Auf dem Fischerweg in der Algarve: Wandern an Portugals Sturmküste

Einsame Strände, die wilde Atlantikküste der Algarve und ein Klima fast wie in Afrika. Der Fischerweg ist einer der bekanntesten Fernwanderwege Portugals und der Beweis, dass sich Aktivurlaub und Strandleben nicht zwangsläufig ausschließen. Und das Beste: Dank der einfachen Wege eignet sich die Wanderung auch noch hervorragend für Trekking-Neulinge. Hier bekommst du alle Infos zu der Tour.

Zuletzt aktualisiert am 24.11. 2022

In diesem Artikel:

Möwen kreischen im Wind, der Geruch von Salz hängt in der Luft. Die Wellen des Atlantiks tosen gegen die zerklüfteten Steilklippen der Algarve, während die Füße im Sand versinken. Willkommen auf dem Fischerweg in Portugal!

Diese Tour ist genau der richtige Fernwanderweg für alle, die sich nach einem normalen Strandspaziergang sagen: „Ich will mehr!“

Mehrere Tage lang geht es entlang der wilden Atlantikküste der Algarve und des Alentejo. Auf dem Programm stehen: Versteckte Buchten, kilometerlange Strände, die zu den besten Surfspots Europas zählen, Storchennester in den Steilklippen und zwischendurch immer wieder hübsche kleine Küstenstädtchen.

Ich kann diese Wanderung wärmstens empfehlen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Fischerweg geht nämlich auch dann, wenn es im Rest Europas noch zu kalt für ausgedehnte Outdoor-Aktivitäten ist.

Ich war im März 2020 4 Tage mit meiner Lieblingswandergrupe aus Berlin auf dem zentralen Teil des Fischerwegs zwischen Porto Covo und Odeceixe unterwegs. Offiziell verläuft die Tour von Norden nach Süden. In dieser Richtung bläst einem der Wind in den Rücken und nicht ins Gesicht, außerdem sollen die Aussichten besser sein.

Aus organisatorischen Gründen starteten wir im Süden und liefen den Weg nach Norden gelaufen, also gerade in entgegengesetzter Richtung. Einen großen Unterschied hat das meiner Auffassung aber nicht gemacht. Die Steilküste war auch so beeindruckend. Nur am letzten Tag ruinierten die riesigen Fabrikanlagen von Porto Covo am Horizont etwas das Panorama.

Falls ich irgendwann noch einmal den gesamten Fischerweg laufen sollte, mache ich es aber vielleicht in der anderen Richtung. Wenn das hier irgendjemand liest, der damit Erfahrung gemacht hat – schreib mir gerne einen Kommentar!

Auf einen Blick

  • Abwechslungsreiche Küstenwanderung durch die Regionen Algarve und Alentejo im Südwesten Portugals
  • Länge: 75 Kilometer für den beliebtesten Abschnitt
  • Dauer: variabel – 13 Tage für die komplette Tour, 4 Tage für den zentralen Teil
  • Schwierigkeit: leicht bis mittel, exzellente Option für Trekking-Anfänger
  • Abenteuerfaktor: mittel
  • Übernachten in Unterkünften am Weg
  • Wildcamping und Zelten verboten (wird teilweise trotzdem gemacht)

Fischerweg, Historischer Weg und Rota Vicentina

Zunächst eine kurze Erläuterung, was eigentlich genau Teil des Fischerwegs ist. Im Netz finden sich dazu widersprüchliche Aussagen und ich war am Anfang selbst ein wenig verwirrt. Ich orientiere mich bei den folgenden Ausführungen einfach an der offiziellen Webseite der Rota Vicentina.

Demnach wird das gesamte Wegenetz in den Regionen Alentejo und Algarve, dem südwestlichsten Teil Portugals, als Rota Vicentina bezeichnet. Benannt ist es nach der Vicentina-Küste, dem Küstenstreifen zwischen Odeceixe und Burgau. Die Rota Vicentina bietet etwa 750 km Wanderwege und besteht grob gesagt aus drei Bestandteilen:

  • Fischerweg
  • Historischer Weg
  • Rundwanderwege

Fischerweg (Trilho dos Pescadores)

Der Fischerweg ist ein Küstenwanderweg durch den Naturpark „Sudoeste-Alentejano e Costa Vicentina“. Die Route besteht aus insgesamt 13 Tagesetappen und einer Gesamtlänge von 226 km. Offizieller Start ist in São Torpes. Von hier aus geht der Weg immer an der Küste entlang bis nach Lagos im Süden.

Tipp: In vielen Blogbeiträgen wird der Fischerweg mit einer Länge von 75 km (bzw. 120 km mit Abstechern) und 4 Etappen angegeben. Dieser Teil ist das beliebteste Teilstück des Fischerwegs. Es reicht von Porto Covo bis nach Odeceixe und ist auch das Stück, das wir gewandert sind. Genau genommen ist es aber nur ein Ausschnitt des gesamten Wegs.

Etappen des Fischerwegs

Die offiziellen Etappen des Fischerwegs von Nord nach Süd sind:

EtappeLänge in kmDauerHöhenmeter
1. São Torpes/Sines – Porto Covo10ca. 3 Stunden+ 120
2. Porto Covo – Vila Nova de Milfontes20ca. 8 Stunden +200, – 180
3. Vila Nova de Milfontes – Almograve15ca. 5 1/2 Stunden+ 150, – 130
4. Almograve – Zambujeira do Mar22ca. 7 Stunden+ 200, – 200
5. Zambujeira do Mar – Odeceixe18, 5ca. 7 Stunden+ 300, – 300
6. Odeceixe – Aljezur22,5ca. 7 Stunden+ 150, – 150
7. Aljezur – Arrifana17, 5ca. 6 Stunden+ 400, – 350
8. Arrifana – Carrapateira20ca. 6 Stunden+ 300, – 250
9. Carrapateira – Vila do Bispo16ca. 6 Stunden+ 500, – 420
10. Vila do Bispo – Sagres20, 5ca. 7 Stunden+ 150, – 200
11. Sagres – Salema19, 5ca. 8 Stunden+ 600, – 650
12. Salema – Luz12ca. 4 1/2 Stunden+ 400, – 400
13. Luz – Lagos11ca. 4 Stunden+ 300, – 300

Quelle: rotavicentina.com

  • Markierung: Grüne auf blauer Linie

Historischer Weg (Caminho Histórico)

Der Historische Weg ist Teil des Europäischen Fernwanderwegs E9 „Ostsee-Atlantik“ bzw. des portugiesischen Fernwanderwegs GR 11 „Caminho do Atlântico“. Der Historische Weg verläuft auf 13 Etappen und 263 km überwiegend durch die bewaldeten Hügel im Hinterland von Algarve/Alentejo und nicht an der Küste. Start ist Santiago do Cacém, Ziel der Leuchturm am Cabo de S. Vicente in der Nähe von Sagres.

  • Markierung: Weiße auf roter Linie

Rundwanderwege (Percursos Circulares)

Zusätzlich gibt es in der Region noch 24 Rundwanderwege, die an verschiedenen Etappenorten des Fischerwegs und des Historischen Wegs starten. Die Länge beträgt meist zwischen 10 und 20 km. Insgesamt kommt man damit noch einmal auf 258 km Wanderwege. Wem die Fernwanderwege noch nicht genug sind, findet also noch ausreichend Möglichkeiten zum Weiterlaufen.

  • Markierung: Gelbe auf roter Linie

Tipp: Teilweise überschneiden sich die Wege, sodass auf einigen Schildern Markierungen des Fischerwegs und des Historischen Wegs auftauchen. Generell kannst du dir aber merken: Der Fischerweg verläuft an der Küste, der Historische Weg im Hinterland. Die Rundwege sind deutlich mit Hinweisschildern ausgezeichnet.

Wanderkarte und Wanderführer für den Fischerweg

Meine Empfehlung: Rother Wanderführer Rota Vicentina

Der Wanderführer aus dem Rother-Verlag* stellt die bekanntesten Etappen des Fischerwegs von Porto Covo bis Odeceixe sowie den „Historischen Weg“ im Detail vor und enthält zudem 9 schöne Rundtouren in der Region.

