Annapurna Circuit: 30 Tage auf dem berühmtesten Trek der Welt

Der Annapurna-Circuit ist die bekannteste Trekking-Tour Nepals. In den letzten Jahren hat der Ruf leider stark gelitten, da die Region durch Straßen erschlossen wurde. Lohnt sich diese legendäre Wanderung im 21. Jahrhundert überhaupt noch? Um das rauszufinden war ich mehr als 30 Tage im Himalaya unterwegs – ohne Guide und wenn immer möglich auf neuen Wegen abseits der Straße. Hier ist mein Bericht.

In diesem Artikel:

Der Annapurna-Circuit zählt zweifellos zu den berühmtesten Treks der Welt. Die etwa 250 Kilometer lange Umrundung des Annapurna-Massivs in Zentral-Nepal wurde erstmals in den späten 1970er-Jahren für westliche Touristen geöffnet. Seitdem haben sich wohl Tausende von Trekkern auf den Weg in den Himalaya gemacht. Und auch heute können viele dem Ruf dieser legendären Tour nur schwer widerstehen – was auch für mich gilt.

Leider gibt es ein großes Problem: Die Annapurna-Region wird seit ungefähr 15 Jahren systematisch durch Straßen erschlossen. Große Teile der alten Route haben sich inzwischen in eine staubige Dirtroad verwandelt. Und wenn du Pech hast, musst du dir diese Piste rund um die Uhr mit Motorrädern, Jeeps und Traktoren teilen. Ich schätze mal, das ist nicht gerade das, warum du zum Trekking in den Himalaya fährst.

Auf neuen Wegen auf dem Annapurna Circuit

Glücklicherweise gibt es eine Lösung für das Straßenproblem. Seit 2010 hat eine Handvoll Trekking-Begeisterte ehrenamtlich neue Wege abseits der alten Route erforscht. Das Ziel: Dem Annapurna-Circuit wieder zu seinem alten Glanz zu verhelfen. Inzwischen, so das Versprechen, soll man das gesamte Massiv wieder auf richtigen Wanderwegen abseits der Straße umrunden können: den sogenannten NATT-Trails (Natural Annapurna Trekking Trail).

Das klang für mich ziemlich spannend und schien einen Versuch wert!

Die große Frage ist natürlich: Wie sieht die Wirklichkeit aus? Dazu weiter unten noch ausführlicher. Nur so viel schon mal vorweg: Wenn du die Sache richtig angehst und nicht einen Hardcore-Wildnis-Trek in absoluter Einsamkeit erwartest, ist der Annapurna-Circuit immer noch ein großes Abenteuer. Und damit genau das klappt, bekommst du jetzt alle Infos, die du für diesen Trek brauchst.

Das hier wird ein sehr langer Post – los geht’s!


Auf einen Blick:

  • Die berühmteste Trekking-Tour Nepals (und vielleicht der ganzen Welt)
  • Landschaftlich spektakuläres Lodge-Trekking durch nahezu alle Klimazonen Nepals
  • Länge: ca. 250 km
  • Höchster Punkt: Thorong La, 5.416 m
  • Schwierigkeit: mittel
  • Abenteuerfaktor: hoch
  • Übernachtung und Verpflegung in Gasthäusern und Lodges
  • Camping und Zelten erlaubt und prinzipiell möglich

Was dich auf dem Annapurna-Circuit erwartet

Wenn ich den Annapurna-Circuit kurz zusammenfassen müsste, dann wohl so: Der perfekte Kultur-Trek mit einer ordentlichen Portion Landschaftseindrücke und das alles vor dem majestätischen Panorama einiger der höchsten Berge dieser Erde. Besonders reizvoll ist vor allem die wahnsinnige Vielfalt. Im Prinzip wanderst du von den Tropen bis in eisige Höhen einmal durch so gut wie alle Landschaften und Klimazonen, die Nepal zu bieten hat.

Der Annapurna Circuit – das ist vor allem ist eine große Reise zu Fuß. Eine Reise, von der du mit tausend Eindrücken zurückkehren wirst. Reisfelder in den steilen Terrassen der Berghänge. Mani-Steine und Gebetsmühlen am Wegrand. Urtümliche Dörfer, in denen sich die Leute ihre Wohnungen mit Ziegen und Schafen teilen, während ein Motorrad vorbeiknattert und im Hintergrund die mächtigen Schneegipfel des Himalaya in der Sonne funkeln. Gebetsfahnen, die in der schneidend kalten Luft auf dem Weg zum über 5.400 hohen Thorong-La-Pass im Wind flattern.

Ist der Annpurna Circuit zu überlaufen?

Was der Annapurna-Circuit definitiv nicht ist: Einsam und menschenleer. Du läufst bis auf wenige Tage rund um den Thorong-La-Pass durch eine dichtbevölkerte Kulturlandschaft. Außerdem ist die Strecke weltberühmt, dementsprechend viele andere Leute sind hier unterwegs. Auf den Nebenrouten wirst du häufig trotzdem deine Ruhe haben. Wenn du Wildnis und absolute Einsamkeit suchst, ist die Annapurna-Runde aber nicht unbedingt die richtige Tour.

Was man auch erwähnen muss: Der fortschreitende Straßenbau und der Touristenstrom sorgen dafür, dass die Moderne bis in die hintersten Dörfer Einzug hält – einschließlich Internet, Smartphones und den anderen Errungenschaften der sogenannten Zivilisation. Für mich war gerade das aber auch eine interessante Erfahrung. Auf dem Annapurna-Circuit lernt man eben kein kitschiges Klischeebild kennen, sondern den echten Himalaya des 21. Jahrhunderts mit all seinen Widersprüchen.

Es gibt einige sehr hässliche Abschnitte auf der Route. Das muss man ehrlicherweise zugestehen. Gleichzeit aber auch viel Schönes, spannende kulturelle Einblicke, eine wunderbar vielfältige Natur und die schwer fassbare Magie Asiens. Zumindest für mich haben am Ende die schönen Eindrücke bei weitem überwogen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei dir auch so sein wird!

Wanderführer und topgraphische Karte

Meine Empfehlung: Himalayan Travel Guides – Trekking the Annapurna Circuit

Der exzellente Wanderführer „Trekking the Annapurna Circuit*“ aus dem Verlag Himalayan Travel Guides ist das derzeit beste erhältliche Buch zur Annapurna-Runde und meine Top-Empfehlung für Individualisten.

In dem handlichen Buch werden wirklich alle denkbaren Nebenrouten ausführlich beschrieben – unter anderem Wege, die teilweise nicht einmal die Locals kennen. Außerdem gibt’s Tipps zu weiteren Touren im Süden der Region, z.B. zum ABC-Trek und dem Mardi Himal Trek.

Zusammen mit einer guten Wanderkarte bist du mit diesem Buch für alle Fälle gerüstet!

Der Rother-Wanderführer* für die Annapurna-Runde ist etwas professioneller aufgezogen und auch ganz ok. Es sind aber längst nicht so viele Nebenrouten beschrieben. Das Buch eignet sich vor allem dann, wenn du nicht so viel planen willst, sondern einfach nur eine bequeme Route möchtest, der du folgen kannst. Die bekanntesten Alternativ-Routen sind zum Glück enthalten.

Als Karte hab ich die Around Annapurna-Map* von Nepa Maps im Maßstab 1:70.000 benutzt. Der Maßstab ist ausreichend und es sind alle wichtigen Wege, der Verlauf der Route, Ortschaften sowie die Lodges korrekt eingetragen. Die Karte bekommst du natürlich auch in Kathmandu oder Pokhara. Ich würde sie mir aber schon vorher zur Planung besorgen.

Ebenfalls empfehlenswert:

Reiseführer Nepal mit den schönsten Trekking-Routen

Reise Know-How Nepal: Kathmandu Valley

Lonely Planet: Trekking in the Nepal Himalaya

Route des Annapurna-Circuit

Der Annapurna-Circuit umrundet auf rund 250 Kilometern das gesamte Annapurna-Massiv. Die Gebirgsgruppe ist Teil des Himalaya und liegt in der Annapurna Conservation Area, dem größten Naturschutzgebiet des Landes in Zentral-Nepal. In dem Massiv finden sich etliche Gipfel über 7.000 Meter. Außerdem der 8.091 m hohe Annapurna I, der 1950 als erster 8.000er überhaupt bestiegen wurde.

Für die gesamte Runde brauchst du zwischen 18 und 21 Tagen. Abseits der Hauptroute sind etliche Abstecher und kürzere Treks möglich. Ich hab viele davon mitgenommen und war insgesamt 32 Tage in der Region unterwegs. Es gibt auch Leute, die den Annapurna-Circuit in nur 14 Tagen laufen. Damit fehlen dann aber meist bestimmte Abschnitte. Ich würde das eher nicht empfehlen, da der Trek vom Gesamteindruck lebt.

Karte und GPS-Datei

GPX-Download

Von Besisahar in 250 Kilometern bis Pokhara

Die meisten Leute laufen die Runde wegen der besseren Akklimatisierung gegen den Uhrzeigersinn. Start ist das Örtchen Besisahar, das etwa 100 km nordwestlich von Kathmandu liegt. Von hier aus folgt der Weg dem Fluss Marsyangdi nach Norden durch eine subtropische Kulturlandschaft. Während du aufsteigst, bleiben die Reisfelder und Bananenstauden langsam zurück. Das Landschaftsbild wird zunehmend alpiner. Eine zauberhafte Erfahrung!

Bei Pisang betrittst du den buddhistisch geprägten Teil des Himalaya. Die Luft wird kühler, die Berge immer höher. Von nun an begleiten dich die mächtigen vergletscherten Gipfel des Annapurna-Massivs auf deinem Weg. Über karge Hochweiden wanderst du nach Manang, dahinter durch einsame Täler in zunehmend dünnerer Luft bis zum Hochpass Thorong-La – mit 5.416 Meter der höchste Punkt der Tour.

Annapurna Circuit Trek
Auf dem Weg zum über 5.000 Meter hohen Pass Thorong La.

Der Thorong La ist aber erst die Halbzeit: Hinter dem Pass gelangst du zum Tempel von Muktinath, eine der wichtigsten Pilgerstätten der Hindu-Religion. Durch die tiefe Schlucht des Kali Ghandaki-Flusses geht es danach mehrere Tage durch die windige Hochwüste von Mustang und faszinierende, vom tibetanischen Buddhismus geprägte Dörfer. Bei den heißen Quellen von Tatopani gelangst du schließlich wieder in tropische Gefilde.

Hier steht dann nochmal ein letzter harter Aufstieg an, der dich durch blühende Rhododendron-Wälder nach Ghorepani führt. Als Belohnung darfst du anschließend bei Sonnenaufgang auf dem berühmten Poon Hill einen letzten Blick auf den Himalaya genießen. Danach ist es nur noch eine Katzensprung bis Nayapul, wo die Busse nach Pokhara abfahren. Wenn du mehr Zeit hast, erkundest du von Ghorepani aus die reizvolle Hügellandschaft südlich des Annapurna-Massivs.

Landschaft im Süden des Annapurna-Massivs.
Südlich des Annapurna-Massivs erwarten dich tolle subtropische Landschaften und viele bunte Dörfchen.

Etappen des Annapurna Circuit in der Übersicht

Ich hab ohne Abstecher und Ruhetage 20 Tage rein für die Umrundung des Annapurna-Massivs benötigt. Allerdings hab ich auch anschließend auch noch den Annapurna Basecamp Trek und den Mardi Himal Trek drangehängt. Infos dazu weiter unten. Sehr bekannt ist auch der Trek von Manang zum Tilicho Lake, den ich auch machen wollte. Leider hatte ich mir vorher eine Erkältung zugezogen und musste wieder umkehren.

In der folgenden Übersicht siehst du, wie ich mir die Etappen auf der Wanderung in der Annapurna-Region eingeteilt habe. Klicke für die detaillierte Beschreibung einfach auf die jeweilige Etappe. In den Beiträgen bekommst du Infos zur Route, Übernachtungsmöglichkeiten und jede Menge Geheimtipps, die du in keinem Reiseführer finden wirst! 

Annapurna Circuit: Unterer Teil bis Manang

TagRouteLänge
01Kathmandu – Besisahar – Bhulbhule188 km (Busfahrt von Kathmandu)
02Bhulbhule – Ghermu14,3 km
03Ghermu – Chamje14,1 km
04Chamje – Dharaphani18,4 km
05Dharaphani – Chame19,6 km
06Chame – Upper Pisang14,5 km
07Upper Pisang – Ngawal10,9 km
08Ngawal – Bhraka8,2 km
09Tagesausflug zum Ice Lake12,6 km
10Bhraka – Manang2 km

Annapurna Circuit: Thorong La Pass bis Jomson

TagRouteLänge
11Manang – Churi Ledar13 km
12Churi Ledar – Thorong Phedi – Thorong Highcamp6 km
13Thorong Highcamp – Thorong La – Muktinath14 km
14Muktinath – Jhong3,5 km (+Spaziergang rund um Ranipauwa und Jhong)
15Jhong – Kagbeni8,8 km
16Kagbeni – Jomsom13,2 km

Annapurna Circuit: Jomson bis Ghorepani

TagRouteLänge
17Jomsom – Sauru18 km
18Sauru – Kalopani – Tatopanica. 10 km + 30 km mit Jeep
19Tatopani – Chitre12,7 km
20Chitre – Ghorepani – Poon Hill3 km + 2,8 km bis Poon Hill

Schöner Film zum Annapurna Circuit auf YouTube:

Alternative Routenvorschläge für den Annapurna Circuit

Vielleicht hast du keine vollen drei Wochen Zeit oder willst aus anderen Gründen nicht die gesamte Tour laufen. Prinzipiell ist das kein Problem, da fast die gesamte Runde inzwischen mit Straßen erreichbar ist. Von Besisahar führt eine Piste bis nach Manang, auf der anderen Seite des Passes führt die Piste von Muktinath bis ganz runter ins Tiefland.

Heißt: Du kannst die Route bequem abkürzen, z.B. indem du die Wanderung an einem späteren Ort einsteigst oder dich früher zurückfahren lässt. Viele Leute sind beispielsweise nur zwei Wochen unterwegs. Wichtig am Anfang ist dabei vor allem, dass du dir ausreichend Zeit für die Akklimatisierung an die großen Höhen nimmst. Dazu weiter unten ausführlicher.

Wandern auf dem Annapurna Circuit nach Manang.

Mögliche Startpunkte des Annapurna Circuit

Von dem was ich auf dem Trek gesehen und erzählt bekommen habe, waren das die beliebtesten Startpunkte des Annapurna Circuit:

OrtHöhe über N.N.Entfernung von BesisaharEnfernung bis Manag
Besisahar760 m110 km
Bhulbhule840 m7 km103 km
Tal1.700 m43 km67 km
Chame2.670 m70 km40 km

Start in Besisahar

Besisahar ist seit den frühen 2000er Jahren der klassische Start der Route, weil hier die Busse aus Pokhara und Kathmandu anhalten. Von hier aus laufen viele Leute einfach auf der Straße weiter. Es gibt inzwischen aber auch zwei sehr schöne Naturetrails abseits der Piste. Besisahar ist damit definitiv ein guter Punkt, um den Trek zu starten.

Start in Bhulbhule

Ein paar Kilometer weiter nördlich liegt Bhulbhule, dahinter das kleine Dorf Ngadi. Diese Orte sind vor allem für Leute interessant, die zu spät abends anreisen und am ersten Tag keine Zeit mehr haben dahin zu wandern. Genau das ist mir auch passiert und ich hab einfach den Bus nach Bhulbhule genommen. Mit dieser Option verpasst du nur sehr wenig von dem schönen unteren Teil des Circuit.

Start in Tal

Ebenfalls beliebt als Startort ist Tal. Viele individuelle Trekker, die ich getroffen habe, ließen sich mit dem Jeep dorthin fahren. Tal liegt auf 1.700 Metern, du hast also noch ausreichend Zeit zur Akklimatisierung. Andererseits verpasst du damit den gesamten tropischen Abschnitt des Circuit, da du direkt in der gemäßigten Klimazone startest.

Start in Chame

Chame auf 2.670 Metern ist der letzte Ort, der sich sinnvoll für einen Start anbietet. Damit hast du zumindest noch einen Tag, bis du die 3.000 Meter-Marke knackst. Es gibt Gruppen, die sich auch direkt bis Manang (3.540 m) fahren lassen. Das ist ziemlich fahrlässig, da auf dieser Höhe bereits ernsthafte Beschwerden auftreten können. Ich würde allerspätestens in Chame starten und mir von dort 2-3 Tage Zeit bis Manang lassen.

Mögliche Endpunkte des Annapurna Circuit

Wie erwähnt laufen viele Leute nicht die komplette Strecke und steigen irgendwann hinter dem Thorong-La-Pass aus. Bei den Leuten die ich getroffen habe, waren das die beliebtesten Orte, um den Annapurna Circuit zu beenden:

OrtHöhe über N.N.Entfernung vom Thorong La
Muktinath3.700 m10 km
Jomsom2.720 m32 km
Tatopani1.190 m94 km
Ghorepani2.860 m102 km
Nayapul1.070 m110 km

Ende in Muktinath

Muktinath ist für etliche Trekker der Endpunkt der Annapurna-Circuit, da es direkt hinter dem Thorong-La-Pass liegt. Von hier aus fahren viele mit dem Jeep nach Jomson und nehmen von dort den Flieger nach Pokhara. Leider verpasst du damit einige sehr schöne Abschnitte in Mustang und läufst letzten Endes auch nur den halben Annapurna-Circuit. Eine Besichtigung des Tempels wäre aber ein schöner Abschluss.

Ende in Jomsom

Jomson ist ebenfalls als Schlusspunkt beliebt, weil sich hier der Flughafen befindet. Die tibetanisch geprägten Dörfer auf dem Weg dahin waren für mich ein echtes Highlight der ganzen Tour. Wenn du vorzeitig aussteigen willst, würde ich zumindest bis Jomson laufen und einen Zwischenstopp in Jhong und Kagbeni einlegen. Abgesehen davon ist Jomson aber keine schöne Stadt und ein ziemlich deprimierender Ort, um eine so tolle Wanderung zu beenden.

Ende in Tatopani

Tatopani ist für seine heißen Quellen berühmt, daher beenden viele Leute ihre Tour an diesem Ort. Den Weg dahin fand ich mittelprächtig. Es gibt bis Kalopani einige schöne Naturwege, aber auch abartig hässliche Abschnitte auf Schotterpisten. Den Naturetrail von Kalopani nach Tatopani auf der Ostseite des Kali Gandaki habe ich wegen schlechtem Wetter leider nicht genommen und bin diesen Abschnitt per Anhalter gefahren.

Ende in Ghorepani

Ghorepani war mein letzter Stopp auf der klassischen Route. Von hier aus kannst du auf den Poon Hill steigen und bei Sonnenaufgang noch einmal einen letzten Blick auf das Annapurna-Gebirge werfen. Ein tolles Ende der Tour! Von hier aus läufst du dann entweder ein kurzes Stück nach Ulleri und nimmst den Jeep. Oder du hängst noch einen Tag dran und läufst weiter nach Nayapul, wo ebenfalls Jeeps und Busse nach Pokhara abfahren.

Ghorepani Poon Hill Trekking.
Ghorepani ist ein schönes Ende der Tour, weil du hier noch den nahegelegenen Poon Hill besteigen kannst.

So kombinierst du den Annapurna Circuit mit dem Annapurna Basecamp Trek (ABC-Trek)

Wenn du noch eine Woche mehr Zeit hast, kannst du auch den beliebten Annapurna Basecamp Trek (ABC-Trek) an die Runde dranhängen. Der Trek startet im Ort Chomrong, den du von Ghorepani aus bequem in zwei Tagen erreichst. Ich wollte mir das natürlich nicht entgehen lassen und hab das folgendermaßen gemacht:

  • Tag 1: Morgens in Ghorepani auf den Poon Hill, danach weiter nach Tadapani
  • Tag 2: Tadapani nach Chomrong, danach weiter nach Sinuwa
  • Tag 3: Sinuwa bis Deurali
  • Tag 4. Deurali bis zum Annapurna Basecamp
  • Tag 5: Sonnenaufgang beim Annapurna Basecamp, danach zurück nach Sinuawa und weiter nach Jhinu Danda
  • Tag 6: Jhinu Danda bis Landruk
  • Tag 7: Landruk bis Dhampus

Tipp: Lies dir hier meinen ausführlichen Bericht zum Annapurna Base Camp Trek durch.

Annapurna Base Camp Sanctuary Trek.
Der sehr empfehlenswerte Annapurna Base Camp Trek führt mitten ins Herz des Annapurna-Massivs.

Da du zu diesem Zeitpunkt bereits gut akklimatisiert bist, musst du dir um die Höhe keinen Kopf machen. Natürlich kannst du dir auch ein bisschen mehr Zeit lassen. Rein von der Strecke ist die Tour aber nicht sonderlich lang (ca. 40 km hin und zurück mit Start in Chomrong). Danach läufst du dann z.B. über Landruk nach Dhampus. Dazu brauchst du nochmal ungefähr drei Tage.

Tipp: Wenn du danach immer noch nicht genug hast, kannst du von Landruk aus auch den Mardi Himal Trek starten. Ich werde dazu demnächst nochmal einen eigenen Post schreiben.

Wie viele Straßen gibt es auf dem Annapurna-Circuit?

Kommen wir zum leidigen Thema „Straßen“… und ich will hier gar nichts beschönigen: Du wirst auf dem Annapurna-Circuit relativ vielen davon begegnen. Allerdings hat man in Nepal eine etwas andere Vorstellung davon, was als Straße gilt. In Wirklichkeit sind es meist Dirtroads, also Schotterpisten. Diese werden von Jeeps, Bussen, Traktoren und Motorrädern befahren, manchmal auch von gar niemandem.

Wenn man es genau nimmt, beschränkt sich der komplett straßenfreie Abschnitt inzwischen auf drei Tage rund um den Thorong-La-Pass. Von Besisahar führt eine Schotterpiste bis nach Manang und sogar noch ein Stück weiter ins Gebirge hinein. Auf der anderen Seite des Passes führt von Muktinath eine (teilweise asphaltierte) Dirtroad bis nach Tatopani. Viele kleinere Wege und Nebenrouten sind ebenfalls zu Dirtroads umgebaut und der Straßenbau geht an allen Ecken und Enden weiter.

Straßen auf dem Annapurna Circuit.
Hier wird gerade die Straße hinter Manang ausgebaut. Gerüchten zufolge soll die Straße in Zukunft sogar bis zum Thorong-La-Pass erweitert werden.

Konkret heißt das: Klassische Naturwege und Gebirgssteige, wie du sie z.B. aus den Alpen kennen, sind in der Minderzahl. Aber es gibt welche! Häufig sind die als Naturetrails ausgewiesenen Wege einfach nur wenig oder gar nicht befahrene Dirtroads. Mein Eindruck war: Wo es irgendwie möglich ist und Sinn macht, werden alle Wege nach und nach zu Dirtroads umgebaut. Manchmal auch, wenn es keinen Sinn macht.

Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch sagen: Viele Dirtroads sind gar nicht so tragisch und unterscheiden sich nicht groß von etwas breiteren Wanderwegen. Und glücklicherweise gibt es definitiv auch noch die richtig schönen Naturwege. Meist verlaufen diese Wege durch so unwegsames oder abgelegenes Gelände, dass man hier wohl auch in Zukunft keine Straßen bauen wird.

NATT Trails Annapurna Circuit
Nature-Trail auf dem Weg nach Jagat. Schwer vorstellbar, dass dieser Weg irgenwann zu einer Piste wird…

Was taugen die neuen NATT-Trails auf dem Annapurna-Circuit?

Dass die Straßen ein Problem sind, hat die Nationalpark-Verwaltung ACAP seit längerem erkannt. Westliche Besucher haben keine Lust auf staubigen Schotterpisten zu wandern. Und wenn die Touristen ausbleiben, fehlt eine wichtige Einnahmequelle für das vom Trekking-Tourismus abhängige Entwicklungsland Nepal.

Andererseits wollen viele Einwohner die Straßen. Denn nur damit können Waren günstig transportiert und die medizinische Versorgung sichergestellt werden. Ein echtes Dilemma. Vielleicht ist es daher auch nicht verwunderlich, dass die Lösung nicht von offizieller Seite kam, sondern von zwei leidenschaftlichen Trekking-Fans: dem Belgier Andrèes de Ruiter und dem einheimischen Guide Prem Rai.

Seit 2010 unternahmen die beiden zahlreiche lange Touren in der Annapurna-Region, um vergessene Wege und Nebenrouten abseits der Piste zu finden. Überraschenderweise schafften sie es anschließend, die ACAP davon zu überzeugen, diese neu entdeckten Wege nach europäischem Vorbild zu markieren. Die Natural Annapurna Trekking Trails (NATT) waren geboren.

Markierter Wanderweg auf dem Annapurna Circuit.
Rot markiert die Hauptroute, blau den Umweg, der in diesem Fall die Straße komplett vermeidet. Meistens fallen bei den Umwegen zusätzliche Höhenmeter an.

Rote vs. blaue NATT-Trails

Inzwischen ist ein Großteil der Annapurna-Runde auf diesen NATT-Trails begehbar. Die alte Route – inzwischen weitgehend eine mehr oder wenig stark befahrene Straße – ist damit ein Stück weit Geschichte. Das ist vielleicht ein bisschen traurig. Andererseits haben Trekker damit eine Art neue Annapurna-Runde. Eine Runde, auf der es wirklich noch Sinn macht, die Strecke zu Fuß zurückzulegen.

Auf dem Weg werden dir zwei Arten von NATT-Trails begegnen:

  • Hauptroute: rot-weiße Markierung – die offizielle Wegführung des „neuen“ Annapurna-Circuit
  • Nebenroute: blau-weiße Markierung – alternative Routen, für Leute, die mehr Zeit haben und/oder weitere Teile der Region kennenlernen möchten

In vielen Fällen ist es so, dass der neue Weg ober- oder unterhalb der früheren Route verläuft. Manchmal auch auf der anderen Talseite. Wenn die Landschaft zu wenig Platz bietet, kreuzen sich die alte und neue Route teilweise auch – meistens zum Nachteil des Trails. An einigen Stellen hatte ich manchmal das Gefühl, dass der neue Weg nur als Alibi dient, damit man zumindest ein bisschen das Gefühl hat zu wandern und nicht nur auf der Straße zu laufen.

Lohnen sich die neuen Trails?

Generell ist die klassische Original-Route, zumindest meinem Empfinden nach, von der Wegführung deutlich eleganter. Sie führt quasi in der Ideallinie um das Annapurna-Massiv. Die neue Route fühlt sich hingegen manchmal ein bisschen wie ein Flickenteppich aus Nebentrails und Zufahrtswegen an. Und wie erwähnt sind viele der NATT-Trails auch „nur“ Dirtroads, bloß eben solche, die weniger oder gar nicht befahren werden.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass die neue Route schlecht ist! Es gibt einige wirklich geniale Abschnitte. Meistens musst du sie dir aber mit zusätzlichen Höhenmetern erkaufen. Die Höhenwege von Ghermu nach Jagat und Upper Pisang nach Braka würde ich z.B. ohne zu zögern zu den landschaftlich spannendsten Bergwegen zählen, auf denen ich bis jetzt gelaufen bin. Die NATT-Trails sind der alten Route also auf jeden Fall vorzuziehen!

Bkraka Höhenweg auf dem Annapurna Circuit.
Auf dem Höhenweg nach Bhraka – einer der schönsten NATT-Trails auf dem Annapurna Circuit.

Die besten NATT-Trails auf dem Annapurna Circuit: Meine Empfehlungen

Die folgenden NATT-Trails würde ich auf jeden Fall empfehlen. Auf diesen Wegen erwarten dich tolle Aussichten, wenig bis kein Verkehr und schön angelegte Naturwege – häufig auch alles zusammen. Sie zählen zu meinen persönlichen Highlights auf dem Annapurna Circuit:

  • Ngadi – Ghermu via Bahundanda
  • Ghermu – Jagat, Höhenweg via Tallo Chipla
  • Chamje – Tal via Sattale
  • Upper Pisang – Ngawal, Höhenweg via Ghyaru
  • Ngawal – Braka, Höhenweg via Julu
  • Muktinath – Kagbeni via Jhong
  • Marpha – Kokethani via Chimang und Sauru
  • Kalopani – Tatopani via Pairothapla (nicht selbst gelaufen, soll laut Hörensagen aber sehr schön sein)
  • Tatopani – Gorephani via Shika und Chitre
Wegweiser nach Jomsom.
Einsamer Wegweiser in der Berglandschaft nördlich von Jomsom.

Wie gut sind die Markierungen auf dem Annapurna Circuit?

Noch ein paar Worte zu den Markierungen auf der Annapurna-Runde. Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie gut das umgesetzt wurde. Teilweise sind auf den Schildern sogar Wegzeiten ähnlich wie in den Alpen angegeben. Die größeren Abzweigungen sind fast immer gut mit Pfeilen, Wegweisern und Farbklecksen markiert. Wenn du ungefähr weißt, was dein nächster Zielort ist, sollte es keine größeren Probleme geben.

Ohne die oben empfohlene Karte würde ich trotzdem auf keinen Fall loslaufen. Gerade die versteckten Nebenrouten sind nicht immer gut erkennbar. Und natürlich kommst du an gefühlt 1 Millionen unmarkierten Trampelpfaden und Dirtroads vorbei, die man nicht immer klar vom Weg unterscheiden kann. Daher macht es auch durchaus Sinn, ein GPS-Gerät bzw. Smartphone mit dem GPS-Track mitzunehmen.

Weiterlesen: Garmin eTrex 32x im Test: Was taugt das Einsteiger-Navi wirklich?

Unterkünfte auf dem Annapurna Circuit

Der Annapurna-Circuit ist ein Teahouse-Trek, sprich: Es gibt in regelmäßigen Abständen entlang der Strecke Lodges und Unterkünfte, in denen du übernachten kannst. Da die ganze Region stark auf den Tourismus angewiesen ist, finden sich mehr als genug Übernachtungsmöglichkeiten. Einige Ortschaften bestehen sogar fast ausschließlich aus Lodges für Touristen.

Annapurna Circuit Unterkünfte und Lodges.

Eine vorige Buchung der Lodges ist meines Wissens nach kaum möglich. Zumindest nicht, wenn du als individueller Trekker ohne lokale Kontakte unterwegs bist. Wer zuerst kommt, bekommt einen Platz. Bei einer späteren Ankunft kann es passieren, dass alle Plätze in der Lodge bereits belegt sind, vor allem wenn sich irgendwo eine große Gruppe einquartiert hat. Es wird sich aber immer irgendwo ein Platz finden. Zerbrich dir also nicht zu sehr den Kopf darüber.

Orte, in denen du Lodges findest, sind auf der Wanderkarte für den Annapurna Circuit markiert. Außerdem findest du viele Lodges mit Google Maps. Da ständig neu gebaut wird, gibt es natürlich auch etliche Lodges, die nirgends verzeichnet sind. In den Beschreibungen der einzelnen Etappen gebe ich ein paar Tipps für empfehlenswerte Unterkünfte, in denen ich übernachtet habe.

Innenraum einer Lodge auf dem Annapurna Circuit.

Kosten der Unterkünfte

Die traditionelle Regel lautet: Trekker müssen nichts für die Übernachtung bezahlen, wenn man in der Lodge mindestens zwei Mahlzeiten (z.B. Abendessen und Frühstück) bestellt. So steht es in etlichen Reiseführern und Blogs und teilweise ist das auch immer noch so. Ich hatte aber den Eindruck, dass diese Tradition langsam ausstirbt und die Besitzer einen kleinen Betrag für die Übernachtung verlangen. Meist 200 – 400 NPR, manchmal aber auch mehr.

Ich hab bis Manang nirgendwo für die Übernachtung bezahlt und das folgendermaßen gemacht: Zuerst hab ich mir immer das Zimmer angeschaut und wenn alles okay war, gefragt: „When I eat everything here, breakfast, dinner, lunch and drinks, will you give me the room for free?“ Damit bekam ich eigentlich immer direkt ein „Ja“ als Antwort. Manchmal noch mit dem Hinweis, das nicht den anderen Leuten weiterzusagen. Sonst könnten die ja noch auf falsche Gedanken kommen…

Ausstattung der Lodges

Die Lodges sind einfach aber ziemlich komfortabel, in den höheren Lagen natürlich etwas spartanischer. Warme Duschen gab es bis Manang fast überall. Danach bis zum Pass nur noch „Hot Buckets“, also einen Eimer mit heißem Wasser zum Waschen. Ab 3.000 Meter Höhe war in den Gemeinschaftsräumen ein heißer Ofen, der abends angeschmissen wurde. Zum Schlafen bekommst du dicke Fleece-Decken. Auf Wunsch auch zusätzliche Decken, wenn es zu kalt ist. Handy und Co. kannst du in allen Lodges aufladen, teilweise gegen eine geringe Gebühr (100-200 NPR)

Fast alle Lodges werben mit kostenlosem WLAN. Die Verbindung war manchmal auch wirklich überraschend gut, häufig aber auch ziemlich bescheiden. Verlass dich also nicht zu 100% darauf. Hinter Manang bis nach Muktinath hatte ich für drei Tage gar keinen Empfang. Mich persönlich hat das nicht so gestört. Wenn du vorher nochmal ein Lebenszeichen senden willst, machst du das aber am besten rechtzeitig vor dem Pass.

Thorong La Highcamp im Innenraum.
Im Thorong High Camp. Die Lodge hier oben war schon ziemlich einfach, aber es gab trotzdem gutes Essen und der Aufenthaltsraum war auch ganz gemütlich.

Kann man auf dem Annapurna Circuit auch campen und zelten?

Zelten ist auf dem Annapurna Circuit im Prinzip möglich, da es meines Wissen nach keine Verbote gibt. Es gibt auch eine ganze Reihe von Treks in der Region, die nur mit Zelt möglich sind. Allerdings musst du dann eben das Zelt und Campingausrüstung mitnehmen. Wichtig ist dabei vor allem ein warmer Schlafsack, da es über 3.000 Meter nachts draußen ziemlich kalt wird. Ich würde im Frühjahr einen Schlafsack mit einem Komfortbereich bis -5° C mitnehmen.

Ob sich das ganze lohnt ist eine andere Sache. Zelten im Himalaya ist natürlich schon ziemlich geil. Andererseits kosten die Lodges so wenig, dass es rein vom Geld kaum einen Unterschied macht. Am Ende musst du abwägen, ob es dir die Mühe wert ist, den ganzen Camping-Krempel mitzuschleppen. Bei einer so guten Infrastruktur wie auf dem Annapurna Circuit würde ich aber wahrscheinlich eher in den Lodges übernachten und mir das zusätzliche Gewicht sparen.

Annapurna Circuit: Kosten und tägliche Ausgaben im Überblick

Das teuerste am Annapurna Circuit ist wahrscheinlich der Flug nach Nepal. Wenn du einmal im Land bist, wirst du feststellen, dass so gut wie alles verdammt billig ist. Insgesamt ist die Annapurna-Runde also ein ziemlich preiswerter Trek, vor allem wenn du nicht jeden Tag Geld für Alkohol und andere Luxus-Artikel raushaust.

Grob über den Daumen gepeilt würde ich für den Trek mit 30 Euro pro Tag kalkulieren (ca. 4.000 Rupees). Damit bist du auf der wirklich sicheren Seite und kannst dir abends auch mal 1-2 Bier gönnen ohne jeden Cent rumzudrehen. Bier ist übrigens so ziemlich das teuerste Gut überhaupt. Das Essen ist hingegen vergleichsweise preiswert, vor allem das nepalesiche Nationalgericht Dal Baht.

Hier mal ein paar typische Preise auf dem Annapurna Circuit:

ArtikelPreis
Tasse Lemon Tea80 – 100 Rupees
Coca Cola 500 ml200 – 250 Rupees
Dose Bier 700 ml650 – 700 Rupees
Snickers100 – 200 Rupees
Portion Dal Bhat (+ kostenloser Nachschlag so viel du willst)500 – 600 Rupees
Frühstückset komplett (Omlett, Brot, Bratkartoffen + Tasse Kaffee/Tee)800 Rupees
Portion Momo 10 Stück400 – 500 Rupees
Portion Spaghetti400 – 600 Rupees, je nach Variante
Pizza600 – 800 Rupees, je nach Variante
Packung Zigaretten150 – 250 Rupees, je nach Marke
Rolle Klopapier100 – 150, Rupees
Packung Ersatz-Batterien100 – 200, Rupees

Die Preise sind standardisiert und werden von der nepalesischen Tourismus-Behörde festgelegt. Generell gilt: Je höher du kommst, desto teurer wird es. Es gibt neben diesen „Touristen-Preisen“ übrigens auch noch die echten Local-Preise, die noch einmal deutlich darunterliegen Dazu musst du aber auf jeden Fall weg von der Hauptroute und in die kleinen Dörfer.

Weil ich so nett bin, hab ich mal eine Speisekarte einer Lodge abfotografiert. Das war noch ziemlich weit unten, in dem Ort Jagat (Zum Vergrößern anklicken).

Annapurna Circuit Kosten Preisliste einer Lodge.

Geld abheben und ATMs auf dem Annapurna Circuit

Nimm für den Trek auf jeden Fall ausreichend Bargeld mit! Die Wirtschaft auf dem Annapurna Circuit ist im Prinzip eine reine Cash-Economy, Kreditkarten werden nur an sehr wenigen Orten akzeptiert. Der letzte Ort, wo du vor dem Start der Wanderung noch Geld abheben kannst, ist Besisahar. Danach findest du ATMs an diesen Orten:

  • Dharapani
  • Manang
  • Jomsom
  • Nayapul

Dass die Automaten wirklich funktionieren ist nicht 100% sicher. Der ATM in Dharapani funktionierte bei mir. In Manang war es außer Betrieb, in Jomsom konnte ich ebenfalls nicht abheben. Ich hatte zum Glück einen ausreichenden Vorrat dabei, insofern war es nicht das Riesenproblem. Wenn du einen Automaten benutzt, nimm am besten einen in einer Bankfiliale. Andernfalls hast du ein echtes Problem, wenn der ATM die Karte frisst.

Annapurna Circuit: Geführt mit Guide oder individuell wandern?

Ich bin den Annapurna-Circuit auf eigene Faust, ohne Guide und ohne Träger gegangen. Prinzipiell ist das für Wanderer mit ein bisschen Erfahrung kein Problem, da der Weg gut markiert ist, jede Menge andere Leute unterwegs sind und man nie wirklich weit weg von der Zivilisation entfernt ist. Viele Leute sind dennoch mit Guides und Trägern unterwegs. Wenn du noch keine längeren Wandertouren gemacht hast, ist es vielleicht auch sinnvoller.

Vorteile vom individuellen Wandern

  • Freie Etappeneinteilung und du kannst Pausen und Zwischenstopps genau dann einlegen, wenn du willst.
  • Keine zusätzlichen Kosten für Guide und Führer.
  • Du kommst besser mit den Leuten in Kontakt, weil du dich selbst um alles kümmerst und zwangsweise kommunizieren musst.

Vorteile vom Wandern mit Guide

  • Gibt Sicherheit, weil der Guide die Gegend kennt, sich um die Übernachtung kümmert und bei Problemen hilft.
  • Du unterstützt die lokale Wirtschaft, da viele Leute vom Tourismus leben.
  • Wenn Träger dabei sind, musst du weniger schleppen.

Persönlich fand ich es super, auf eigene Faust loszuziehen. Gerade als Solo-Wanderer war das die perfekte Art mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Ganz einfach, weil man sich halt um alles selbst kümmern muss. Was ich bei den geführten Gruppen hingegen häufig beobachtet habe: Relativ wenig Interaktion mit den Locals, da das ja der Guide übernimmt.

Annapurna Circuit auf eigene Faust wandern.

Tipps zum Anheuern von Guides und Trägern

Wie erwähnt kann es trotzdem Sinn machen, einen Guide anzuheuern. Wenn du das möchtest, würde ich aber keine Tour im Internet buchen, sondern alles vor Ort organisieren. Grund: Bei den Komplettangeboten im Netz zahlst du deutlich drauf. Geh einfach in Kathmandu oder Pokhara auf die Suche – dort gibt es gefühlt eine Millionen Vermittler. Du wirst auf jeden Fall zeitnah jemanden finden, der dich begleitet!

  • Achte dabei vor allem darauf, dass der Guide eine offizielle Lizenz hat und lass sie dir zeigen.
  • Sprich ruhig mit mehreren Anbietern und unterhalte dich auch mit dem Guide. Schließlich verbringst du mehrere Tage oder Wochen mit ihm – das muss passen.
  • Wenn du bestimmte Wege oder Nebenrouten gehen willst, klär das am besten schon vorher. Viele Guides führen ihre Kunden aus Bequemlichkeit über die alte Route auf der Straße, obwohl es schönere Seitenwege gibt.
  • Die Kosten sind individuell verhandelbar. Für einen Guide kannst du ungefähr mit 2000 – 3000 NPR pro Tag rechnen, für einen Träger 1500 bis 2000 NPR. Dazu kommen am Ende evtl. noch Trinkgelder.
Träger auf dem Annapurna Circuit auf dem Weg zum Thorong La.

Guide vs. Porter vs. Porter-Guide

Wenn du willst, kannst du statt einem Guide auch nur einen Träger (Porter) fürs Gepäck anheuern. Oder du nimmst dir einen Porter-Guide – eine Art Mischung aus Führer und Träger. Zum Unterschied noch kurz ein paar Worte.

Guide

Ein Guide spricht in der Regel fließend Englisch und ist dafür verantwortlich, dir den Weg zu zeigen. Er kennt sich in der Gegend aus, kümmert sich um die Übernachtungen in den Unterkünften und kann dir die lokale Kultur, Tier- und Pflanzenwelt und die Besonderheiten der Landschaft erklären. Der Guide trägt seinen eigenen Rucksack, aber kein Gepäck von dir (außer in Notfällen, z.B. bei einem Unfall).

Träger (Porter)

In der Regel lokale Hilfskräfte, die dein Gepäck tragen. Porter sprechen meist nicht so gut Englisch, weil für die Kommunikation mit dem Kunden ja der Guide da ist. Ich hab viele Touristen gesehen, die ihre Porter so behandelten, als sei die Kolonialzeit nie zu Ende gegangen und 20 bis 30 Kilogramm schleppen ließen. Bitte nimm ein bisschen Rücksicht und übertreib es nicht. Es ist ein wirklich harter Job – 15 kg pro Träger sollte das Maximum sein.

Porter-Guides

Einige Guides arbeiten gleichzeitig auch als Träger. Meistens sind das Porter, die schon länger dabei sind und sich ein Stück in der Hierarchie nach oben gearbeitet haben. Sie sprechen ganz gut Englisch und kennen sich auch in der Gegend aus. Eine gute Wahl für Solo-Trekker, die nicht gleich eine ganze Mannschaft anheuern, aber trotzdem jemanden an ihrer Seite haben wollen.

Sirdar

In besonders großen Gruppen mit mehreren Guides gibt es häufig noch einen sogenannten Sirdar, den Anführer der Guides. Er ist für die Organisation der gesamten Crew verantwortlich, meist der älteste und dank seiner Erfahrung eine Autoritätsperson. Ich hab eine Gruppe Sherpas mit Sirdar in Braka getroffen. Meist begleiten sie aber eher Bergsteiger und Expeditionen und keine „normalen“ Trekkingreisenden.

Tipp: Du findest Guides, Träger und Porter-Guides auch in vielen Orten auf dem Annapurna-Circuit. Du kannst im Prinzip also auch noch später jemanden anheuern. Die Leute leben von den Touristen und es wird sich immer jemand finden.

TIMS-Permit für den Annapurna-Circuit beantragen

Annapurna Circuit TIMS Permit

Um auf dem Annapurna Circuit zu wandern, brauchst du zwei kostenpflichtige Permits, die du dir am besten vorher in Kathmandu oder Pokhara beim Touristenbüro abholst:

  • TIMS-Karte: Trekker-Information-Management-System (2.000 NPR)
  • ACAP-Permit: Zugang zur Annapurna Conservation Area (3.000 NPR)

Dazu benötigst du eine Kopie deines Reisepasses, zwei Passfotos und die Versicherungsnummer für deine Auslandskrankenversicherung. Geprüft wird das nicht, du kannst im Prinzip also irgendeine Nummer reinschreiben und es wird niemandem auffallen. Zur eigenen Sicherheit solltest du dennoch eine Reiseversicherung abschließen. Ich empfehle die Auslandskrankenversicherung der Hanse Merkur, die ich seit mehreren Jahren nutze.

Im Netz hatte ich vorher gelesen, dass man nur noch das ACAP-Permit braucht und die TIMS-Karte überflüssig ist. Ich will nicht behaupten, dass ich die nepalesische Bürokratie komplett verstehe, aber zumindest bei mir wurde immer auch die TIMS-Karte geprüft. Daher würde ich auch empfehlen, nicht darauf zu verzichten.

Die Checkpoints befinden sich an verschiedenen Orten entlang der Route. Manchmal wird man von den Beamten reingewunken, teilweise muss man aber auch selbst hingehen. Das ganze Verfahren kam mir ziemlich lax vor und ein paar Checkpoints waren auch komplett verlassen. Ohne die Permits würde ich trotzdem auf keinen Fall wandern gehen. Irgendwann wirst du halt doch mal kontrolliert werden.

Checkpoint auf dem Annapurna Circuit in Dharapani.
Checkpoint in Dharapani.

Wie schwer ist der Annapurna Circuit?

Der Annapurna Circuit ist bei guten Bedingungen keine schwere Wanderung. Die Wege sind häufig relativ breite Trampelpfade oder Dirtroads. Es besteht kaum ernsthafte Absturzgefahr. Wenn ich das mit einigen Hütten-Treks vergleiche, die ich in den Alpen gemacht habe, z.B. auf dem Stubaier Höhenweg oder im Triglav-Nationalpark, ist das hier deutlich entspannter. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich meist etwa im Bereich T2 bis maximal T3 auf der SAC-Skala.

Ganz verharmlosen darf man die Annapurna-Runde aber auch nicht. Gerade die vielen Höhenmeter in Verbindung mit der dünnen Luft zehren an den Kräften. Überraschend fand ich auch, wie instabil die Berge des Himalaya sind: Steinschlag und Erdrutsche habe ich mehrmals beobachtet. Teilweise sind große Teile der Wege einfach weggebrochen. Aktuelle Infos dazu bei den einzelnen Etappen (aber ehrlicherweise ändert sich das ständig, also lieber vor Ort fragen).

Annapurna Circuit Wanderung zum Thorong La im Himalaya.
Kurz vor dem Thorong-La-Pass. Die Wege sind recht einfach begehbar, aber durch die Höhe ist es natürlich trotzdem ziemlich anstrengend.

Wichtig: Hochgebirge nicht unterschätzen

Klar ist auch, dass man das Hochgebirge nicht unterschätzen sollte. Vor allem nicht in diesen für Europäer ungewohnt großen Höhen. Der Weg zum Thorong-La-Pass ist den Elementen beispielsweise völlig schutzlos ausgesetzt. 2014 kam es hier zur Katastrophe, als über 40 Menschen im Schneesturm erfroren. In diesen Höhenlagen kann ein Wettersturz sehr schnell gefährlich werden.

Ohne das Ganze jetzt zu sehr zu dramatisieren – beachte am Besten die im Gebirge üblichen Verhaltensregeln:

  • Wetterbericht checken und bei schlechter Prognose einen Pausentag einlegen.
  • Vor Ort über den Zustand der Wege erkundigen und die Route ggf. ändern.
  • Warme, wind- und wetterfeste Kleidung und einen Biwaksack für etwaige Wetterstürze mitnehmen.
  • Früh starten, um bei unvorhergesehen Problemen einen Zeitpuffer zu haben.
  • Einschätzen, ob man für die geplante Strecke und die zu bewältigenden Höhenmeter fit genug ist.
  • Ausreichend essen und für genug Wasser dabeihaben.
  • Nicht alleine gehen, wenn man keine Erfahrungswerte im Gebirge hat.
  • Im Zweifelsfall immer zur letzten sicheren Position zurückkehren.

Das Thema Höhenkrankheit /Akklimatisierung ist besonders wichtig. Deshalb im nächsten Absatz noch ein paar Worte dazu.

Akklimatisierung und Höhenkrankheit bei Wanderungen im Himalaya

Nur eine Sache gleich vorweg: Ich bin kein Mediziner. Daher will ich hier auch nicht so tun, als ob ich qualifiziertes Fachwissen zu dem Thema habe. Im Prinzip kann ich nur von meinen eigenen Erfahrungen erzählen und das wiedergeben, was ich bei einem Vortrag in der Höhenklinik in Manang von den Fachleuten gehört habe. Das sollte für den Anfang aber auch schon ausreichen.

Meine Erfahrung war: Probleme mit der Höhe sind auf dem Annapurna-Circuit keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Das gilt vor allem dann, wenn du zu schnell aufsteigst und genau diesen Fehler machen leider mehr Leute als man denkt. Entweder aus Unwissenheit oder frei nach dem Motto “Höhenkrankheit… das kriegen doch nur die anderen“.

Ich hab selbst ein paar solcher Fälle live erlebt. Einen davon am Berg und so ernsthaft, dass es ohne spontane Rettungsaktion meinerseits vermutlich ziemlich übel hätte ausgehen können. Und nein… das ist keine Übertreibung (mehr dazu gleich). Da ich vor ein paar Jahren auf dem höchsten Berg von Armenien schon einmal selbst die Symptome der Höhenkrankheit hatte, wusste ich immerhin grob, was mich erwartet.

Annapurna Circuit Höhenkrankheit Warnung.
Offizielle Gehzeiten und Höhenangaben für die wichtigsten Orte am Annapurna Circuit.

So vermeidest du die Höhenkrankheit auf dem Annapurna Circuit

Wie auch immer… Damit es gar nicht so weit kommt, gibt es einiges, was du machen kannst. Im Prinzip ist es gar nicht so schwer, ernsthafte Probleme zu vermeiden. Wichtig ist vor allem: Langsam an Höhe gewinnen und dem Körper ausreichend Zeit geben, sich an die ungewohnt dünne Luft zu gewöhnen.

Die Experten geben zum Vermeiden der Höhenkrankheit folgende Tipps:

  • Ab 3.000 Metern nur noch 300 – maximal 500 Höhenmeter pro Tag aufsteigen.
  • Sobald du die Höhe von 3.500 Metern erreichst mindestens einen zusätzlichen Pausentag zur Akklimatisierung einlegen.
  • Empfehlenswert ist, 2-3 Tage in Manang zu verbringen und von hier aus Tagestouren zu unternehmen, z.B. zum Ice Lake.
  • „Walk high, sleep low“: Tagsüber ein paar hundert Höhenmeter zusätzlich machen (wenn es dir gut geht) und dann zu einer niedrigeren Position zum Schlafen zurückkehren.
  • Ausreichend trinken: Mindestens 3 Liter pro Tag, bei Bewegung eher 4-5 Liter.
  • Alkohol vermeiden, keine Zigaretten rauchen (Ich gebs zu: Ich hab auf dem Thorong-La mit den Sherpas ein Kippchen geraucht und die Sache überlebt).
  • Auf den Körper hören. Leichte Kopfschmerzen und Übelkeit sind erstmal noch kein Grund zur Sorge. Aber wenn es immer schlimmer wird, besser zu einer niedrigeren Höhe absteigen.
  • Auf etwa 4.500 Meter einen weiteren Pausentag einlegen. Auf dem Annapurna Circuit wäre das in Thorong Phedi – aber niemand, den ich getroffen habe, hat das gemacht (ich auch nicht).
  • In einer Gruppe rechtzeitig Bescheid sagen, wenn es einem schlecht geht und sich nicht dazu breitschlagen lassen, weiterzugehen. Im Zweifelsfall lieber umkehren.

Diamox zur besseren Akklimatisierung

Viele Leute nehmen zur besseren Akklimatisierung zusätzlich Diamox. Das ist ein Medikament in Tablettenform. Du bekommst es in Kathmandu und auch in Manang. Zur Prävention wird jeweils eine halbe Tablette morgens und abends empfohlen. Bei akuten Fällen dann jeweils eine Tablette oder mehr. Ich bin aber auch ohne gut ausgekommen.

Im Thorong Highcamp auf Annapurna Circuit.
Im Thorong Highcamp auf 4.925 m.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Höhe

Um die Höhenkrankheit zu vermeiden bin ich bewusst langsam aufgestiegen und habe ab Upper Pisang die Regel „maximal 500 Höhenmeter am Tag“ bis auf eine Ausnahme (Weg zum Thorong High Camp, 4.925 m) penibel eingehalten. Vor Manag (3.540 m) habe ich zwei Nächte auf 3.670 m (Ngawal) und 3.439 m (Braka) verbracht. Vor dem Tag der Passüberschreitung habe ich dann noch dreimal auf über 4.000 Metern übernachtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 14 Tage unterwegs.

100% perfekt akklimatisiert war ich trotzdem nicht. Ich hab keine Symptome oder ähnliches gehabt, aber so fit wie sonst war ich auf über 4.000 Meter definitiv nicht.  Und ab 4.500 Metern bin ich eigentlich nur noch rumgeschlichen wie ein alter Mann und musste mich bewusst auf das Atmen konzentrieren. Meist lief es so ab: Schritt, tief Atmen, nächster Schritt und hoffen, dass die Plackerei irgendwann vorbei ist.

Wirklich gut akklimatisiert war ich eigentlich erst nach dem Pass. Auf dem Weg zum Annapurna Base Camp und zum Mardi Himal zwei Wochen später war das Laufen über 4.000 Metern überhaupt kein Problem mehr und fühlte sich völlig normal an. Lektion für mich: Akklimatisierung kann auch länger dauern. Rechne nicht damit, dass du dich topfit fühlst, wenn du mal ein, zwei Pausentage einlegst. Damit verhindert man nur die gefährlichen Symptome.

Wandern im Annapurna Himalaya.

Was ich bei anderen Leuten beobachtet habe, die zu schnell aufgestiegen sind

Wie oben erwähnt, hab ich ein paar Fälle der Höhenkrankheit mitbekommen. In Manang z.B. ein deutsches Pärchen, die von Tal aus in vier Tagen hochgelaufen waren und so starke Kotzeritis hatten und doppelt sahen, dass sie wieder umdrehen mussten. Trip gelaufen… Auf dem Thorong La eine ältere Dame, die in der dünnen Luft einfach zusammenklappte und ohnmächtig wurde. Außerdem viele Leute, die zu schnell mit dem Jeep nach Manang gefahren waren und Zwangspause machen mussten, weil sie sich hundeelend fühlten.

Richtig übel ging es aber einem spanischen Mädel, dem ich auf dem Weg von Manang zum Ice Lake (4.600 m) begegnet bin. Ein einziges Bündel Elend. Zitternd und weinend im eisigen Wind auf über 4.500 Meter in der Kälte zusammengekauert. Keine Chance mehr, alleine zu laufen oder ein klares Wort rauszubringen. Und das Krasseste: Der Rest der Truppe war einfach weitergelaufen und hatte sie alleine zurückgelassen.

Das war ehrlich gesagt eine ziemlich harte Situation und ich schätze, das hätte wirklich böse enden können. Nachdem ich das Mädchen unter viel gutem Zureden ein paar hundert Höhenmeter runter begleitet hatte, ging es dann aber wieder. Ich hab sie zwei Tage später wieder in Manang getroffen. Zum Glück ist alles nochmal gut ausgegangen.

Fazit: Höhenkrankheit ist kein Spaß und es kann jedem passieren, der zu schnell hochgeht. Lass dir also viel Zeit, trink ausreichend und leg einen Pausentag ein, wenn es dir nicht so gut geht. Ernsthafte Komplikationen lassen sich ziemlich einfach vermeiden, wenn du diese simplen Regeln befolgst.

Blick auf Manang im Annapurna Himal.

Beste Reisezeit für die Annapurna-Runde

Nepal hat zwei Hauptreisezeiten für Trekkingtouren im Himalaya, die vor allem vom jährlichen Monsun-Regen (Juni – September) bestimmt werden:

  • Vor dem Monsun: Frühjahr (Mitte März – Ende Mai)
  • Nach dem Monsun: Herbst (Mitte September – Ende November)

Im Frühjahr kannst du dem Annapurna Circuit mit etwas wärmeren Temperaturen und mit blühenden Rhododendronbäumen und anderen Pflanzen rechnen. Dafür wird es ab dem späten Vormittag teilweise recht schnell diesig und die Sicht ist nicht mehr so gut. Außerdem gibt es häufigere Regenschauer, vor allem je näher der Monsun rückt.

Der Herbst ist Hauptsaison und verspricht eine vom Monsun reingewaschene Luft mit strahlend blauem Himmel und einer fast grenzenlosen Fernsicht. Dafür ist hier dann aber auch deutlich mehr los und auf den Wegen und den Lodges könnte es eng werden. In höheren Lagen ist es zudem ein gutes Stück kälter als im Frühjahr.

Ich war von Ende März bis zur dritten Maiwoche in Nepal und fand es super. Diesig wurde es eigentlich nur im Süden des Annapurna-Massivs. Ab Pisang bis Tatopani hatte ich fast jeden Tag geniales Wetter und wahnsinnige Ausblicke auf die Berge. Ich hatte zudem einen recht warmen Frühling erwischt – selbst im Thorong High Camp ging es in den Hütten nachts nur bis etwa 0° Grad herunter.

Landschaft um Ghorepani.
Im Frühling ist die Rhododendron-Blüte in vollem Gang – gerade in den in den niedrigeren Lagen eine traumhaft schöne Landschaft zum Wandern.

Anreise zum Annapurna Circuit

Um von Kathmandu zum Start nach Besisahar zu kommen hast du zwei Möglichkeiten: Die lokalen Busse starten an der Gongabu New Bus Station nördlich von Thamel (Google Maps). Außerdem gibt es den Sorhakhutte Bus Stop für Touristen-Busse direkt bei Thamel (Google Maps). Um auf Nummer sicher zu gehen, kannst du die Tickets schon am Vortag besorgen.

Die Fahrt kostet ca 500 NPR und dauert sehr lange. Rechne mit etwa 8 Stunden bis Besisahar. Dass es einen großen Unterschied zwischen Lokal- und Touristen-Bus gibt bezweifle ich. Es müssen halt alle auf den gleichen Straßen fahren und mit dem gleichen Verkehr zurecht kommen. Die Nepalis meinten der Local Bus wäre schneller – ich hab trotzdem ungefähr 7,5 Stunden gebraucht.

Die ersten Busse starten gegen 6:00 Uhr. Diesen Bus würde ich dir auch empfehlen, wenn du noch am gleichen Tag ein Stück laufen willst. Damit bist du schätzungsweise gegen 14:00 Uhr in Besisahar. Von hier aus kannst du dann auch Jeeps organisieren, die noch weiter in die Berge fahren. Die Kosten hängen davon ab, wie weit du fährst, los geht es bei etwa 1.000 NPR.

Himalaya Truck

Packliste für den Annapurna-Circuit

Auf der Reise um das Annapurna-Massiv wanderst du einmal durch fast alle Klimazonen dieser Erde. Daher solltest du bei der Bekleidung auf das Zwiebelschalenprinzip setzen. Da Zelt und Campingausrüstung überflüssig sind, kannst du aber sehr leicht packen. Wenn du dich ein bisschen beschränkst, ist es kein Problem auf maximal 7-8 Kilogramm zu kommen.

Wichtig sind vor allem:

Tipp: Schau dir hier meine erprobte Packliste für Mehrtageswanderugen an. Dort findest du konkrete Produktempfehlungen, einschließlich genauen Gewichtsangaben und Anmerkungen. Ich habe diese Liste fast 1:1 für den Annapurna Circuit verwendet.

Welche Wanderschuhe sind sinnvoll?

Am Thema Wanderschuhe scheiden sich wie immer die Geister. Viele Leute, die ich getroffen habe, waren mit schweren Bergstiefeln der Kategorie B/C unterwegs. Für mein Empfinden überflüssig, da man sich größtenteils auf recht einfachen Wegen fortbewegt. Ich hatte meine bewährten Approachschuhe Garmont Dragontail* dabei, die sich als nahezu perfekte Wahl erwiesen.

Die Halbschuhe sind bequem, äußerst robust und haben ein gut ausbalanciertes, nicht übertrieben tiefes Profil. Auch auf den etwas anspruchsvolleren Bergwegen mit Geröll hatte ich damit keinerlei Probleme. Gleichzeitig konnte ich damit aber auch bequem in der Stadt rumlaufen. Ich brauchte also nur ein Paar Schuhe – das fand ich schon ein Riesenvorteil.

Trekking in Mustang.
Unterwegs in der Hochwüste von Mustang.

Braucht man für den Annapurna Circuit einen Schlafsack?

Eine Frage, die mich lange beschäftigt hat. Einige Blogberichte empfehlen, dass man einen Schlafsack mit einem Komfortbereich bis -10° Grad mitnehmen soll. Daher war ich kurz davor, mir in Kathmandu noch einen dicken Winterschlafsack auszuleihen. Am Ende habe ich es dann doch mit meinem leichteren Daunen-Quilt* gewagt (Komfortbereich: – 1° Grad) und es war kein Problem.

In den Hütten wurde es nachts über 3.500 m zwar kalt, aber es gibt dort dicke Fleece-Decken für die Gäste. Und die Kombo Quilt + Decke hielt mich mollig warm. Ohne Quilt wäre es wahrscheinlich auch gegangen, aber ich war doch froh über die zusätzliche Daunenschicht. Was ich dazu sagen muss: Ich war Anfang April unterwegs. Im Herbst wird es wahrscheinlich ein gutes Stück kälter. Ein dickerer Schlafsack ist dann bestimmt nicht verkehrt.

Nepali Frau auf dem Annapurna Circuit.

Sicherheit und kulturelle Aspekte

Ich habe Nepal als sicheres Reiseland erlebt, auch als Solo-Wanderer ohne Guide. Die Nepali haben eine freundliche, lockere Art und sind auch nicht besonders aufdringlich. Um genau zu sein, waren meine Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung eines der absoluten Highlights dieses Trips. Insofern: Mach dir keine Gedanken darüber, dass dir etwas passieren könnte. Das halte ich für extrem unwahrscheinlich.

Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass Bettelei ein großes Problem ist. Ich fand es nicht so schlimm. Manchmal haben ein paar Kinder nach Schokolade und Süßigkeiten gefragt. Aber wenn ich dann den Kopf geschüttelt hab, wurde ich relativ schnell in Ruhe gelassen. Gezielt nach Geld wurde ich vielleicht zwei- oder dreimal gefragt. Natürlich sollte man nichts geben, um nicht die nächste Generation von Bettlern heranzuziehen.

In Thamel, dem Touristenviertel von Kathmandu, wird man natürlich ziemlich häufig von diversen Verkäufern angesprochen. Fand ich aber auch halb so wild. Wenn man den Leuten klipp und klar sagt, dass man dieses tolle, supergünstige Armbändchen jetzt wirklich nicht haben möchte, geht das in Ordnung.

Was mich auch überrascht hat: Das Englisch-Niveau ist erstaunlich gut. In den Lodges sowieso, aber auch auf dem Weg habe ich immer wieder Einheimische getroffen, mit denen ich mich unterhalten konnte. Manche konnten sogar ein paar Brocken Deutsch. Wenn ich das z.B. mit Thailand vergleiche, war es hier deutlich unkomplizierter alleine unterwegs zu sein.

Mani Steine in Nepal.

Literatur-Empfehlungen

Hier noch ein paar empfehlenswerte Bücher, mit denen du dich auf die Reise einstimmen kannst:

  • Peter Matthiesen: Der Schneeleopard* – teilweise etwas düsterer und mit vielen Hippie-Klischees durchsetzter, aber doch lesenswerter Bericht über eine naturkundliche Expedition in die entlegene Dolpo-Region.
  • Maurice Herzog: Annapurna* – spannender Expeditionsbericht von Maurice Herzog, dem Mann, der 1950 die Annapurna I als ersten 8.000er überhaupt bestieg und gerade so mit dem Leben davon kam.
  • James Hilton: Der verlorene Horizont* – herrlich altmodischer Abenteuerroman über eine Gruppe von vier Engländern, die in das entlegene Kloster Shangri La tief im Himalaya entführt werden.
  • Dorje Dolma: Yak Girl* – mitreißender Tatsachenbericht über ein Mädchen, das in der Dolpo-Region an der Grenze zu Tibet aufwächst und wegen einer medizinischen Behandlung eine lange Reise zu Fuß nach Kathmandu unternehmen muss.

Und sonst?

Hier noch ein paar wichtige Tipps und Infos, die dir eventuell behilflich sein könnten:

  • Währung: Nepalesische Rupie (NPR). Für 1 Euro bekommst du etwa 130 NPR.
  • Zeitverschiebung zu Deutschland: + 03:45 Stunden/+ 04:45 Stunden (je nach Sommer- bzw. Winterzeit)
  • Einreise: Du benötigst ein Visum (15/30/90 Tage), das du aber auch direkt vor Ort am Flughafen bekommst (Visa on arrival).
  • Wasser: Trinke kein Leitungswasser, das du vorher nicht gefiltert oder anderweitig behandelt hast.
  • Hygiene: Benutze regelmäßig Handdesinfektionsmittel, vor allem bevor du etwas isst.
  • Klopapier: In den Lodges meist nicht vorhanden. Du kannst es unterwegs aber in jedem Dorf nachkaufen.
  • Proviant: Du musst keine riesigen Mengen an Wasser und Essen mitschleppen, da du spätestens alle 2-3 Stunden durch Dörfer mit Lodges und Restaurants kommst.
  • Planung: Nimm dir ausreichend Zeit für den Trek und plane mindestens 1-2 Pausentage ein.
  • Nach der Tour: Verbringe ein paar Tage in Kathmandu – es gibt wahnsinnig viel zu sehen. Pokhara ist ein beliebter Ort zum Entspannen und Grasrauchen, aber kulturell eher uninteressant.
Morgenstimmung auf dem Poon Hill.

Mein Fazit zum Annapurna Circuit

Ist der Annapurna Circuit wirklich die beste Trekking-Tour der Welt, wie so häufig behauptet wird? Keine Ahnung… Wahrscheinlich nicht. Die Welt ist groß und es gibt jede Menge spannende Routen, von denen kein Mensch je gehört hat. Beim Annapurna Circuit ist es halt vor allem der große Name in Verbindung mit dem Nimbus der 8.000er im Himalaya, der die Leute anzieht.

Die wichtigere Frage ist: Lohnt sich der Annapurna Circuit heute noch? Und da würde ich sagen: Auf jeden Fall! Dramaturgisch ist der Trail nahezu perfekt: Start im Tiefland, ein langsames Anschwellen der landschaftlichen Eindrücke und der alpine Höhepunkt im Himalaya. Danach ein Wiedereintauchen in die Zivilisation und das große Finale in den blühenden Rhododendronwäldern des Poon Hill. Das ist ganz großes Kino und nur schwer zu toppen!

Viele Leute, die vor 20 Jahren auf dem Annapurna Circuit unterwegs waren, sagen, dass es sich heute nicht mehr lohnt. Ich weiß natürlich nicht, wie es früher dort aussah. Und genauso wenig weiß ich, welche Veränderungen die nächsten Jahre bringen. Aber wenn du Lust auf diesen Trail hast, würde ich mir das von Niemandem ausreden lassen. Die Chancen stehen gut, dass du mit einem Haufen unvergesslicher Eindrücke nach Hause fahren wirst!

Dir gefällt dieser Artikel? Dann unterstütze mich und lade mich zu einem virtuellen Kaffee ein.

Ohne Kaffee komme ich morgens nicht raus und kann keine neue Abenteuer erleben:)

Hinweis: Der Artikel enthält mit Sternchen * markierte Affiliate-Links, die zu Onlinehändlern wie Amazon führen. Wenn du auf einen solchen Link klickst und etwas kaufst, erhalte ich einen geringen Anteil, mit dem ich diesen Blog finanziere. Für dich ist das die beste Art Dankeschön zu sagen, wenn dir der Beitrag gefallen hat. Selbstverständlich entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.

Hast du noch Fragen oder Anmerkungen zum Annapurna Circuit? Kennst du andere spannende Treks in Nepal? Oder bist du die Runde schon mal vor dem Straßenbau gelaufen? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören!