Watzmann-Umrundung: Geniale Mehrtagestour in Berchtesgaden

Einmal rund um den König von Berchtesgaden: Die Watzmann-Umrundung führt in 4 Tagen rund um die höchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Eine traumhafte Hüttentour, die Wandergenuss pur und einen tollen Einblick in die außergewöhnliche Bergwelt des einzigen deutschen Alpen-Nationalparks bietet. Hier bekommst du alle Infos zu der Tour.

In diesem Artikel:

Der Watzmann im Nationalpark Berchtesgaden ist einer der berühmtesten Berge der bayerischen Alpen. Das mächtige Massiv erhebt sich an seinem höchsten Punkt bis auf über 2700 Meter und thront in erhabener Lage über dem Städtchen Schönau am Königssee – ein Sehnsuchtsziel für so gut wie jeden Bergliebhaber.

Aber was tun, wenn man keine Lust auf die berühmt-berüchtigte Watzmann-Überschreitung hat?

Ganz einfach: Die Watzmann-Umrundung.

Diese Mehrtagestour ist sozusagen die sanftere Möglichkeit, sich dem König von Berchtesgaden anzunähern. Frei nach dem Motto „Einmal rundherum statt mitten durch“ führt die Hüttentour in 4 Tagen durch den Nationalpark Berchtesgaden und umrundet dabei das gesamte Watzmann-Massiv.

Auf dem Weg lernst du zahlreiche Highlights der prächtigen Bergwelt Berchtesgadens kennen: Den kristallklaren Königssee, das berühmte Watzmannhaus am Fuß des Hochecks, stille Winkel im einsamen Wimbachtal zwischen Watzmann und Hochkalter und die eindrucksvolle Hochebene des Steinernen Meers an der Grenze zu Österreich.

Ich hatte zunächst ein bisschen Bedenken, dass die Watzmann-Umrundung einfach nur eine Art Verlegenheitslösung für alle ist, die sich die Überschreitung nicht zutrauen. Stimmt aber überhaupt nicht: Diese Tour ist der reine Genuss und für Liebhaber von Bergwanderungen definitiv keine „zweite Wahl“.


Auf einen Blick

  • Landschaftlich spektakuläre Bergwanderung rund um das Watzmann-Massiv im Nationalpark Berchtesgaden
  • Länge: ca. 47 km
  • Dauer: 4 Tage (kann auch auf 3 Tage abgekürzt werden)
  • Schwierigkeit: mittel, gut zum Einstieg ins Hütten-Trekking geeignet
  • Abenteuerfaktor: mittel
  • Übernachtung in Berghütten des Alpenvereins

Corona-Update 2021: Durch die anhaltende Corona-Situation ist der Betrieb der Hütten immer noch eingeschränkt. Für die Übernachtung sind zwingend Schlafsack und negativer Antigen-Testnachweis (nicht älter als 24 Stunden) erforderlich. Alternativ muss vor Ort ein Selbsttest durchgeführt werden. Die Selbsttests besorgst du dir am besten in Berchtesgaden – in Schönau und in den Hütten sind keine Testkits erhältlich.

Watzmann-Umrundung: In vier Tagen von Hütte zu Hütte im Nationalpark Berchtesgaden

Die Watzmann-Umrundung startet im beliebten Touristenort Schönau am bekannten Königssee. Von dort führt der Weg durch dichte Wälder und vorbei an hübschen kleinen Almen auf einem gut ausgebauten Steig bis zum Watzmannhaus in 1930 Metern.

Nach einem entspannten Abend auf der Terrasse steht am nächsten Morgen der Aufstieg zum niedrigsten Gipfel des Massivs an, dem Watzmann-Hocheck (2651 m). Anschließend geht es wieder runter und weiter zum Wimbachgries, einem beeindruckenden Gebirgstal zwischen den mächtigen Schuttströmen von Watzmann und Hochkalter.

Tag 3 führt über den Trischübel-Pass bis zum Hundstodsgatterl, das die Grenze zwischen Deutschland und Österreich markiert. In dieser Landschaft südlich des Watzmann erstreckt sich das Steinerne Meer, eine riesige Karsthochebene, die in ihren Formen an die versteinerten Wellen eines Meers erinnert. Tagesziel ist das Kärlingerhaus am malerischen Funtensee, dem kältesten Ort Deutschlands.

