Laugavegur-Trail: Erfahrungsbericht zum Trekking-Klassiker in Island

Eine Woche durch die Wildnis des isländischen Hochlands. Genau das wollte ich auf dem berühmten Laugavegur Trail erleben. Trotz der vielen Infos im Netz hatte ich aber nur eine grobe Vorstellung, was mich auf dem bekanntesten Wanderweg Islands erwartet. Mit diesem Erfahrungsbericht möchte ich dir einen Einblick geben und die Tourenplanung erleichtern.

In diesem Artikel:

Als ich anfing, nach möglichen Trekking-Zielen in Island zu recherchieren, bin ich relativ schnell beim Laugavegur-Trail hängengeblieben. Vor allem aus einem Grund: Der Weg gilt als relativ anfängerfreundlich – praktisch für meine erste Mehrtages-Tour, die ich komplett mit eigener Versorgung und Proviant bestreiten wollte.

Was mich außerdem gereizt hat: Der Weg hat den Ruf einer landschaftlich sehr abwechslungsreichen Trekking-Tour. Unterwegs läuft man einmal durch die gesamte Bandbreite der isländischen Natur: bunte Vulkanlandschaften, Lavafelder, moosbedeckte Hochebenen, vorbei an dampfenden Quellen und fantastisch geformten Berggipfeln, durch Aschewüsten und grüne Bergtäler.

Außerdem hatte Island im Corona-Sommer 2020 als eines der ersten Länder Europas die Einreisebestimmungen gelockert und war praktisch Virus-frei. Dem Trekking-Abenteuer im isländischen Hochland stand also nichts mehr im Weg.

Und so viel schon mal vorweg: Es hat sich gelohnt!


Auf einen Blick:

  • Landschaftlich abwechslungsreiche Wanderung durch das isländische Hochland
  • Länge: 52 km
  • Dauer: 2-4 Tage, Verlängerung um 1-2 Tage möglich mit Fimmvörðuháls-Trek
  • Beste Reisezeit: Anfang Juli – Ende August
  • Schwierigkeit: mittel, auch für Trekking-Anfänger geeignet, mehrere Gletscherflüsse müssen gefurtet werden
  • Abenteuerfaktor: mittel bis hoch (je nach Wetter)
  • Übernachten in Hütten oder im Zelt, Camping auf vorgesehenen Plätzen
  • Essen und Proviant müssen selbst mitgebracht werden, da nur eingeschränkte Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind

Hinweis: Der Laugavegur wird üblicherweise von Nord nach Süd gewandert, was ich auch gemacht habe. Es ist generell aber kein Problem im Süden zu starten. In dieser Richtung fallen ein paar mehr Höhenmeter an. Dafür warten dann am Ende die heißen Quellen von Landmannalaugar als Belohnung auf dich.

Laugavegur-Trail: Etappen und Übersicht der

Der Laugavegur-Trail (isländisch für: Weg der heißen Quellen) ist die wahrscheinlich bekannteste Trekkingtour Islands. Der Weg verläuft durch das südliche isländische Hochland, eine abgelegene Region einige Autostunden östlich von Reykjavik. Die Anreise ist aber kein Problem, da es spezielle Busse für Trekker gibt (Details weiter unten).

In der Regel wird der Laugavegur in 4 Tagen gewandert. Die Etappen sind nicht übermäßig lang (10 – 15 km), an allen Start- und Zielorten befinden sich Hütten und Möglichkeiten zum Camping.

  • Tag 1: Landmannalaugur – Hrafntinussker (11 km)
  • Tag 2: Hrafntinussker – Alvtavatn/Hvangil (11,5 km)
  • Tag 3: Alvtavatn/Hvangil – Emstrur-Hütte (16 km)
  • Tag 4: Emstrur-Hütte – Þórsmörk (14,5 km)

Ich hab etliche Leute getroffen, die sich weniger Zeit nehmen. Besonders die erste und die zweite Etappe werden gern zusammengelegt, um eine Übernachtung am recht ausgesetzten Pass von Hrafntinussker zu vermeiden. Ich fand das mit einem warmen Schlafsack und gutem Zelt aber kein Problem und bin die klassische Tour in 4 Tagen gelaufen. Insgesamt war ich mit Pausentagen und der Verlängerung über den Fimmvörðuháls-Pass 8 Tage unterwegs.

Laugavegur-Trail: Karte und GPS-Datei

Laugavegur-Trail GPX-Download

Übersicht über die Route

Start des Trails ist das Tal Landmannalaugar im Nationalpark Friðland að Fjallabaki. Landmannalaugur ist vor allem für die umliegenden “bunten Berge” aus Rhyolith-Gestein und die heißen Quellen bekannt, die von den Isländern gerne zum Baden genutzt werden. Die Region eignet sich auch gut für Tagesausflüge, beispielsweise auf den Vulkan Brennisteinsalda.

Von hier führt der Laugavegur-Trail vorbei an Vulkanen und heißen Quellen in südlicher Richtung zum Pass von Hrafntinussker, dem höchsten Punkt des Wegs. Hier oben müssen auch im Sommer häufig noch ausgedehnte Altschneefelder überquert werden. Nach dem Pass breitet sich hinter der ersten Furt ein weitläufiges grünes Tal aus, in dem der See Alvtavatn eingerahmt von mächtigen Vulkankegeln liegt.

Ein paar Kilometer hinter der zweiten Furt gibt es einen weiteren Stützpunkt in Hvangil, der ungefähr die Mitte des Trails markiert. Danach wird es wieder karger, da der Weg die menschenfeindliche Aschewüste Emstrur durchquert. Auch hier steht nocheinmal eine recht breite Furt an. Zur Belohnung winkt ein hübscher kleiner Campingplatz mit Hütte in einem lieblichen Hochtal.

Der letzte Tag führt durch eine zunehmend grünere Landschaft bis in das bewaldete Tal von Þórsmörk (Thorsmörk) – ein wunderbarer Kontrast zu der kargen Landschaft der vorigen Etappen und ein würdiger Abschluss der Tour. Vorher muss aber noch eine letzte Furt bewältigt werden. Danach kann man entweder mit dem Bus zurück nach Reikjavik oder die Tour über den Fimmvörðuháls-Pass für 1-2 Tage verlängern und von Skogar zurückfahren.

Zum Vergrößern anklicken:

Streckenprofil des Laugavegur Trail. Fotografiert in der Hütte bei Hrafntinussker.

Laugavegur-Trail: Erfahrungsbericht

Im folgenden eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Etappen. Ich bin am ersten Tag nach der Ankunft in Landmannalaugur nicht direkt losgelaufen, sondern hab erstmal die Umgebung erkundet. Würde ich dir auch empfehlen! Das Gebiet ist super zum Wandern geeignet und es wäre eine echte Schande hier einfach durchzurasen.

Voretappe: Ankunft und Wandern in Landmannalaugar

02. Juli 2020. Pünktlich um 7:00 Uhr morgens startet der Bus von Reykjavik Excursions vom zentralen Omnibusbahnhof BSI in Reykjavik. Das Publikum besteht zu 99 Prozent aus Trekking-Fans mit schweren Wanderstiefeln, vollbeladenen Rucksäcken und Wandern-Stöcken. Wie zu erwarten, natürlich auch zahlreiche Deutsche. Schon klar – ich war nicht der einzige, der die schlaue Idee hatte, Island im Krisensommer 2020 einen Besuch abzustatten.

Nach vier Stunden Fahrt und einer kurzen Pause an der Tankstelle in dem Örtchen Hvollsvöllur (letzte Möglichkeit zum Einkaufen) erreichen wir um 11:00 Uhr Landmannalaugar. Von Wildnis ist trotz der eindrucksvollen bunten Vulkanberge rundherum nicht gerade viel zu spüren. Der Campingplatz ist im Prinzip eine große Zeltstadt und ziemlich überlaufen. Als wir ankommen, macht sich gerade eine 150 Mann starke Gruppe von Läufern startklar. Anscheinend ein Trainingslauf für den Laugevegur Ultra Marathon, der nächste Woche stattfindet.

Blick auf den Campingplatz in Landmannalaugar.

Nachdem mein Zelt aufgebaut ist, beschließe ich den Rest des Tages mit einigen Wanderungen in der näheren Umgebung zu verbringen. Am Infostand erfahre ich, dass viele Rundwege wegen der Schneeschmelze noch gesperrt sind. Am Anfang der Wandersaison passiert das anscheinend recht häufig. Der Weg auf den 943 Meter hohen Aussichtsberg Bláhnúkur ist aber offen.

Auf dem Gipfel angekommen genieße ich die Aussicht auf den jetzt winzigen Campingplatz hinter dem Lavafeld Laugahraun. Der Wind pfeift mir um die Ohren aber der Ausblick ist wirklich wahnsinnig: Von hier oben sieht das Lavafeld wie eine riesige Masse von erkalteter Schokolade aus, die sich den Berg hinunter ergiesst.

Nach ein paar Minuten kommt mir ein isländisches Pärchen entgegen. Der Rundweg ist zwar offiziell noch gesperrt, aber kein Problem zu begehen. Ich vertraue den beiden und trete den Rückweg über die südliche Flanke des Bláhnúkur an. Über eine lange Schleife laufe ich in östlicher Richtung auf die schwefelfarbenen Hänge des Vulkans Brennisteinsalda zu. Dichte Dampfschwaden steigen aus den Schwefelquellen und Fumarolen an seinem Fuß auf.

Als ich fast ganz unten im Tal bin verschwindet der Weg zu meiner Rechten in einem Schneefeld und ich mache den ersten Fehler des Tages. Anstatt mir eine sichere Alternative zu suchen, beschließe ich durch das Feld zu laufen. Wirklich breit ist es zwar nicht, aber so ganz geheuer sind mir die 10 Meter nicht.

Wanderweg an der Südflanke des Bláhnúkur.

Auf allen Vieren krabbele ich durch den Schnee und versuche das Gewicht so gut wie möglich zu verteilen. Bloß nicht durchbrechen – wer weiß, wie tief es unter mir runtergeht. Zum Glück passiert nichts und ich komme wohlbehalten auf der anderen Seite an.

Als ich mich noch einmal umdrehe, sehe ich hinter mir einen anderen Wanderer, der sich aber ein bisschen schlauer verhält als ich. Er ignoriert das Schneefeld und sucht sich stattdessen eine schmale Stelle oberhalb. Von dort aus erreicht er mit einem großen Schritt den gegenüberliegenden Hang und dann den Talboden.

Wir kommen ins Gespräch. Bernhard ist Österreicher und nebenberuflich ausgebildeter Bergführer. Er fragt mich, wie es mit meiner Alpinerfahrung aussieht. Naja, auf ein paar Bergen war ich schon, antworte ich. Er verdreht nur die Augen. „Was du gerade gemacht hast, war lebensgefährlich.“

Er deutet auf die Stelle, die ich vor ein paar Minuten überquert habe. Tatsächlich – von hier aus, sieht man deutlich wie dünn die Schneedecke in Wirklichkeit war: vielleicht 30 Zentimeter. Was von oben wie eine massive Schicht aussah, war in Wirklichkeit eine Schneebrücke über einem Bach, die schon ziemlich abgeschmolzen ist.

Bei einem Sturz wäre ich gut 2 bis 3 Meter frei auf steinigen Untergrund gefallen, dazu noch der nachstürzende Schnee von oben. Keine sehr angenehme Vorstellung und mit etwas Pech hätte das auch das frühzeitige Ende meiner Wanderung sein können. Ich ermahne mich in Zukunft ein bisschen besser aufzupassen und setze meine Wanderung durch die Schlucht Graenagil fort, bis ich wieder in Landmannalaugar bin – diesmal allerdings ohne Experimente.

Tag 1: Landmannalaugar – Hrafntinussker

Heute beginnt die offizielle Wanderung auf dem Laugavegur. Da die Strecke nur knapp 12 km lang ist und es nachts sowieso nie richtig dunkel wird, lasse ich mir viel Zeit und starte erst gegen halb 12. Der Großteil der anderen Wanderer ist schon längst weg, als ich loslaufe und der Campingplatz wirkt ziemlich verlassen.

Ein Vorteil in Landmannalauguar zu starten ist, dass der steilste Anstieg direkt auf der ersten Etappe kommt, wenn man noch schön energiegeladen ist. Der Weg durch die scharfkantigen Lavabrocken von Laugahraun ist gut ausgebaut und ich komme ohne große Umwege voran. Schließlich erreiche ich das geothermale Gebiet am Brennisteinsalda und die große Schwefelquelle, die ich gestern nur von weitem gesehen habe.

Aus der rötlich-braunen Erde zischt und dampft es fortwährend und es hört sich an, wie ein großer Teekessel, der kurz davor ist überzulaufen. Ich halte respektvollen Abstand von den weißlichen Kalkablagerungen zwischen dem schwefelhaltigen Gestein. Hier ist die Erdkruste besonders dünn und nach meinem Erlebnis mit der Schneebrücke habe ich keine Lust, mein Glück überzustrapazieren.

Danach wird der Weg zwischen den bunten Bergen zunehmend steiler. Ich bin froh, dass ich mir Trekking-Stöcke mitgebracht habe. Mein Rucksack ist mit 23 Kilo natürlich viel zu schwer und das Laufen ist doch ziemlich anstrengend. Immerhin helfen mir die Stöcke dabei, die Balance zu halten und mich bei den besonders steilen Stellen den Weg hochzupushen.

Ich konzentriere mich darauf, schön langsam zu laufen und einen regelmäßigen Atemrhythmus zu finden. Trotzdem bin ich ziemlich außer Puste, als schließlich die ersten Schneefelder kommen. Der Schnee ist ziemlich tief und es geht immer weiter bergauf. Teilweise ragen nur die Spitzen der Wegmarkierungen aus dem Schnee.

Zum Glück ist das Wetter blendend und die Orientierung kein Problem. Bei schlechtem Wetter oder Nebel sicherlich ganz anders. Ohne verlässliche Navigation mit GPS-Gerät kommt man dann ganz schnell vom Weg ab und die schneebedeckten Hänge der Berge, die so flach aussehen, sind trügerisch. Immer wieder komme ich an Abbruchkanten und tiefen Spalten vorbei, an denen es mehrere Meter heruntergeht.

Nach einem zähen Aufstieg, der sich über mehrere Stunden hinzieht, komme ich schließlich an einer letzten Anhöhe heraus und sehe unter mir die Hütte von Hrafntinussker kurz hinter dem Pass. Entgegen meinen Befürchtungen ist der Zeltplatz nicht völlig eingeschneit. Auf dem Geröllfeld vor der Hütte finden sich etliche freie Stellen zum Zelten, praktischerweise inmitten von kleinen „Steinburgen“, die vor dem Wind schützen.

Der Zeltplatz in Hrafntinussker.

Das Zelt aufzubauen ist bei den starken Böen trotzdem alles andere als einfach. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass ich erst das Außenzelt aufstelle und dann mit viel Fummelei das Innenzelt samt Gestänge darunter aufbaue. Auch der harte, steinige Boden macht das Einpflanzen der Heringe nicht gerade einfacher.

An der Hütte treffe ich etliche von den Leuten wieder, die mit mir im Bus nach Landmannalaugar saßen. Auch Bernhard, der Bergführer von gestern sitzt schon auf der Terrasse und genießt die Nachmittagssonne.

In den nächsten paar Tagen wird sich das wiederholen. Man trifft immer wieder die gleichen Leute, tauscht sich über die Highlights und Erlebnisse des Tages aus, läuft manchmal ein Stück des Weges zusammen. Eine tolle Erfahrung und so komme ich mir auch als Solo-Wanderer eigentlich nie wirklich alleine vor.

Blick zurück nach Landmannalaugar.

Tag 2: Hraftninussker – Alvtavatn/ Hvangill

Trotz heftigem Wind in der Nacht hat mein treues Hubba Hubba NX Zelt gehalten. Einen Nachteil hat das Zelten in Hrafntinussker aber doch. Um aufs Klo und zum Waschhaus in der Hütte zu kommen, muss ich erst ein paar Minuten durch Tiefschnee stapfen. Außerdem ist es immer noch sehr windig und es dauert ewig, bis mein Kocher das Wasser für den Frühstückskaffee heiß macht.

Immerhin geht der Weg heute aber fast nur bergab. Zunächst wieder einige Kilometer durch schneebedeckte Täler, schließlich zu einem kleinen Bach über den eine Schneebrücke führt. Ich entscheide mich dafür, lieber durch den Bach zu waten und steige danach ein kurzes Stück auf.

Langsam bleiben die rötlich-braunen Berge und die heißen Quellen zurück, die mich bisher von Landmannalaugar begleitet haben. Stattdessen breitet sich jetzt das Tal von Alvtavatn vor mir aus. Ein Anblick wie aus einem Fantasy-Film.

Eine riesige grüne Ebene, im Hintergrund kegelförmige majestätische Berge. Dazwischen der See von Alvtavatn, der in der Sonne schimmert. Ich lasse mir viel Zeit für den steilen Abstieg ins Tal und mache immer wieder Pausen, um die einzigartigen Panoramen und die Weite der Landschaft zu genießen.


Am späten Nachmittag komme ich am Campingplatz von Alvtavatn an. Die erste Furt vor der Hütte war viel harmloser, als ich gedacht habe, da der Wasserstand sehr niedrig war. Nach der langen Wanderung durch das märchenhafte, einsame Tal, ist der Platz aber eine ziemliche Enttäuschung. Die Zeltplätze am kahlen Seeufer wirken nicht gerade einladend. Außerdem habe ich gelesen, dass der Platz extrem windig ist.

Der Weg zum See Alvtavatn. Mir hat das Gelände trotz der Lage am See nicht so gut gefallen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Snickers-Pause entscheide ich mich noch knapp 4 Kilometer bis zum nächsten Platz in Hvangill zu laufen. Es ist zwar schon Nachmittag, aber Zeit habe ich genug. Das ist ein großer Vorteil beim Wandern im isländischen Sommer: Die Sonne geht so gut wie nicht unter und man kann auch um 12 Uhr nachts noch problemlos rumlaufen.

Auch die nächste Furt ist kein Problem: Das Wasser reicht mir nur knapp bis über den Knöchel und hat fast keine Strömung. Dadurch, dass man immer wieder den schweren Rucksack absetzen muss, die Schuhe wechselt und dann wieder den Rucksack aufzieht, zieht sich das Furten aber jedes Mal ziemlich in die Länge.

Als ich schon drüben bin, kommen zwei Isländer auf Mountainbikes angefahren. Der erste schaut sich den Fluss kurz an und schultert dann sein Fahrrad, um loszulaufen. Nicht einmal die Schuhe zieht er sich dafür aus. Nummer Zwei steigt gar nicht erst ab, sondern fährt mit seinen dicken Reifen einfach durch den Fluss. Soviel zum Thema Sicherheitsvorkehrungen beim Furten…

Furten auf isländisch…

Der Platz in Hvangill ist deutlich ruhiger und die Lage inmitten der leicht hügeligen Landschaft mit den Steinburgen für die Zelte gefällt mir viel besser als in Alvtavatn. Aber als ich einchecken will, finde ich mein Portemonnaie nicht. Nach mehreren Minuten rumkramen im viel zu vollen Rucksack ist klar: Mein Geld ist weg!

Ich überlege kurz. In Alvtavatn habe ich mir noch ein Snickers gekauft, also muss ich es entweder dort oder irgendwo dazwischen verloren haben. Wow… das ist eindeutig der größtmögliche Fail, den ich mir vorstellen kann. Es gibt wohl keinen blöderen Ort sein Portemonnaie zu verlieren als das isländische Hochland.

Der schön gelegene Zeltplatz in Hvangill.

Ich frage die Hüttenwartin, ob sie mal kurz in Alvtavatn nachhaken kann. Die Hütten stehen per Funk in Verbindung, vielleicht hat irgendjemand ja etwas gefunden. Leider Fehlanzeige. Also vielleicht doch beim Furten? Ich stelle mich mental schon mal darauf ein, vier überflüssige Kilometer hin und dann die gleiche Strecke wieder zurück zu laufen.

Nett wie sie ist, gibt mir die Hüttenwartin als Trost noch ein weiteres Snickers mit auf den Weg. Naja…besser als nichts. Vielleicht ist mein Geld ja endgültig weg und das ist das letzte, was ich für lange Zeit zu essen bekommen. Plötzlich knackt das Funkgerät erneut. Ich verstehe nicht genau, worum es in dem folgenden Gespräch geht, aber die Frau nickt mir aufmunternd zu.

Sollte es wirklich…?

Und tatsächlich habe ich Glück! Jemand hat doch noch meine Geldbörse gefunden und kann sie mir morgen mit dem Versorgungs-Truck vorbeibringen. Der Abend (und der Rest des Trips) ist gerettet. Puhh… Das war knapp. Die Vorstellung ohne Geld und Dokumente im Hochland von Island zu stranden war nicht gerade aufbauend.

23:35 Uhr im Hochland von Island.

Tag 3: Hvangill – Emstrur

Das fantastische Wetter der letzten Tage hält auch weiterhin an. Unglaublich – ich bin seit vier Tagen in Island und habe noch keinen einzigen Regentropfen zu spüren bekommen. Trotzdem habe ich schlecht geschlafen und wache mit Kopfweh auf. Der Stress vom letzten Abend hat mir doch ein bisschen zugesetzt.

Nach dem Frühstück kommt auch schon das Auto mit meinem Portemonnaie und es geht weiter. Zunächst noch über einen Fluss mit Brücke, danach über die bisher breiteste Furt über den Fluss Kaldaklofskvísl. Urgh… wer denkt sich eigentlich diese unausprechlichen Namen aus. Auch hier ist der Wasserstand wieder ziemlich niedrig. Die Strömung ist zwar ein bisschen stärker, aber wenn man langsam geht aber kein größeres Problem.

Im Unterschied zu Gestern ist die Strecke heute ziemlich überlaufen. Der Weg führt durch die Emstrur-Wüste und verläuft immer wieder entlang einer Autopiste. Den ganzen Tag über sehe ich die dicken Staubwolken, die die Fahrzeuge hinter sich herziehen. Richtiges Wildnis-Feeling kommt nicht auf und meine Kopfschmerzen werden auch nicht besser.


Irgendwie passt die lebensfeindliche Umgebung der eintönigen, schwarzen Aschewüste zu meinem heutigen Gemütszustand. Von Wandergenuss kann trotz der beeindruckenden Landschaft in diesem Moment nicht die Rede sein. Ich stapfe ohne groß nachzudenken wie auf Autopilot daher, mache wenig Pausen zum Fotografieren und hoffe eigentlich nur, dass ich bald da bin.

Aber die Strecke durch die Wüste zieht sich. Immer wenn ich die Anhöhe einer Düne erreiche und denke, das war es jetzt, folgt nur die nächste Senke und dann noch mehr Dünen. Außerdem muss ich noch zwei weitere Flüsse furten. Eigentlich keine Herausforderung, aber das Auf- und Abziehen des immer noch schweren Rucksacks macht heute noch viel weniger Spaß als sonst.

Irgendwann habe ich die knapp 13 km dann doch geschafft. Endlich lasse ich die letzten Aschedünen hinter mir und sehe im Tal unter mir die isländische Flagge der Emstrur-Hütte im Wind flattern. Nach der Plackerei eine echte Belohnung: Der Zeltplatz liegt auf mehreren Terrassen zwischen grünen Wiesen und Blumen, ein Bach plätschert durch das Tal, die Sonne scheint vom blauen Himmel.


Trotzdem geht heute nicht mehr viel. Eigentlich wollte ich mir hier noch die Schlucht von Markarfljótsgljúfur anschauen, die westlich des Tals liegt. Aber mehr als Zelt aufbauen und Essen ist heute nicht mehr drin. Zum Kochen bin ich auch zu Faul, aber an der Hütte kann man Kleinkram kaufen. Eine Tüte Kartoffelchips reicht mir heute abend aus.

Tag 4: Emstrur – Þórsmörk

Und schon ist der letzte Tag auf dem Laugavegur-Trail da. Mein Kopfweh ist weg und mir geht es blendend. Wie bisher starte ich spät und fast alle anderen Wanderer sind schon auf dem Weg. Zunächst führt die Strecke in die steile Schlucht des Flusses Syðri-Emstruá. Auf der anderen Seite geht es etwas ausgesetzt wieder hinauf. An den Seiten ist der Weg mit einigen Drahtseilen gesichert, die aber eher der moralischen Unterstützung dienen.

Anschließend geht es durch eine leicht hügelige Landschaft. Ich treffe zwei andere deutsche Wanderer, Patrick und Jörg, die zufällige genau wie ich ehemalige Pfadfinder sind. Eigentlich wollten die beiden zum Kungsleden in Schweden, dank Corona sind sie jetzt aber auch in Island gelandet.

Wir laufen den Rest der Strecke zusammen. Schon von weitem sieht man jetzt das grün bewaldete Tal von Þórsmörk. Bevor wir da sind, steht aber noch eine letzte Flussüberquerung über die Þröngá an.

Letze Furt vor Þórsmörk.

Laut den Infos im Netz sollte dies eigentlich die schwierigste und tiefste Furt sein. Aber das Wasser ist dieses Jahr auch hier extrem flach. An der Furt haben sich bereits etliche Isländer versammelt, die meisten von ihnen gehen einfach barfuß durch den Fluss.

Nach der Furt ändert sich die Landschaft schlagartig. Das Tal von Þórsmörk ist nach den doch recht rauen Landschaften der letzten Tage eine wahre Oase. Wälder aus Zwergbirken, Wiesen und bunte Blumen prägen das Bild. Der Weg schlängelt sich durch das dichte Grün und zweigt schließlich nach Westen zu den Volcanoe Huts an, die sogar über ein eigenes Restaurant verfügen.

Wir laufen weiter bis zum Campingplatz von Langidalur. Nach Emstrur habe ich eigentlich gedacht es könnte nicht mehr schöner werden, aber dieser Platz stellt alles Bisherige in den Schatten. Das wunderschöne Gelände liegt inmitten von Wiesen und sanften Hügeln, es gibt viel Platz für die Zelte und direkt nebenan plätschert ein kleiner Bach.

Das Summen von Hummeln erfüllt die Luft, die Sonne scheint, Schmetterlinge fliegen umher – ein leibhaftig gewordenes Naturparadies. Wir trinken noch zusammen ein Bier, dann verabschiede ich mich von meinen Begleitern. Die beiden wollen noch bis zur 3 km weiter östlich gelegenen Hütte von Básar weiterlaufen, weil sie direkt am nächsten Tag über den Fimmvörðuháls-Pass bis zur Südküste wollen.

Ich plane stattdessen einen Tag ein, um das Tal von Þórsmörk zu erkunden und genieße die letzten Stunden auf dem Laugavegur-Trail. Irgendwie sind diese vier Tage wahnsinnig schnell vergangen und ich bedauere schon jetzt, dass diese Tour bald zu Ende ist.

Mein Fazit zum Laugavegur-Trail

Eine super Wanderung, trotz meinem völlig übergewichtigen Monster-Rucksack. Jeder Tag wartet mit neuen Landschaften auf: Schneebedeckte Pässe, moosbewachsene Vulkane, Aschewüsten, weite Hochebenen, bunte Rhyolithberge und Lavafelder: Über mangelnde Abwechslung konnte ich mich jedenfalls nicht beschweren.

Insgesamt fand ich den Laugavegur-Trail relativ überlaufen. Selbst im Krisenjahr 2020 war viel los und die Hütten voll belegt. Bei einem international so bekannten Weg ist das aber auch keine große Überraschung. Ich schätze im Normalfall, gleicht Trekking auf dem Laugavegur eher einer Völkerwanderung. Das kann aber auch ganz nett sein, da man schnell neue Bekanntschaften macht.

Alles in allem eine empfehlenswerte Wanderung. Auch wenn ein bisschen viel los ist, bekommst du hier Naturerlebnisse, die möglicherweise alles in den Schatten stellen, was du bisher gesehen hast. Mach aber bitte nicht den gleichen Fehler wie ich und pack wirklich nur das Allernötigste ein! Tipps dazu gibt’s weiter unten.

Beste Reisezeit für den Laugavegur-Trek

Die Saison in Island ist kurz. Als beste Reisezeit für Trekking-Touren gilt die Zeit von Mitte Juni bis Mitte August, also der isländische Sommer. In dieser Zeit ist der Schnee soweit abgeschmolzen, dass die Wanderwege begehbar sind. Außerdem bestehen die besten Chancen auf gutes Wetter und wenig Regen.

Die tatsächliche Reisezeit hängt auch vom Zustand der Zufahrtsstraßen ins Hochland ab. Diese öffnen je nach Wetterbedingungen gegen Mitte/Ende Juni. Auf der Webseite der isländischen Straßenbehörde kannst du den aktuellen Stand einsehen. Wichtig ist hier, dass die Straßen F 208 und F225 nach Landmannalaugar frei sind.

Die Hütten entlang der Campingplätze öffnen zur gleichen Zeit wie die Straßen und sind dann während der gesamten Saison bemannt. Ende August ist der Spaß dann auch schon wieder vorbei. Danach, vor allem im Winter, sollte man nur mit Expeditionsausrüstung und entsprechender Erfahrung ins Hochland. Eine „normale“ Trekking-Tour fällt in dieser Zeit aus.

Sommer im isländischen Hochland.

Die höchsten Punkte des Trails liegen bei knapp 1100 Meter. Das klingt erstmal nicht wahnsinnig viel. In mitteleuropäischen Breitengeraden könnte man meinem Gefühl nach aber locker 2000 zusätzliche Höhenmeter dazurechnen. In den höheren Lagen des Laugavegur herrschen also ungefähr Temperaturen wie auf dem Gipfel der Zugspitze.

Wie schwer ist der Laugavegur-Trail?

Bei gutem Wetter und klarer Sicht ist der Laugavegur ein mittelschwerer, an vielen Stellen sogar leichter Wanderweg. Das Höhenprofil ist ziemlich harmlos, die Wege sind gut markiert und in gutem Zustand. Wenn du schon ein paar Mal in den Bergen in Höhenlagen von 1000 – 2000 Metern unterwegs warst und mehrere Tage am Stück mit Gepäck laufen kannst, solltest du keine Probleme haben.

Das größte Risiko ist das Wetter. Durch die nördliche Lage können jederzeit heftige Wetterumschwünge, Nebel und Schneestürme auftreten. Dann kann es sehr schnell sehr ungemütlich werden. Von dem was ich gehört habe, sind ausgedehnte Schönwetterperioden, wie ich sie erlebt habe ( 8 Tage fast durchgängig Sonnenschein!) äußerst selten. Sinnvoll ist deshalb, vom schlechtesten Fall auszugehen und die entsprechende Ausrüstung mitzubringen.

Sicherheit

Auch wenn der Laugavegur-Trail recht unkompliziert ist, gibt es ein paar Punkte, die du beim Wandern beachten solltest. Das betrifft vor allem Schneefelder und das Furten der Flüsse.

Schneebrücken und Schneefelder

Auf dem gesamten Trail, vor allem rund um Hrafntinussker, triffst du auf Schneefelder und Schneebrücken, die teilweise auch überquert werden. Schneebrücken bilden sich meist in Tälern und schmelzen im Verlauf des Sommers von unten ab. Dadurch werden sie immer dünner, was man von oben aber nicht sieht.

Von oben ist nicht erkennbar, wie dünn die Schneebrücke wirklich ist.

Auch in den Schneefeldern habe ich am Wegesrand immer wieder tiefe Spalten und Löcher im Boden gesehen. Was auf den ersten Blick wie eine flache Ebene aussieht, kann in Wirklichkeit ein zugeschneites Tal mit steilen Hängen sein. Orientiere dich unbedingt an den Markierungen und den bereits vorhandenen Fußspuren und laufe nicht blindlings in Schneefelder hinein!

Furten

Vor den Flussüberquerungen hatten die meisten anderen Wanderer (ich auch) ein bisschen Bammel. Ich hatte mir deswegen sogar extra Trekking-Stöcke zugelegt. In Wirklichkeit waren die Furten nicht so schlimm, aber das und sogar tageszeitabhängig. Bei hohem Wasserstand wird aus einem kleinen Bach schnell ein reißender Strom .

Sinnvoll sind auf jeden Fall Watschuhe oder Sandalen. Auch die Trekking-Stöcke waren eine gute Anschaffung, da sie Halt bieten und selbst kleinere Flüsse eine erstaunlich starke Strömung entwickeln können. Die Hüttenwarte geben dir außerdem Tipps zu den besten Stellen zum Furten, wenn du sie fragst. Eine hervorragende Anleitung zum Furten findest du auf der Webseite isafold.de.

Solche reißenden Flüsse muss man auf dem Laugavegur zum Glück nicht furten. Aber auch die kleineren Wasserläufe können stark anschwellen.

Orientierung

“Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.” Auf dem Laugavegur solltest du dieses Sprichwort vergessen. Das Wetter kann hier so schlecht werden, dass du auch mit Hightech-Outdoor-Bekleidung aus der Zukunft an deine Grenzen kommst.  Ein echtes Problem ist zudem, dass die Sicht im Nebel oder Schneesturm verloren geht und du dich nicht mehr an den Markierungen orientieren kannst.

Dadurch kann man sich sehr leicht verlaufen, wodurch wiederum die Gefahr steigt in Schneefelder mit Spalten und anderes gefährliches Terrain zu gelangen. Ich konnte es am Anfang selbst nicht glauben, aber auf dem Weg zur Hütte von Hrafntinussker sind schon Leute erfroren. Deshalb unbedingt bei den Hüttenwarten und online auf der Webseite des isländischen Wetterdienstes über die aktuellen Bedingungen informieren!

Ein paar generelle Sicherheits-Tipps für den Laugavegur:

  • Vor der jeweiligen Etappe bei den Hüttenwarten über das aktuelle Wetter, Pegelstand der Furten und andere mögliche Hindernisse informieren.
  • Bei safetravel.is gibt es weitere aktuelle Infos zu Schlechtwetterlagen, Schneefall, Sturmwarnungen etc.
  • Hier kannst du auch einen Travel Plan hinterlegen und deinen Trip kostenlos überwachen lassen. Aber nicht vergessen, am Ende wieder abzumelden – sonst macht sich ein Rettungstrupp auf die Suche nach dir!
  • In der Facebook-Gruppe vom Laugevagur-Trail bekommst du aktuelle Infos zum Zustand der Wege von anderen Wanderern.
  • Wetter- und wasserfeste Kleidung mitbringen und nach dem Schichtprinzip anlegen (siehe Punkt Ausrüstung).
  • GPS-Gerät für den Notfall mitbringen. Auf dem Trail gibt es nicht überall Handyempfang und bei schlechtem Wetter, Regen etc. mit einem Touchscreen-Smartphone rumzuhantieren macht keinen Spaß.
  • Es gibt leider keine wirklich gute Wanderkarte vom Laugavegur-Trail in sinvollem Maßstab. Am besten ist vermutlich diese Karte im Maßstab 1:100.000.

Bei guten Wetterbedingungen muss man eigentlich kein Trekking-Profi für den Laugavegur sein. Die Infrastruktur ist trotz der abgelegenen Lage gut. Außerdem sind viele Leute unterwegs, sodass du nie wirklich alleine bist. Wenn du schon mal eine Mehrtageswanderung gemacht hast oder sonst häufig wanderst, sollte der Laugavegur kein größeres Problem darstellen.

Um rauszufinden, ob Trekking überhaupt etwas für dich ist, könntest du dich an einer etwas einfacheren Fernwanderung mit Übernachtung in Unterkünften versuchen. Sehr schöne Touren sind beispielsweise:

Anreise zum Laugavegur-Trail

Für die Anreise nach Landmannalaugar bietet sich ein Highland-Bus der beiden Anbieter Trex und Reykjavik Excursions an. Hier kannst du auch einen Hiking Pass mieten, mit dem du die Rückfahrt nach Reykjavik zu einem Wunschtermin gleich dazubekommst. Damit kannst du dir soviel Zeit lassen wie du braucht. Der Hiking Pass gilt auch, wenn du im Anschluss noch den Fimmvörðuháls-Trek machst.

Wenn du auf dem Flughafen Kevlavik ankommst, brauchst du übrigens nicht das überteuerte Airport Shuttle nach Reykjavik nehmen. Preiswerter ist die öffentliche Buslinie 55 von Straeto, von der ich leider erst nach meinem Trip erfahren habe. Die Bushaltestelle befindet sich gegenüber dem Departure-Terminal. Auf der Webseite von Straeto siehst du die genaue Position.

Den öffentlichen Nahverkehr in Island fand ich eher schlecht ausgebaut. Es gibt zwar Busse aber das Land ist eher für Autofahrer ausgelegt, was natürlich auch an der dünnen Bevölkerungsdichte liegt. Für die meisten Ausflugsziele, die sich nicht an der Ringstraße rund um die Insel befinden, ist man zwangsweise auf Touren-Busse oder Mietautos angewiesen.

Noch ein Tipp, wenn du den Fimmvörðuháls-Trek nach Skogar läufst:

Hier kannst du dir im Prinzip den Hiking Pass sparen und die öffentliche Buslinie 51 nehmen (Abfahrt einmal täglich um 16:25 Uhr am Campingplatz in Skogar). Der Preis ist im Prinzip gleich, allerdings bist du deutlich schneller wieder in Reyjkavik. Mit dem Bus von Reykjavik Excursions musst du nämlich einen völlig sinnlosen 6 Stunden langen Zwischenstopp in Hvollsvöllur erdulden. Und abgesehen von der kleinen Vulkan-Ausstellung gibt es hier wirklich gar nichts zu tun.

Unterkünfte und Camping

Auf dem gesamten Weg gibt es strategisch platzierte Hütten des isländischen Wandervereins, in denen du übernachten kannst.

Da der Trail stark frequentiert ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Online-Buchung im Vorfeld. Wenn du einfach aufkreuzt und einen Schlafplatz möchtest ist die Chance sehr groß, dass du enttäuscht wirst. Nachteil der Hütten ist der recht hohe Preis von 9000 isländischen Kronen (ca. 56 Euro) pro Nacht.

Preiswerter ist das Camping auf den angrenzenden Zeltplätzen. Hier zahlst du nur 2000 Kronen und brauchst dich auch nicht vorher anmelden. Willst du die Duschen nutzen, musst du beim Camping außerdem noch einmal eine Facility Fee von 500 Kronen bezahlen. Echte Wildnis-Freaks begnügen sich mit Katzenwäsche. Spätestens nach dem zweiten Tag fällt dir das eh nicht mehr auf.

Wildcamping auf dem Laugavegur Trail

Wildcamping ist auf dem Laugavegur Trail zum Schutz der fragilen isländischen Natur nicht erlaubt. Theoretisch ist es natürlich möglich und ich habe auch ein paar vereinzelte Trekker getroffen, die außerhalb der offiziellen Plätze gezeltet haben. Wenn du dich in der Aschewüste von Emstrur hinter einer Düne versteckst, ist die Chance erwischt zu werden, wahrscheinlich auch ziemlich klein.

Ich finde es trotzdem keine gute Idee. Der Laugavegur platzt sowieso schon aus allen Nähten und wo einer wild zeltet, folgen mit Garantie andere. Wir kommen nach Island, um einzigartige, unberührte Naturlandschaften zu erfahren. Also sollten wir auch dafür sorgen, dass das in Zukunft so bleibt!

Und mal abgesehen davon: Man braucht kein Permit und muss auch keine Gebühren für den Trek zahlen. Bei dem Bekanntheitsgrad ist das keine Selbstverständlichkeit und das sollten es einem die 12 Euro pro Nacht auf dem Zeltplatz wert sein.

Ausrüstung

Gute Ausrüstung ist das A und O, wenn du Spaß auf dem Laugavegur haben willst. Warme Klamotten und eine wind- und wasserdichte Goretex-Jacke sind absolute Pflicht. Außerdem solltest du wasserdichte Packtaschen für deine Kleidung haben. Bei der Bekleidung bietet sich das Schichtprinzip an. Ich hatte folgendes an:

  • Unterste Schicht: Atmungsaktives T-Shirt aus Merino-Wolle
  • Mittlere Schicht: Fleecepulli in Kombination mit Daunenweste
  • Äußere Schicht: Goretex-Jacke
  • Zum Schutz für die Augen: Sonnenbrille mit UV-Schutz

Dazu noch ein Buff für den Hals und eine Mütze auf den Kopf. Damit war mir nie kalt, aber ich hatte die Kombi aus Pulli und Daunenweste eigentlich immer an, auch bei Sonnenschein. Die Goretex-Jacke kam immer dann zum Einsatz, wenn es mal etwas höher ging. Regen hatte ich zwar zum Glück überhaupt nicht, aber ohne die Jacke hätte ich mir bei den starken Windböen mehr als einmal den Allerwertesten abgefroren.

Wasserfeste Wanderstiefel sind ebenfalls eine gute Idee, da du unzählige kleinere Bachläufe und eventuell Schneefelder durchquerst. Ein paar verrückte Ultralight-Trekker waren nur mit Trailrunning-Schuhen unterwegs. Klar, die sind schön leicht, aber mit nassen Schuhen stundenlang über felsiges Terrain, Lavafelder und Schnee zu marschieren hört sich für mich nicht nach Spaß an.

Zum Schlafen im Zelt hatte ich einen wintertauglichen Premium-Daunenschlafsack mit Komfortbereich bis Minus 15 Grad am Start. Vielleicht ein bisschen overkill, aber mir war jedenfalls nachts nie kalt. Einige andere Wanderer, die ich getroffen habe, hatten leichtere Sommerschlafsäcke bis 0 Grad oder Quilts und nachts erbärmlich gefroren. Da war mir das zusätzliche Gewicht dann doch lieber.

Als Zelt hatte ich mein treues MSR Hubba Hubba NX dabei, das seinen Job mit Bravour gemacht hat. Mit extremen Windstärken hatte ich zum Glück aber nicht zu kämpfen. Generell wird für den Laugavegur ein sturmtaugliches Zelt empfohlen. Vor allem auf den Zeltplätzen in Hrafntinnusker und Alvtavatn sind in der Vergangenheit wohl schon etliche Zelte geschrottet worden.

Proviant

Das gesamte Essen und die Verpflegung für die Tour muss selbst mitgebracht werden. Dazu kommen Gaskocher, Geschirr und Brennstoff, Gaskartuschen etc. Auf den Hütten gibt es nur ein stark eingeschränktes Sortiment mit Tütennudeln, Chips, Keksen und Schokoriegeln als Notvorrat. Wer zuerst kommt, gewinnt – es kann also sein, dass der gesamte Vorrat schon weg ist, wenn du etwas kaufen willst.

Gaskartuschen bekommst du in den Supermärkten in Reykjavik und an der großen Tankstelle am Busbahnhof BSI. Die meisten Läden schließen in Island bereits gegen sechs Uhr, die Supermärkte haben in der Regel aber länger (bis 21:00 Uhr) geöffnet. An der Haupteinkaufsstraße von Reykjavik, die witzigerweise auch Laugavegur heißt, gibt es zudem einen Einkaufsmarkt der Kette 10-11, der rund um die Uhr geöffnet hat.

Wer wirklich etwas vergessen hat und auf den allerletzten Drücker noch Socken, Sonnenbrille, Gas oder andere essentielle Ausrüstung braucht, findet an der Tankstelle in Hvollsföllur eine letzte Anlaufstation in der Zivilisation. Hier hält auch der Highland-Bus von Reykjavik Excursions.

Die beste Auswahl auf dem Trail selbst hat noch der stark frequentierte Campingplatz von Landmannalaugar. Hier gibt es auch die „Mountain Mall“ – trotz des vollklingenden Namens ist das aber nur ein kleiner Kiosk in einem alten Bus, an dem es aber immerhin frischen Kaffee, belegte Brötchen und Brownies.

Ein Restaurant gibt es in den Volcano Huts in Þórsmörk – für isländische Hochland-Verhältnisse ein Luxus-Ressort mit entsprechenden Preisen. Ich habe drauf verzichtet, weil die Hütten einige Kilometer vom Weg entfernt sind und meine Wanderung in Þórsmörk eh noch nicht zu Ende war. Etliche andere Trekker haben sich nach vier Tagen Tütennahrung und einfachem Leben auf dem Trail aber abgemessen mit einem Luxus-Essen belohnt.

Tipps zum Geldsparen

Island ist kein billiges Pflaster, aber eine Trekking-Tour auf dem Laugavegur muss kein Vermögen kosten. Wenn du ein bisschen im Voraus planst, halten sich die Kosten in einem durchaus überschaubaren Rahmen. Letztlich habe ich nicht viel mehr bezahlt, als bei Touren in anderen europäischen Ländern.

Hier ein paar praktische Tipps, mit denen du Geld sparst:

Zelten: Wahrscheinlich der größte Kostenfaktor. 12 Euro vs. 56 Euro pro Nacht macht nach ein paar Tagen einen ziemlichen Unterschied. Ganz abgesehen davon, war das Zelten in der isländischen Natur ein Highlight meines Trips.

Essen aus Deutschland mitbringen: Ich habe sämtlichen Proviant hierzulande besorgt und in Island eigentlich nur noch eine Gaskartusche gekauft. Snacks, eine Dose Bier oder eine Tüte Chips auf den Hütten waren dann auch kein Problem, auch wenn es vielleicht etwas teurer war.

Trekking-Nahrung selber machen: Gefühlte 90 Prozent aller Wanderer waren mit teurer Fertig-Nahrung von Marken wie Trek‘n Eat oder Travellunch unterwegs. Ich hab mir meine Mahlzeiten stattdessen selber gemacht (hier gibt’s einige gute Rezepte und Anregungen). Viel preiswerter und schmeckt tausendmal besser!

Bus-Transfer mit Reykjavik Excursions: Reykjavik Excursions ist ein gutes Stück preiswerter als der andere Anbieter Trex. Der Hiking-Pass ist mit knapp 70 Euro Euro eine recht kostengünstige Möglichkeit für einen Transfer einschließlich Rückfahrt ins Hochland.

Öffentlicher Bus vom Flughafen nach Reykjavik: Wie oben beim Punkt Anreise erwähnt. Der öffentliche Bus von Straeto kostet nur 1900 Kronen statt dem Flybus-Shuttle für 4000 Kronen.

Flüge mit Skyscanner suchen: Hier kannst du echte Schnäppchen finden, auch wenn die Wartezeiten bei den preiswerten Flügen manchmal ziemlich lang sind. Ich nutze Skyscanner generell immer, auch wenn ich in diesem Fall am Ende einen Direktflug mit Iceland Air gebucht habe.

Preiswert in Reykjavik übernachten: Eine preiswerte und supergemütliche Unterkunft in Reykjavik ist das Kex Hostel, 2 Minuten in der Nähe der Hauptstraße Laugavegur. Zwei Nächte für 29 Euro und dazu noch jede Menge netter Leute und andere Trekking-Fans. Was will man mehr?

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Hast du noch Fragen zum Laugavegur-Trail oder kennst du noch andere empfehlenswerte Touren in Island? Ich freue mich über einen Kommentar!