📖 Die Manali Diaries #2
| 📅 Datum | 01. Mai 2025 |
| 📍 Route | Flughafen Delhi → Delhi |
| ✈️ Verkehrsmittel | Taxi |
| 🎯 Ziel | Hotel |
| ⛰️ Reise | 5 Monate Backpacking im indischen Himalaya |
Das Erste, was du in Indien lernst, ist Geduld. Wenn du keine Geduld hast, wirst du entweder wahnsinnig oder fährst ganz schnell wieder nach Hause. Ich habe eine 15-stündige Reise hinter mir und ich will eigentlich nur noch schnell ins Hotel, zumindest ein paar Stunden schlafen. Morgen Abend geht mein Bus nach Manali. Aber das lerne ich sofort: In Indien geht nichts einfach so und schon gar nicht schnell. Zuerst mal muss ich durch die Passkontrolle und das ist ein Kapitel für sich.
Willkommen in Indien
Das Visum hatte ich schon lange vorher in Deutschland beantragt und auch Probleme erhalten. So weit so gut. Aber am Flughafen Delhi reicht es nicht, einfach nur den Pass mit dem Visum vorzuzeigen und sich das Gepäck zu holen. Die hinter allem stehende Überlegung in Indien scheint zu sein:
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Dementsprechend muss jeder Tourist bei der Einreise einen vierstufigen Prozess durchlaufen:
Fingerabdrücke
Zuerst muss ich zu einem merkwürdigen Automaten gehen und dort meine Fingerabdrücke und das Passfoto einscannen lassen. Natürlich klappt das nicht auf Anhieb. Immer wieder schaue ich erwartungsvoll auf den Fortschrittsbalken beim Scanner und immer wieder bricht er mittendrin ohne Erklärung ab. Nach 20 Minuten klappt es dann doch irgendwie.

Immigration-Formular
Danach darf ich ein Kärtchen mit meinem Namen, dem gebuchten Hotel, Flugnummer und dem Datum ausfüllen. Zum Glück habe ich soweit mitgedacht und einen Kuli ins Handgepäck gepackt. Alberne Fragen nach dem Motto „Planen Sie einen Anschlag auf dem Unionsterritorium auszuüben?“ haben sich die Beamten der Einwanderungsbehörde erfreulicherweise erspart.

Die Passkontrolle
Nun kommt der Endgegner: Die eigentliche Passkontrolle. Es gibt zwar ungefähr 20 Schalter, aber nur drei davon sind besetzt. Und alle Flüge aus dem Westen kommen nachts an. Immer. Daher ist es gerappelt voll. Außerdem haben es die Beamten ganz und gar nicht eilig. Jeder einzelne Gast wird ausführlich befragt. Auch ich darf vor dem adrett gekleideten jungen Mann erstmal meine gesamte Reise ausbreiten, erklären, wo ich überall hinwill, was ich da machen will. Unfreundlich ist er nicht, im Gegenteil. Aber so langsam. Das Ganze dauert eine knappe Stunde, dann habe ich endlich den begehrten Stempel im Pass.
Endlich geschafft
Als letztes kommt noch der Zoll, hier laufe ich aber einfach durch. Draußen riecht es irgendwie anders. Staub, Abgase und etwas Süßliches, das ich nicht einordnen kann. Die Luft ist schwer und es ist sehr warm, obwohl es mitten in der Nacht ist. Von weitem hupen die Autos. Es fühlt sich an, als wäre ich in den Tropen.

„Taxi, Sir! Taxi!“
Mittlerweile ist es schon 3:30 Uhr und ich würde jetzt wirklich gerne ins Hotel. Vorher hole ich mir aber noch eine SIM-Karte von Airtel, der Schalter befindet sich direkt im Eingangsbereich. So ganz verstehe ich nicht, was die Mitarbeiter machen, aber man muss seinen Pass vorzeigen, dann wird ein Foto gemacht. Eine weitere halbe Stunde später habe ich dann die SIM.
Taxis gibt es zum Glück reichlich. Sobald man in den Eingangsbereich kommt, fragen einen die Leute an den Schaltern, ob man eins braucht. Wobei fragen eigentlich zu höflich ausgedrückt ist. Eher werde ich angebrüllt. „Taxi Sir“, „Taxi“, „Yes Taxi“, „Come here, Sir!“ Die Preise sind standardisiert und ziemlich hoch (1.500 Rupees). Aber in meinem übermüdeten Zustand ist mir das jetzt auch egal.

Wiki kennt Delhi wie Wikipedia
Die erste Regel beim Reisen in schwierigen Ländern lautet eigentlich: Lass dich niemals von einem Taxifahrer zu etwas überreden, das du nicht wirklich willst. Aber der lange Flug steckt mir in den Knochen und ich bin totmüde. Also lasse ich mich tatsächlich von dem Fahrer breitschlagen, ein anderes Hotel zu nehmen, als das, was ich vorher bei Booking gebucht hatte. Er kenne da ein viel besseres, mein Hotel sei in einem sehr schlechten Viertel. „It’s like village, very dirty, lot of bad people“. Aha, was du nicht sagst…
Er beugt sich vertraulich vor und eröffnet mir, dass er überhaupt genau der richtige Mann sei, wenn ich mal ein Problem hätte. „I know Delhi like the back of my hand, I know everything. That’s why I`m called Wiki, like Wikipedia, you understand? Haha!“ Sehr witzig, aber in dem Moment ist mir alles egal, ich will nur meine Ruhe. Immerhin macht er einen halbwegs gutmütigen Eindruck. Ich habe nicht das Gefühl, dass er mich gleich in eine dunkle Ecke fährt, wo seine Gangster-Buddies schon auf mich warten. Wahrscheinlich kriegt er einfach nur ein bisschen Provision, wenn er Touristen abfängt und zu seinen Bekannten lotst.
Nein, ich will keine Massage – lass mich einfach schlafen
Das Hotel ist eine ziemlich schäbige Bleibe, ein neonbeleuchteter Betonbau an einer Zufahrtstraße in der Nähe des Flughafens. Am Bordstein stapelt sich der Müll. Wiki meint, der Preis liegt bei 2.500 Rupees, das finde ich in Ordnung. Nachdem mein Taxifahrer weg ist und ich bezahlen soll, heißt es dann aber auf einmal, dass ich jetzt doch 3.750 zahlen soll, weil ich angeblich in der „Executive Suite“ übernachte. Was natürlich lächerlich ist: die sogenannte „Executive Suite“ ist ein stinknormales, nicht mal besonders sauberes Hotelzimmer.
Ich weigere mich, und nach ein paar Minuten gibt der Empfangschef schließlich auf. Aber man kann’s ja mal versuchen… Als ich schließlich im Zimmer bin, klopft er doch nochmal an. Ob ich jetzt noch eine Massage will? Nein, dude – ich bin einfach nur müde und will pennen. „Wirklich nicht?“ Er zeigt mir sein Handy mit ein paar leichtbekleideten dunkelhäutigen Schönheiten. „Not expensive, I can call them right now. You don`t want?“ Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll. Lass mich doch bitte einfach nur schlafen.
Irgendwann gibt er schließlich auf.
600 Kilometer bis Manali
Was für ein Tag. Aber immerhin liege ich jetzt endlich im Bett und der erste Schritt ist geschafft. Zumindest ein paar Stunden schlafen. Das ist auch nötig, denn morgen wartet schon die nächste Herausforderung. Ich muss irgendwie zum Busbahnhof kommen und den richtigen Bus finden.
Noch 600 Kilometer bis nach Manali. Irgendwo hinter den Lichtern der Millionenstadt wartet der Himalaya – zum Greifen nah und doch noch eine ganze Welt entfernt.
Fortsetzung folgt
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