Die letzte Etappe der Watzmann-Umrundung führt durch die steile „Saugasse“ zurück an den Königssee. Nachdem wir den 80 Meter hohen Schrainbachfall passiert haben, gelangen wir an das Ufer des malerischen Gebirgssees. Einige Kilometer weiter liegt St. Bartholomä direkt vor der imposanten Watzmann-Ostwand. Mit einem Ausflugsboot geht es zurück nach Schönau, wo die Tour endet.

Karte und GPS-Track

GPX-Download

Nationalpark Berchtesgaden: Wanderführer und Wanderkarte

Meine Empfehlung: Plenk´s Spezialführer – Berchtesgadener Alpen

Ich hab mir diesen exzellenten Wanderführer direkt vor Ort besorgt und kann ihn wärmstens empfehlen. Das Büchlein erscheint in einem kleinen Berchtesgadener Verlag und man merkt, dass es wirklich von Ortskundigen geschrieben wurde. Hier gibt’s Tipps, die du anderswo nirgends findet.

Der Wanderführer enthält 75 ausführlich beschriebene Touren mit vielen Fotos. Neben den allseits bekannten Klassikern finden sich auch zahlreiche versteckte Wege, die wohl nur Einheimischen bekannt sind und einige Spaziergänge, die Einblicke in die Geschichte des Berchtesgadener Lands bieten.

Neben dem Wanderführer besorgst du dir am besten die topografische Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 des Deutschen Alpenvereins*. Die Karte enthält sämtliche Wege und deckt das gesamte Tourengebiet ab. Die DAV-Karten gelten als die detailliertesten und genauesten Karten der deutschen Alpen.

Watzmann-Umrundung Etappe 1

Route: Schönau am Königssee (605 m) – Kührointhütte (1420 m) – Falzalm (1845 m) – Watzmannhaus (1930 m)

  • Länge: 9 km
  • Höhenmeter: + 1323, – 13
  • Gehzeit: ca. 5 Stunden

Los geht’s etwas unspektakulär in Schönau am Königssee. Nach einer kurzen Erfrischung in dem nett gelegenen Restaurant Echostüberl laufen wir auf Asphalt an der Bob- und Rodelbahn vorbei und biegen nach ein paar hundert Metern auf einen steilen Waldweg. Den Einstieg zum Grünstein-Klettersteig lassen wir liegen und laufen stattdessen immer weiter nach oben.

Grünstein-Klettersteig im Nationalpark Berchtesgaden.

Die ganze Angelegenheit ist ziemlich ermüdend und der Weg bietet auch keine großartigen Aussichten. Das ändert sich erst wenn du dich dem Sommerbichel (1293 m) näherst und sich der Wald etwas lichtet. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit bis zur Kührointhütte. Die Hütte ist in eine malerische Almlandschaft aus dem Bilderbuch eingebettet und ist der perfekte Ort, um auf der Terrasse eine Rast einzulegen und dem Bimmeln der Kuhglocken zu lauschen.


Anschließend geht es über den Falzsteig weiter, einen wunderschön angelegten felsigen Natursteig, der sich langsam aber stetig in Richtung Watzmann-Massiv emporschraubt. In dem dichten Wald begegnete uns der erste Steinbock der Tour (oder ist es eine Gämse?) und schaute uns mit großen Augen neugierig an. Erst als wir uns auf weniger als 3 Meter näherten, räumte er freiwillig das Feld.

Steinbock bei der Watzmann-Umrundung.

Je weiter man aufsteigt, desto steiler wird der Weg. Ein paar kleinere Kraxelpassagen sind zu überwinden, es bleibt aber alles im grünen Bereich. Wenn du genau hinschaust, wirst du zwischen den Bäumen weit über dir das winzig kleine Watzmannhaus erkennen, das sich an den Gebirgskamm vor dem Hocheck klammert.

Blick auf das Watzmannhaus.

An der Falzalm gibt es ein paar Bänke auf denen du dich ausruhen kannst. Danach geht es zum letzten Teil der Etappe. Der Aufstieg zum Watzmannhaus ist an einigen Stellen mit Drahtseilen versichert, aber kein Problem. Fast ganz oben angekommen müssen wir uns an einem Altschneefeld vorbeiquetschen, das den Weg blockiert. Im Spätsommer ist es wahrscheinlich abgeschmolzen.


Das Watzmannhaus fand ich ziemlich trubelig, was aber auch irgendwie zu erwarten war. Hüttenromantik ist hier eher Fehlanzeige. Mich hat das Haus ein bisschen an ein Skihotel erinnert. Dafür ist alles super organisiert und das Einchecken läuft wie am Schnürchen. Essen gibt es von 18:00 bis 19:30 und nur à la carte. Trinkwasser ist nur an der Theke erhältlich.

Watzmann-Umrundung Etappe 2

Route: Watzmannhaus (1930 m) – Hocheck (2651 m) – Falzalm (1845 m) – Stubenalm (1145 m) – Wimbachklamm (637 m) – Wimbachschloss (937 m) – Wimbachgries-Hütte (1327 m)

  • Länge: 18,9 km
  • Höhenmeter: + 1290, – 1882
  • Gehzeit: ca. 9 Stunden, ohne Aufstieg zum Hocheck  (665 hm) ca. 6 Stunden

Heute steht zuerst ein kurzer Morgenspaziergang mit Tagesrucksack zum Watzmann-Hocheck an, bevor es mit vollem Gepäck weitergeht. Wer mag, lässt das Hocheck aus und läuft direkt weiter. Ich wollte mir den kleinesten Gipfel des Massivs aber nicht entgehen lassen und fand, dass es sich gelohnt hat. Plane ungefähr 4 Stunden hin- und zurück dafür ein. Das Gepäck lässt du währenddessen einfach im Trockenraum vom Watzmannhaus.

Der Aufstieg zum Watzmann-Hocheck.

Auch wenn ich eben Spaziergang geschrieben hab –  die Tour ist eine Bergwanderung in recht steilem und felsigen Gelände. Dennoch ist der Weg eher unkompliziert und gut markiert. Etwa auf 2/3 des Wegs musst du eine etwa 10 Meter hohe Steilstufe überwinden, die aber mit Drahtseilen entschärft ist. Am Ende folgt dann noch eine kurze Kraxelei über Felsplatten bis du am Gipfelkreuz stehst und mit einem umwerfenden 360°-Ausblick belohnt wirst.


Hinter dem Hocheck geht es an einem kleinen Unterstand aus Holz zur eigentlichen Watzmann-Überschreitung. Den Einstieg über eine stark ausgesetzte, abschüssige Felsplatte ein paar hundert Meter über dem Erdboden fand ich schon ziemlich gruselig. Eigentlich aber nicht schlecht: So weiß man genau, was auf einen zukommt und kommt erst gar nicht auf blöde Ideen.

Der Einstieg der Watzmann-Überschreitung.

Nach dem erneuten Abstieg zum Watzmannhaus geht es direkt weiter und zwar auf dem gleichen Weg wie gestern zurück zur Falzalm. Hier angekommen halten wir uns aber links auf dem Weg 441, der an der Mitterkaseralm bis zur Stubenalm führt. Die Landschaft ist größtenteils offen und bietet schöne Ausblicke über dichte Wälder, Almwiesen und die Berggipfel nördlich des Königsees.


Danach führt die Route bis zur Wimbachklamm auf einem steil abfallenden, ziemlich unerfreulichen Forstweg durch dichten Wald. Der Weg ist relativ rutschig, mit Wanderstöcken ging es aber gerade so. Ein paar andere Wanderer, die wir später getroffen haben, hatten ungefähr den gleichen Eindruck: Macht keinen Spaß, aber muss man durch.

Brücke in der Wimbachklamm.

Danach wird es entspannter: Wir überqueren die Brücke über die Wimbachklamm und laufen stetig bergan durch das weitläufige, mit lichten Kiefernwäldern bewaldete Wimbachgries. Zur linken Seite die graue Eminenz des Watzmanns, rechts der steil aufragende Hochkalter und seine Nebengipfel, dazwischen riesige Schotterflächen, die von den umliegenden Bergen herabgetragen werden.

Wandern im Wimbachgries.

Ich hatte vorher eigentlich fast nur negatives über das Wimbachgries gelesen. Meist von Watzmann-Aspiranten, die sich über den „langen Hatscher“ durch das Tal nach erfolgreicher Überschreitung beschwerten. Vielleicht sieht man das als Bergsteiger anders, aber mir hat das Gebirgstal mit seinen gewaltigen Ausmaßen gefallen. Hier sieht man wirklich sehr schön, mit welcher Kraft die Berge die Landschaft verformen.


Das Wimbachschloss (schließt um 18:00 Uhr) ist noch einmal ein guter Punkt für eine Rast, auch wenn es jetzt nicht mehr weit bis zum Tagesziel ist. Hinter der Gaststätte wird es deutlich ruhiger, da die meisten Leute nur bis hierher und dann wieder zurück zur Wimbachklamm laufen. Die Einzigen, die uns begegnen, ist eine Gruppe von Bergsteigern, die gerade die Watzmannüberschreitung hinter sich haben.

Ankunft in der Wimbachgrieshütte.

Die Wimbachgrieshütte auf 1327 Metern ist ein echtes Highlight. Klein, urig und mit einem wunderbaren Ausblick auf die Bergkette, die die Grenze zu Österreich markiert. Die Küche hat bis 19:30 geöffnet, Menü wieder à la carte. Da die Hütte nur 60 Schlafplätze hat, solltest du hier auf jeden Fall frühzeitig reservieren. Als wir da waren, wurde ein Mädel abgewiesen und musste sich daraufhin mit ihrem Schlafsack ein Plätzchen im Wald suchen.

Watzmann-Umrundung Etappe 3

Route: Wimbachgries-Hütte (1327 m) – Trischübel (1774 m) – Hundstodgatterl 2188 m– Ingolstädterhaus (2119 m, optional) – Kärlingerhaus am Funtensee (1638 m)

  • Länge: 13,7 km
  • Höhenmeter: + 1171, – 865
  • Gehzeit: ca. 6 Stunden, mit Abstecher zum Ingolstädter Haus (1,6 km, 112 hm) ca. 8 Stunden

Die dritte Etappe war mein persönliches Highlight. Heute kommt richtiges Alpinfeeling auf – die Wanderung wird zu einer schönen langen Bergtour mit einzigartigen Landschaftseindrücken und deutlich weniger Leuten auf den Wegen. Was vielleicht auch daran liegt, dass das hintere Wimbachgries einfach nicht so gut erreichbar ist und man mindestens einen halben Tag hierherlaufen muss.

Blick in das hintere Wimbachgries von Osten.

Hinter der Wimbachgrieshütte steigt der Weg direkt durch den Bergwald an und führt in vielen Kehren zum Banngraben, der den östlichen Talabschluss markiert. In teils gewagter Wegführung direkt entlang der Steilwand führt die Route weiter hoch zur verfallenen Trischübelalm. Entgegen der Markierung auf der Karte haben wir hier kein Gebäude gefunden, nur eine ziemlich zugewachsene Fläche, auf der sich früher vielleicht einmal ein Feld befand.


Dahinter folgen einige Kraxelstellen bis zur Hundstodgrube. Das kesselförmige Hochtal zu Füßen des Großen Hundstod (2594 m) hat seinen Namen nicht ohne Grund: Hier stürzten sich der Sage nach die Hunde des Königs Watzmann in den Tod, als dieser verflucht und zu Stein verwandelt wurde. Die Route führt recht steil durch felsiges Gelände – eigentlich ist es kein richtiger Weg – sie ist aber gut markiert und nicht ausgesetzt.

Aufstieg zum Hundstodgatterl.

Bis zum Hundstodgatterl auf 2188 Metern ist es noch ein gutes Stück weiter (ca. 1 Stunde) – wir waren aber auch ziemlich langsam, da hier oben Mitte Juni fast alles noch tief verschneit war. Zum Glück sind anscheinend aber trotzdem genügend Leute unterwegs und wir konnten einfach den Spuren unserer Vorgänger folgen.


Am Hundstodgatterl angekommen bietet sich der erste richtige Weitblick ins Steinerne Meer. Eine faszinierende Karstlandschaft, die mit ihren zerfurchten, wellenförmigen Bergkämmen tatsächlich an die versteinerten Wogen eines riesigen Meeres erinnert. Das mussten wir dann auch erstmal für eine ausgedehnte Kaffeepause mit Traumblick in der ersten Reihe nutzen.

Ausblick über das Steinerne Meer.

Wenn du vom aus Pass aus nach rechts oben schaust, siehst du weit vor dir das Ingolstädter Haus oberhalb des Talkessels. Der Weg dahin dauert etwa 40 Minuten (einfach). Ich würde den kurzen Abstecher auf jeden Fall empfehlen, allein die Sonnenterrasse in einmaliger Lage lohnt den Umweg.

Theoretisch könnte man danach noch tiefer in Steinerne Meer eindringen und eine sehr große Schleife in Richtung Riemann-Haus laufen (+ ca. 3 Stunden) – wir haben uns das gespart und sind einfach wieder zurück zur Wegkreuzung am Hundstod.


