Wandern an der Amalfiküste: 6 Tage an der schönsten Küste Italiens

Verwunschene Wege zwischen Olivenbäumen und Zitronenplantagen, traumhafte Ausblicke auf das Mittelmeer und viele Höhenmeter: Die Amalfiküste in Süditalien hat Wanderfreunden auch neben dem berühmten „Weg der Götter" viel zu bieten. Hier bekommst du alle Infos für eine 6-tägige Tour, die dich an der gesamten Küste von Salerno bis nach Sorrent führt.

Die Nachmittagssonne taucht die Zitronenbäume in ein weiches Licht, während wir die Gärten von Amalfi hinter uns lassen und die Felsklippen auf einem steinigen Trampelpfad hochkraxeln. Der Duft von Thymian und Oleander liegt in der Luft, weit unter uns funkelt das Mittelmeer. Wandern an der Amalfiküste ist ein Erlebnis für alle Sinne!

Wanderer kennen die Amalfiküste in der italienischen Region Kampanien vor allem für den berühmten „Weg der Götter“ (Sentiero degli Dei). Genau dadurch bin ich auch auf diesen Landstrich im Süden Italiens gekommen. Was sich dann aber schnell herausstellte: Dieser Weg ist ziemlich kurz und taugt eigentlich nur als Tagestour.

Was wenn man jetzt aber die ganze Küste sehen will und mehrere Tage Zeit hat? Eigentlich klar: Eine Fernwanderung, die einmal an der gesamten Küste entlangführt und den „Weg der Götter“ unterwegs mitnimmt.

Versteckte Bucht hinter Nerrano (Etappe 6).

Ich bin die Tour auf dem “inoffiziellen” Fernwanderweg CAI 300 zusammen mit einem Freund im Mai 2019 gelaufen. Insgesamt waren wir 6 Tage lang an der Amalfiküste unterwegs (+1 Tag Pause). Besonders praktisch: Die sorrentinische Halbinsel liegt direkt am Golf von Neapel. Du kannst im Anschluss also bequem einen Aufenthalt in Neapel dranhängen und dir die berühmten archäologischen Stätten von Pompeji und Herculaneum anschauen.

Die Route von Salerno bis Sorrent

Auf einen Blick

  • Küstenwanderweg mit traumhaften Aussichten auf das Mittelmeer und die Steilküste der sorrentinischen Halbinsel
  • Länge: 93 km
  • Dauer: 6 Tage
  • Schwierigkeit: mittel, viele Höhenmeter auf steilen Treppenwegen
  • Abenteuerfaktor: moderat
  • Übernachtung in Unterkünften am Weg
  • Wandern auf dem Weg der Götter “Sentiero degli Dei”
  • Wunderschöne Städte wie Amalfi, Positano und Ravello

Deshalb solltest du an der Amalfiküste wandern gehen

Bei der Amalfiküste denken die meisten wahrscheinlich eher an Luxusvillen, Jetset und Strandurlaub und nicht an eine Trekking-Tour. Ging mir auch so, aber nach 7 Tagen Wanderurlaub kann ich sagen: Diese Küste hat viel mehr zu bieten als die üblichen Touristen-Attraktionen.

Sobald du die belebten Küstenstädtchen hinter dir lässt, tauchst du in eine komplett andere Welt ein. Stille Wege durch Zitronenplantagen und verwilderte Obstgärten. Malerische Dörfer in die sich nur wenige Touristen verirren. Alte Hirtenpfade, die sich in schwindelerregenden Höhen an der Steilküste entlangwinden und alle paar Minuten fantastische Panoramablicke auf das Mittelmeer erlauben.

Auf dem Weg zum Punta Campanelle (Etappe 6).

Der größte Reiz dieser Region lag für mich in dem einzigartigen Mix aus mediterraner Kulturlandschaft und unberührter Natur. Wir waren zwar nie wirklich weit weg von der Zivilisation, aber tagsüber sind wir nur sehr wenigen anderen Leuten begegnet. Dazu kommt, dass die Wege urwüchsig und teilweise ziemlich steil sind. Man kann hier also richtig wandern und nicht bloß spaziergehen.

Natürlich kommt auch der Genuss nicht zu kurz. Immerhin sind wir hier in Italien.Nach einem langen Tag auf dem Trail geht es am Abend zurück ans Meer. Dort lässt du den Tag bei einem Glas Rotwein und gutem Essen ausklingen und siehst zu wie die letzten Sonnenstrahlen im Mittelmeer versinken.

