX-Download

Wanderung von Golzow über den Werbellinsee zum Kaiserbahnhof Joachimstal

Los geht’s am Bahnhof von Golzow, einem winzigen Dörfchen nordöstlich von Eberswalde im Brandenburgischen Nirgendwo, etwa 40 Kilometer von Berlin entfernt. Golzow ist so klein, dass es nicht einmal einen richtigen Bahnsteig hat – du steigst quasi mitten auf der grünen Wiese aus und hast die Großstadt garantiert schon nach ein paar Sekunden vergessen. Das Dörfchen wirkt – wie in Brandenburg üblich – an diesem Samstagnachmittag wie ausgestorben, was natürlich noch zu dem Reiz beiträgt.

Kühe auf dem Wanderweg zum Werbellinsee.

Weiter geht’s in das Naturschutzgebiet Buckowseerinne. Das ist ein wunderschönes kleines Landschaftsgebiet am östlichen Rand des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin zwischen Buckowsee und Britzer See mit der für das nördliche Brandenburg typisch eiszeitlich geprägten Landschaft.

Auf beiden Seiten des Weges sanft geschwungene Hügel, grüne Wiesen mit duftenden Blumen und kleine Teiche und Tümpel, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Die Kühe, denen wir begegnen scheinen auch zufrieden zu sein und kauen gemächlich vor sich hin. Brandenburger Gemütlichkeit at its best.


Genusswandern zwischen Seen, Feldern und Wiesen

Nach ein paar Kilometern mündet der Weg auf den Rundwanderweg Buckowseerinne und führt zuerst zum Bültenpfuhl und anschließend zum Koppelpfuhl. Gerade der erste der beiden Teiche ist ein wirklich schönes Plätzchen, das zu einer ersten Rast einlädt. Leider ist der kleine See abgezäunt, sodass die Badepause noch ein bisschen warten muss.

Blick auf den Bültenpfuhl.

Nachdem wir die A11 überqueren geht es ein Stückchen durch den Wald, bis wir das Dörfchen Altenhof erreichen. Hier wird es dann etwas trubeliger – der Weg führt direkt am Werbellinsee entlang und die nächsten paar Kilometer kommen wir eigentlich ständig an Badestellen, Liegewiesen und natürlich den obligatorischen Eisverkäufern und Pommesbuden vorbei.

Nach der langen Corona-Pause finden wir das aber alle ziemlich nett und die Wanderung verwandelt sich ziemlich schnell in einen eher gemütlichen Spaziergang von einer Softeisbude zur nächsten. Da es bereits schön warm ist, machen wir natürlich auch noch eine längere Badepause. Praktischerweise gibt es hinter Altendorf alle paar Meter tolle Badestellen.


Was mir besonders gut gefällt: Das Wasser des Werbellinsees ist wirklich sensationell klar! Bis jetzt war der Schermützelsee in der Märkischen Schweiz immer mein Favorit unter den Brandenburger Seen. Aber der Werbellinsee steht dem in nichts nach und fühlt sich mindestens genauso sauber an.

Klettereinlage am Werbellinsee

Zum Schluss dieser äußerst entspannten Genusstour wird es dann doch noch einmal ein bisschen abenteuerlich. Der Weg verwandelt sich in einen Trampelpfad der mehrere Meter über dem Seeufer verläuft. Ein Schild warnt ausdrücklich vor dem „steilen und naturbelassenen Pfad“.


Glücklicherweise meistern alle die Herausforderung und wir kommen unbeschadet am Kaiserbahnhof Joachimstal an. So benannt, weil der Bahnhof auf Veranlassung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II erbaut wurde. Angeblich weil es seiner Majestät zu umständlich war, zur Jagd in der Schorfheide immer erst in Eberswalde in die Kutsche umzusteigen.

Vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen Wasserfall, der aber leider ausgetrocknet ist. Wahrscheinlich führt er nur im Frühjahr Wasser. Das macht aber gar nichts – die Wanderung war auch so ein voller Erfolg und mit einem Haufen toller Eindrücke und dem guten Gefühl, dass es vor der eigenen Haustür auch ganz schön ist, fahren wir zurück in die Großstadt.


Anreise

Von Berlin aus mit der RE3 Richtung Schwedt (Oder) Umsteigen in Eberswalde in die RB63 Richtung Templin und dann bis Golzow (Chorin). Der Zug fährt stündlich aus Berlin, die Fahrt dauert etwa 1 1/4 Stunden. Rückfahrt vom Kaiserbahnhof Joachimstal mit der RB 63 und in Eberswalde wieder in die RE 3 umsteigen. Auch hier stündliche Verbindung.

Meine Empfehlungen zum Wandern*

Und sonst?

