Die große Monte-Pelmo-Umrundung: Wanderung um den König des Val di Zoldo

Der imposante Monte Pelmo zählt zu den Paradegipfeln der östlichen Dolomiten. Wer sich nicht zutraut dem gewaltigen Felsklotz aufs Haupt zu steigen, kann den Koloss auch auf einem als anspruchsvoll geltenden Wanderweg umrunden, dem „Giro del Monte Pelmo“. Klettern muss man dabei zwar nicht, versicherte Stellen mit Drahtseilen und steile Schotterfelder sollten dich aber nicht abschrecken.

In diesem Artikel:

Mit 3.168 Metern zählt der Monte Pelmo zu den höchsten Gipfeln der Dolomiten. Es ist aber nicht die Höhe, die den Pelmo für den Naturfreund so beeindruckend macht, sondern seine Form: Wie eine riesige steinerne Festung ragt der Berg aus dem Val di Zoldo auf, ein gewaltiger geschlossener Felsblock, allein auf weiter Flur, von allen Seiten unnahbar. Ein Solitär, der keinen Nebenbuhler duldet.

Bei meiner Wanderung auf der Alta Via 1, dem berühmten Dolomiten-Höhenweg Nr.1 war klar, dass ich mir den Pelmo aus nächster Nähe anschauen wollte. Eine Besteigung mit vollem Trekking-Gepäck und ohne genaue Ortskenntnisse stand nicht auf dem Programm, da der „Normalweg“ über fußbreite, luftige Bänder mit ungesicherten Kletterstellen bis zum II. Schwierigkeitsgrad führt. Nicht so ganz mein Ding beim Trekking, also blieb nur die Umrundung.

Praktischerweise führt eine Variante der Alta Via 1 auf dem „Giro del Monte Pelmo“ einmal um den Berg herum. Die Tourbeschreibung las sich eigentlich ganz vernünftig: Teilweise etwas steil, ein paar versicherte, leicht ausgesetzte Stellen und relativ viel Schotter. Also alles Sachen, die ich mir auch mit vollem Gepäck noch durchaus zutraue.

Bei meiner Wanderung durch das Val di Zoldo auf der 5. Etappe der Alta Via taucht der Monte Pelmo dann endlich am Horizont auf. Der offizielle Start der Umrundung ist das Rifugio Passo Staulanza. Um nochmal richtig Stimmung zu erzeugen übernachte ich stattdessen im Schatten der mächtigen Nordwand an der Forcella Foràta. Am nächsten Morgen kann das Abenteuer Pelmo-Umrundung dann endlich starten!

Auf einen Blick

  • Länge: 14,2 km
  • Laufzeit: 5-6 Stunden
  • Höhenmeter: + 948, – 951
  • Schwierigkeit: mittel
  • Abenteuerfaktor: mittel
  • Einkehrmöglichkeiten: Rifugio Venezia
  • Keine besondere Ausrüstung erforderlich, aber gutes Schuhwerk

Karte und GPS-Datei

GPX-Download

Als Karte empfiehlt sich die Tabacco-Wanderkarte 025: Dolomiti di Zoldo, Cadorine e Agordine* im Maßstab 1:25.000. Weitere Touren in der Region findest du in dem Rother-Wanderführer Führer Dolomiten 6: Rund um Cortina d’Ampezzo*. Ich würde auf jeden Fall eine gute Karte mitnehmen, da das Wegenetz ziemlich dicht ist und man bei den ganzen Nummerierungen schnell durcheinander kommt.

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Von der Forcella Foràta halte ich mich zunächst südwestlich auf dem Weg Nr. 480. Am frühen Morgen liegt alles noch im Schatten der Felswände und es dauert ein bisschen, bis ich den Einstieg in Richtung Pelmo finde. Es geht direkt ziemlich steil nach oben, teilweise auf groben Felsbrocken, meist aber auf losem Schotter, der langsames, vorsichtiges Gehen erfordert.

Zeltbiwak Monte Pelmo
Zeltbiwak zu Füßen des Monte Pelmo.