Die Amalfiküste ist also der perfekte Ort, um eine anspruchsvolle Wandertour mit italienischer Dolce Vita zu verbinden!

Der Weg der Götter (Sentiero degli Dei)

Der Weg der Götter (Sentiero degli Dei) ist der bekannteste Wanderweg an der Amalfiküste und für viele Leute wohl die Hauptattraktion. In Listen mit den besten Wanderwegen der Welt wird er häufig als einer der schönsten Küstenwanderwege der Welt bezeichnet. Das ist natürlich immer ein bisschen subjektiv, eine tolle Wanderung ist es aber auf jeden Fall!

Dafür, dass er so bekannt ist, ist die Strecke aber recht kurz. Der Weg führt auf nur etwa 8 km vom Dörfchen Bomerano bis nach Norcelle und folgt dabei der Steilküste. Für die Wanderung braucht man etwa 3 Stunden, bis man in Norcelle ankommt. Von hier aus ist es dann noch ein Stück weiter bis zu dem bekannten Touristenort Positano.

Wir sind den Weg der Götter als halbe Tagesetappe auf unserer Fernwanderung gelaufen, die Tour ist aber auch recht beliebt als Tageswanderung. Viele Leute lassen sich mit dem Bus nach Bomerano fahren und laufen dann in Richtung Positano. Da der letzte Abstieg nach Positano ziemlich steil ist, kann man sich in Norcelle auch abholen lassen, wenn man eine Tour gebucht hat.

Geführte Wandertouren auf dem Weg der Götter

Im Netz und vor Ort werden zahlreiche geführte Wandertouren für den Sentiero degli Dei angeboten. Wirklich notwendig ist ein Führer aber nicht. Wer schon mal in einer normalen Mittelgebirgslandschaft gewandert ist, kann den Weg der Götter problemlos selbst laufen. Es geht immer schön abwärts, der Weg ist gut ausgeschildert und auch wenn der Pfad manchmal ziemlich nah an der Steilküste entlangführt, besteht keine ernsthafte Gefahr abzustürzen.

Im Vergleich mit richtigen Bergwanderwegen, beispielsweise in den Alpen, hält sich der Schwierigkeitsgrad stark in Grenzen. Auf der gesamten Strecke gab es ein- oder zweimal eine Stelle, an der man über einige Felsbrocken kraxeln musste. Das war aber auch für die vielen Wanderer der Generation 50+ keinerlei Problem. Ansonsten ist es eigentlich eher ein gemütlicher Spaziergang als eine Wanderung.

Wunderschöne Ausblicke auf die Weinberge über Praiano (Etappe 4).

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Der Weg der Götter ist öffentlich zugänglich. Es werden also keine Eintrittsgebühren verlangt und man braucht auch kein Permit oder Ähnliches für die Wanderung. Der Weg ist rund um die Uhr geöffnet, allerdings würde ich die Strecke nur ungern im Dunkeln laufen. Immerhin geht es an einer Steilküste entlang und der Weg ist auch nur äußerst sporadisch mit Absperrungen gesichert.

Nebelschwaden ziehen auf, während wir auf dem Weg der Götter wandern (Etappe 4).

Lohnt sich der Weg der Götter?

Ich hatte im Vorfeld unserer Tour viel über den Sentiero degli Dei gelesen, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an einen der “besten Wanderwege Italiens”. Und ich wurde auch nicht enttäuscht: Der Weg der Götter ist eine eine großartige Wanderung, selbst bei dem etwas durchwachsenen Wetter, das wir hatten.

Der Pfad schlängelt sich in luftigen Höhen an den Klippen entlang, weit darunter erstreckt sich eine malerische Landschaft aus kleinen Dörfern, Weinbergen und Wäldern. Manchmal kam es mir vor, als würde ich direkt unter den Wolken laufen und die Aussichten auf die zerklüfte Steilküste sind phänomenal. Zur Linken fällt der Blick auf das tyrrhenische Meer und den Golf von Salerno. Bei klarem Wetter kann man sogar bis zur Insel Capri schauen.

Ist der Weg der Götter die beste Wanderung an der Amalfiküste? Da bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Die anderen Etappen waren landschaftlich eigentlich nicht weniger reizvoll und hatten zudem den Vorteil, dass sie weitaus weniger überlaufen waren. Wenn du nur eine Wanderung an der Amalfiküste machst, ist der Weg der Götter aber auf jeden Fall eine gute Wahl.

Das malerische Küstenstädtchen Positano liegt ein Stück hinter dem offiziellen Ende des Sentiero degli Dei (Etappe 4).

Die Amalfiküste zu Fuß auf dem CAI 300

Neben dem Weg der Götter gibt es an der Amalfiküste natürlich noch viel mehr zu sehen. Und genau das war unser Plan: Einmal zu Fuß an der ganzen Küste entlang. Im Unterschied zu anderen bekannten Weitwanderwegen, etwa dem Fischerweg in Portugal, gibt es an der Amalfiküste keinen durchgängig markierten Weg, den man einfach ablaufen kann. Das ist aber nicht weiter schlimm, da man sich einfach an dem Wanderweg CAI 300 des italienischen Alpenvereins (Club Alpino Italiano) orientiert.

Dieser Weg verläuft einmal an der gesamten Küste lang und führt in 6 Tagesetappen über rund 92 km von Salerno bis Sorrent. Ein Teil der Strecke führt dabei über den berühmten „Sentiero degli Dei“ (Weg der Götter). In Ermangelung eines offiziellen Wegs geht es streckenweise auch mal über Seitenwege. Die Route, die ich hier vorstelle, ist dementsprechend nur ein Vorschlag, da man die Etappen auch anders gestalten kann.

Teilweise führt die Route über gepflasterte Straßen wie diese alte Römerstraße (Etappe 6).

Treppenwege und viele Höhenmeter

92 km auf 6 Tage verteilt klingt eigentlich fast schon ein bisschen zu wenig. Lass dich aber nicht täuschen: Auch wenn man hier durch eine Kulturlandschaft läuft, ist der Weg durchaus knackig. Die einzelnen Etappen sind zwar nicht lang, dafür musst du viele, viele Höhenmeter bewältigen – im Durchschnitt jeden Tag 1000 Meter hoch und 1000 Meter runter.

Die Wege aus den Dörfern am Meer bis hoch zur Steilküste sind überwiegend steinerne Treppenwege. Bis du in Sorrent ankommst, wirst du tausende von Stufen emporsteigen. Eigentlich witzig, das bei einer Fernwanderung zu sagen, aber ich bin wahrscheinlich noch nie so viele Treppen in meinem Leben hochgelaufen wie an der Amalfiküste.

Natürlich lohnt sich das Ganze aber: Als Entschädigung für die Strapazen bekommst du wahnsinnig tolle Aussichten auf die Küstenlinie, die wunderschönen Städte und das unberührte, einsame Hinterland. Touristen trifft man hier (abgesehen vom Weg der Götter) nur sehr wenige. Die meisten machen sich einfach nicht die Mühe hier hochzukommen und lassen sich stattdessen mit dem Boot von Ort zu Ort schippern.

Dieser Treppenweg in Schiazzano zählte noch zu den eher harmloseren Anstiegen (Etappe 6).

Etappen der Fernwanderung an der Amalfiküste

Unsere Fernwanderung an der Amalfiküste startet in Salerno und verläuft in westlicher Richtung, immer an der Küste entlang bis zum Punta Campanella, dem äußersten Zipfel der Halbinsel. Von dort geht es dann noch ein Stück zurück nach Sorrent.

Hier die detaillierte Beschreibung und Karten der einzelnen Etappen:

Markierungen auf dem CAI 300

Der CAI 300 ist mit einer rot-weiß-roten Markierung gekennzeichnet, die sich auf Steinen, an Straßenecken, manchmal auch an Bäumen befindet. Insgesamt lassen die Markierungen aber etwas zu wünschen übrig. Gerade wenn man sich im Hinterland bewegt, gibt es über weite Strecken keine oder nur sehr wenige Markierungspunkte. Auch in den Ortschaften ist manchmal nicht ganz klar, wo sich jetzt die richtige Abzweigung befindet.

Hinterland von Piano di Sorrento (Etappe 4): Nicht immer sind die rot-weißen Markierungen so gut sichtbar wie an diesem Baum.

Wandern auf dem CAI 300: GPS-Tracks

Hier bekommst du die GPX-Dateien mit den GPS-Tracks für dein Smartphone oder GPS-Gerät. Zusätzlich zu den Tracks würde ich empfehlen, sich zur besseren Orientierung eine Open-Street-Map der gesamten Halbinsel herunterzuladen. Wirklich verlaufen kann man sich eigentlich nicht, da die nächste Ortschaft nie zu weit weg ist. Zur Not orientiert man sich immer an der Küste.

Eine offizielle Wanderkarte speziell für die Amalfiküste gibt es meines Wissens nach nicht. Zumindest habe ich keine gefunden. Wenn du eine kennst, schreibe mir gerne einen Kommentar!

Anreise zur Amalfiküste

Die Anfahrt zum Start der Tour in Salerno ist mit öffentlichen Vekehrsmitteln kein Problem. Von Neapel aus fahren etwa stündlich die Regionalzüge von Trenitalia von der Bahnstation Napoli Centrale an der Piazza Garibaldi nach Salerno. Abfahrt ist im Untergeschoss des Bahnhofs. Die Fahrt dauert etwa 1 Stunde.

Von Sorrent aus fahren Züge der Regionalbahn Ferrovia Cercumversuviana zurück nach Neapel. Alternativ kannst du dich auch mit der Fähre von Sorrent über den Golf von Neapel zurückschippern lassen. Gerade bei schönem Wetter ist das ein toller Ausklang der Wanderung.

Die einzelnen Ortschaften an der Amalfiküste sind dank dem Busunternehmen SITA Sud zudem mit Bussen verbunden, die relativ regelmäßig fahren (je nach Verbindung stündlich oder halbstündlich). Die Busse decken alle Orte an der Küste ab und fahren sogar bis nach Neapel. Hier geht’s zum Busplan.

Die Tickets für den Bus bekommst du vor Ort in den sogenannten Tabacchi. Das sind kleine Tabakläden, in denen man zusätzlich auch Briefmarken, Getränke und anderen Kleinkram bekommt. Autofahren an der Amalfiküste ist ein Abenteuer für sich. Die Küstenstraße Amalfitana ist kurvenreich, sehr eng und für größere Fahrzeuge (Wohnmobile etc.) tagsüber gesperrt.

Camping Nettuno in Marina del Cantone: Einer der wenigen Campingplätze an der Amalfiküste (Etappe 5).

Unterkünfte, Hostels und Übernachtungsmöglichkeiten

Praktischerweise finden sich in allen Start und Zielorten der Wandertour Hostels und andere preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten. Eigentlich ist die Amalfiküste ein ziemlich teures Pflaster, Hotelpreise von 150 Euro sind keine Seltenheit. Wenn man ein bisschen recherchiert, findet man aber auch günstigere Alternativen, die trotzdem nicht schlechter sind.

Damit du dir nicht selbst die Mühe machen musst, hier die Unterkünfte in denen wir übernachtet haben.

  • Salerno: Bed and Travel Luci della Citta
  • Maiori: Apartamenti al Corso
  • Amalfi: Holiday Baia d‘ Amalfi
  • Agerola: Valle degli Dei
  • Piano di Sorrento: Residence l’Incanto
  • Marina del Cantone: Camping Nettuno
  • Sorrento: Jolly Aranci

Die Unterkünfte liegen alle am oder in der Nähe der Route. Es sind also keine größeren Umwege erforderlich. Der Preis pro Person lag bei etwa 25 bis 35 Euro die Nacht, was ich völlig verkraftbar finde.

Dazu kommen dann noch die Kosten für Frühstück, was meistens nicht dabei war, und das Abendessen. In den Ortschaften an der Amalfiküste sind die Preise für Restaurants, Imbiss, Snacks etc. ziemlich saftig. 5 Euro für eine Kugel Eis habe ich vorher jedenfalls noch nie gezahlt. Das einzig preiswerte war eigentlich Pizza, für die ich meistens knapp 10 Euro hingelegt habe.

Mittagspause im Dörfchen Torca (Etappe 5).

Proviant und Verpflegung auf der Wanderung

Größere Vorräte an Proviant musst du nicht mit dir rumschleppen, da die jeweiligen Tagesetappen immer in Ortschaften starten und enden. Hier gibt es neben Restaurants auch kleine Läden, in denen du dich mit Snacks, Müsliriegeln, Wasser, etc. eindecken kannst.

Da die Wege tagsüber meistens durch ziemlich abgelegene Landschaften führen, würde ich mir für jeden Tag ausreichend Verpflegung für die Mittagspause mitnehmen. Abends haben wir dann meistens im Restaurant gegessen – teuer, aber nach den teils recht anstrengenden Etappen war das immer eine schöne Belohnung.

Außerdem wichtig: Ausreichend Wasser mitnehmen. Unterwegs gibt es keine Möglichkeiten nachzufüllen und bei dem vielen Auf und Ab, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Ich bin mit 2 Litern pro Tag gut ausgekommen. Wenn du etwas für die Umwelt tun willst, kannst du auf Einweg-Plastikflaschen verzichten und dir das Leitungswasser in den Unterkünften eine wiederverwertbare Plastikflasche abfüllen.

Abstieg nach Marina del Cantone (Etappe 5): Die Wege sind manchmal nur schlecht als solche zu erkennen.

Wie anspruchsvoll ist die Tour?

Ich würde die Fernwanderung an der Amalfiküste als anspruchsvolle Genusswanderung bezeichnen. Die größte Herausforderung sind die vielen Höhenmeter jeden Tag und teilweise sehr steile An- und Abstiege über Treppenwege aus Stein. Das ist nicht sonderlich bequem zu laufen und geht ganz schön auf die Knie.

Die Wege über der Steilküste sind meistens alte Trampelpfade, die auch schon mal durch zugewucherte Wiesen und dichtes Buschwerk führen. In den höheren Lagen geht es oft über Schotter und Geröll. Hier sind feste, trittsichere Schuhe das A und O, vor allem wenn der Weg an einem Steilhang entlangläuft.

Die Strecke ist in vielen Fällen außerdem nur schlecht markiert. Uns ist es wiederholt passiert, dass der eigentlich logische Weg nach hundert Metern mitten in der Pampa endete und wir uns einen eigenen Weg suchen oder wieder ein Stück zurückgehen mussten. Mich persönlich stört sowas eher weniger. Wer allerdings gut ausgeschilderte Wege mit Kilometerangaben erwartet, sollte an der Amalfiküste seine Ansprüche etwas herunterschrauben.

Camping und Wildcamping an der Amalfiküste

Wildcamping ist an der Amalfiküste wie fast überall in Italien nicht gestattet. Die geografischen Gegebenheiten sind ehrlich gesagt auch nicht gerade ideal dafür. Oben an der Steilküste gibt es neben dem Weg meistens keinen Platz, unten an der Küste sind die Touristenorte und die Straße. Bleibt höchstens noch das Hinterland.

Wenn man sich halbwegs schlau anstellt, kann man hier vielleicht irgendwo ein Plätzchen für die Nacht finden. Viele der freien Flächen werden aber von Bauern bewirtschaftet und wir sind eigentlich alle naselang auf Gärten, Felder oder eingezäunte Weideflächen gestoßen. Die Region ist eben doch eher eine Kulturlandschaft, auch wenn im Hinterland kaum Touristen sind.

Bei offiziellen Campingplätzen sieht das Angebot ziemlich mau aus. Es gibt rund um den Ort Amalfi einige Plätze an der Küste, sowie den Campingplatz Nettuno in Marina del Cantone auf dem wir eine Nacht waren. Dazu kommt eine Handvoll Plätze im Inland, die aber relativ weit weg von der Küste sind.

Ausrüstung und Wanderschuhe für die Amalfiküste

Da man in Hostels übernachtet, hält sich der Bedarf an Ausrüstung in Grenzen. Zelt, Schlafsack, Isomatte und anderes Camping-Equipment können zuhause bleiben. Ich bin gut mit meinem 45 Liter-Rucksack ausgekommen und hatte folgendes Equipment dabei:

  • 1 kurze Trekkinghose
  • 2 Merino-T-Shirts
  • 1 Merino-Longsleeve
  • 4 Paar Unterwäsche
  • Fleece-Pulli
  • Regenjacke
  • Wechselkleidung für Abends (Jeans, Hemd, Shirt, dünne Jacke)
  • Wanderschuhe
  • Paar Straßenschuhe
  • Stirnlampe
  • Reisehandtuch
  • Hygiene-Artikel
  • Powerbank
  • Kamera
  • Smartphone + Ladekabel
  • Pass, Geld, Dokumente

Statt zur kurzen Trekking-Hose würde ich das nächste Mal definitiv zur langen Variante greifen, da der Weg doch recht oft durchs Unterholz führt.

Die Regenjacke war auf jeden Fall sinnvoll, da wir a) ziemliches Pech mit dem Wetter hatten und b) das Wetter an der Steilküste ziemlich unbeständig ist, weil sich die Wolken an den Abhängen stauen. Es kann dir also passieren, dass an der Küste schönster Sonnenschein herrscht und du ein paar hundert Meter weiter oben im Nebel herumläufst.

Feste und bequeme Schuhe sind auf jeden Fall wichtig. Ich hatte meine Approach-Halbschuhe dabei, mit denen ich auch öfter in den Bergen unterwegs bin. Diese Schuhe sind eigentlich für den Zustieg zu Kletterrouten gedachten, taugen aber auch gut als Allround-Wanderschuhe.

Da es an der Amalfiküste teilweise auch über gebirgsähnliche Geröllwege und ziemlich rustikale Trampelpfade geht, boten diese Schuhe einen guten Kompromiss aus Tragekomfort und Sicherheit.

Auf dem Weg der Götter habe ich viele Leute mit Trekking-Stöcken gesehen. Ich persönlich hatte keine dabei, aber es wäre auch nicht verkehrt gewesen. Die Treppenwege sind doch recht steil und am Ende freuen sich die Knie über jede Entlastung.

Ausblick über die Bucht von Salerno vom Monte Falerio (Etappe 1).

Beste Reisezeit zum Wandern an der Amalfiküste

Als beste Reisezeit für Wanderungen an der Amalfiküste gelten die Monate April bis Anfang Juni. Neben der Blumenpracht im Frühling, kommt man dann schon in den Genuss von angenehm warmen Temperaturen, das Wetter ist aber nicht so unerträglich heiß wie im Hochsommer.

Die Sommermonate Juli und August sind keine gute Zeit für eine ausgedehnte Trekking-Tour an der Amalfiküste, da es dann viel zu warm ist. Die Wege an der Küste bieten nur wenig Schatten und auch auf den Treppenwegen gibt es nicht wirklich viel Schutz vor der Sonne.

September und Oktober sind zum Wandern auch möglich. Der Winter ist keine hingegen keine gute Jahreszeit. Das Wetter ist regnerisch und viele Unterkünfte haben in dieser Zeit geschlossen.

So sah das Wetter in den ersten Tagen unserer Wanderung aus (Etappe 3).

So weit die Theorie. Wir waren im Mai an der Amalfiküste, also eigentlich mitten in der besten Zeit zum Wandern. Leider war das Wetter die ersten drei Tage ziemlich verregnet, erst am vierten Tag auf dem Weg der Götter wurde es dann langsam besser.

Postkartentaugliches Wetter mit wolkenlosem Himmel und türkisfarbenem Meer gab es dann erst zum Schluss – übrigens auch der Grund warum die meisten Fotos in diesem Beitrag von den letzten Etappen sind:)

Was ich in den letzten beiden Tagen auf jeden Fall ziemlich schnell merkte: Bereits im Mai wurde es mittags sehr heiß. Im Hochsommer die ganze Küste entlangzuwandern, möchte ich mir lieber nicht ausmalen, das fällt dann schon eher in die Kategorie “Gewaltmarsch”.

Der Punta Campenella ist der westlichste Zipfel der Steilküste und markiert das Ende der Wanderung. (Etappe 6)

Mein Fazit

Keine Wandertour durch menschenleere Wildnis, aber trotzdem ein echtes Erlebnis. Ich hatte die Amalfiküste vorher vor allem als Ort im Kopf, an dem die Reichen und Schönen ihren Sommerurlaub auf der Yacht verbringen. Und das gibt es hier sicherlich auch, aber eben noch viel mehr.

Sobald wir den Trubel der Küstenstädte verlassen, umgibt uns Stille und wir tauchen in eine zeitlose Welt ein: Küstenpfade, die wahrscheinlich schon seit hunderten von Jahren an der Steilküste entlangführen. Verlassene Bauernhöfe am Wegesrand. Einsame Wege durch blühende Heidelandschaften, auf denen man bis auf einem Hirten keiner Menschenseele begegnet.

Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass wir im Hinterland der Küste so gut wie keine Spuren von Massentourismus gesehen haben, sondern den normalen Alltag der Landbevölkerung in Süditalien. War das jetzt die “echte” Amalfiküste? Wer weiß… Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ohne diese Wanderung mit ganz anderen Eindrücken heimgefahren wären.

Warst du auch schon mal an der Amalfiküste wandern? Welche Wege und Routen kannst du empfehlen? Schreib mir einen Kommentar! Ich freue mich über Tipps für meine nächsten Touren.