  • Im Sommer unbedingt Badesachen mitnehmen – am Werbellinsee gibt es gefühlt alle paar Meter tolle Badestellen!
  • Die Tour verläuft etwa zur Hälfte im Wald und ist auch an besonders heißen Tagen recht angenehm zu laufen.
  • Ab Altenhof (etwa Mitte der Tour) gibt es ausreichend Imbisse und Restaurants, um sich zu stärken.
  • Nimm trotzdem lieber 1-2 Liter Wasser mit, falls der Durst zuschlägt.
  • Am besten schon bei der Hinfahrt das Rückfahrt-Ticket kaufen, da es am Kaiserbahnhof Joachimstal keinen Schalter gibt. Alternativ das Ticket im Zug kaufen, hier aber nur Barzahlung.
  • Für Gruppen bis 5 Personen lohnt sich das Brandenburg-Ticket (33 Euro) mit dem man den ganzen Tag im öffentlichen Nahverkehr fahren kann.
Wandern am Werbellinsee in Brandenburg.

Mein Fazit

Eine geniale Wanderung durch ein traumhaft schönes Stückchen Natur. Tolle Landschaften, jede Menge Badestellen und alle paar Kilometer ein netter Softeis-Verkäufer – die perfekten Zutaten für einen entspannten Sommernachmittag im Grünen. Alleine wäre ich wahrscheinlich nicht auf diese Tour gekommen. Aber dafür gibt es ja Wandergruppen. An dieser Stelle noch mal einen Riesendank an „Wanderleiterin“ Christine, die mich zu dieser wunderbaren Tour eingeladen hat!

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Hast du noch Fragen? Kennst du noch andere tolle Wanderungen in der Schorfheide? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören!

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Wanderung auf dem Stangensteig über der Höllentalklamm: Das musst du wissen https://der-eskapist.de/deutschland/wanderung-auf-dem-stangensteig-ueber-der-hoellentalklamm-das-musst-du-wissen/ https://der-eskapist.de/deutschland/wanderung-auf-dem-stangensteig-ueber-der-hoellentalklamm-das-musst-du-wissen/#comments Wed, 12 May 2021 16:35:11 +0000 https://der-eskapist.de/?p=6335 In diesem Artikel: Die Höllentalklamm ist wohl einer der beliebtesten Wanderungen im Zugspitzland. Zu der Tour gibt es gefühlt bereits 1 Millionen Blogbeiträge im deutschsprachigen Netz. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: Ja, es lohnt sich, wenn du in der Gegend bist. Nicht ganz so viel wurde hingegen über den Stangensteig geschrieben, der sich […]

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In diesem Artikel:

Die Höllentalklamm ist wohl einer der beliebtesten Wanderungen im Zugspitzland. Zu der Tour gibt es gefühlt bereits 1 Millionen Blogbeiträge im deutschsprachigen Netz. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: Ja, es lohnt sich, wenn du in der Gegend bist.

Nicht ganz so viel wurde hingegen über den Stangensteig geschrieben, der sich quasi direkt nebenan befindet.

Dabei ist dieser spektakuläre Gebirgssteig die perfekte Möglichkeit, die Wanderung durch die Höllentalklamm zu einer Rundwanderung zu machen: Hoch über die Klamm bis zur Höllentalangerhütte, zurück über den Stangensteig. Oder umgekehrt – wie du willst.

Der Vorteil dieser Variante: Du siehst die Höllentalklamm jeweils aus einer anderen Perspektive. Einmal hautnah bei der Durchquerung, das andere Mal von weit oben aus der Vogelperspektive.

Wir haben diese Tour zum Aufwärmen für unsere Wanderung auf die Zugspitze gemacht und ich kann sie wärmstens empfehlen!

Stangensteig Weg über dem Zauberwald.

Was ist der Stangensteig?

Der Stangensteig ist ein alter Transportweg, der im 19. Jahrhundert als Zugangsweg für die Arbeiter des Bleibergwerks im Höllental genutzt wurde. Heute ist der Weg ein alternativer Zustieg zur Höllentalangerhütte, der oberhalb der Höllentalklamm verläuft.

Er beginnt im Grainauer Ortsteil Hammersbach und führt stetig ansteigend zunächst durch den malerischen „Zauberwald“. Anschließend mündet der Weg in einem schmalen Steig über der Höllentalklamm, von dem sich spektakuläre Blicke in die Schlucht bieten.

Blick vom Stangensteig in die Höllentalklamm.
Schwindelerregender Tiefblick in die Höllentalklamm.

Der Weg verläuft in munterem Auf und Ab teilweise direkt an der mächtigen Steilwand des Waxensteins entlang. Auf der anderen Seite geht es mehrere hundert Meter tief in die Klamm herunter. Aber keine Sorge: Die wenigen, potenziell gefährlichen Stellen sind mit Stahlseilen gesichert.

Highlight ist die Überquerung der Eisernen Brücke, die ganze 73 Meter über dem Höllentalklammweg thront. Wenn du runterschaust, siehst du tief unter dir die Wanderer in der Höllentalklamm. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit bis zur idyllisch gelegenen Höllentalangerhütte.

Eiserne Brücke über den Stangensteig in der Höllentalklamm.
Die „Nepalbrücke“ über dem Hammersbach.

Route und GPX-Datei

  • Länge: 11,4 km (mit Wanderung durch die Höllentalklamm)
  • Höhenmeter +:969 m, Höhenmeter – 969 m
  • Dauer: ca. 5-6 Stunden
  • Schwierigkeit: Mittel

Stangensteig und Höllentalklamm

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

GPX-Download

Lese-Tipps für Wanderer:

Wie gefährlich ist der Stangensteig?

Der Stangensteig ist als schwarzer Bergweg ausgezeichnet, d.h. als schwieriger Weg. Grund dafür sind aber nicht technische Schwierigkeiten oder der Zustand des Weges. Der Stangensteig ist hervorragend ausgebaut und stellt bei gutem Wetter, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit keine unüberwindbare Herausforderung dar.

Sicherung mit Stahlseil auf dem Stangensteig.
Die meiste Zeit sieht der Stangensteig so aus.

Pontentiell gefährlich ist der Stangensteig durch das ausgesetzte Gelände. Neben dem Weg geht es streckenweise ca. 150 Meter tief direkt in die Schlucht herunter. Ein Ausrutscher mit Sturz in einem solchen Gelände hat in der Regel nur ein Ergebnis. Und leider gab und gibt es hier auch immer wieder tödliche Unfälle, zuletzt verunglückte hier etwa ein 65-Jähriger Mann aus Rheinland-Pfalz.

Steile absturzgefährdete Wegstelle auf dem Stangensteig.
Genau solche Stellen sorgen für die Bewertung als „schwarzer Bergweg“. Du kannst aber immer genügend Abstand halten.

Solche Unfälle sind tragisch und für Außenstehende schwer zu bewerten, da man nie die genauen Umstände kennt.Wenn du schwindelfrei bist und die im Gebirge immer ratsame Vorsicht walten lässt, solltest du im Normalfall aber keine Probleme auf dem Stangensteig bekommen. Der Weg ist ausreichend breit und kommt dem Abgrund niemals zu nahe. Potentiell gefährliche Klettereien oder Kraxeleien sind zu keinem Zeitpunkt erforderlich.  

Meine persönliche Meinung: Der Stangensteig zeigt ein bisschen die Grenzen der deutschen Klassifizierung von Bergwegen auf. Der DAV bewertet Wege nämlich mit einem Dreier-Schema, das vor allem im Bereich schwarz (d.h. schwer) viel Freiraum zur Interpretation offen lässt. Das Schema kennst du vielleicht:

  • blau: leicht
  • rot: mittel
  • schwarz: schwer

Die Bewertung „schwarz“ kommt beim Stangensteig vor allem durch die schweren Konsequenzen im Fall eines Sturzes zustande. Der Weg selbst ist aber vergleichsweise einfach zu begehen. Daher ist ein Sturz ziemlich unwahrscheinlich. Die Schweizer SAC-Skala vermittelt in diesem Fall für mein Empfinden ein etwas genaueres Bild von den zu erwartenden Schwierigkeiten.

Nur ein Beispiel um das zu verdeutlichen: Der nahegelegene Weg auf die Zuspitze über den Höllentalferner ebenfalls als schwarzer Bergweg markiert. Das ist aber eine Hochtour, die schon aufgrund der Überquerung eines spaltenreichen Gletschers im Schwierigkeitsgrad T5 angesiedelt ist und später stark ausgesetzte Klettersteigpassagen (Schwierigkeit C) in alpinem Gelände aufweist. Da liegen Welten zwischen dem Stangensteig, der maximal die Schwierigkeit T3 erreicht.

Tipp: Diese Einschätzung gilt nur für gute Wetterbedingungen. Bei schlechtem Wetter, Regen oder Schnee würde ich von einer Wanderung auf dem Stangensteig absehen. Generell empfielt sich, bei solchen potentiell gefährlichen Routen erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen und im Zweifelsfall (Unsicherheit, Erschöpfung, etc.) umzukehren.

Ist für den Stangensteig ein Klettersteigset erforderlich?

Ein Klettersteigset oder andere Ausrüstung zum Sichern ist auf dem Stangensteig nicht notwendig. Es ist ein regulärer Wanderweg ohne besondere technische Schwierigkeiten. Wer sich in solchem leicht ausgesetzten Gelände unwohl fühlt, sollte über die Begehung ohnehin nochmal gut nachdenken, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. Das einzige was du brauchst, sind feste Wanderschuhe und Regenkleidung, wenn du auch noch durch die Höllentalklamm läufst. Dort kann es nämlich ziemlich nass werden.

Meine Empfehlungen zum Bergwandern*

Kann man den Stangensteig im Winter begehen?