Je höher ich aufsteige, desto rutschiger wird es. Die Hangneigung beträgt teilweise bestimmt 50 oder 60 Grad. Ausrutschen wäre in diesem Gelände extrem ärgerlich. Da der Boden an vielen Stellen aber einfach aus Schotter besteht, bleibt es nicht aus, dass ich manchmal wieder den Berg runterrutsche. Das Motto lautet häufig: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Solange alles kontrolliert abläuft, ist es aber grade noch so erträglich.

Wanderung zum Monte Pelmo.
Der Einstieg der Wanderung führt über Schotterfelder und Geröll.
Blick vom Pelmo.
Blick zurück ins Tal.
Versicherte Drahtbügel auf dem Monte Pelmo.
Eine der kurzen gesicherten Stellen der Wanderung..

Kurz bevor ich den ersten Sattel auf 2.200 Meter erreiche, muss eine abschüssige Felsplatte mit Hilfe von Drahtbügeln überwunden werden. Das Gelände wird hier noch einmal ein gutes Stück steiler. Dank der Steighilfen ist das aber deutlich einfacher zu laufen. Kurze Zeit später komme ich auf dem Wiesensattel mit schönem Ausblick auf den Monte Antelao weit im Osten an.

Wandern in den Dolomiten
Blick vom ersten hohen Punkt der Wanderung in Richtung Osten.

Leider verläuft der Weg nicht sehr lange auf dem Gras. Nur ein paar hundert Meter weiter schlängelt sich der Pfad an dem steil aufragenden Vorgipfel der Cima Forada vorbei und führt ins Val d´ Arcia – ein langgezogenes schuttgefülltes Hochtal, das zwischen der Cima Forada und den beiden Pelmo-Gipfeln (Pelmetto und der Hauptgipfel Pelmo) nach Westen führt.

Blick auf die Cima Forada.
Der Weg führt rechts an der Cima Forada vorbei.
Monte Pelmo Val dÀrcia
Wanderung durch das Val d´ Arcia.

Die bleichen Felswände ragen auf beiden Seiten wahnsinnig steil auf. Die Sonne steht jetzt hoch am Himmel und taucht die Schuttfelder in ein grelles Licht. Ab und zu rieseln kleine Felsbrocken an den Wänden herunter. Ansonsten ist kein Laut ist zu hören. Es ist eine wilde, abweisende Felslandschaft, vielleicht der einsamste Weg, den ich bis jetzt in den Dolomiten gesehen habe.

Unter den Felswänden zu meiner Rechten verläuft ein schmaler Steig oberhalb des Grabens, der das Tal teilt. Zuerst denke ich noch, dass ich irgendwie dort hin muss. In Wirklichkeit bleibt der Weg aber auf meiner Seite und steigt langsam aber stetig zur Scharte am Ende des Tals auf.

Sentiero Flaibani Monte Pelmo
Auf der rechten Seite des Tals halten sich einige Schneefelder an den Schotterhängen. Der Weg führt linkerhand zu dem großen Einschnitt in der Mitte des Bilds.

Etwa auf halber Strecke begegnen mir die ersten Menschen des Tages – zwei spanische Bergsteiger, die schnaufend in der anderen Richtung unterwegs sind. Beide haben Helme auf, was in diesem Gelände durchaus sinnvoll ist. Der Weg verläuft an manchen Stellen ziemlich direkt unterhalb der Felswand – ich kann nur hoffen, dass bis auf die kleineren Bröckchen nichts Großes runterkommt und meine Wanderung vorzeitig beendet.

Kurz vor der Forcella Val d´ Arcia geht es kurz noch einmal ein bisschen steiler über Schotter hoch. Zur Belohnung gibt es einen weiteren Weitblick nach Osten. Mit dem Wiesensattel kann die Aussicht aber nicht mithalten und wenn ich ehrlich bin hatte ich in den letzten Tagen ohnehin schon so viel geniale Aussichten, dass ich inzwischen doch ein bisschen verwöhnt bin.

Forcella Val dÀrcia
Ausblick von der Forcella Val d´ Arcia.