Das folgende Wegstück führt in stetem Auf und Ab am nördlichen Rand des Steinernen Meers vorbei. Eine tolle Wanderung – keine Menschenseele weit und breit, nur ein paar Murmeltiere, die pfeifend zwischen den Felsen umherhuschen. Weit am Horizont entfernt taucht manchmal eine verlassene Alm auf. Hier hab ich mich fast ein bisschen wie im einsamen Val Grande gefühlt – der Königsee mit seinen Ausflugsbooten und Touristen ist hier wirklich sehr weit weg.

Verlassene Alm bei der Watzmann-Umrundung.

Zum Schluss wird es dann wieder etwas grüner. Noch ein paar bewaldete Täler und wir erreichen das Kärlingerhaus in einem weitläufigen sanft abfallenden Talkessel am Funtensee.

Blick auf das Kärlingerhaus.

Der See gilt als kältester Ort Deutschlands und ich fand es hier abends auch recht frisch. Zum Baden konnte ich mich dann doch nicht durchringen. Im Haus selbst herrschte eine ziemliche Gaudi – wenn du ein bisschen Ruhe willst, gibt es etwas abseits aber eine Terrasse mit Liegestühlen und Traumblick auf den See.

Watzmann-Umrundung Etappe 4

Route: Kärlingerhaus (1638 m) – Saugasse (980 m) – St. Bartholomä (602 m) – Schönau am Königssee (605 m)

  • Länge: 10, 3 km (bis St. Bartholomä)
  • Höhenmeter: + 261, – 1292
  • Gehzeit: ca. 4,5 Stunden bis St. Bartholomä

Und schon ist es Zeit, König Watzmann Lebewohl zu sagen. Der heutige Tag ist recht kurz da nur noch der Abstieg zum Königssee und die anschließende Bootsfahrt zurück nach Schönau ansteht. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, den letzten Tag zu verlängern.

Vom Kärlingerhaus geht es zunächst leicht aufsteigend auf einen Bergweg zwischen Schneiber und Simertsberg. Ungefähr auf der Höhe der alten Grüberl-Diensthütte ist der höchste Punkt auf 1670 Metern erreicht – ab dann geht es nur noch ganz entspannt herunter. Unterwegs bieten sich einige tolle Ausblicke auf die Hachelköpfe im Süden.

Wandern auf der Watzmann-Umrundung.

Über die steile Schlucht der berüchtigten Saugasse hatte ich im Vorfeld viel gelesen. Ist aber halb so wild – zumindest wenn man runterläuft. Der tief in die Berge geschnittene Rinne sieht von oben zwar wahnsinnig steil aus und überwindet auf nur 600 Metern Strecke etwa 300 Höhenmeter. Aber der Weg windet sich in so vielen Serpentinen herunter (32 laut Wikipedia), dass man ganz gemütlich runterspazieren kann.

Die Saugasse von Süden.

Unten angekommen geht es durch ein bezauberndes Wäldchen an der aufgegebenen Schrainbachalm vorbei weiter. Teilweise verläuft der Weg auch direkt am Bach entlang – perfekt um die Füße kurz abzukühlen. Zwischen den Bäumen wirst du jetzt wahrscheinlich schon den Königssee unter dir funkeln sehen.


Vorher steht mit dem imposanten Schrainbachwasserfall aber noch einmal ein kleines Highlight an. Der Bach stürzt sich an dieser Stelle fast 80 Meter senkrecht in die Tiefe – direkt gegenüber des Wasserfalls verläuft eine kleine natürliche Brücke, auf der du einen perfekten Blick auf das Naturschauspiel hast.

Blick auf den Schrainbachwasserfall.

Am Ende des Waldwegs befindet sich eine tolle kleine Badebucht am Königssee, die bei gutem Wetter dazu einlädt, sich den Schweiß der letzten Tage von der Haut zu spülen. Ein paar hundert Meter weiter südlich gibt es auch einen Kiesstrand, ich fand die Bucht aber schöner.

Baden am Königssee.

Das letzte Wegstück verläuft über Wiesen im Schatten der mächtigen Watzmann-Ostwand. Die Steilwand erhebt sich fast 1800 Meter in die Höhe – ein wirklich imposanter Anblick und ein toller Abschluss der Tour. Von hier aus ist es dann nur noch ein Katzensprung nach St. Bartholomä und seinem gemütlichen Biergarten im Schatten der Wallfahrtskirche. Zurück geht es dann mit dem Boot nach Schönau (einfache Fahrt 9,30 Euro)


Tipp: Wenn du die Tour verlängern willst, gibt es ein paar Möglichkeiten:

  1. Von St. Bartholomä über den Rinnkendlsteig bis zur Achenkanzel. Von dort weiter bis zur Kührointalm und wieder nach Schönau (ca. 4-5 Stunden zusätzlich)
  2. Noch vor der Saugasse östlich auf Weg 416 zur Fischunkelalm abbiegen und eine große Schleife bis zur Saletalm drehen. Anschließend mit dem Boot nach Schönau (ca. 3 Stunden zusätzlich)
  3. Von St. Bartholomä ein Abstecher zur Saletalm mit dem Boot und dann noch am Obersee spazieren und den Blick auf den Rötbachfall genießen, den höchsten Wasserfall Deutschlands (ca. 2 -3 Stunden zusätzlich)

Wir wollten eigentlich zuerst über den Rinnkendlsteig weiter. Nach einem Weißbier in der prallen Mittagssonne war dieser Plan aber relativ schnell Geschichte und wir haben einfach noch den kurzen Abstecher zur Saletalm gemacht. Den Wasserfall konnten wir nur aus der Ferne bewundern, weil das letzte Boot zurück um viertel vor Sechs abfuhr (Fahrplan).

Blick auf den Röthbachfall.

Es soll auch noch einen alten aufgegebenen Steig am Ostufer des Königssees geben – den sogenannten Ostuferweg. Vom Boot aus sieht man teilweise einige Wegstücke – ich kann aber nicht beschwören, dass der Weg wirklich gefahrlos begehbar ist. Weitere Infos dazu gibt’s beim Outdoor-Youtuber Sacki.

Schwierigkeit der Watzmann-Umrundung

Die Wanderung um das Watzmann-Massiv ist eine mittelschwere, nicht allzu anspruchsvolle Bergwanderung. Die Wege sind überwiegend sehr gut ausgebaut und markiert. Bis auf das Hockeck und den Weg zum Trischübel gibt es nur wenige Kraxelstellen. Wenn du trittsicher und schwindelfrei bist und mehrere Tage am Stück durchschnittlich 1000 Höhenmeter bewältigen kannst, solltest du keine größeren Probleme bekommen.

Da die Tour zudem recht kurz ist, eignet sie sich auch hervorragend für Anfänger als Einstieg ins Hütten-Trekking. Es ist aber immer noch eine Wanderung und nicht einfach bloß ein Spaziergang mit schönen Panoramablicken! Gerade bei schlechtem Wetter könnten einige steilere Wegstellen durchaus kritisch werden.

Wandern in Berchtesgaden.

Kann man die Watzmann-Umrundung auch in 3 Tagen laufen?

Die hier beschriebene, „klassische“ Watzmann-Umrundung kannst du theoretisch auch in 3 Tagen laufen, wenn du die Runde ein bisschen abänderst. Dazu biegst du am dritten Tag am Trischübel nach Osten und folgst dem Weg über die Sigeretplatte, bis dieser an der Schrainbachalm wieder auf den Hauptweg trifft.

Damit dürftest du nachmittags in St. Bartholomä sein, wenn du gegen 9:00 Uhr an der Wimbachgrieshütte startest. Einziger Nachteil: Du verpasst das Steinerne Meer und den Funtensee und damit zwei echte Highlights der Tour.

Eine andere Option wäre, Tag 3 und 4 einfach zu kombinieren. Theoretisch geht das, weil der letzte Tag ziemlich kurz ist. Wenn du den Abstecher zum Ingolstädter auslässt und früh startest, bist du gegen Nachmittag am Kärlingerhaus – von da aus sind es in zügigem Tempo nochmal rund 3-4 Stunden bis St. Bartholomä.

Bei dieser Variante müsstest du aber die letzte Abfahrtszeit der Boote von St. Bartholomä im Hinterkopf behalten (gegen 17:30 Uhr). Ich würde auf jeden Fall die Variante in 4 Tagen empfehlen – schließlich liegt der Reiz bei solchen Touren ja gerade darin, auch mal innezuhalten und nicht einfach nur durchzurauschen.

Eingang zum Nationalpark Berchtesgaden.

Ausrüstung und Packliste

Da du ausschließlich in Hütten übernachtest, brauchst du keine Camping-Ausrüstung mitschleppen. Genau genommen ist die Infrastruktur so gut ausgebaut, dass du theoretisch nicht einmal Snacks oder Müsliriegel mitbringen müsstest, da du alle Naselang an einer Alm vorbeikommst.

Ich hab mich an meiner Packliste für Hütten-Trekking orientiert, die ich in den letzten Jahren immer weiter verfeinert (sprich: auf ein für mich komfortables Minimum reduziert) habe, und hatte Folgendes dabei:

Bekleidung und Wanderschuhe

  • 1-T-Shirt Merino kurz
  • 1 T-Shirt Merino lang
  • 1 kurze Trekking-Hose
  • 2,5-lagige Regenjacke
  • 2 Paar Trekking-Socken
  • 2 Unterhosen Merino
  • Sonnenhut
  • Wanderschuhe
  • 1 Paar Slipper für die Hütte

Isolation

Rucksack

Schlafsack + Inlet

Technik

Ausrüstung

Luxus

Sonstiges

  • Müllbeutel
  • Feuerzeug
  • DAV-Ausweis
  • Personalausweis
  • ausreichend Bargeld

Zusammen bin ich mit all dem auf knapp 5 Kg Gewicht gekommen. Ehrlicherweise hatte ich Zelt und Isomatte sicherheitshalber trotzdem mitgenommen, weil die Hüttensituation bei uns bis zuletzt etwas unklar war. Im Normalfall ist das aber nicht erforderlich – daher solltest du kein Problem haben, auf etwa 5 Kg Gesamtgewicht zu kommen.

Watzmannhaus.

Hütten buchen für die Watzmann-Umrundung

Wenn du die Umrundung so wie hier beschrieben läufst, übernachtest du in den folgenden Berghütten:

Watzmannhaus und Kärlingerhaus gehören zum Deutschen Alpenverein (DAV). Die Buchung läuft über das Online-Reservierungsportal Alpsonline, erfordert keine Mitgliedschaft beim DAV und funktioniert so:

  1. Suche dir die Hütte raus, die du reservieren willst und registriere dich beim ersten Mal zunächst mit deiner E-Mail-Adresse.
  2. Gib die Termine, die Anzahl der Personen und Art der Unterkunft ein und bestätige.
  3. Anschließend erhältst du eine Bestätigung per Mail und kannst die Reservierung unter Alpsonline nach dem Login einsehen und bearbeiten.

Die Kreditkarten-Daten sind nur für die Reservierung erforderlich. Du musst alle Hütten in bar bezahlen – bring also ausreichend Bargeld mit! Die Wimbachgrieshütte ist nicht Teil des DAV, sondern Eigentum der Naturfreunde Deutschland Bezirk München. Hier rufst du am besten direkt an, um zu reservieren (Tel: 08657-7944001). Auch hier geht nur Barzahlung.

Tipp: Mit einer Mitgliedschaft beim DAV bekommst du eine ziemlich deutliche Ermäßigung. Wir haben für die Übernachtungen im Matratzenlager folgendes bezahlt:

  • Watzmannhaus: 13 Euro (Nichtmitglieder: 29 Euro)
  • Kärlingerhaus: 13 Euro (Nichtmitglieder: 26 Euro)
  • Wimbachgrieshütte: 24 Euro (DAV gilt als Nichtmitglied)

Generell empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung der Hütten (1-2 Monate vorher), da die Hütten im Sommer schnell ausgebucht sind, vor allem an den Wochenenden. Es kann sich aber durchaus lohnen, kurzfristig anzurufen und zu checken, ob jemand abgesprungen ist – auf diese Weise hatten wir noch 2 Plätze in der Wimbachgrieshütte ergattert, die eigentlich schon ausgebucht war.

Blick auf den Obersee.

Zelten und Wildcamping im Nationalpark Berchtesgaden

Wildcamping und Zelten ist im gesamten Nationalpark Berchtesgaden verboten. Gleiches gilt für Biwakieren. Das ist etwas bedauerlich, da vor allem die Wimbachgrieshütte sehr klein ist und es in diesem Teil des Nationalparks für Bergsteiger und Wanderer keine (legalen) Alternativen zur Übernachtung gibt.

Andererseits kann ich die Verantwortlichen verstehen. Dank Instagram und Co. wurden Hotspots wie der Naturpool am Königssee in den letzten Jahren von ganzen Horden von rücksichtslosen Social-Media-Touristen überrannt, die sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Dreck um die Umwelt kümmerten. Ohne Verbote geht hier wohl einfach nichts mehr – so traurig es ist.