Die Höllentalklamm ist im Winter gesperrt und öffnet in der Regel erst Ende Mai. Im Unterschied dazu ist der Stangensteig im Winter geöffnet und kann – theoretisch – begangen werden. Davon wird aber abgeraten: Der Weg verläuft zwischen zwei steil aufragenden Gebirgskämmen und ist im Winter akut von Lawinen bedroht.

Bei Schnee und Eis steigt zudem die Gefahr vom Weg abzurutschen und in die Klamm zu stürzen. Das ist ein Risiko, das man nicht unterschätzen darf. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die diese Warnungen ignorieren und trotzdem loslaufen. Das kann gutgehen – aber es gab im Winter auch schon tödliche Unfälle auf dem Stangensteig.

Meine bescheidene Meinung? Such dir stattdessen lieber ein schönes Wanderziel im Süden, beispielsweise die La Gomera oder Teneriffa auf den Kanaren. Die Bergwege da sind mindestens genauso spektakulär und das Wetter ist ein bisschen freundlicher.

Stangensteig vor der Höllentalangerhütte.
Beginn des Stangensteigs vor der Höllentalangerhütte.

Ist der Stangensteig aktuell gesperrt oder geöffnet?

Je nach aktuellen Witterungsverhältnissen kann der Stangensteig auch zeitweise gesperrt werden. Das war beispielsweise nach dem heftigen Unwetter im Juni 2020 der Fall, als die Wege aufgrund umgestürzter Bäume, Felsstürze und Wassermassen unpassierbar waren.

Auch ein besonders heftiger Winter mit viel Schnee kann dazu führen, dass der Stangensteig gesperrt wird. Aktuelle Informationen ob der Stangensteig gesperrt oder geöffnet ist, findest du auf der Webseite der Höllentalangerhütte. Diese Seite wird regelmäßig aktualisiert.

Wegverlauf des Stangensteigs.
Der Weg windet sich an der Steilwand entlang.

Mein Fazit

Der Stangensteig ist ein toller Bergweg mit wirklich spektakulären Aussichten in die Höllentalklamm. Der Weg bietet sich vor allem als Rückweg an, um nicht den gleichen Weg durch die Klamm zurückzulaufen. Vor allem der Blick von der Eisernen Brücke auf die winzig anmutenden Wanderer in der Schlucht ist ein echtes Highlight.

Die Bewertung als „schwarzer Bergweg“ klingt schlimmer als es in Wirklichkeit ist. Wenn du schwindelfrei und trittsicher bist und regelmäßig auf normalen Bergwegen wanderst, wirst du bei guten Wetterbedingungen keinerlei Probleme mit dem Stangensteig bekommen. Und wenn dir die Ausgesetztheit nicht zusagt, wirst du es ohnehin relativ schnell merken: In diesem Fall drehst du einfach wieder um.

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Hast du noch Fragen zum Stangensteig? Kennst du andere tolle Wanderungen in der Gegend? Dann schreib mir einen Kommentar – ich freue mich, von dir zu hören!

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Döberitzer Heide Rundwanderweg: Lohnt es sich? Erfahrungsbericht https://der-eskapist.de/deutschland/doeberitzer-heide-rundwanderweg-lohnt-es-sich-erfahrungsbericht/ https://der-eskapist.de/deutschland/doeberitzer-heide-rundwanderweg-lohnt-es-sich-erfahrungsbericht/#respond Mon, 18 Jan 2021 21:46:43 +0000 https://der-eskapist.de/?p=5194 Die Döberitzer Heide stand schon länger auf meiner To-Do-Liste von Wanderungen rund um Berlin. Das Naturschutzgebiet liegt quasi direkt vor der Haustür, ist leicht mit Öffis erreichbar und beheimatet seltene Przewalski-Pferde und Wisente, die hier frei in den weitläufigen Heidelandschaften herumstreifen. Also eigentlich alles man für einen spannenden Wandertag braucht. Kurz-Infos zur Döberitzer Heide Das […]

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Die Döberitzer Heide stand schon länger auf meiner To-Do-Liste von Wanderungen rund um Berlin. Das Naturschutzgebiet liegt quasi direkt vor der Haustür, ist leicht mit Öffis erreichbar und beheimatet seltene Przewalski-Pferde und Wisente, die hier frei in den weitläufigen Heidelandschaften herumstreifen. Also eigentlich alles man für einen spannenden Wandertag braucht.

Kurz-Infos zur Döberitzer Heide

Das Naturschutzgebiet Döberitzer Heide liegt etwa 25 km westlich von Berlin. Wie so viele Naturlandschaften rund um die Hauptstadt war das Gebiet früher ein Truppenübungsplatz. 2004 kaufte die nach dem berühmten Tierfilmer benannte Heinz-Sielmann-Stiftung Teile des Geländes auf und siedelte verschiedene vom Aussterben bedrohte Tierarten an.