Spannender ist da schon das nächste Teilstück der Wanderung: Es geht weiter über den Sentiero Flaibani – einen teilweise ausgesetzten Steig, der oberhalb der Schuttfelder verläuft, die östlich vom Hauptgipfel des Pelmo steil ins Tal abstürzen. Der Weg ist wieder sehr schmal und schotterig. Zum Glück geht es bis auf ein kurzes Stück aber fast nur noch nach unten. Mit Hilfe der Schwerkraft kann man also ganz gut und ohne größere Anstrengung in dem knöcheltiefen Schotter runterrutschen.

Sentiero Flaibani Wanderung
Auf dem „Sentiero Flaibani“ sind noch einmal ein paar steilere Stellen zu überwinden.

Ein paar Stellen sind hier mit Drahtseilen gesichert. Vermutlich kann man das als Schlüsselstelle der Wanderung bezeichnen, wirklich dramatisch ist es aber nicht. Wichtig ist wie immer aufmerksam zu gehen, die Tritte zu prüfen und nicht zu lange in die Tiefe zu schauen, wenn man Probleme mit der Höhe hat.

Monte Pelmo Besteigung
Hier wird der Weg etwas schmaler. Ein Drahtseil hilft über die steile Stelle direkt hinter der Rampe.
Wanderung um den Monte Pelmo
Hinter diesem Sattel zweigt die Via Normale zum Pelmo-Gipfel ab. Danach wird der Weg flacher,

Kurz bevor es endgültig ins Tal geht, komme ich an der Abzweigung zur Via Normale auf den Gipfel vorbei. Diese führt über das berüchtigte Ball-Band (so benannt nach dem Erstbesteiger), was ich mir zumindest mit vollem Gepäck nicht zugetraut habe. Nach einem letzten Sattelchen sind die steileren Stellen dann aber auch schon vorbei. Die restliche Strecke bis zum Rifugio Venezia führt über die sanft auslaufenden Schotterfelder.

Rifugio Venezia Dolomiten.
Blick auf das Rifugio Venezia.

Das Rifugio ist ein Super-Ort für eine kurze Pause auf der Terrasse und bietet einen tollen Blick auf die Spalla Est, einen der östlichen Vorgipfel des Pelmo. Während ich die Sonne genieße, komme ich mit einem älteren Italiener ins Gespräch, der mir erzählt, dass er mit seinen Jungs früher jedes Jahr auf den Pelmo hoch ist, nachdem sie im Rifugio ein paar Bier getankt hatten. Damit seien die steilen Stellen auch gar nicht so schlimm, weil man dann weniger verkrampft klettern würde, versichert er mir.

Blick auf den Pelmo
Und noch einmal ein schöner Blick zurück auf die Felsbastion des Pelmo.

Für mich geht es stattdessen weiter geht es auf Weg Nr. 472 durch eine liebliche, offene Wiesenlandschaft – ein schöner Kontrast zu dem felsigen Terrain der letzten Stunden und natürlich deutlich einfacher zu laufen. Kurz hinter dem Rifugio komme ich an einer Jugendgruppe vorbei, die hier gerade einen Gottesdienst abhält – ein kurioses Schauspiel, das ich aus einiger Entfernung beobachte.

Dolomiten Wanderung Val di Zoldo
Gottesdienst in freier Natur im Val di Zoldo,

Auf dem weiteren Weg nach Westen eröffnen sich immer wieder tolle Ausblicke auf die bewaldeten Täler des Val di Zoldo. Kurz vor dem Col de le Crepe Cavaliere geht es in ein urwüchsiges Wäldchen hinein, das von plätschernden Bächen durchzogen wird. Für ein Stück verläuft der Weg hier über eine Holzbohlen-Konstruktion ähnlich wie auf den Wanderwegen in Norwegen und anderen skandinavischen Ländern.

Val di Zoldo Wälder.
Blick über das Val di Zoldo. Für mich das schönste Stück der Wanderung.
Berg im Val di Zoldo
Ein ungewöhnlich bewaldeter Gipfel.
Holzbohlenweg im Val di Zoldo
Holzbohlenweg über den etwa matschigen Waldboden.

Um die Runde um den Pelmo zu komplettieren, muss man am Col weiter auf Weg Nr. 472 in nordwestlicher Richtung bleiben. Dieser Weg führt zunächst zum Passo Staulanza und anschließend weiter Richtung Rifugio Cittá di Fiume. Ich bin stattdessen weiter nach Westen zum Rifugio Fala Pavera, das ungefähr 45 Minuten vom Col entfernt ist. Auf dem Weg zum Rifugio Coldai auf der Alta Via 1 gibt es dann noch einmal einen letzten Blick auf den König Pelmo, bevor neue Bergwelten am Horizont warten.

Schwierigkeit der Wanderung um den Monte Pelmo

Die Pelmo-Runde gilt als anspruchsvoll. Ich fand die Wanderung nicht übermäßig schwierig, da der Weg nicht übertrieben steil ist und nur an zwei, drei leichten Stellen ein bisschen gekraxelt wird. Größtenteils bewegt sich der Schwierigkeitsgrad im Bereich T3 auf der SAC-Wanderskala, an einigen wenigen Stellen vielleicht auch mal T4. Bedeutet: Bei guten Verhältnissen für den routinierten Wanderer kein größeres Problem.

Die größte Herausforderung fand ich den vielen Schotter. Im Aufstieg rutscht man schon einmal ein paar Schritte zurück. Beim Abstieg empfiehlt es sich gerade an den etwas steileren Passagen, nicht übermütig zu werden und immer gut auf den nächsten Tritt zu achten. Hier gibt es auch ein paar Drahtseile, die an ausgesetzten, potentiell absturzgefährdeten Stellen helfen. Bei schlechtem Wetter und Regengefahr würde ich von der Tour abraten.

Monte Pelmo-Besteigung

Ein etwas anderes Kaliber ist die Monte-Pelmo-Besteigung. Du kommst während der Runde am Einstieg zur „Via Normale“ auf den Gipfel vorbei – von dem was ich gelesen und gesehen habe, ist das aber eine alpine Bergtour, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Schlüsselstelle ist das „Ball-Band“ – eine ausgesetzte, sehr schmale Passage über natürliche Felsbänder, die selbst abgesichert werden muss.

Benannt ist das Ball-Band (Cengia di Ball) nach dem Erstbesteiger John Ball, der den Weg 1857 entdeckte. Ich hab nur den Einstieg gesehen – es ist definitiv kein Spaziergang, da das verwitterte Band teilweise direkt am Abgrund entlangführt. An ein paar Stellen sind wohl Fixseile und ein paar Bohrhaken zum Sichern angebracht. Es ist aber kein Klettersteig und daher am besten für Bergsteiger mit Seil und entsprechender Ausrüstung geeignet.

Einen guten Eindruck von der Besteigung des Monte Pelmo gibt dieses Video:

Sicherlich eine sehr spannende Tour. Für mich als Solo-Wanderer (zumal mit vollem Gepäck) kam es zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage. Erfahrenere Bergsteiger als ich können die Besteigung vermutlich auch ohne Sicherung machen. Der Spielraum für Fehler ist hier aber sehr klein. Und direkt über dem Abgrund im zweiten Schwierigkeitsgrad rumzukraxeln, ohne vor einem möglichen Game Over abspeichern zu können, erfordert gute Nerven. So abgebrüht bin ich dann doch nicht.

Alta Via 1 Dolomiten Höhenweg 1 Markierung.

Mein Fazit

Ich bin ganz ehrlich: Die Monte-Pelmo-Umrundung war nicht das ganz große Highlight meiner Wanderung auf der Alta Via 1. Die Aussichten waren ok, aber auch nicht weltbewegend besser als auf den übrigen Etappen. Der Aufstieg über den Schotter war teilweise auch etwas nervtötend. Immerhin haben die kleineren Kraxeleien und der Abstieg zum Rifugio Venezia aber doch ein bisschen Spaß gemacht und der folgende Weg durch das Val di Zoldo war auch sehr schön.

Einen großen Pluspunkt hat die Variante zum normalem Dolomiten-Höhenweg: So nah wie hier kommst du den Felsriesen der Dolomiten auf keiner anderen Etappe. Vor allem der Weg durch das Val d´ Arcia bietet echtes Hochgebirgs-Feeling und ist sehr einsam. Wenn dir die anderen Etappen etwas zu überlaufen sind, könnte die Umrundung des Pelmo also doch gar keine so schlechte Option sein.

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