Neben einer ausführlichen Tourbeschreibung mit Höhenprofil und Übernachtungsmöglichkeiten enthält das Büchlein außerdem Kartenausschnitte der einzelnen Etappen.

Wenn du dir einen Wanderführer für die Region besorgen möchtest, bist du mit diesem Führer bestens bedient!

Der Fischerweg ist hervorragend ausgeschildert und markiert. Die Markierungen (zwei horizontale Linien, blau/grün) sind erkennbar neueren Datums und finden sich regelmäßig auf Schildern oder Steinen am Wegesrand. Auf unmarkierte Abschnitte wird sogar eigens mit Warntafeln hingewiesen – komfortabler geht’s wirklich nicht mehr.

Falls du dochmal von der Route abkommst, kannst du dich zudem immer an der Küste orientierten. Spätestens nach ein paar hundert Metern bist du wieder auf dem richtigen Weg. Verlaufen ist quasi unmöglich, sofern du ein bisschen aufpasst.

Für die Wanderung reichen im Prinzip also die GPS-Dateien mit den Tracks. Wenn du doch lieber eine Papierkarte bevorzugst, gibt es aber auch eine offizielle Karte der Rota Vicentina im Maßstab 1:55.000.

Fischerweg in Portugal: Etappen und GPS-Dateien

Das hier ist die Strecke von Porto Covo bis Odeceixe, die wir in 4 Tagen gelaufen sind. Dieser Teil ist wie erwähnt das beliebteste Stück und perfekt, wenn du keine Zeit für eine längere Fernwanderung hast.

GPS-Download

Wandern auf dem Fischerweg: Erfahrungsbericht

In verschiedenen Berichten und Blog-Artikeln wird der Fischerweg als die „schönste Küstenwanderung Europas“ bezeichnet. Das sei jetzt mal dahingestellt. Europa hat natürlich noch ein paar mehr Küsten zu bieten. Ich fand die Amalfiküste oder meine Rundwanderung auf La Gomera nicht minder reizvoll.

Insgesamt ist es trotzdem eine sehr schöne Wanderung, vor allem wenn du ein bisschen Abwechslung vom nasskalten Winter in Mitteleuropa brauchst. Gerade die vier Etappen von Odeceixe bis Porto Covo haben wirklich Spaß gemacht. Damit du ein bisschen besseres Bild davon bekommst, im Folgenden eine kurze Beschreibung der Tour.

Etappe 1: Odeceixe – Zambujeira do Mar

  • Länge: 20,5 km

Die erste Etappe des Fischerwegs startet etwas unspektakulär. Auf den ersten paar Kilometern folgt der Weg einer Asphaltstraße, bis es dann endlich ans Meer geht. Schon von weitem ist das Tosen der Wellen zu hören. Unsere Vorfreude steigt. Als wir endlich über die Dünen laufen, eröffnet sich vor uns der Atlantik in all seiner Pracht.

Dieser Anblick wird uns fast durchgängig die nächsten 4 Tage begleiten. Menschenleere Küstenlandschaften und eine raue Brandung, die mit aller Macht gegen die Steilklippen donnert. Im Verlauf des Tages verlässt der Weg immer wieder die Küste und führt ein Stück weit ins Hinterland. Die grünen Wälder hinter den spärlich bewachsenen Dünen bilden einen tollen Kontrast zu der wilden Küste.

Natürlich sind wir trotzdem immer wieder froh, wenn es zurück ans Meer geht. Als die Sonne rauskommt, kann ich es mir nicht verkneifen an das kalte Deutschland zu denken, das zu diesem Zeitpunkt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vor sich hin fröstelt.

Kurz bevor wir das Etappenziel Zambujeira do Mar erreichen, kommen wir an diesem riesigen Freilandgehege vorbei, in dem Strauße und Lamas in der Sonne herumstolzieren.

Etappe 2: Zambujeira do Mar – Almograve

  • Länge: 21,6 km

Die Etappe startet fast direkt am Meer und bietet von Anfang an wunderbare Ausblicke auf den Atlantik. Der Weg führt immer am Rand der Steilklippen, die rötlich in der Sonne schimmern und einen lebhaften Kontrast zu den gelben Wildblumen und den sattgrünen Sträuchern bilden.

Manchmal laufen wir über versteinerte Korallen. Am Wegesrand liegen immer wieder Muscheln im Sand. Die Sonne scheint, aber dank der frischen Brise ist es nicht zu warm. Ein herrlicher Tag! Auch heute ist der Sand glücklicherweise nicht zu tief, sodass wir bequem laufen können.

Immer wieder passieren wir Strände. Allerdings liegen sie tief unter den Steilklippen. Ein Weg ist meistens nicht erkennbar. Zum Baden sieht das Meer aber auch etwas rau aus. Die Wellen sind gewaltig. Jedes Mal wenn sie an die Ausläufer der Küste donnern, spritzt die Gischt meterhoch in den Wind.

Am späten Nachmittag entdecken wir kurz vor Almograve doch einen Zugang, der über Holztreppen zum Strand führt. Zum Glück habe ich meine Badesachen mit und natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, kurz ins Wasser zu hüpfen.

Trotz perfektem Sonnenschein ist das Wasser verdammt kalt. Und wirklich badetauglich ist der Strand für meinen Geschmack nicht. Als ich am Rand des Wassers stehe, wird der Horizont von den riesigen Wellenbergen verdeckt. Die Wellen müssen mindestens vier oder fünf Meter hoch sein.

Nach dem kurzen Strandausflug ist es nicht mehr weit bis nach Almograve, wo wir die einzigen Gäste in der Jugendherberge sind. Auch die Straßen des Städtchens sind nahezu verlassen. Die Corona-Krise beginnt sich langsam bemerkbar zu machen.

Etappe 3: Almograve – Villa Nova de Milfontes

  • Länge: 16 km

Diese Etappe hat es in sich. Zunächst geht es wieder über angenehme Schotterwege an der Küste entlang. Schon nach kurzer Zeit macht der Weg aber einen Schlenker in die Dünen und jetzt wird es anstrengend.

Mit jedem Schritt versinken die Füße im Sand. Und die Tatsache, dass es immer schön auf und ab durch die Dünen geht, macht das Laufen nicht einfacher. Der Himmel ist fast wolkenlos, die Sonne brennt und Schatten gibt es so gut wie gar nicht.

Nach einigen Stunden mühsamen Wanderns durch den Sand erreichen wir den Strand Praia das Furnas. Die Mündung des Rio Mira fließt hier vor Villa Nova de Milfontes ins Meer und wir überlegen, wie wir weitergehen. In der Ferne erkennen wir die Brücke über den Fluss, aber niemand hat richtig Lust noch einmal ins Hinterland zu wandern.

Am Strand befindet sich ein Bootsanleger, der aber verlassen ist. Zum Glück erkennen wir auf der anderen Seite des Flusses Leute. Wir rufen und winken – und tatsächlich: nach ein paar Minuten setzt das kleine Bootchen über und bringt uns über den Fluss.

Nach dem Mittagessen in Villa Nova de Milfontes verabschiede ich mich vom Rest der Gruppe, die schon heute wieder zurück nach Berlin fahren und sich die letzte Etappe sparen. Als wir die Nachrichten checken, macht sich allgemeine Krisenstimmung breit. Schaffen wir es noch zurück nach Deutschland oder werden bald alle Flüge wegen des Corona-Virus gestrichen?

Etappe 4: Villa Nova de Milfontes – Porto Covo

  • Länge: 19,9 km

Die letzte Etappe auf dem Fischerweg ist im Prinzip die direkte Fortsetzung von gestern. Der Großteil der Strecke führt durch tiefen Sand, teilweise auch direkt am Strand entlang. Die Wegweiser sind heute – zumindest aus südlicher Richtung – ziemlich spärlich gesät. Oft gibt es nur den Hinweis, dass man sich an der Küstenlinie orientieren soll, was zum Glück aber gut klappt.

Gegen Mittag zieht der Himmel zu und es wird merklich kühler. Am Horizont baut sich eine Sturmfront auf und schon bald prasseln die ersten Regentropfen herunter. Schutz gibt es auf diesem Stück des Weges nicht. Ich verkrieche mich hinter einem großen Stein im Windschatten einer Düne und warte ab, bis der Himmel wieder aufklart.

In der Ferne werden am Horizont die Schornsteine einer riesigen Fabrik bei Porto Covo sichtbar. So langsam neigt sich meine Wanderung durch die Algarve dem Ende zu. Ein Highlight gibt es aber noch: Vor der Küste haben Störche ihre Nester in die steilen Felstürme gebaut, die aus dem Wasser ragen. Einer der Störche beobachtet mich neugierig, während ich herumschleiche und versuche den besten Winkel für ein Foto zu erwischen.

Schließlich erreiche ich Porto Covo und treffe ein deutsches Ehepaar, die mich ausquetschen, wie die Lage in Villa Novo de Milfontes aussieht. Anscheinend macht langsam die ganze Küste wegen des Corona-Virus dicht und die beiden sind sich nicht ganz sicher, ob sie noch eine Unterkunft bekommen, wenn sie weitergehen.

Das Hostel, das ich eigentlich gebucht hatte, hat zum Schutz der Gäste seit gestern geschlossen. Immerhin finde ich aber noch spontan ein Mobilheim auf dem örtlichen Campingplatz. Glück gehabt! Am nächsten Tag fahre ich mit dem Bus nach Lissabon und nehme den Flug zurück nach Deutschland.

Und noch ein paar Eindrücke von unserer Mehrtageswanderung:


Wie anspruchsvoll ist der Fischerweg?

Der Fischerweg ist insgesamt eine recht unkomplizierte Fernwanderung. Nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer – so würde ich es am ehesten beschreiben. Die Wege sind überwiegend gut ausgebaut und hervorragend ausgeschildert, der Schwierigkeitsgrad entspricht etwa T1 – T2 auf der SAC-Wanderskala. Außerdem ist die Zivilisation nie weit weg. Damit eignet sich diese Wanderung perfekt für Trekking-Anfänger.

Die größte Herausforderung ist vermutlich, dass der Weg fast immer über Sand oder einen Mix aus Sand und Geröll führt. Vor allem auf den Etappen zwischen Almograve und Porto Covo läufst du über weite Strecken mitten durch die Dünen und versinkst bei jedem Schritt im Sand. Das kann gerade mit Gepäck in der Hitze etwas anstrengend werden. Dafür müssen aber nur wenig Höhenmeter bewältigt werden.

Schwerer als auf diesem Bild wird es nicht. Nur vielleicht ein bisschen sandiger…

Wie bei allen längeren Touren ist eine gewisse Grundkondition erforderlich. Du muss aber kein Olympia-Athlet sein. Wenn du in der Lage bist, mehrere Tage am Stück 15 bis 20 Kilometer zu laufen und auch mal durchzuhalten, wenn es durch ein besonders sandiges Stück geht, wirst du keine Probleme bekommen.

Hilfreich ist zudem, wenn du schwindelfrei bist. Die Strecke verläuft manchmal recht nah am Rand der Klippen entlang und ist nicht immer mit Geländern gesichert. Es gibt aber keine nennenswerten ausgesetzten Stellen. Solange du auf dem ausgeschilderten Weg bleibst, besteht zu keiner Zeit ernsthafte Absturzgefahr.

Anreise zum Fischerweg in Portugal

An- und Abreise an die Algarve sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen kein Problem, beispielsweise mit Rede Expressos, dem größten Busunternehmen Portugals. Als mögliche Flughäfen bieten sich Faro im Süden und Lissabon im Norden an. Von hier aus fahren Busse nach Odeceixe (Start in Faro via Lagos) oder Porto Covo (Direktverbindung nach Lissabon).

Faro – Odeceixe

  • Wenn du in Faro ankommst, fährst du zunächst mit der Buslinie 16 bis zum Busbahnhof Terminal Rodoviário (Fahrplan). Kosten: 2,35 Euro, Fahrscheine gibt es direkt beim Fahrer.
  • Von dort fahren Expressbusse mit dem Busunternehmen EVA bis nach Lagos (Fahrplan). Die Fahrt dauert knapp 2 Stunden. Kosten: 7,50 Euro, Fahrkarten sind am Schalter erhältlich.
  • In Faro nimmst du dann die Buslinie 27801 mit Rede Expressos (Online-Fahrplan) nach Odeceixe. Die Fahrt ist recht kurz und dauert nur ungefähr 50 Minuten. Kosten: 9 Euro.

Porto Covo – Lissabon

Von Porto Covo aus ist die Fahrt mit dem Bus etwas unkomplizierter, da du nicht umsteigen musst. Mit der Buslinie 27801 kommst du in etwa 2 Stunden bis nach Lissabon (Online-Fahrplan). Kosten: 16 Euro, Fahrkarten kann man am Kiosk in der Nähe der Bushaltestelle kaufen.

Unterkünfte, Hostels und Übernachtungsmöglichkeiten an der Algarve

In allen Start- und Zielorten der einzelnen Etappen des Fischerwegs gibt es Unterkünfte, Campingplätze und Hostels, in denen du für moderate Preise übernachten kann. Als ich Anfang 2020 da war etwa für 20 – bis 30 Euro pro Nacht. Inzwischen ist es ein Stück teurer geworden. Aber wenn du auf ein bisschen Luxus verzichtest, ist das alles immer noch ziemlich preiswert.

Teilweise ist Frühstück schon im Preis inbegriffen. Wenn nicht findet sich irgendwo in der Nähe ein Café. Der Standard der Unterkünfte ist einfach, aber gut. Probleme mit warmem Wasser in der Dusche hatte ich nur in der Jugendherberge in Zambujeira. Nachts wurde es in den Zimmern trotz Heizung aber meist ziemlich kühl.

Diese Unterkünfte habe ich auf dem Fischerweg genutzt und kann sie mit bestem Gewissen weiterempfehlen:

Odeceixe

UnterkunftAnmerkung
De Maria B&B*Einfache, aber gemütliche Apartements im Zentrum von Odeceixe. Frühstück ist inbegriffen und wird im Café gegenüber serviert.
Alternative: Odeceixe Hostel*Ein paar Straßen weiter vom B&B Maria. Frühstück ist hier nicht dabei, dafür befinden sich mehrere Restaurants direkt in der Nähe

Zambujeira do Mar

UnterkunftAnmerkung
Villa Camping Zambujeira*Campingplatz mit Mobilheimen, Supermarkt und Restaurant. Im Gemeinschaftsraum gibt es einen großen Kamin, an dem man schön relaxen kann.
Alternative: Hostel Hakuna Matata*Der Name ist Programm: Gemütliches Hostel mit relaxter und entspannter Atmosphäre im Ortszentrum von Zambujeira do Mar.

Almograve

UnterkunftAnmerkung
Pousada de Juventude*Jugendherberge mit großer Terrasse und Garten am Ortsrand von Almograve. Frühstück ist im Preis dabei und äußerst umfangreich.
Alternative: Casa Azul*Ferienhaus in Strandnähe mit eigener Küche, Balkon und Waschmaschine, ideal für Pärchen

Villa Nova de Milfontes

UnterkunftAnmerkung
Apartmentos Pátio Victória*Einfache aber schöne Apartments für bis zu 4 Personen mit eigener Küche. Zum großen Strand Praia de Franquia sind es nur 3 Minuten zu Fuß.
Alternative: VILLA EIRA Boutique Houses*Die etwas schickere Variante mit eigenem Pool auf dem Gelände. Ebenfalls Apartments für mehrere Personen verfügbar.

Porto Covo

UnterkunftAnmerkung
Mute Hostel*Großes Hostel am Strand von Porto Covo mit Einzel- und Doppelzimmern sowie Plätzen im Schlafsaal. Frühstück ist im Preis inbegriffen, einen Pool gibt es auch.
Alternative: Ahoy Hostel Porto Covo*Direkt an der Hauptstraße von Porto Covo gelegen und mit 15 Euro pro Nacht im Schlafsaal ziemlich günstig.

Proviant und Verpflegung auf der Wanderung

Verpflegung kannst du während der Wanderung bequem nachkaufen. An jedem Start- und Zielort befindet sich mindestens 1 kleiner Supermarkt (Super-Mercado), wo du Nüsse, Obst, Müsliriegel und anderen Kleinkram zum Snacken bekommst. Zwischen den einzelnen Orten wirst du in der Regel aber keine Läden etc. finden. Deshalb für jeden Tag ausreichend mitnehmen!

In den Etappenorten ist natürlich auch Wasser erhältlich. Um nicht immer neuen Plastikmüll zu erzeugen, verwendest du besser deine eigene wiederverwertbare Trinkflasche* und zapfst dir das Wasser einfach in der Unterkunft aus dem Wasserhahn. Das Leitungswasser in Portugal ist trinkbar. Ich empfehle mindestens 2 Liter Wasser pro Etappe mitzunehmen, da es unterwegs kaum Möglichkeiten zum Auffüllen gibt.

Essen und Trinken unterwegs

In den Ortschaften gibt es neben den Unterkünften natürlich diverse Restaurants, in denen du für vergleichsweise wenig Geld gutes Essen zum Abschluss eines langen Wandertages bekommst. Die Algarve ist besonders für Fisch bekannt – besonders lecker fande ich Stockfisch, Calamares und gekochten Oktopus. Ich kenne Leute, die den Trail komlett mit Camping-Ausrüstung und Selbstversorgung bestritten haben. Wirklich nötig ist das aber nicht.

Bis auf die letzte Etappe (Villa Noves de Milfontes – Porto Covo) gibt es unterwegs mindestens ein Café für die Mittagspause oder ein kühles Bier zwischendurch (findest du auf Google Maps). Es kann aber immer sein, dass ein Laden gerade zu hat. Ich würde mich also nicht zu 100% darauf verlassen. Nimm lieber selbst den nötigen Tagesproviant und ausreichend Wasser mit.

Wildcampen und Zelten auf dem Fischerweg

Wildcamping und freies Zelten ist in Portugal verboten. Das gilt auch für Algarve und Alentejo und damit auch für den kompletten Fischerweg. Auf diversen Schildern am Wegesrand wird zudem darauf hingewiesen, dass man die markierten Wege zum Schutz der Landschaft nicht verlassen darf.

Die Realität sieht natürlich etwas anders aus: Unterwegs habe ich einige Leute gesehen, die trotz Verbot wild am Strand gezeltet haben.

Ich würde zumindest vom Strandcamping abraten: Es gibt in der Region schon genug Camper, die mit ihren Autos die Strände belagern. Da müssen die Wanderer nicht noch mitmachen. Da die Südwestküste eine der beliebtesten Touristenregionen Portugals ist, gehe ich außerdem schwer davon aus, dass regelmäßig kontrolliert wird.

Im Hinterland ist das Zelten vermutlich kein größeres Problem, wenn man sich unauffällig verhält. Dabei solltest du natürlich das Leave-no-Trace-Prinzip praktizieren, um das fragile Ökosystem der Küstenlandschaften nicht zu stören.


Wanderschuhe und benötigte Ausrüstung

Der Fischerweg verläuft teils auf steinigen Wegen an der Küste, teils durch die Dünen und auch für längere Strecken direkt durch den Sand. Schwere Wanderstiefel oder gar Bergschuhe sind daher eher kontraproduktiv. Selbst die etwas steinigeren Abschnitte sind einfache Wege, sodass normale Trailrunning-Schuhe völlig ausreichen.

Je nachdem, wie hoch deine Toleranz für Sand im Schuh ist, könnten Gamaschen sinnvoll sein. Oder du leerst ab und zu halt deine Schuhe aus – auch kein Weltuntergang. Wichtig ist vor allem, dass die Schuhe bequem und eingelaufen sind. Ich war mit leichten Wanderstiefeln* unterwegs. Beim nächste Mal würde ich aber eher Trailrunner nehmen.

Ebenfalls sinnvoll sind:

GegenstandEmpfehlungAnmerkung
Regenschutz (Jacke/Poncho)Montbell Storm Cruiser*Es kann gerade in den Wintermonaten an der Küste öfter mal regnen
Kopfbedeckung (Mütze, Sonnenhut)Frilufts Bayuda*Durch die südliche Lage knallt die Sonne ziemlich heftig herunter
SonnenbrilleQuechua MH140*Starke Sonnenstrahlung + Sand = auf Dauer nicht sehr angenehm für die Augen
Physische Wanderkarte der RegionRota Vicentina 1:55.000*sollte bei jeder Wanderung mit ins Gepäck
Leichter Fleecepulli für abends/kühlere TagePatagonia R1 Hoody*Wenn das Wetter zu kalt für T-Shirt ist
Leichte WanderhoseMaier Sports Latit Zip-Hose*Gerade bei längeren Wanderungen viel bequemer als Jeans und Co.
1-2 T-Shirts aus MerinowolleIcebreaker Merino*riechen nicht so schnell, kann man mehrere Tage am Stück tragen
Wander/Trekking-SockenSmartwool PHD Light Crew*bessere Laufeigenschaften als normale Baumwoll-Socken, verhindern Blasen
Trinkflasche für 2 LiterPlatypus Platy Bottle 2 Liter*ca. 2 Liter Wasser pro Etappe empfehlenswert
ggf. GPS-GerätGarmin eTrex 32x*nicht zwingend erforderlich, aber wenn du eines hast, kann es auch nicht schaden
ggf. TrekkingstöckeHelinox Ridgeline LB135*ebenfalls nicht zwingend, da keine großen Höhenunterschiede, je nach persönlichem Befinden

Dazu noch Wechselklamotten für Abends, Waschzeug, die üblichen Reisedokumente und fertig. Camping-Equipment ist wie erwähnt nicht nötig. Wenn du ein bisschen aufpasst und gewichtssparend packst, ist es kein Problem auf ein Gesamtgewicht deines Rucksacks von 6 -7 Kilogramm zu kommen.

Tipp: Schau dir hier meine leichte Packliste für Mehrtageswanderungen an.

Beste Reisezeit zum Wandern in der Algarve

Auf der offiziellen Webseite der Rota Vicentina wird empfohlen den Fischerweg in den Monaten September bis Juni zu wandern. Im Sommer ist es mit Temperaturen über 30° Grad an der Algarve viel zu heiß. Schatten gibt es auf dem Weg so gut wie nicht, dazu kommt das teils mühsame Laufen durch den Sand.

Ich fand die Zeit Ende März hervorragend. Die Temperaturen bewegten sich tagsüber bei rund 20° Grad, und man merkte, wie die Pflanzenwelt so langsam aus dem Winterschlaf erwachte. Überall am Weg blühten die Blumen und der Frühling war schon in vollem Gange.

Andere Leute haben wir nur vereinzelt gesehen. Das mag natürlich auch mit der besonderen Situation Anfang 2020 zusammenhängen (Corona). Das Frühjahr ist an der Algarve aber eher Nebensaison und vermutlich ist zu dieser Jahreszeit auch im Normalfall viel weniger los, weil viele Surfer und Camper erst im Sommer anreisen.

Mein Fazit zum Fischerweg

Der Fischerweg ist eine klasse Küstenwanderung, die Spaß gemacht hat. Die rauhe windgepeitschte Landschaft und die imposante Steilküste boten jeden Tag tolle neue Eindrücke. Gerade für Trekking-Neulinge ist dieser Weg eine tolle Option, um sich mal an einer etwas längeren Tour auszuprobieren, da im Prinzip nicht viel schiefgehen kann.

Würde ich den ganzen Weg von Nord nach Süd laufen? Wahrscheinlich nicht. Ich bin kein Fan davon Kilometer zum Selbstzweck runterzuschrubben, nur am sagen zu können, dass ich die komplette Tour gelaufen bin. Und nach vier Tagen war ich ganz zufrieden und hatte das Gefühl alles gesehen zu haben. Ich glaube die Strecke zwischen Odeceixe und Porto Covo gilt zu Recht als das Highlight der Route.

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Hast du noch Fragen zum Fischerweg? Dann nichts wie ab in die Kommentare! Ich freue mich, von dir zu hören.