Das 3600 ha große Areal besteht aus einer für die Öffentlichkeit gesperrten Wildnis-Kernzone und einem äußeren Naturerlebnisring, durch den die Wanderwege verlaufen und wo es auch einen Aussichtsturm gibt. Die Landschaft ist eine interessante Mischung aus offener Heide, lichten Wäldchen und vielen Hügeln. In der Kernzone leben Rothirsche, Przewalski-Pferden und Wisente.

Wildpferde in der Döberitzer Heide.

Anreise

Aus Berlin mit dem RE 4 bis nach Elstal. Der Zug verkehrt stündlich. Vom Bahnhof Elstal aus sind es dann noch einmal gut 3 km bis zum Eingang des Naturschutzgebietes. Wer will, kann vom Bahnhof auch die Buslinie 668 bis zur Bushaltestelle „Zum Erlebnisdorf“ nehmen (Fahrplan). Für Autofahrer gibt es außerdem einen großen Parkplatz direkt vor dem Eingang zur Heide.

Meine Empfehlungen zum Wandern*

Döberitzer Heide: Auf dem Rundwanderweg durch die Wildnis

Insgesamt verlaufen 55 Km Wanderwege in der Döberitzer Heide. Da ich vorher noch nie hier war, nahm ich mir den 22 km langen Rundwanderweg vor, der einmal im Kreis um die geschützte Wildnis-Kernzone führt. Der Weg ist in regelmäßigen Abständen mit roten Pfeilen und Schildern markiert. außerdem gibt es mehrere Rastplätze und etwa in der Mitte einen 15 m hohen Aussichtsturm am Finkenberg.

Karte und GPX-Track

Döberitzer Heide Rundwanderung

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

GPS-Download

Was taugt der Rundwanderweg durch die Döberitzer Heide?

Auf dem Papier klang eigentlich alles super: Ursprüngliche Wildnis, vom Aussterben bedrohte Tiere, ein offizieller Rundwanderweg und das alles auch noch perfekt vom Berliner Hauptbahnhof erreichbar. Nachdem ich in Berlin im letzten Jahr mehrmals großflächige Plakatwerbung für das Naturschutzgebiet gesehen hatte, war meine Vorfreude entsprechend groß.

Leider hat mich die Wanderung durch Döberitzer Heide aus verschiedenen Gründen aber doch nicht so ganz überzeugt.

Zu viele Zäune

Aus Naturschutzgründen kann ich es komplett nachvollziehen, dass die gesamte Kernzone mit Zäunen gesperrt ist. Schließlich sollen hier vom Aussterben bedrohte Tierarten angesiedelt werden und da stört es dann doch eher, wenn Touristen nach Lust und Laune in dem Gelände rumspazieren.

Sehr schön zum Wandern ist das Ganze aber nicht. Der Rundwanderweg führt zu 90% direkt am Zaun vorbei – und wir reden hier nicht von einem kleinen Gatter, sondern von einem bis zu 2 Meter hohen Starkstrom-Elektrozaun. Richtiges Naturfeeling wollte da nicht so recht aufkommen. Ich kam mir in weiten Teilen so vor, als würde ich an einem Gefängnis vorbeilaufen.

Zaun an der Kernzone Döberitzer Heide.
Einer der stark gesicherten Eingänge in die Kern-Wildniszone.

Kein schöner Wanderweg

Auch der Wanderweg selbst hat mich nicht begeistert. Eigentlich war es in weiten Teilen gar kein richtiger Weg, sondern eine Art zweispurige Offroadpiste. Ich schätze, dass der Weg für die Mitarbeiter der Heinz-Sielmann-Stiftung als Zufahrtsstraße zu den Eingängen in die gesperrte Kernzone benutzt wird. Macht Sinn – aber zum Wandern fühlt es sich nicht so toll an.

Rundwanderweg in der Döberitzer Heide.

Zu viele Radfahrer

Ok – dieser Punkt spricht jetzt nicht per se gegen die Döberitzer Heide. Aber dadurch, dass der Rundwanderweg eher eine Straße ist, sind entsprechend viele Fahrradfahrer unterwegs. Ich kann das sogar nachvollziehen – wenn man so eine Strecke hat, nutzt man sie auch. Aber als Fußgänger macht es nicht so viel Spaß, sich die Piste mit Scharen von Mountain-Bikern zu teilen.

Gibt es nichts Positives zu berichten?

Doch. Eigentlich hat mir die Landschaft ganz gut gefallen. Die Mischung aus offenen Heideflächen, Wäldern und Hügeln ist ziemlich abwechslungsreich und erlaubt von Zeit zu Zeit tolle Weitblicke. Ich kann mir vorstellen, dass die Döberitzer Heide während der Heideblüte im Spätsommer wirklich schön aussieht.

Blick vom Finkenberg zum Berliner Fernsehturm.
Blick vom Aussichtsturm am Finkenberg zum Berliner Fernsehturm.

Ich bin während der Tour auch immer mal wieder vom Hauptweg auf kleinere Trampelpfade ausgewichen, beispielsweise südlich des Aussichtsturms am Finkenberg. Das fand ich schon wesentlich uriger und hier ist man dann wirklich mitten in der Natur. Vielleicht verbergen sich die wahren Highlights ja abseits des Rundwanderwegs?

Zerstörter Bunker am Wegesrand.
Zerstörter Bunker am Wegesrand.
Aussichtsturm Finkenberg.
Aussichtsturm Finkenberg.
Rastplatz Wüste mit Wanderhütte in der Döberitzer Heide.
Rastplatz „Wüste in der Nähe des Eingangsbereichs“.

Mein Fazit zur Döberitzer Heide

Gut möglich, dass es auch einfach an der Jahreszeit lag, aber so richtig vom Hocker gerissen hat mich der Rundwanderweg durch die Döberitzer Heide jetzt nicht. Die „unberührte Wildnis“ kann man eigentlich nur von weitem durch einen Elektrozaun bewundern. Das hab ich mir irgendwie etwas anders vorgestellt.

In Brandenburg gibt es jede Menge vergleichbarer Orte, um ungestört in die Natur einzutauchen. Spontan fallen mir beispielsweise die Kleine Schorfheide im Naturpark Uckermärkische Seen, das NSG Charlottenhöhe oder das ehemalige Truppenübungsgelände Jüterbog ein. Und im Unterschied zur Döberitzer Heide ist da keine Menschenseele unterwegs.

Abendstimmung in der Döberitzer Heide.

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Warst du auch schon mal in der Döberitzer Heide? Hast du andere Erfahrungen gemacht oder habe ich irgendetwas total Offensichtliches übersehen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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Wandern im wilden Schlaubetal: Ein Hauch von Dschungel in Brandenburg https://der-eskapist.de/deutschland/wandern-im-wilden-schlaubetal-ein-hauch-von-dschungel-in-brandenburg/ https://der-eskapist.de/deutschland/wandern-im-wilden-schlaubetal-ein-hauch-von-dschungel-in-brandenburg/#respond Fri, 14 Aug 2020 16:41:58 +0000 https://der-eskapist.de/?p=4773 Vorsichtig taste ich mich durch das grüne Halbdunkel, ducke mich unter einem umgestürzten Baumstamm, der den Weg versperrt. Es ist gefühlt 30 Grad im Schatten und die Luft steht. Der Schweiß rinnt mir in Strömen herunter und ich würde gerne eine Pause einlegen. Mich in dem Bach erfrischen, der neben mir träge durch den Wald […]

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Vorsichtig taste ich mich durch das grüne Halbdunkel, ducke mich unter einem umgestürzten Baumstamm, der den Weg versperrt. Es ist gefühlt 30 Grad im Schatten und die Luft steht. Der Schweiß rinnt mir in Strömen herunter und ich würde gerne eine Pause einlegen. Mich in dem Bach erfrischen, der neben mir träge durch den Wald fließt.

Keine Chance – sobald ich stehen bleibe stürzen sich die Stechmücken in Scharen auf jede freie Stelle meines Körpers. Meine Arme sind schon ganz blutig von den vielen Stichen. Hätte ich doch bloß mal darauf geachtet, dass mein Mückenschutzmittel noch was taugt…

Dichter Wald im oberen Schlaubetal.

Nein… ich befinde mich gerade nicht im Amazonas oder im Dschungel von Thailand, sondern nur 80 Kilometer südöstlich von Berlin. Ich bin dieses Wochenende mal wieder im Schlaubetal. Einige nennen diesen Ort auch „das schönste Bachtal Brandenburgs“.

Das sei jetzt mal dahingestellt. Auf jeden Fall bekommst du hier viel unberührte Natur, eine tolle Flora und Fauna, wunderbare Wanderwege an der Schlaube und zumindest im Sommer einen Hauch von Urwaldfeeling.

Mückenschutzmittel eingepackt? Dann nichts wie ab ins Schlaubetal!

Verkrüppelter Baum im Schlaubetal.

Wo ist das Schlaubetal?

Der Naturpark Schlaubetal liegt etwa 80 Kilometer südöstlich von Berlin im östlichen Teil von Brandenburg. Der nächstgrößere Ort ist das Städtchen mit dem kuriosen Namen „Müllrose„. Das hat übrigens nichts mit „Müll“ zu tun, sondern ist die die eingedeutschte Fassung des ursprünglich sorbischen Namens „Miloraz“. Aber das nur am Rande.

Zumindest für Berliner ist das Schlaubetal eigentlich kein echter Geheimtipp zum Wandern. Irgendwie hat jeder schon mal davon gehört. Aber es ist doch gerade so weit weg, dass sich die meisten denken: „Ach, da könnte ich eigentlich mal wieder hin…“ Um dann anschließend doch wieder in den Grunewald oder die Märkische Schweiz zu fahren.

Deshalb geht es im Schlaubetal bislang immer noch ziemlich ruhig und überschaubar zu. Und das obwohl der wunderschöne und als „Qualitätswanderweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnete Schlaubetal-Wanderweg auf 25 Kilometern einmal durch das gesamte Tal führt. Ein toller Weg, auf dem du einige gut erhaltene, denkmalgeschützte Mühlen passierst und die gesamte landschaftliche Vielfalt des Schlaubetals kennenlernst.

Umgestürzter Baum in der Schlaube.
Einer der vielen Nebenläufe und Zuflüsse der Schlaube,

Was kann man im Schlaubetal unternehmen?

Wenn du nach einem unberührten Ort zum Wandern und Spazierengehen sucht, wirst du im Schlaubetal ein Paradies finden. Der Naturpark vereint auf kleinstem Raum eine Vielzahl von Landschaftsformen und präsentiert sich gerade im oberen Schlaubetal im Süden als überraschend wild und urwüchsig.

Wirchensee im südlichen Teil des Schlaubetals.

Das Landschaftsbild wird hier von dichten Erlenbruchwäldern, ausgeprägten Sumpfgebieten und zahllosen großen und kleineren Seen geprägt. In den Feuchtwiesen blühen Orchideen, Sumpfdotterblume und seltene Wildkräuter. Bunte Schmetterlinge tanzen im Sonnenschein. Wenn du dich ruhig verhältst, hast du sogar die Chance, seltene Tiere wie den Eisvogel, Biber oder Seeadler aus der Nähe zu beobachten.

Boot am Ufer der Schaube.

Trotz der Nähe zur Zivilisation ist es streckenweise eine geradezu urwaldartige Landschaft. Immer wieder versperren umgestürzte Baumstämme den Weg, zahllose unmarkierte und halb zugewucherte Trampelpfade zweigen von der Hauptroute ab, um sich im Dickicht zu verlieren. Für abenteuerlustige Wanderer, die kein Problem damit haben, sich auch mal zu verlaufen, ein ideales Revier.

Am faszinierendsten finde ich im Schlaubetal die tief eingeschnittenen Täler und steilen Hanglagen. Für Brandenburg ganz untypisch verläuft der Wanderweg streckenweise über regelrechte Treppensteige. Wenn du in fast dreißig Metern Höhe über dem Fluss wanderst während neben dir die dichtbewaldeten Hänge aufragen, wirst du dich fast wie in einem echten Mittelgebirge fühlen.

Treppenweg auf dem Schlaubetal-Wanderweg.
Beim Wandern im Schlaubetal kommen einige Höhenmeter zusammen.

Im Norden wird es dann zunehmend flacher. Die Schlaube wird immer breiter und die Landschaft zeigt sich die Landschaft von ihrer sanfteren Seite. Immer wieder öffnet sich der Wald und ermöglicht schöne Weitblicke. An strategischen Stellen sind Bänke platziert, die zur Rast einladen. Schließlich mündet die Schlaube in den Großen Müllrosener See. Wenn du noch nicht genug Wasser hattest, kannst du dich hier im Freibad am Ostufer des Sees erfrischen.

Bank zum Rasten für Wanderer am Ufer der Schlaube.

Wandern im Naturpark Schlaubetal

Die beste Art, einen ersten Überblick vom Schlaubetal zu bekommen ist der 25 Kilometer lange Schlaubetal-Wanderweg, der einmal durch die gesamte Länge des Naturparks führt. Der Weg ist durchgängig mit einem blauen S auf weißem Grund markiert und verläuft auf angenehm weichem Waldboden fast durchgängig am Ufer der Schlaube.

Zum Vergrößern anklicken:

Tafel mit der Übersicht der Wanderwege im Schlaubetal.
Wanderkarte der Wege im Schlaubetal.

Start der Tour ist entweder Müllrose im Norden oder die Schlaubemühle Treppeln/Neuzelle am Wirchensee im Süden, je nachdem wo du startest.

Karte und GPS-Datei

Schlaubetal

Eingebettete Karte - im Vollbildmodus anzeigen

Schlaubetal-Wanderweg: GPX-Download

Ich bin den Weg inzwischen in beide Richtungen gegangen und finde die Strecke von Nord nach Süd etwas schöner, da die Landschaft so immer ursprünglicher wird, je weiter südlich du läufst.

Bremsdorfer Mühle am Wanderweg Schlaubetal.
Die Bremsdorfer Mühle in der Mitte des Schlaubetals ist die schönste Mühle im Naturpark,

Unterwegs kommst du an einigen gut erhaltenen Mühlen vorbei, die früher für die Landwirtschaft genutzt wurden. Die schönste davon ist die Bremsdorfer Mühle auf etwa halbem Weg. Hier befindet sich eine wirklich urige Gastwirtschaft, in der Hühner und Gänse zwischen den Tischen herumspazieren und die Welt noch in Ordnung ist.

Gänse in der Gastwirtschaft in der Bremsdorfer Mühle.
Nicht einschüchtern lassen, wenn die tierischen Bewohner der Mühle etwas aufdringlich werden!

Tipp: Wenn du alle Mühlen sehen willst, empfiehlt sich der Mühlenwanderweg durchs Schlaubetal. Diese 80 Kilometer lange Rundtour startet in Müllrose und macht unter anderem einen Abstecher zum Kloster Neuzelle.

Unterwegs gibt es einige weitere Möglichkeiten die Wanderung zu verlängern. Eine beliebte Route ist eine Rundwanderung von der Ragower Mühle zum Forsthaus Siehdichum und zurück (13 km). Ebenfalls sehr schön ist die Runde um den Wirchensee ganz im Süden (5 km). Hier kommst du auch an der Quelle der Schlaube vorbei, die in einem Tümpel in den Wirchenwiesen entspringt.

Quelle der Schlaube in den Wirchenwiesen.
In diesem unscheinbaren Tümpel in den Wirchernwiesen entspringt die Schlaube.

Natürlich kannst du das Tal auch auf den zahlreichen Nebenwegen und Trampelpfaden erkunden, beispielsweise auf dem ziemlich ursprünglichen Westufer der Schlaube. Diese Wege sind teilweise nicht einmal auf den Karten eingezeichnet. Nimm dir also am besten ein GPS-Gerät mit. Der Handyempfang im Tal ist nur schlecht ist und du bekommst eventuell Probleme, wenn du versuchst mit dem Smartphone zu navigieren.

Camping im Schlaubetal

Eine gute Möglichkeit im Naturpark Schlaubetal zu übernachten ist der Naturcampingplatz am Großen Treppelsee, der sich ungefähr auf der Hälfte des Schlaubetal-Wanderwegs befindet. Der Name hält zwar nicht ganz, was er verspricht, da das Gelände bis ans Ufer des Sees zugeparkt ist. Dafür ist die Lage schön und für eine Nacht ist es okay. Weitere Campingmöglichkeiten gibt es am Schervenzensee und in Müllrose.

Schild mit den Wanderwegen im Schlaubetal.

Anreise

Von Berlin aus nimmst du die RE 1 nach Frankfurt/Oder und von dort die RB 36 nach Müllrose. Die Fahrt dauert ungefähr 2 Stunden. Um von der Schlaubemühle Neuzelle/Treppeln am Wirchensee wieder zurückzufahren, nimmst du die Schlaubetal Ausflugslinie A400 bis Jacobsdorf. Von dort geht es dann wieder mit der RE 1 nach Berlin.

Die Ausflugslinie fährt nur am Wochenende. Praktischerweise sind die Fahrpläne von Bus und Zug aber aufeinander abgestimmt, sodass du nicht lange warten musst. Achte darauf, dass du den letzten Bus gegen 17:00 Uhr nicht verpasst. Die Bushaltestelle am Wirchensee befindet sich mitten im brandenburgischen Nirgendwo und dir steht ansonsten ein sehr langer Fußweg bevor.

Und sonst?

Bring im Sommer unbedingt Mückenschutzmittel mit! Je mehr und je stärker desto besser. Durch die vielen Feuchtgebiete, die Lage im Tal und die zahllosen Gewässer ist das Schlaubetal ein ideales Brutgebiet. Ohne Insektenspray bist du Freiwild und wirst bei lebendigem Leib aufgefressen.

Ich habe beim letzten Trip ins Schlaubetal dummerweise ein altes Fläschchen mitgenommen, das ich vor ein paar Jahren in Thailand gekauft habe und das anscheinend sein Haltbarkeitsdatum längst überschritten hatte. Lektion gelernt.

Einkehren kannst du unterwegs in der Bremsdorfer Mühle und in der Ragower Mühle. Denk außerdem daran, ausreichend Wasser mitzunehmen, da es unterwegs keine Möglichkeit gibt Trinkwasser aufzufüllen. Außerdem sollten im Sommer die Badesachen nicht fehlen, da du fast immer am Wasser entlangläufst und es zahlreiche schöne Stellen zum Baden gibt.

Kieselwitzer Mühle im Schlaubetal.
Die Kieselwitzer Mühle liegt im Süden des Naturparks Schlaubetal.

Fazit zum Wandern im Schlaubetal

Ich war jetzt schon ein paar Mal im Schlaubetal, aber bestimmt nicht das letzte Mal. Es ist einer dieser Orte, der sich nicht durch ein einzelnes Highlight definiert, sondern seine Wirkung in der Gesamtheit entfaltet: Mal wild, dann wieder sanft, ein bisschen Urwald und ganz viel brandenburgische Gemächlichkeit. Eine Mischung, die süchtig machen kann!

Warst du auch schon mal im Schlaubetal? Kennst du noch andere tolle Orte zum Wandern in Brandenburg? Ich freue mich über deinen Kommentar. Und vergiss nicht, diesen Beitrag mit deinen Freunden und Bekannten zu teilen, wenn er dir gefallen hat!

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