Zum Thema:  Mikroabenteuer: Die unbequeme Wahrheit über den Outdoor-Trend

Da ich auf diesem Blog nichts beschönige, kann ich es auch zugeben:  Wir hatten eigentlich ein Biwak im hinteren Wimbachgries geplant, da die Wimbachgrieshütte bereits ausgebucht war. 2 Personen, die sich ruhig verhalten und im Morgengrauen wieder weg sind, halte ich normal für vertretbar. Ein gutes Gefühl hatte ich aber nicht und ich war sehr froh, dass wir doch noch einen Übernachtungsplatz bekamen.  

Wenn es irgendwie geht, würde ich Wildcamping im Nationalpark Berchtesgaden vermeiden – auch als Solo-Wanderer und auch wenn man das Leave-no-Trace-Prinzip verinnerlicht hat und den persönlichen Fußabdruck so minimal wie möglich hält. Solche Hotspots sind immer kritisch – an manchen Orten hält man sich einfach besser an die Regeln und stellt nicht zu viele Fragen.

Anreise

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Problem. Zuerst mit dem ICE nach München, dann weiter mit dem Regionalzug RE 5 nach Freilassing und anschließend mit der Berchtesgadener Land Bahn S4 nach Berchtesgaden HBF. Die Buslinie 841 startet am Bahnhof (Fahrplan) und fährt direkt nach Schönau am Königssee. Die Fahrtzeit von München beträgt insgesamt ca. 3 Stunden.

Beste Reisezeit für die Watzmann-Umrundung

Die beste Zeit für die hier beschriebene Hüttentour sind die Sommermonate Juni bis August. Ab Mitte Juni ist der Schnee auch in den höheren Lagen im Normalfall so weit abgeschmolzen, dass man sich dort gefahrlos bewegen kann. Wir hatten rund um den Hundstod teilweise recht tiefen Schnee – war aber kein Problem, auch wenn wir ein paar Mal eingesackt sind.

Die Hütten schließen in der ersten Septemberhälfte. Damit fehlen die Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten. Außerdem könnte das Wetter dann auch ziemlich ungemütlich werden. Wenn du die Tour bereits im Frühjahr laufen willst, würde ich mich genau über die Schneelage vor Ort informieren, beispielsweise mit der Webcam des Watzmannhauses.

Watzmann-Umrundung in 4 Tagen.

Und sonst?

  • Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in Berchtesgaden ist das Hostel Berchtesgaden neben dem Hauptbahnhof – das einzige mir bekannte Hostel, das sich in einer Burger-King-Filiale befindet.
  • Kleinigkeiten, Snacks und Sachen, die du eventuell vergessen hast, kaufst du am besten in Berchtesgaden – in Schönau hab ich außer Touristen-/ Souvenir-Shops und Restaurants keine Läden entdeckt.
  • Ein schönes, nicht ganz so überlaufenes Restaurant mit tollem Blick auf den Königssee ist das Echostüberl am Nordwestufer.
  • Nimm genügend Bargeld mit, da du alles in Bar bezahlen musst und der letzte Bankautomat in Schönau ist.
  • Smartphones kannst du in den Hütten aufladen, der Handyempfang ist im Nationalpark generell aber eher schlecht – perfekt für eine kleine Auszeit von der Zivilisation.
  • Starte früh morgens um schlechtes Wetter am Nachmittag zu vermeiden. Lass sich aber nicht zu sehr von der Wettervorhersage beunruhigen – wir hatten vier Tage Sonnenschein, obwohl fast durchgängig Unwetter vorhergesagt waren.
  • Im Nationalpark Berchtesgaden sind noch viele andere Hüttentouren möglich – einige Vorschläge findest du hier.
Fischunkelalm am Obersee.

Mein Fazit

Eine geniale Wanderung! Ich hatte schon viel von den Berchtesgadener Alpen gehört – dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Diese Hüttentour bietet das volle Programm: Prächtige Bergpanoramen, anspruchsvolle aber nicht zu übertriebene Wege und eine gut ausgebaute Infrastruktur mit perfekter Rundum-Versorgung.

Natürlich ist Berchtesgaden ein touristischer Hotspot. Trotzdem fand ich es hier zu keiner Zeit unangenehm. Die Leute sind freundlich. Abseits vom Königssee und dem Watzmannhaus war es auch nicht schwer, stille Winkel zu finden. Diese Tour ist ein toller Einstieg in den Nationalpark und eignet sich ideal für ein verlängertes Wochenende. Das war aber ganz bestimmt nicht das letzte Mal, das ich hier war!

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Hast du noch Fragen zu der Tour? Warst du schon mal in einem anderen Teil des Nationalparks unterwegs? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören!