Mehrtagestouren im Val Grande: 4 Tage im Wilden Westen der Alpen

Das Val Grande im norditalienischen Piemont gilt als einzigartige, aber auch gefährliche Wildnisregion. In den tiefen Schluchten und völlig von der Außenwelt abgeschnittenen Tälern gab es wiederholt tödliche Unfälle. Was hat es mit dieser Wildnis mitten im dicht besiedelten Europa auf sich? Genau das wollte ich bei einer 4-tägigen Wanderung durch den Nationalpark herausfinden.

In diesem Artikel

Der Nationalpark Val Grande im norditalienischen Piemont liegt zwischen dem Lago Maggiore und dem Ossolatal und gilt als das größte Wildnisgebiet der Alpen. Das unzugängliche Gebiet besteht aus mehreren großen Tälern, die durch tiefe Schluchten und abenteuerliche Pässe miteinander verbunden sind. Ringsherum schirmt eine Kette von steilen, über 2.000 Meter hohen Bergen das „Große Tal“ völlig von der Außenwelt ab.

Es ist eine vergessene Welt im wahrsten Sinne des Wortes. Berghütten oder eine touristische Infrastruktur wie im Rest der Alpen gibt es hier nicht. Die letzten Almen wurden um 1960 im Zuge der grassierenden Landflucht aufgegeben. Seitdem ist die Natur auf dem Vormarsch. Alte Wege verwildern und verschwinden im Dickicht des Waldes. Mit jedem Jahr verblassen die Spuren der früheren Bewohner ein Stückchen mehr.

Genau das macht das Val Grande zu einem einzigartigen Hotspot für abenteuerlustige Wanderer und Naturfans. Zu der Faszination tragen auch die Berichte über den Wildnischarakter des Geländes bei. Durchquerungen der abgelegenen, menschenleeren Täler gelten als riskant. Auf einigen Routen, allen voran dem berüchtigten Schluchtweg durch die Kernzone des Nationalparks, gab es wiederholt tödliche Unfälle.

Echte Wildnis mitten in Europa… das klang für mich wahnsinnig spannend! Geht dir das genauso? Dann könnte das Val Grande genau das Trekking-Abenteuer sein, nach dem du schon lange gesucht hast!

Was dich im Val Grande erwartet

Zentrales Merkmal des Val Grande ist seine Unzugänglichkeit. Das etwa 150 km² große Gebiet besteht aus mehreren stark zerklüfteten Gebirgstälern, die auf fast allen Seiten von knapp 2.000 Meter hohen Bergketten eingeschlossen sind. Es gibt zwar eine abenteuerlich schmale Straße für Autos nach Cicogna, der einzigen permanent bewohnten Siedlung im Nationalpark (Bewohner: geschätzt 20). Ins eigentliche Zentrum des Val Grande gelangst du aber praktisch nur zu Fuß über steile Pässe.

Auch die einzelnen Seitentäler sind schwer zugänglich und meist nur durch lange Fußmärsche über unwegsames Terrain und mit vielen Höhenmetern erreichbar. Landschaftlich ist das Val Grande von dichten Kastanien- und Buchenwäldern in den unteren Höhenlagen geprägt. Darüber schließen Grasmatten und Heidelandschaften an, über denen sich ganz zuletzt die steilen Felsgrate erheben. Auf den ersten Blick wirkt das alles ein bisschen harmloser als die klassischen hochalpinen Alpenregionen. Aber der Eindruck täuscht…  

Die Herausforderung im Val Grande besteht vor allem darin, dass der Nationalpark bewusst in einem naturnahen Zustand gehalten wird. Etliche Markierungen abseits der Hauptwege sind unleserlich oder gar nicht erst vorhanden, viele Wege in einem recht maroden Zustand. Nach Regen- oder Schneefällen kommt es häufig zu Erdrutschen. Wege, die wenig begangen werden, wachsen im Lauf der Zeit zu. Gefragt ist hier nicht so sehr der Alpinist, sondern Waldläufer, die sich auch im unübersichtlichen Terrain zurecht finden.

Im Unterschied zum Rest der Alpen gibt es zudem kaum Berghütten, sondern nur sogenannte „Bivacci“ für Selbstversorger. All das führt dazu, dass sich Touren im Val Grande ein bisschen von den klassischen Hüttentreks unterscheiden. In der Regel musst du Essen für ein paar Tage mitnehmen, viele Leute haben auch ein Zelt und Camping-Equipment dabei. Wenn du dann noch Lust hast, die ausgetretenen Wege zu verlassen und ein paar Tage ohne Dusche und ähnliche Annehmlichkeiten auskommst – dann bist du im Val Grande genau richtig!

Val Grande Mehrtageswanderung Wanderer mit Bergen.

Val Grande: Karte und Wanderführer

Meine Empfehlung: Bernhard Herold, Tim Shaw – Nationalpark Val Grande

Der Wanderführer Nationalpark Val Grande – Unterwegs in der Wildnis zwischen Domodossola und Lago Maggiore* ist der bisher einzige deutschsprachige Wanderführer für das Val Grande und entstand in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gebietskenner und Wanderführer Tim Shaw.

Das Buch enthält Vorschläge für 17 Trekkingtouren sowie praktische Tipps zu Wasserstellen, besonders sehenswerten Orten im Val Grande und einige Tagestouren. Dazu noch viele interessante Hintergründe zur Geschichte und Lebensweise der früheren Bewohner des Val Grande.

Zusammen mit einer guten Wanderkarte* bist du mit diesem Buch für alle Fälle gerüstet!

Die genauesten Karten für Wanderungen und Trekking-Touren im Val Grande stammen vom Fachverlag Geo4Map und werden in Zusammenarbeit mit dem Club Alpino Italiano entwickelt. Die Karten im Maßstab 1:25.000 zeigen alle Wege (auch unmarkierte) und sind auf wasserfestem Paper gedruckt. Um den gesamte Nationalpark Val Grande abzudecken, brauchst du zwei Karten:

Daneben gibt es auch eine Swisstopo-Karte der Region Domodossola* im Maßstab 1:50.000 sowie eine Kompass-Karte 1.50:000*. Bei der älteren Ausgabe haben sich viele Nutzer über falsch eingetragene bzw. nicht mehr vorhandene Wege beschwert. Wie das bei der neuen Auflage ist, weiß ich nicht. Auch zur offiziellen Karte des Nationalparks Val Grande im Maßstab 1:30.000* kann ich persönlich nichts sagen.

Ebenfalls empfehlenswert:

Über die Wildnis im Val Grande

Noch schnell ein paar Worte zur „Wildnis Val Grande“. Die Nationalpark-Verwaltung bewirbt das Gebiet ja als den „größten Wildnis-Nationalpark der Alpen“. Das klingt abenteuerlich und macht sich gut als Slogan. Aber es vermittelt eine etwas falsche Vorstellung: Das Val Grande ist keine „natürliche“ Wildnis, wie man sie z.B. mit den großen Nationalparks der USA oder Skandinavien verbindet. Stattdessen handelt es sich um eine verwilderte Kulturlandschaft.

Im Prinzip steht das Val Grande beispielhaft für die Landflucht, die es überall in Europa gibt. Die Gebirgstäler waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts besiedelt und wurden intensiv für Almwirtschaft und Holzabbau genutzt. Für heutige Verhältnisse mit einem nur schwer vorstellbaren Aufwand: Selbst die abgelegensten Täler wurden mit Terrassen, Mauern und Almsiedlungen erschlossen. Jede noch so kleine Alm war mit der nächstgelegenen verbunden. Genau deshalb existiert auch ein so dichtes Netz an Wegen.

Das kleine Örtchen Pogallo.
Spaziergang durch das verlassene Dorf Pogallo: Die Häuser werden heute nur ab und zu am Wochenende oder in den Ferien bewohnt.

Der Niedergang der traditionellen Lebensweise hat mehrere Ursachen. Durch die Industrialisierung entstanden neue Arbeitsplätze in der Ebene, beispielsweise durch die Errichtung von Textilfabriken in Verbania und Intra. Da die Arbeit dort wesentlich bequemer war, als jeden Sommer mit dem Vieh in die Berge zu ziehen und zudem einen besseren Verdienst versprach als die karge Almwirtschaft, zogen die Leute nach und nach in die Städte.

Während dem zweiten Weltkrieg kam es zudem zu Vergeltungsaktionen der Nationalsozialisten gegen italienische Partisanen, die sich in den unzugänglichen Gebirgstälern des Val Grande versteckten. Dabei wurden viele der Almen zerstört und auch etliche der Bewohner umgebracht. Danach gab es kein Zurück: Die letzte Alm wurde um 1960 aufgegeben und die Natur begann, das zuvor mühsam abgetrotzte Kulturland zurückzuerobern.

Ein Paradies für entdeckungsfreudige Wanderer

Heute zeugen im Val Grande nur noch Ruinen und verlassene Höfe von der Vergangenheit. Inzwischen ist es tatsächlich eine Wildnis, aber eine, die nicht einmal so alt wie ein Menschenleben ist. Das Ganze hat eine fast schon post-apokalyptische Stimmung. Du kannst quasi in Echtzeit beobachten, wie eine ehemalige Kulturlandschaft langsam verwildert und von der Natur zurückerobert wird.

Genau das ist für aufmerksame Beobachter eine wahre Fundgrube, da man fast an jeder Ecke auf die Spuren der früheren Bewohner stößt. Mauerreste, verrostete Stahlträger der alten Seilbahnen, verschlungene Pfade durch die Wälder. Es fühlt sich wirklich wie eine vergessene Welt an. Zusammen mit der teilweise dschungelähnlichen Vegetation hatte ich bei unseren Touren oft das Gefühl, dass ich gerade irgendwo in einem abgeschiedenen Tal in Südamerika unterwegs bin und nicht mitten in Europa.

Trekking nach In La Piana.

Mehrtageswanderungen im Val Grande in 4 Tagen

Ich war das erste Mal im April 2019 mit meiner Wandergruppe aus Berlin im Val Grande und direkt fasziniert. Damals haben wir aber nur ein paar Tageswanderungen gemacht, unter anderen zur Cima della Laurasca, wo wir im Schnee stecken blieben und wieder umkehren mussten. Auf jeden Fall war klar, dass ich so schnell wie möglich nochmal ins Val Grande zurückkomme.

2020 folgte dementsprechend die erste mehrtägige Wanderung im Val Grande, im Jahr darauf eine weitere Mehrtagestour. Beide Touren habe ich mit einem Freund zusammen gemacht, mit dem ich schon viele Wanderungen unternommen habe, darunter an der Amalfiküste und der Zugspitze. Wir waren jeweils 4 Tage im Val Grande unterwegs.

Im Folgenden möchte ich die Wanderungen mal kurz vorstellen, sie sind auf jeden Fall beide sehr empfehlenswert!

Tour 1: Durch das westliche Val Grande

Eine spannende Tour, die einige der landschaftlichen Höhepunkte im westlichen Val Grande abklappert und auf relativ wenig begangenen Wegen verläuft. Höhepunkte sind der dramatische „Eintritt in die Wildnis“ über die Felsentreppe der „Scala Ragozzale“, das stille Val Gabbio und die traumhaft schön gelegene Almsiedlung Quagiui.

Karte und GPX-Track

GPS-Download

Wegbeschreibung

Unsere erste 4-tägige Trekking-Tour nähert sich dem Zentrum des Val Grande von Westen. Start ist das kleine Dörfchen Beura südlich von Domodossola. Von dort geht es über urtümliche, mit Wurzeln bewachsene Pfade steil bergauf durch die dichten Wälder, bis wir den Passo Ragozzale erreichen. Der Pass markiert den westlichen Eingang zum oberen Val Grande.

Nach der ersten Übernachtung an der Alpe Menta erklimmen wir die beeindruckende „Scala Ragozzale“. Über diese steile, in den Fels geschlagene Treppe trieben früher die Bauern ihr Vieh vom Tal auf die Weiden im oberen Val Grande. Es folgt eine spannende Gratwanderung bis zum 1.800 Meter hohen Pizzo Mottac. Von hier aus steigen wir zu der idyllischen Hüttenanlage In La Piana im Herzen des Nationalparks Val Grande ab.

Am dritten Tag folgen wir dem Fluss durch das dichtbewaldete, einsame Val Gabbio. Anschließend wandern wir zu den endlosen Hochweiden der weltverlassenen Alpsiedlung Quagiui. Die letzte Passüberquerung führt uns im Schatten bizarrer Felstürme über die steile Bocchetta dell`Usciolo, bis wir an der malerisch gelegenen Alpe Stavelli schon wieder die Zivilisation im Tal erblicken. Ein kurzer Marsch bergab führt uns dann bis nach Premosello-Chiovenda.

Schau dir hier die detaillierte Beschreibung der einzelnen Etappen an:

Tour 2: Komplette Durchquerung von Verbania nach Trontano

Val Grande Durchquerung.

Diese abenteuerliche Val-Grande-Durchquerung von Südost nach Nordwest führt in vier Tagen einmal durch den gesamten Nationalpark. Die Tour ist anstrengender, alpiner und sie verläuft stellenweise mitten durch die nahezu weglose Bergwildnis. Daher ist diese Wanderung eher nicht für Val-Grande-Neulinge geeignet. Besser ist, wenn du schon eine ungefähre Vorstellung davon hast, was dich hier erwartet.

Karte und GPX-Track

GPS-Download

Wegbeschreibung

Los geht’s ganz entspannt in Caprezzo einem Vorort von Verbania.  Von hier führt der Weg durch Kastanien- und Buchenwälder, später durch eine offene Heidelandschaft mit tollen Ausblicken auf den Lago Maggiore zum bewirtschafteten Rifugio Piancavallone und dann nach Cicogna, der „Hauptstadt des Val Grande“. Der erste Tag bietet noch keine größeren Schwierigkeiten .

Tag 2 führt zunächst über die spektakulär in den Fels getriebene „Strada Sutermeister“ zur ehemaligen Holzfällersiedlung Pogallo. Ab hier wird es dann abenteuerlich: Auf alten, kaum erkennbaren Pfaden kraxeln wir durch die steile Bergkette der Prati di Ghina. Anschließend folgt die alpine Traverse der berüchtigten „Strette del Casè“. Ziel ist die Schutzhütte „Bocchetta di Campo“ in atemberaubender Lage auf dem schmalen Grat, der das obere vom unteren Val Grande trennt.

Auf einem wunderbaren Höhenweg folgen wir dem Grat und passieren anschließend die Hochmoorlandschaft rund um die Alpe Scaredi. Von hier steigen wir nach In La Piana ab und wandern zum schön gelegenen, komfortablen Bivacco am Pizzo Mottac. Nach einer letzten Übernachtung verlassen wir das Val Grande über den 2.000 Meter hohen Passo di Bassagrana und laufen auf bequemen Wegen durch idyllische Hochtäler nach Trontano.

Eine detaillierte Wegbeschreibung der Wanderung wird hier in Kürze folgen.

Strette del Casè Val Grande.
Traverse der Strette del Casè – eine der alpinen Kraxelrouten im Val Grande. Hier sollte man nicht stolpern…

Sind Wanderungen im Val Grande gefährlich?

Das Val Grande hat inzwischen ja einen gewissen Ruf und so gut wie jeder Bericht kommt ziemlich schnell auf die angebliche Gefährlichkeit zu sprechen. Ist bei diesem Artikel ja auch nicht anders:) Von dem was ich dort gesehen habe, werden die Gefahren teilweise aber etwas überbetont. Ich schätze, das liegt auch daran, weil man aus dem Rest der Alpen ein bissel verwöhnt ist. Das Val Grande ist schon ein Stück wilder.

Bivacco Bocchetta di Campo im Val Grande.
Das spektakulär gelegene Bivacco auf der Bocchetta di Campo. Trotz der Lage auf dem schmalen Grat ist die dreistöckige Hütte recht geräumig.

Man kann im Val Grande durchaus ein paar anspruchsvolle, potentiell gefährliche Routen im Grad T4-T5 nach SAC-Wanderskala machen, z.B. die Strette del Casè, den Höhenweg Sentiero Bove und den Schluchtweg (inzwischen ein Klettersteig, siehe unten). In der Vergangenheit kam es hier schon zu Abstürzen und tödlichen Unfällen. Solche Wege gibt es in den anderen Alpenregionen aber auch zu Genüge und niemand würde jetzt deswegen behaupten, dass z.B. die Dolomiten besonders gefährlich sind.

Eine realistischere Gefahr ist im Val Grande meiner Erfahrung nach, sich zu verlaufen. Die Hauptwege sind in der Regel gut markiert. Aber sobald du auf die unmarkierten Seitenwege wechselst, wird es spannend. Gerade bei Abzweigungen ist in den dichten, dschungelartigen Wäldern häufig schwierig erkennbar, ob das jetzt ein Weg ist oder ein Wildwechsel, der im Nirgendwo endet. Auch hier kann man sich aber vorbereiten, in diesem Fall mit Karte und/oder GPS-Navigation.

Tipp: Sinnvoll ist auf jeden Fall eine Auslands-Krankenversicherung, falls unterwegs irgendetwas passiert und du medizinische Hilfe benötigst. Ich empfehle die Jahresversicherung der HanseMerkur*, die bereits ab 18 Euro erhältlich ist. Die Krankenversicherung gilt für beliebig viele Reisen bis zu 56 Tagen pro Jahr und beinhaltet auch die Kosten für Transport und Bergung.

Tipps zur Planung von Wanderungen im Val Grande

Wanderungen im Val Grande selbst zu planen ist eigentlich gar nicht so schwierig. Ein guter Ausgangspunkt sind die unbemannten Selbstversorgerhütten, die allesamt durch ein Netz an markierten Wege verbunden sind. Anhand der Karten kannst du dir dann eine Route zusammenbasteln, die z.B. jeden Abend an einer Hütte endet. Alternativ benutzt du den Wanderführer als Inspirationsquelle.

Weiterhin brauchst du Essen für so viele Tage, wie du im Val Grande bleiben willst und eventuell Campingausrüstung. In den Hütten gib es teilweise auch Öfen, ich würde trotzdem einen Camping-Kocher mitnehmen. Ein Zelt ist natürlich auch super. Dann hast du die komplette Freiheit und kannst einfach da übernachten, wo es dir am besten gefällt – und vertrau mir: Es gibt jede Menge geniale Orte zum Zelten!

Lass dich von diesem tollen YouTube-Video inspirieren, das einen guten Einblick über das Val Grande bietet:

Im Folgenden jetzt noch ein paar genauere Tipps zur Planung.

Sicherheit

Das Val Grande ist wie erwähnt wilder und ursprünglicher als andere Wandergebiete in den Alpen. Das ist natürlich gerade der Reiz und genau richtig, wenn du mal wieder die Komfortzone verlassen willst. Aber es birgt auch einige Herausforderungen, die man im Hinterkopf behalten sollte.

Zustand der Wege

Viele der Wege im Val Grande sind „naturbelassene Wanderwege“, um es freundlich auszudrücken. Bedeutet: Du läufst häufig auf steinigen, ziemlich rauen Wegen, die man anderswo als Trampelpfade bezeichnen würde. Zu den Begleitern zählen massive Felsbrocken, dicke Baumwurzeln und umgefallene Baumstämme auf dem Weg. Außerdem besteht die Gefahr, dass starke Regenfälle, Erosion, Erdrutsche und Felsstürze die Wege zerstören.

Auch die fehlende landwirtschaftliche Nutzung ist spürbar, weil sich die Natur nach Lust und Laune ausbreiten kann. Wildwuchs und Dickicht verschlucken die Wege, wenn sie nicht kontinuierlich gepflegt werden. Auf den Hauptwegen ist das eher nicht das Problem, weil diese regelmäßig von freiwilligen Helfern und der Nationalparkverwaltung in Stand gehalten werden. Aber auf den kleineren Pfaden muss man sich teilweise regelrecht durch das Dickicht vorwärts kämpfen.

Das sieht dann auch schon mal so aus:

Wandern im Val Grande.
Auf dem Weg zur Alpe Menta.

Und ja… so etwas zählt im Val Grande als Weg. Das ist definitiv etwas anderes als die gut ausgebauten, regelmäßig gewarteten Gebirgswege in den Dolomiten, Tirol und anderen bekannten Wandergebieten in den Ostalpen. Man muss sich im Val Grande also schon ein bisschen auf die Wildnis einlassen. Aber genau das ist ja auch der Reiz.

Navigation und Wegfindung

Die häufiger begangenen Hauptwege durch die Täler des Val Grande sind ziemlich gut mit Wegweisern und Markierungen gekennzeichnet, wie man das auch aus dem Rest der Alpen kennt. Durch die frühere Besiedelung existieren daneben aber unzählige alte Verbindungswege und Trampelpfade. Dazu Schafswege und Wildwechsel, die auf keiner Karte eingezeichnet sind und häufig im Nirgendwo enden. Wenn du es drauf anlegst, kannst du dich hier definitiv gut verlaufen.

Einer Anekdote zufolge schickte die italienische Regierung in den 1960er-Jahren eine Gruppe von Wissenschaftlern für eine Bestandsaufnahme des geplanten Nationalparks ins Val Grande. Ergebnis: Die Truppe musste mit dem Helikopter evakuiert werden, weil sie nicht mehr alleine herausfand. Okay… war eine andere Zeit. Aber theoretisch kann das unvorsichtigen Wanderern auch heute passieren. Das Val Grande ist zwar eigentlich recht klein. Durch die vielen zerklüfteten Täler zusammen mit den dichten Wäldern aber auch sehr unübersichtlich.

Hängebrücke über einem Fluss im Val Grande.

Hilfreich bei der Navigation: GPS-Gerät

Durch die schwierige Navigation würde ich auf jeden Fall die oben erwähnten Gebietskarten mitnehmen und mir – falls noch nicht vorhanden – Kenntnisse aneignen, wie man eine Karte liest und sich damit orientiert. Falls du noch kein GPS-Gerät* hast: Eine Mehrtagestour im Val Grande ist die perfekte Gelegenheit zur Anschaffung! Das ist hier nicht bloß ein nettes Gadget zum Rumspielen, sondern wirklich sinnvoll. Wenn du das nicht willst, nimm zumindest ein Smartphone mit Offline-Karte sowie ein voll aufgeladene Powerbank mit.

Weiterlesen: Garmin eTrex 32x im Test – Was taugt das Einsteiger-Navi wirklich?

Noch eine Anmerkung: Bei den gestrichelten und gepunkteten unmarkierten Wegen auf der Geo4Map-Karte würde ich gut aufpassen, da sie unter Umständen in sehr schlechtem Zustand und/oder zugewachsen sind. Wir sind mehrmals auf solchen Wegen gelaufen – in anderen Wandergebieten würde man das als weglos oder bestenfalls als Trampelpfad bezeichnen. Ohne profunde Gebietskenntnisse oder GPS-Navigation kann man hier extrem schnell vom Weg abkommen.

Wegweiser bei In La Piana im Val Grande.

Außerdem erwähnenswert: Selbst mit einem hochwertigen GPS-Gerät wirst du unter Umständen kein Signal bekommen. Das gilt vor allem für enge Täler und Schluchten. Deshalb nicht ohne Karte losziehen und einfach auf die Technik verlassen. Vergleiche während der Wanderung immer mal wieder das Gelände mit der Karte und überprüfe, ob du noch auf dem richtigen Weg bist. Das macht mit ein bisschen Übung sogar richtig Spaß und ist spannender als die ganze Zeit auf ein Handy-Display zu glotzen.

Tipp: Wenn du ein GPS-Gerät nutzt, kann ich die Freizeitkarte Alpen als OSM-Map wärmstens empfehlen.

Handyempfang

Weil ich das Smartphone gerade erwähnt habe: Das Val Grande ist auf fast allen Seiten von hohen Bergen eingekesselt. Daher hast du in vielen Teilen des Nationalparks keinen Handyempfang. Perfekt, wenn du dich für ein paar Tage von der Welt verabschieden willst. Nicht ganz so perfekt, wenn irgendetwas passiert. Meine Erfahrung war: In den höheren Lagen und auf Berggipfeln hatte ich meistens Empfang. Je weiter wir uns dem Zentrum des Val Grande näherten, desto schlechter wurde es, weil dann immer mehr Berge um uns herum lagen.

Ich hab von anderen Leuten auch schon gehört, dass sie nirgendwo im Val Grande ein Signal hatten. Kann vielleicht am Provider liegen… Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich aber generell davon ausgehen, nirgendwo Empfang zu haben und mich anderweitig absichern (z.B. mit Karte/Kompass, GPS-Gerät). Falls du mit Handy navigieren willst, brauchst du zwingend eine Offline-Karte. Außerdem kann es sicherlich nicht schaden, jemandem zuhause die genaue Route zu geben und einen Termin zu vereinbaren, an dem du dich spätestens zurückmeldest.

Wasserfall in den Wäldern des Val Grande.

Wasserversorgung im Val Grande

Wasser gibt es im Val Grande mehr als genug. An oder in der Nähe von vielen Biwakhütten findest du Brunnen mit frischem Wasser. In den Gebietskarte sind die Wasserstellen eingetragen. Im Wanderführer findest du ebenfalls Tipps, wo du sicher Wasser bekommst. Außerdem gibt es viele Bäche, kleine Flüsse oder Rinnsale. Wasserversorgung ist also eigentlich kein Problem, leider macht sich der Klimawandel aber auch im Val Grande bemerkbar. Die letzten Jahre waren wohl sehr trocken.

Auf dem Val Grande Blog findest du aktuelle Infos zum Wasserstand in den Bächen. Was ich auch machen würde: Zur Sicherheit einen Wasserfilter* mitnehmen, da viele Ziegen und Schafe frei im Nationalpark herumlaufen. Unbehandeltes Wasser aus Bächen würde ich eher nicht trinken, weil in vielen Gebieten Schafsköttel auf dem Boden liegen. Und selbst wenn nicht, weiß man nie genau, wie es weiter oben aussieht.

Wanderung zu einem versteckten Wasserfall im Val Gabbio.
Versteckter Wasserfall mit natürlichem Swimmingpool im Val Gabbio.

Wilde Tiere, Bären, Schlangen etc.

Es gibt im Val Grande Schlangen, und zwar die giftige Aspisviper und ein paar andere Schlangenarten. Das Val Grande wird daher auch manchmal „Tal der Schlangen“ genannt. Ob man sich jetzt deswegen in die Hose machen muss, sei mal dahingestellt. Ich schätze, die Chance tatsächlich von einer Schlange gebissen zu werden, ist 1 Millionen mal kleiner als sich zu verlaufen. Beachte hier einfach die üblichen Vorsichtsmaßnahmen:

  • Lange Hosen tragen (im Unterholz ohnehin sinnvoll)
  • Genau hingucken, bevor du dich irgendwo hinsetzt
  • Falls du doch mal eine Schlange siehst, respektvollen Abstand halten und nicht versuchen, sie zu fangen oder besonders nah für ein tolles Foto rangehen
Feuersalamander im Val Grande.
Feuersalamander haben wir Val Grande viele gesehen.

Bären und Wölfe… jetzt wird es spannend. Es soll inzwischen wieder ein Wolfspärchen im Val Grande leben. Allerdings sind Wölfe für den Menschen ungefährlich, also musst du dir darum keinen Kopf machen. Zum Thema Bären: Im Winter 2022/2023 wurden erneut Spuren eines Bären im nordöstlichen Val Grande gefunden. Es soll sich um das Exemplar M29 handeln, der bereits seit 2019 rund um Domodossola lebt. Übrigens der erste sichere Nachweis eines Braunbären im Piemont seit über 100 Jahren.

Muss man sich deswegen Sorgen machen? Schwer zu sagen… Ich hatte letztes Jahr eine Bärenbegegnung im türkischen Kaçkar-Gebirge. War eigentlich eher undramatisch. Aber es ist schon ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass sich ein potentiell gefährliches Raubtier in der Nähe aufhalten könnte. Im Normalfall ergreifen Bären die Flucht, wenn sie einem Menschen begegnen. Ich würde es aber zumindest im Hinterkopf behalten.

Cicogna die Hauptstadt des Val Grande.

Zelten, Übernachten und Wildcamping im Val Grande

Es gibt ein wirklich nettes Hostel in Cicogna*, zwei bewirtschaftete Hütten (Rifugi) im Nationalpark und zwei weitere knapp außerhalb der Parkgrenzen. Dazu kommen 10 Biwakhütten, die Bivacci (zur Übersicht). Diese Schutzhütten sind kostenlos und haben immer offen. Neben Ofen und Kochutensilien gibt es einen Schlafraum im Obergeschoss. Einige Hütten haben dank Solarstrom inzwischen sogar elektrisches Licht (z.B. Bivaccho Mottac, Bivaccho Alpe della Colma und Bivaccho Alpe Rina).

Die verlassenen Almsiedlungen bieten zur Not auch ein Dach über dem Kopf und Schutz vor Regen. In einigen haben wir sogar Kochgeschirr gefunden. Allerdings sind die Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Verfalls und teilweise akut einsturzgefährdet. Außerdem werden sie häufig von Ziegen und Schafen als Unterschlupf genutzt und riechen entsprechend streng. Ich würde darin nur im Notfall übernachten.

Zelten im Val Grande.

Zelten und Biwakieren

Wildcamping mit eigenem Zelt ist im Val Grande unkompliziert. Während das in den deutschen oder österreichischen Alpen immer noch als absolutes Tabu gilt, geht man hier viel pragmatischer an die Sache ran. Die regionalen Vorgaben erlauben das Biwakieren mit dem Zelt für eine Nacht von 17:00 – 9:00 Uhr. Es gab früher mal eine Buchungsfunktion auf der Webseite des Nationalparks. Inzwischen ist das nicht mehr erforderlich. Du kannst das Zelt also im Prinzip aufschlagen, wo du willst.

Befolge dabei die üblichen Verhaltensregeln:

  • Ruhig verhalten, keinen Lärm machen
  • Kein offenes Feuer machen (gerade durch die zunehmende Trockenheit)
  • Allen Müll wieder mitnehmen
  • Lagerplatz so hinterlassen wie du ihn vorgefunden hast
Blick über In La Piana im Zentrum des Val Grande Nationalparks.
In La Piana im Herzen des Val Grande: Hier befindet sich eine Ranger-Station und mehrere Biwakhütten.

Tipps zur Ausrüstung

Die Infrastruktur im Val Grande beschränkt sich im Prinzip auf Cicogna wo es ein Restaurant gibt, sowie die vier bewirtschafteten Hütten an den Rändern des Nationalparks. Im Inneren des Nationalparks gibt es keinerlei touristische Einrichtungen. Für mehrtägige Touren musst du also Vorräte und zumindest ein Mindestmaß an Camping-Ausrüstung mitbringen.

Was du auf jeden Fall brauchst:

Ein Zelt/Tarp ist nicht zwingend notwendig, wenn du in den Biwak-Hütten übernachtest. Ich habe mein Hubba Hubba* trotzdem dabeigehabt, weil wir nicht immer direkt an einer Hütte übernachtet haben (zum Test). Theoretisch kann es außerdem passieren, dass die Hütten bereits voll sind. Das ist uns z.B. während unserer zweiten Tour im Bivacco auf der Bocchetta di Campo passiert.

Eingang zur Alpe Quagiui im oberen Val Grande.
Nebelschwaden ziehen über die Alpe Quagiui. Die Alm war früher eine der größten Siedlungen im Val Grande.

Schuhtechnisch sind knöchelhohe Wanderstiefel in dem rauen Terrain nicht verkehrt (uneben, steinig, teilweise schlammig und rutschig). Ich war mit meinen wasserfesten Meindl Vacuum GTX* ganz zufrieden (sind aber ziemliche Brummer). Zustiegsschuhe gehen bestimmt auch. Trailrunner würde ich zumindest für die schwierigeren Wege nicht unbedingt empfehlen. Aber da scheiden sich bekanntlich die Geister…

Weitere Ausrüstung für Wanderungen im Val Grande

Neben dem Camping-Equipment benötigst du die übliche Ausrüstung für Wanderungen im Gebirge. Sinnvoll fand ich im Val Grande die folgenden Sachen:

GegenstandAnmerkungEmpfehlung
Schnelltrocknende T-Shirts aus MerinowolleFür tagsüber beim LaufenMerino Icebreaker*
Fleecepulli bzw. FleecejackeZusätzliche Wärme, wenn es kühl wirdPatagonia R1 Hoody*
RegenjackeIm Gebirge Pflicht, um Auskühlen zu verhindernMontbell Stormcruiser*
RegenhoseFinde ich in dem unwegsamen Terrain besser als ein PonchoMarmot Precip*
WanderhoseAm besten eine Ziphose, um flexibel zu seinMaier Sports Latit Zip-Hose*
SchlauchtuchFlexibel einsetzbar, z.B. als SchalBuff Unisex Lightweight Merino*
StirnlampeGerade beim Camping unverzichtbarPetzl Actic Core*
GPS-Gerätim Val Grande wirklich (!) hilfreichGarmin eTrex 32x*
PowerbankFür Smartphone etc.Anker PowerCore 10000mAh*
TrekkingstöckeHilft mit großem Rucksack bei unwegsamen PassagenHelinox Ridgeline FL135*
GebietskarteBessere Übersicht, auch ohne Strom verwendbarGeo4Map Val Grande*

Tipp: Schau dir hier meine aktuelle Packliste für Mehrtageswanderungen an.

Was ist mit dem Val-Grande-Schluchtweg?

Der berühmt-berüchtigte Schluchtweg ist wahrscheinlich eine der bekanntesten Routen durch den Nationalpark Val Grande. Es handelt sich dabei um einen alten Verbindungsweg, der von der Ponte Velina im Süden bis zur Hüttenanlage von In La Piana verläuft und dabei die Hauptschlucht des Rio Val Grande durchquert. Die knapp 10 Kilometer lange Route führt durch den innersten Teil des Nationalparks, das ansonsten kaum zugänglich Riserva Integrale di Pedum.

In der Vergangenheit galt der Schluchtweg als besonders riskant, da die alte Trasse an vielen Stellen gar nicht mehr existierte. Stattdessen: Abgerutschte Wegstücke, steile, glitschige Felspassagen, halbvermoderte Holzbrücken in den Steilwänden. Es gab hier wiederholt tödliche Unfälle, weil Leute an exponierten Stellen in die Tiefe stürzten oder unvernünftigerweise in der Schlucht campten und bei Starkregen im rasch ansteigenden Wasser des Flusses ertranken.

Einen guten Eindruck von dem alten Schluchtweg bekommst du in diesem tollen YouTube-Video:

https://www.youtube.com/watch?v=6PzODTMeekc&list=PLVnbxEICUpiPpFYSs3zUgc0Y3n3NZZ-1z&index=34&ab_channel=FramePerSecondOutdoor%E2%80%A2StefanoCerutti

Schluchtweg seit 2022 ein Klettersteig

Bis vor einigen Jahren war eine Betretung des Wegs verboten. Inzwischen ist das aber alles ein Stück weit Geschichte. Seit 2022 ist der Schluchtweg komplett renoviert und zu einer Art Klettersteig mit Drahtseilen, Nepalbrücken und Sicherungen ausgebaut worden. Der Steig nennt sich jetzt „Selvaggio verde“, in Anlehnung an die berüchtigte Trekking-Route „Selvaggio Blu“ auf Sardinien).

Laut Gebietskenner Tim Shaw handelt es sich aber nicht um einen Klettersteig im eigentlichen Sinn. Zitat: „Nur wenige Prozent der gesamten Strecke sind mit den entsprechenden Sicherungsmöglichkeiten versehen. Der Rest ist Wildnis. Es gibt nach wie vor zahlreiche absturzgefährdete Stellen ohne Sicherung. Gute Klettersteiggänger, die jedoch keine oder nur wenig Wildniserfahrung besitzen, werden hier große Probleme bekommen“.

Wir wollten den Schluchtweg 2020 zuerst auch gehen, haben es dann aber wegen des schlechten Wetters sein lassen. Vielleicht werde ich das irgendwann in Zukunft mal nachholen. Zumindest von den Bildern her (Fotoalbum) sieht das Ganze trotz Renovierung immer noch ziemlich wild aus. Einen schönen Bericht zu der Wanderung auf dem Schluchtweg (mit Hund!) findest du bei Francie auf dem Blog Berginsel.

Anreise zum Val Grande
Nicht ganz ernst gemeint: In Pogallo mitten im Val Grande hält natürlich kein Bus.

Anreise

Die Anreise ins Val Grande mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist unkompliziert. Wir sind immer über die Schweiz mit dem Zug von Berlin nach Domodossola gefahren. Von hier nimmt man dann den Comazzi-Bus, der ungefähr alle 2 Stunden fährt (Fahrplan) und auch die kleinen Städtchen am Rand des Val Grande bedient.

Für die Anreise mit dem Flieger bietet sich Mailand an. Von dort nimmst du den Regionalzug nach Domodossola (Link). Die Züge fahren mehrmals am Tag. Die Fahrt dauert ca. 2 Stunden und führt direkt am Lago Maggiore vorbei. Im Flugzeug sind Gaskartuschen oder Brennstoff für den Kocher nicht erlaubt. In Domodossola gibt es aber mehrere Camping-Geschäfte, in denen du dich vorher eindecken kannst.

Mein Tipp: Nimm den Zug. Das ist entspannter, besser für die Umwelt und die Fahrt durch die Schweizer Alpen ist auch wirklich schön.

Beste Reisezeit zum Wandern im Val Grande

Als beste Reisezeit zum Wandern im Val Grande gilt der Spätsommer, vor allem der Monat September. Im Juli und August regnet es häufiger und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Außerdem sind viele Wege durch die dichte Vegetation im Sommer schlechter erkennbar. Schnee gibt es im Val Grande je nach Lage teilweise noch bis in den Juni. Unsere erste Exkursion Ende April 2019 zur Cima della Laurasca mussten wir damals abbrechen, weil das nordseitige Val Loana noch tief verschneit war.

Bei unseren mehrtägigen Touren im September hatten wir einmal Pech, einmal Glück mit dem Wetter. Beim ersten Mal war es vier Tage lang fast durchgehend bewölkt und regenerisch. Beim zweiten Mal dann das komplette Gegenteil: Viel Sonne, tolle Aussichten, perfektes Wanderwetter. Im Val Grande herrscht übrigens ein Mikroklima, es ist deutlich wärmer als im Umland. Mit etwas Glück kannst du hier auch noch bis in den November hinein wandern gehen.

Gratwanderung im Val Grande.

Weiterführende Links und Infos zum Val Grande

Das Val Grande ist gerade im deutschsprachigen Raum sehr beliebt. Daher gibt es im Internet inzwischen recht viele Informationen, Webseiten und Artikel zum Val Grande. Hier eine kleine Auswahl, die mir bei der Tourenplanung geholfen hat.

  • Val Grande Blog: Der Blog von Nationalpark-Guide Tim Shaw ist die beste Quelle für aktuelle Infos zum Val Grande, beispielsweise zum Zustand der Wege, über Schneelagen, gesperrte Teilstücke, Hütten usw.
  • Piemont Trekking Auf der Webseite von Tim Shaw werden verschiedene Tagestouren und Mehrtagestouren vorgestellt. Auf Wunsch kannst du die Touren dort auch direkt bei Tim buchen, wenn du einen Führer willst. Die Webseite eignet sich aber auch hervorragend als reine Inspirationsquelle.
  • Reliefs.ch: Eine alpinistische Val-Grande-Webseite mit einigen spannende Touren, beispielsweise durch die Hauptschlucht des Val Grande und einer sehr abenteuerlichen Alternativ-Route von Beura aus dem Westen. Die Beschreibungen sind streckenweise aber sehr alt und mit Vorsicht zu genießen, da etliche Routen in wegloses Gelände führen.
  • In Valgrande: Diese italienische Webseite ist eine der detailliertesten Val-Grande-Seiten. Die Sprachbarriere ist dank Google Translate eigentlich kein Problem und im Unterschied zu der vorigen Seite fühlt sie sich auch nicht so an, als wäre sie das letzte Mal vor 10 Jahren aktualisiert worden. Besonders gut gefallen haben mir die vielen Fotos, mit denen man sich einen tollen Eindruck von den Örtlichkeiten machen kann. 
  • Klingenfuss.org: Etwas weniger Besserwisserei des Autors wäre ganz schön. Trotzdem ist die Seite eine hervorragende Informationsquelle über Wanderungen im Piemont, auch wenn es eigentlich nicht hauptsächlich um das Val Grande geht, sondern um den Weitwanderweg GTA.
Blick über die Berge des Val Grande im Piemont.

Und sonst?

  • Wenn du keine mehrtägigen Touren machen willst, kannst du dich auch für ein paar Tage in dem Hostel in Cicogna* einquartieren und von dort Tageswanderungen machen.
  • Durch die zahlreichen Täler und das steile Landschaftsrelief fallen im Val Grande relativ viele Höhenmeter pro Tag an.
  • Das Terrain ist an vielen Stellen schwierig, da verwildert. Deshalb fallen die Gehzeiten in der Regel höher aus, als du das vielleicht gewöhnt bist. Rechne zu allen Angaben ungefähr 10-20 % drauf, dann bist du näher an der Realität.
  • Stelle dich darauf ein, dass du auch bei guten Bedingungen ab und zu mal vom Weg abkommst und sorge dafür, dass du dich orientieren kannst.
  • Schau dir auch meinen Artikel über die Alpe Devero an. Dieses Gebiet liegt ganz in der Nähe vom Val Grande und ist ebenfalls traumhaft schön.
Val Grande Trekking Sonnenuntergang.

Mein Fazit

Wo gibt es das noch in den Alpen? Einen Ort, an dem man einfach ein paar Tage in die Wildnis abtauchen und die einfachen Dinge des Lebens genießen kann: Morgendliche Sonne, die die Kälte der Nacht vertreibt, klares Wasser aus einem Bergbach, das Spiel der Wolken am Himmel. Das Piemont ist einfach wahnsinnig schön und im Val Grande zeigt es sich von seiner besten Seite.

Natürlich ist die Gegend kein kompletter Geheimtipp und etliche Leute meinen auch, es sei früher noch viel schöner gewesen. Kann schon sein. Aber im Vergleich zu anderen Alpenregionen ist das trotzdem ein ganz anderes Feeling: Kein Hüttentourismus, keine Wanderautobahnen, keine riesigen Gruppen. Stattdessen viel Natur und gerade auf den weniger begangenen Wegen kann man sich hier immer noch ein bisschen wie ein Entdecker fühlen. Ich werde bestimmt wieder ins Val Grande fahren!

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Hast du noch Fragen zum Val Grande? Kennst du andere spannende Touren in den Bergen des Piemont? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich von dir zu hören!