Vulkan-Wandern in Vanuatu: Allein auf einem der aktivsten Vulkane der Welt

Der Mount Yasur auf der Südseeinsel Tanna im Vanuatu-Archipel ist einer der wenigen aktiven Vulkane der Welt, auf die man einfach so hochlaufen kann. Ich hab den langen Trip ans andere Ende der Welt auf mich genommen, um einmal selbst in den feurigen Schlund zu späen. Ein Erfahrungsbericht.

Die Erde bebt. Ein gewaltiger Donnerschlag ertönt und ich gerate aus dem Gleichgewicht. Als ich mich abstützen will, gleiten meine Hände durch die bröckelige, warme Vulkanerde. Keine zwanzig Meter vor mir verdeckt eine gewaltige Aschewolke mein Blickfeld. Der beißende Geruch von Schwefel hängt in der Luft. So fühlt es sich also an, einen Vulkan hochzulaufen, der gerade dabei ist auszubrechen… 

Moment… wieso bin ich auf einem Vulkan, der ausbricht? Sollte man dann nicht lieber schleunigst weglaufen? Naja, vermutlich schon. Aber ich wusste ja, was da auf mich zukommt. Genau genommen habe ich mich sogar darauf gefreut.

Ich bin auf der Südseeinsel Tanna und besteige in diesem Moment den Mount Yasur. Der Yasur ist einer der aktivsten Vulkane der Welt, aber das ist nicht alles. Er ist gleichzeitig einer der am leichtesten zugänglichen aktiven Vulkane der Welt. Zumindest, wenn man die Anreise ans andere Ende der Erde auf sich nimmt.

Aber fangen wir doch mal ganz von vorne an.

Meine Reise zu den Vulkanen von Vanuatu

Wie so oft ist es der reine Zufall, der mich auf den Mount Yasur bringt. In diesem Fall eine Terra-X-Doku über Vulkane, die ich mir eines Abends gemütlich auf meiner Couch angucke. In der Doku werden neben den bekannten Vulkanen auf Island, Hawaii, Neuseeland und Co. auch einige unbekanntere Vulkane auf dem südpazifischen Ring des Feuers vorgestellt, darunter eben auch der besagte Yasur.

Die Bilder sind auf jeden Fall faszinierend. Der Yasur ist ein sogenannter strombolianischer Vulkan, sprich er ist permanent aktiv. Alle paar Minuten schleudert er in einem gewaltigen Schwall glühende Lavafontänen an die Oberfläche. Das Beste kommt dann aber am Ende des Berichts, als es heißt: Man kann diesen Vulkan auch besteigen und das Schauspiel aus nächster Nähe beobachten.

Äh…bitte was? Ich dachte immer ein aktiver Vulkan ist so ziemlich die lebensgefährlichste Naturkatastrophe, die man sich vorstellen kann. Und hier kann man einfach hinlaufen und sich das mal eben anschauen. Das verdient eine eingehende Recherche…

Auf diese Weise erfahre ich, dass der Yasur auf der kleinen Insel Tanna im Südpazifik liegt. Tanna gehört zum Inselstaat Vanuatu, einem Land von dem ich (und auch sonst niemand, den ich kenne) vorher noch nie etwas gehört habe. Vanuatu ist Teil der melanesischen Inselwelt östlich von Australien und gilt als wenig besuchtes Reiseziel. Die traditionelle Südseekultur soll sich hier noch sehr gut erhalten haben, Touristen verirren sich nur selten hierher.

Der Tenor, der wenigen Berichte, die ich finde: Hier ist die Südsee noch wie vor 50 Jahren.

Das klingt doch mal verdammt gut!

In die Südsee wollte ich eigentlich schon immer mal. Wie wahrscheinlich die meisten von uns habe ich dabei die typischen Klischeebilder im Kopf: Palmen, die sich sanft im Wind wiegen, endlose weiße Strände, Dörfer im Dschungel, leicht bekleidete Schönheiten im Baströckchen und immer ein Lächeln auf den Lippen. Wer könnte da schon nein sagen? Und als Krönung dann auch noch eine Wanderung auf einen aktiven Vulkan.

 Ziemlich schnell ist klar: Ich sollte dringend mal nach Vanuatu.

Drei Tage bis ans Ende der Welt

Knapp ein dreiviertel Jahr später sitze ich im Flieger. Zuerst nach Shanghai, von da aus weiter nach Sydney – dann einen Direktflug nach Efate, der Hauptinsel von Vanuatu. Die Anreise ist sehr lang – mit Stop-Over bin ich knapp drei Tage unterwegs. Angekommen gebe ich mir drei weitere Tage Zeit, um langsam ins Inselleben reinzukommen und ein Gefühl für die vielzitierte „Island-Time“ zu bekommen. Mein erster Eindruck: Niemand scheint es mit was auch immer eilig zu haben.

Ja… ziemlich genau so hab ich mir die Südsee vorgestellt.

Efate und die kleine Hauptstadt Port Vila sind dabei eigentlich noch relativ westlich. Es gibt Supermärkte, Hotels, Autos und richtige Straßen aus Asphalt. Trotzdem ticken die Uhren komplett anders.

Während wir im Westen häufig eine strukturierte, auf konkrete Ziele und Termine ausgerichtete Herangehensweise pflegen, scheint man in Vanuatu völlig im Hier und Jetzt zu leben. Das ist einerseits wahnsinnig entspannend, andererseits ein bisschen nervig, wenn meine Fragen meistens mit einem einfachen „Stret nomo“ abgewunken werden. In Bislama, der Pidgin-Sprache Vanuatus, bedeutet das soviel wie „Alles gut“ und das bekommt ich hier sehr häufig zu hören.

Markttag in Port Vila.

Irgendwie passe ich mich aber relativ schnell an. Ursprünglich hatte ich noch den Plan, Efate zu erkunden. Bis auf ein paar kleinere Spaziergänge rund um die Hauptstadt läuft aber nicht viel. Ich zelte im Garten eines kleinen Hostels und verbringe viel Zeit mit den Besitzern und deren erweiterter Familie, die scheinbar auch nicht viel mehr machen, als den lieben langen Tag im Garten rumzuhängen. Abends gibt es die traditionelle Runde mit Kava, einem pfefferartigen bitteren Getränk mit leicht berauschender Wirkung, das nur von Männern getrunken werden darf. Der Geschmack ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Außerdem wird nach jedem Schluck erstmal lautstark in die Ecke gerotzt. Lecker, aber okay… andere Länder, andere Sitten.

Bei einer dieser Kava-Runden kommt raus, dass der Besitzer Robert jemanden auf Tanna kennt, der eine Lodge im Urwald besitzt, wo ich einfach vorbei gehen kann. Generell ist es so, dass in Vanuatu alle über zwei, drei Ecken miteinander verwandt sind und irgendjemand immer einen Kontakt hat. Ich lasse mir also immer direkt vor Ort von den Leuten eine Empfehlung geben. Für den Notfall hab ich mein Zelt dabei, aber, so versichert mir so gut wie jeder: Stret nomo. Alles gut. In Vanuatu wird niemand abgewiesen. 

Spazieren an der Promenade von Port Vila.

Mit der Twin-Otter nach Tanna Island

Den Flug nach Tanna habe ich aber doch schon von zuhause gebucht. Die winzigen Twin-Otter-Propellermaschinen fliegen nicht jeden Tag und sind zudem so gut wie immer ausgebucht. In einem Land, in dem sich die gesamte Bevölkerung auf kleine, weit voneinander Inselchen verteilt, auch kein Wunder. Die Flugzeuge sind die schnellste, oft sogar die einzige Möglichkeit, Menschen und Waren von A nach B zu befördern.

Das ist tatsächlich noch eines der mittelgroßen Flugzeuge. In die kleinsten Maschinen passen neben dem Piloten maximal 5 Leute rein, also so ähnlich wie bei einem Taxi.

Dementsprechend wundert es mich auch nicht, dass in der Maschine nach Tanna vor allem schwere Kisten transportiert werden. Lebende Hühner und Schweine aber nicht, das wäre dann doch zu viel des Klischees. Eine Handvoll Touristen ist außer mir aber schon dabei, Tanna ist durch den Yasur eben doch schon relativ bekannt. Wahrscheinlich ist es sogar die bekannteste Insel des Archipels.

Die größeren Inseln von Vanuatu:

Außer einem chinesischen Geschäftsmann, der mich überzeugen will, dass die Überwachungsapp Wechat die beste Erfindung seit der Einführung des Staatskapitalismus ist, sind die meisten der anderen Fluggäste Australier. Erscheint mir irgendwie logisch. Für die Aussies ist der Ausflug nach Vanuatu ungefähr so etwas wie für uns eine Reise auf die Kanaren. Dreieinhalb Stunden in den Flieger hocken und man ist im Inselparadies. Strandurlaub, so höre ich raus, steht aber weniger im Fokus. Da braucht man als Australier wahrscheinlich auch nirgendwo anders hinfliegen…

In Tanna werden die Ausländer von Pickups am winzigen Flughafen abgeholt und an die Resorts an der Küste verfrachtet. Da ich nichts gebucht hab, mache ich mich erstmal auf die Suche nach einem Transportmittel, was gar nicht so einfach ist. Auf den kleineren Inseln ist die Industrialisierung noch nicht richtig angekommen. Es gibt nur wenige Autos und das Benzin ist sündhaft teuer, weil alles von weit her geschafft werden muss und die Frachtschiffe nur alle paar Wochen anlegen.

Der Flughafen Whitegrass auf Tanna ist sogar noch relativ luxuriös. Auf den kleineren Inseln gibt es keine Gebäude oder Rollfelder, sondern einfach nur eine große Wiese, die im Normalfall als Fußballfeld dient.

Aber ich hab Glück: Ein französisches Pärchen ist zufällig auch auf dem Weg zum Yasur und wird in der gleichen Lodge erwartet, zu der ich auch hin will. Im Hauptort Lenakel heb ich mir noch schnell ein paar Tausend Vatu vom einzigen ATM der Insel ab. Dann ist auch schon der Pickup da und wir teilen uns die selbst für europäische Verhältnisse unverschämt teure Fahrt ins Inselinnere – umgerechnet über 100 Euro, aber zu dritt ist es ok.

Karte von Tanna:

Eine Insel im Schatten des Vulkans

Tanna ist eine halbmondförmige Insel. Der White Grass Airport (eigentlich nur ein Rollfeld mit winzigem Terminal) und der Hauptort Lenakel befinden sich an der Westküste. Hier gibt es auch einige Resorts für Strandurlauber und Taucher, ein paar gute Tauchspots am Riff und einige Dörfchen, die an der einzigen Asphaltstraße der Insel liegen.

Der Yasur liegt hingegen auf der genau anderen Seite im Osten. Effektiv beträgt die Entfernung nur 20 Kilometer, aber es gibt keine Straße – nur eine ziemlich holprige Staubpiste. Daher dauert die Fahrt auch knapp drei Stunden. Langweilig ist es aber nicht: Wir fahren direkt über die ausgedehnte Ascheebene im Inneren der Insel und machen auch mal einen Zwischenstopp um die Aussicht auf den Vulkan zu genießen.

Erster Blick auf den mächtigen Schlot des Yasur. Wie auf fast allen Inseln Vanuatus mit aktiven Vulkanen ist es rund um den Krater meistens ziemlich diesig.

Alle paar Minuten dringt ein leises Grollen heran, wie bei einem langsam aufziehenden Gewitter. Dichte Rauchschwaden ziehen in Schwaden aus dem Kegel – ein Wahnsinnsanblick. Über die ganze Ebene liegen große schwarze Gesteinsbrocken verstreut. Der Fahrer erzählt uns, dass fast jede Woche neue dazu kommen, wenn der Yasur mal wieder einen heftigeren Ausbruch hat. Als ich ihn frage, was man macht, wenn so eine Lavabombe herangeflogen kommt, lacht er nur. „Then you better run fast“.

Schließlich kommen wir an unserer Lodge an, ein paar Bambushütten auf einer staubigen Lichtung im Regenwald. Anscheinend zieht der Yasur aber doch einige Leute an: Rund um den Vulkan gibt es eine ganze Reihe von Hüttensiedlungen für Touristen, die scheinbar fast alle den gleichen Namen tragen: Yasur Lodge, Yasur Volcano Lodge, Fireview Volcano Lodge und so weiter. Ich übernachte in der Yasur View Lodge von Thomas und wohne für zwei Nächte in einem Baumhaus mit direktem Blick auf den Vulkan.

Strom gibt es nur für zwei Stunden am Abend, dafür aber immerhin fließendes Wasser aus einem Schlauch. Lange hält es mich aber nicht in dem düsteren Baumhaus. Ich beginne stattdessen Nachforschungen anzustellen, wie man auf den Yasur hochkommt. Auf der Fahrt vorhin sah es so aus, als ob man von der Straße direkt hochlaufen kann. Das sollte an einem Tag eigentlich locker zu schaffen sein.

Natürlich kündige ich nicht groß an, dass ich einfach hochgehen will. Ich frage, natürlich nur rein theoretisch, ob man auch ohne Guide auf den Yasur darf. Die Antwort überrascht mich nicht sonderlich: Darf man nicht. Vorgesehen ist eine Tour, die man direkt in der Lodge buchen kann. Kostenpunkt: Knapp 10.000 Vatu ( ca. 75 Euro) – nicht wahnsinnig viel, aber ich will ja lieber auf eigene Faust da hoch und mich nicht einfach mit einem Pickup hinfahren lassen.

Wüstenhafte Landschaften auf der Ascheebene von Tanna. Man kann hier aber ganz gut wandern, da der Boden nicht zu weich ist.

Vulkanwandern auf Vanuatu für Anfänger

Ich sag also erstmal garnichts und meine nur, dass ich es mir nochmal überlege. Die Touren finden immer nachts statt, weil man dann am besten das Glühen der Lava sieht. Die nächste Tour würde morgen Nacht starten, ich hab also ein bisschen Zeit. Natürlich ist jetzt schon ziemlich klar, dass ich ohne Guide da hochgehen werde.

Am nächsten Tag starte ich früh. Die Nacht in dem Baumhaus war ziemlich ungemütlich, weil die ganze Zeit Ratten durch das Zimmer gerannt sind und irgendein undefinierbares Urwaldtier (Fledermaus, Riesenheuschrecke?) im Badezimmer gewütet hat. Mein Rucksack hat zum Glück aber nichts abbekommen. Ich sage nur, dass ich ein bisschen über die Ascheebene wandern und mir die Gegend anschauen will. Der Plan ist, wieder bis zur Straße zu gehen und dann einfach den besten Weg zum Krater zu suchen. Da der Yasur nur 361 Meter hoch ist und die Hänge sehr flach sind, sollte das kein Problem sein.

Ich spaziere also von der Unterkunft auf der Staubpiste nach Westen, zunächst noch durch nicht ganz so dichten Regenwald und dann einfach über die Ascheebene. Unterwegs begegne ich niemanden, weder zu Fuß noch im Auto. Ich hab das Gefühl, dass die Leute hier nicht sonderlich mobil sind und eigentlich meistens im eigenen Dorf bleiben, wenn es keinen wirklich triftigen Grund gibt irgendwo anders hinzugehen. Auf die Idee, zum Spaß zu Wandern, kommt hier wahrscheinlich keiner.

Vor dem Aufstieg zum Krater. Einen richtigen Weg gibt es nicht, ich hab die exponierte Flanke aber gemieden, weil es doch schon recht auffällig ist, wenn man da hochläuft.

Und dann bin ich da: Zu meiner Rechten erhebt sich der Yasur, wie immer mit einer dicken Rauchfahne und dem permanenten leisen Grollen. In Ermangelung eines Weges laufe ich, so platt es klingt, einfach den nächstbesten Hang hoch. Man versinkt dabei zwar ein bisschen mit den Füßen in der Asche, aber ansonsten ist es easy going. Als ich auf der Hälfte angekommen bin, habe ich dann aber doch ein bisschen Sorge, dass irgendjemand unten auf der Piste vorbeifährt und den bekloppten white man sieht, der gerade auf seinem Vulkan hochläuft.

Völlig aus der Luft gegriffen ist das nicht: Der Yasur befindet sich wie jedes Stück Land in Vanuatu in Privatbesitz, weil er auf dem Territorium einer Familie liegt. Nationalparks oder offizielle Schutzgebiete gibt es nicht. Für einen Europäer mag sich das im ersten Moment etwas merkwürdig anhören, aber der Vulkan ist nicht einfach nur ein Stück wilde Natur. Er gehört tatsächlich jemanden. Wenn man es genau nimmt, begehe ich also gerade Hausfriedensbruch.

Langsam wird es ernst…

Weil ich keine Lust auf irgendwelche Diskussionen habe, suche ich mir also einen etwas versteckteren Platz. Zum Glück verläuft eine alte Lavarinne direkt neben dem Dschungel den Hang hoch. Genau da klettere ich ein Stück weit hoch. Irgendwann wird es dann aber doch ein bisschen zu steil. Außerdem sind die Donnerschläge des Yasur jetzt schon ziemlich laut.

Okay – ich geb’s zu. Jetzt hab ich doch ein bisschen Respekt. Es ist im Endeffekt zwar nur ein großer Hügel, aber da steckt ordentlich Power drin. Der Boden ist inzwischen auch schon richtig warm – selbst durch meine Sandalen (Trekking-Sandalen, keine Flip-Flops, bevor irgendjemand was sagt) spüre ich die Hitze, die von unten aufsteigt. So langsam wird die Luft auch immer schwefliger. Ich brauch erstmal ein bisschen Abstand und schlag mich links in den Dschungel.

In dieser alten Lavarinne klettere ich das erste Stück nach oben. Eigentlich ein ganz guter Weg, irgendwann wird es aber doch ein bisschen zu steil.

Es folgt klassisches Bushwacking, leider habe ich aber keine Machete dabei, was das Vorankommen erschwert. Die Vegetation besteht aus mannshohen Gräsern, teilweise meine ich auch Bambus zu erkennen. Auf jeden Fall kommt man nur ziemlich langsam vorwärts. Nach ein paar Minuten bin ich von oben bis unten völlig versaut. Natürlich macht es trotzdem einen Heidenspaß sich durch das Dickicht zu kämpfen und ich genieße jeden Meter.

Kurze Pause beim Bushwacking. Macht Laune, aber nach diesem Trip hab ich mir dann erst mal eine Machete besorgt:)

Auf dem höchsten Punkt angekommen wird das Gras ein wenig flacher und ich kann zu meiner Rechten jetzt schon zum Kraterrand schauen. Von meinem Aussichtspunkt sieht es schon ein bisschen unspektakulär aus. Man hat bei Vulkanen ja immer dieses Bild wahnsinnig steilen feuerspuckenden Bergen im Kopf. Das hier kommt mir eher wie ein überdimensionierter Maulwurfshügel vor. Aber genau in dem Moment gibt es wieder ein ohrenbetäubendes Krachen. Okay – ich hab’s verstanden, der Vulkan verlangt Respekt.

Raus aus dem Dschungel. Die letzten Meter kann man ganz gemütlich bis zum Kraterrand spazieren, da die Hänge sehr flach sind.

Anstatt direkt zum Kraterrand zu gehen mache ich noch eine kleine Schleife entlang der nördlichen Hänge. Dabei komme ich an einem verlassenen Camp vorbei, im Prinzip nur ein paar Bänke und Schirme aus Palmenblättern. Nach unten führt eine Staubpiste – das ist dann wohl der letzte Stopp für die Touren, die hier mit dem Auto hochfahren. Zur Mittagszeit ist hier aber komplett tote Hose.

Für die letzten Meter folge ich einem Trampelpfad, der auch an der berühmten Volcano Post Box vorbeiführt. Hier kann man tatsächlich eine Postkarte einschmeißen, der Briefkasten wird alle paar Tage geleert. Für meine Freundin in Deutschland habe ich vorher schon eine Karte gekauft, die ich pflichtgemäß einschmeiße. Die Post kommt ein paar Wochen später dann auch genau wie vorgesehen am anderen Ende der Welt an. Ein Foto von diesem ziemlich verrückten Ort habe ich leider nicht gemacht.

Endlich da: Der feurige Schlund des Yasur

Und dann bin ich auch schon oben: Nach fünf Minuten Fußmarsch stehe ich tatsächlich am Krater des Yasur und blicke in den Schlund. Mein erster Eindruck: Es ist verdammt heiß und ich fühle mich als würde ich vor einem offenen Hochofen stehen. Obwohl eine leichte Brise weht, glüht mein Gesicht förmlich. Die Luft ist rauschgeschwängert und immer wenn ich schlucke habe ich einen merkwürdig ätzenden Geschmack im Mund. Aus dem Vulkanschlund dringt ein stetiges Zischen und Fauchen. Man spürt förmlich die Energie, die aus dem Boden steigt.

Blick in den Schlund des Yasur. Nicht auf dem Foto zu sehen: Die Wahnsinnshitze, der Lärm und das flaue Gefühl, das sich einstellt, wenn man in einen Vulkan schaut, der gerade dabei ist auszubrechen.

Dann gibt es den nächsten ohrenbetäubenden Knall und die Lava beginnt aus dem Inneren emporzukochen…

Einen Vulkanausbruch aus nächster Nähe zu beobachten ist eine ziemlich merkwürdige Sache und komplett anders als ich es mir vorgestellt habe. Wahrscheinlich, weil ich auch nur die typischen Bilder im Kopf hatte, die man aus Natur-Dokus oder Katastrophenfilmen kennt und wo alles so spektakulär wie möglich in Szene gesetzt wird. In Wirklichkeit sieht es für mich in diesem Moment aber ungefähr so aus:

Zuerst kommt der Knall, wobei das eigentlich eine Untertreibung ist. Es ist ein unglaublich kraftvolles, geradezu physisch greifbares Donnern, das man wie einen Faustschlag in die Magengrube fühlt und das für einige Sekunden den Boden unter meinen Füssen vibrieren lässt. Direkt nach der Explosion folgt die Rauchwolke, so als würde Dampf aus einem überdimensionierten Teekessel entweichen. Als Beigabe gibt es glühende, etwa einen halben Meter große Gesteinsbrocken, die mit einem Zischen durch die Luft fliegen und keine 20 Schritte von mir entfernt auf dem Boden liegen bleiben und noch für einige Sekunden glimmen, bevor sie schwarz werden.

Etwa im gleichen Moment steigt die Lava empor und das ist wirklich ein komisches Bild. Es ist keine Fontäne, eher eine Art solide Säule, die wie Schlamm aussieht – komplett schwarz und nicht rot, wie man eigentlich denkt. Das liegt aber einfach daran, dass ich bei hellichtem Tag hier oben bin. Am verrücktesten ist aber, dass die Lavasäule wie in Zeitlupe emporsteigt. Es sieht im ersten Moment total unecht aus, so wie eine schlechte Animation aus einem Playstation-1-Videospiel. Nach ein paar Sekunden hat die Säule den höchsten Punkt erreicht hat und fällt wieder in sich zusammen. Fünf Minuten später geht das Spiel von vorne los.

Anmerkung: Leider habe ich fast keine guten Bilder und Videos vom Vulkan, weil mein Handy bei einem Dschungeltrekking zwei Wochen später den Geist aufgab. Immerhin habe ich noch ein Video des Yasur retten können, das zumindest einen schwachen Eindruck vermittelt:

Natürlich bin ich wahnsinnig beeindruckt von diesem Naturschauspiel. Ich stehe vielleicht 50 Meter neben dem Schacht, der wie weiß wie tief in die Erde führt. Näher kann man dem Vulkan wohl kaum kommen, ohne zu riskieren früher oder später von einer der Lavabombe getroffen zu werden. Und da habe ich dann doch keine Lust drauf.

Ich lehne mich auf das morsche Geländer, das hier irgendjemand aufgebaut hat. Okay – eine große Hilfe wäre das im Ernstfall auch nicht. Es ist wohl hauptsächlich dazu gedacht, Leute abzuhalten näher ranzugehen. Vor dem eigentlichen Schlund befindet sich nämlich noch ein leicht abschüssiger Kessel aus Asche, in dem die Lavabomben landen. Wie ich später erfahre, gab es schon Unfälle. Vor ein paar Jahren ist hier wohl ein Japaner in den Schacht gestürzt, als er von einer Bombe getroffen wurde und in dem rutschigen Kessel das Gleichgewicht verlor.

Angst verspüre ich hier oben komischerweise aber überhaupt nicht. Ehrfurcht vor den Naturgewalten ja, aber nachdem ich einmal da bin, ist es jetzt nicht so, dass ich vor Furcht erzittere. Irgendwie aber auch eine typisch menschliche Reaktion. Wenn man sich einmal überwunden hat, neigt man ja relativ schnell dazu, bestimmte Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Dass neben mir alle paar Minuten eine glühende Lavafontäne hochgeht – ist eben so. Mir geht’s in diesem Moment gut und über mehr mache ich mir keine großen Gedanken.

Und noch eine Explosion… Als ich oben war, herrschte Gefahrenstufe 2 auf einer Skala von 1 bis 5. Wenn der Vulkan noch aktiver ist, sind Touren zum Krater zu gefährlich.

Was mich aber doch ein bisschen wurmt:  Von meinem Aussichtspunkt hat man keinen guten Blick in den inneren Schacht. Man sieht im Prinzip immer nur die äußerste Spitze der Lavafontäne, wenn sie aufsteigt. Durch das ständige Fauchen, weiß ich aber, dass es da drinnen permanent brodelt und den Feuersee würde ich doch gerne mal sehen.

Ich hab bei der Lodge schon erfahren, dass es eine Reihe von Aussichtspunkten gibt, die über den gesamten Rand des Kraters verteilt sind. Ich bin im Moment bei Punkt 2 am nordwestlichen Ende. Den besten Blick hätte ich direkt gegenüber im Osten, weil die Hänge dort höher sind und man gut ins Innere schauen kann. Von meiner Position kann ich immer nur den Widerschein des Feuers an den Wänden sehen. Außerdem würde ich gerne einen besseren Blick auf den zerklüfteten Grat werfen, der den Schacht in zwei Hälften teilt. Also mache ich mich auf den Weg.

Leider machen mir die Schwefeldämpfe einen Strich durch die Rechnung. Kaum bin ich losgelaufen dreht der Wind und ich gerate in eine Schwefel-Asche-Wolke. Superunangenehm, wenn man Kontaktlinsen trägt und der allgemeinen Gesundheit wahrscheinlich auch nicht gerade zuträglich. In den giftigen Dämpfen das Bewusstsein zu verlieren klingt eher nicht so spaßig. Also lasse ich’s dabei bleiben und gehe zurück. Ich bleibe noch eine halbe Stunde oben sitzen, wohl wissend, dass ich so ein Schauspiel so schnell zu sehen bekommen. Dann mache ich mich auf den Rückweg.

Beim Abstieg gibt es noch einmal einen schönen Blick auf die Ascheebene, die einen herrlichen Kontrast zu dem saftig grünen Regenwald bildet.

Zu Besuch beim verrücktesten Kult der Welt

Weil es noch ziemlich früh ist, habe ich aber keine Lust direkt wieder zur Lodge zurückzukehren und den ganzen Tag in der Lodge zu vertrödeln. Beim Aufstieg habe ich ein kleines Dorf im Osten gesehen, das direkt an der Küste liegt. Das sah eigentlich ganz nett aus aus, könnte man sich ja mal anschauen.

Blick auf die Sulphur Bay an der Ostküste von Tanna. In dieser Bucht legte James Cook während seiner zweiten Reise in die Südsee an, nachdem er das Glühen des Yasur in der Nacht beobachtet hatte.

Laut Open-Street-Maps heißt das Dörfchen Ipikil und befindet sich in der Sulphur Bay. Ein passender Name – der Fluss mit schwefelhaltigem Wasser fließt hier von den Hängen des Yasur zur Küste und ergießt sich in einer breiten Bucht ins Meer. Nach einer halben Stunde Spaziergang durch ordentlich angelegte Obstplantagen komme ich an. Bis auf ein paar Schweine, die auf der Wiese vor dem Dorf rumstreunen ist aber niemand da. Also gehe ich ein bisschen im Pazifik baden, um mir die Asche von der Wanderung von der Haut zu spülen.

Nicht gerade viel los in dem Dörfchen Ipikil. Ohne Einladung darf man die traditionellen Dörfer nicht betreten, außerdem sollte man ein Geschenk mitbringen. Bei Touristen wird inzwischen aber auch Bargeld akzeptiert.

Nach ein paar Minuten bekomme ich Besuch. Ein Fischer mit einer Handvoll Kokosnüsse kommt vorbei und stellt sich als Paul vor. Ich weiß zuerst nicht genau, was er will, weil er nicht so gut Englisch spricht. Im Endeffekt geht es wohl aber darum, dass ich eine kleine Gebühr entrichten soll, weil ich den Strand des Dorfes benutze. Wie schon erwähnt, ist in Vanuatu alles Land in Privatbesitz und bevor man nicht explizit eingeladen wurde, darf man viele Orte eigentlich nicht bertreten.

Darum drücken kann man sich nicht oder es wäre zumindest extrem unhöflich. Also mache ich auch keine Anstalten und zahle die 400 Vatu (etwa 4 Euro). Danach ist alles gut, er teilt seine Kokosnüsse mit mir und zeigt mir dann noch eine heiße Schwefelquelle am Strand – eine Art natürliche Badewanne mit deutlich angenehmeren Temperaturen als der ziemlich raue Pazifik.

Die heiße Quelle an der Sulphur-Bay, im Hintergrund der Yasur. Durch die Hitze des Vulkans hat das Wasser hier Badewannentemperatur – deutlich angenehmer als der ziemlich kalte Pazifik.

Irgendwie scheine ich ein bisschen Aufsehen erregt zu haben. Kurze Zeit später kommt die Dorfjugend mit einem Radio und wir hängen ein bisschen in der Schwefelquelle rum, hören Musik und relaxen. Die Verständigung klappt nicht ganz so toll, weil die meisten nur Bislama und höchstens ein paar Brocken Englisch sprechen. Macht aber nichts – die Bewohner von Vanuatu sind überhaupt nicht aufdringlich und haben auch kein Problem damit, einfach nur rumzusitzen und ein bisschen zu entspannen.

Schließlich werde ich ins Dorf eingeladen und das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Das ist genau die Sorte Begegnungen, die man mit den typischen geführten Touren niemals bekommen wird. Im Dorf werde ich ein bisschen rumgeführt, Paul zeigt mir sein Haus und stellt mir seine Familie vor. So wie ich es verstehe hat er sechs Kinder, was für Vanuatu aber eher durchschnittlich ist.

Das Leben im Dorf wirkt zumindest für mich ziemlich einfach. Die Hütten sind grobe mit Palmenwedeln bedeckte Verschläge aus Holz. Im Inneren ist es ziemlich dunkel, weil es keinen Strom gibt. Auch elektrische Geräte sind Mangelware. Überall laufen Schweine, Hühner und nackte Kinder rum. Man darf sich aber keine Illusionen machen: Die Leute sind natürlich keine tätowierten Wilden, die noch nie einen Weißen gesehen haben. Es gibt schon ein paar Stromgeneratoren und die Leute tragen auch ganz normale westliche Klamotten, Shorts, Flip-Fops und so weiter.

Gott ist ein US-Soldat und lebt in einem Vulkan

Beim Nakamal, dem zentralen Platz und traditionellem Versammlungspunkt des Dorfes, treffen wir uns mit Jeremy, einem Kumpel von Paul. Er spricht auch ganz gut Englisch, sodass wir uns besser verständigen können. So bekomme ich heraus, dass Paul der Chief von Ipikil ist, also der Dorfvorsteher. Im Vanuatu werden die Inseln von einer Art Ältestenrat regiert, in dem sich alle Chiefs der einzelnen Dörfer versammeln, um Streitigkeiten und Konflikte regeln. Auf dem Papier gibt es zwar auch die Zentralregierung in Port Vila. Aber die ist soweit weg, dass sie für den Alltag der Leute praktisch bedeutungslos ist.

Darüber hinaus erfahre ich, dass Paul gleichzeitig auch der religiöse Vorsteher und ab diesem Moment wird es wirklich witzig: Alle Bewohner des Dorfes sind anscheinend Anhänger des John-Frum-Kults, einer für westliche Beobachter ziemlich merkwürdigen religiösen Gruppierung. Ipikil ist sozusagen eines der Zentren des Kults und ich erhalte aus erster Hand einen Einblick in die Vorstellungswelt der Insulaner.

So wie ich es aus dem Gespräch nachvollziehen kann, glauben die Anhänger des John-Frum-Kultes an einen Heiland mit dem Namen John Frum, der ihnen erstmals während dem zweiten Weltkrieg in Gestalt eines amerikanischen G.I. erschien. John Frum ist eine Art Erlöser – der weiße Mann, der über unermesslichen Reichtum verfügt und zu gegebener Zeit alle beschenken wird, die ihm dienen. Bis zu diesem Zeitpunkt lebt John Frum im Inneren des Yasur-Vulkans. Gut…niemand hat gesagt, dass religiöse Offenbarungen Sinn machen müssen.

Ein bisschen was habe ich zuhause aber schon über diese Bewegung gelesen. Von Anthropologen wird der John-Frum-Kult als Cargo-Kult bezeichnet. Die Idee dahinter: Technologisch unterentwickelte Stammesgesellschaften werden urplötzlich mit einer überlegenen Moderne in Form von Weißen konfrontiert und verarbeiten dieses einschneidende Ereignis, indem sie die Fremden zu großzügigen, warenspendenden Göttern erklären. Im Fall von Tanna waren das die US-Amerikaner, die im zweiten Weltkrieg Militärbasen auf Vanuatu unterhielten und einen für die Eingeborenen geradezu unvorstellbaren Reichtum an Gütern und Material auf die Insel brachten.

So ganz verstehe ich die Geschichte trotzdem nicht. Warum sieht John Frum einerseits wie ein amerikanischer Soldat aus und lebt andererseits wie eine Südseegottheit in einem Vulkan? Als ich wissen will, wann Paul John Frum das letzte Mal gesehen hat, gibt es nur ausweichende Antworten. Er erscheint manchmal in seinen Träumen, vor allem, wenn am Abend zuvor viel Kava getrunken hat. Gut, das kann ich schon eher nachvollziehen: Die Geschichte vom Schamanen, der im Rausch die Erleuchtung findet.

Das Kreuz von John Frum. Früher wurden hier auch symbolische Rollfelder nachgebaut, um die amerikanischen Götter ähnlich wie bei einem Regentanz zum Abwurf von Waren zu bewegen. Der Prinz-Philip-Kult wohnt übrigens im Nachbardorf.

Noch eine Runde Kava und dann heißt es: Goodbye, Mount Yasur

Ich halte mich mit meinen Kommentaren ziemlich zurück und höre eigentlich mehr zu. Dass ich die Selbstverständlichkeit, mit der völlig wesensfremde Vorstellungen zusammengewürfelt werden, ziemlich bescheuert finde, sage ich natürlich nicht. Ein Heiland in Gestalt eines US-Soldaten, der gleichzeitig in einem feuerspuckenden Vulkan lebt. Aber wahrscheinlich kommt eben genau so ein Chaos zustande, wenn zwei Zivilisationen mit komplett unterschiedlichen technologischen und mentalen Niveaus ohne Vorwarnung aufeinanderprallen. Vielleicht wäre das bei uns auch nicht viel anders, wenn Außerirdische landen würden…

Natürlich sind die John-Frum-Anhänger trotzdem keine Idioten und neugierig auf die weite Welt da draußen. Sogar von Deutschland hat Paul schon mal gehört, allerdings nur in Zusammenhang mit Fußball: Der Nationalspieler Mesut Özil ist ihm ein Begriff. Als ich zu erklären versuche, dass Özil genau wie ich türkischer Abstammung ist, scheint er das aber nicht ganz zu verstehen. Okay… Türkei, Deutschland, das macht von diesem Teil der Welt aus betrachtet auch eigentlich großen Unterschied mehr. Es ist halt vor allem sehr sehr weit weg.

Und so vergeht der Nachmittag. Zum Schluss steht noch die obligatorische Kava-Zeremonie an, danach verabschiede ich mich. Adressen oder Facebook können wir leider nicht austauschen, weil es kein Internet gibt. Eigentlich ein bisschen schade, aber ich verspreche mal wieder vorbeizuschauen, wenn ich das nächste Mal in Tanna. Irgendwo ist natürlich schon klar, dass das so bald nicht der Fall sein wird.

Als es schon dunkel ist, laufe ich wieder über die Ascheebene am Yasur vorbei. Fast hätte ich ein bisschen Lust nochmal hochzugehen. Die Lava glüht jetzt sehr schön und der ganze Gipfel leuchtet rötlich. Aber ich bin auch ein bisschen high von dem Kava und ich will mein Glück nicht überstrapazieren. Also höre ich noch ein letztes Mal dem Grummeln zu. Goodbye, John Frum – bis zum nächsten Mal!

Praktische Infos

  • Die Insel Tanna wird mehrmals die Woche die Woche mit Air Vanuatu von Port Vila angeflogen (Flugplan). Der Flug dauert etwa 40 Minuten und kostet hin und zurück 150 Euro. Das Gepäck darf maximal 10 Kg wiegen.
  • Die Aktivitäten des Yasur werden mit einer Gefahrenstufe von 0-5 bewertet. Ab Stufe 2 ist eine Besteigung zu riskant, da durch die Ausbrüche dann akute Lebensgefahr herrscht. Daher unbedingt vorher checken!
  • Es gibt in Vanuatu keine organisierte Bergrettung, keinen medizinischen Notdienst oder irgendeine andere Form von Rettungsdienst. Im Zweifelsfall sollte man also lieber etwas vorsichtiger sein.
  • Eine Wanderung auf einen daueraktiven Vulkan ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn der Yasur plötzlich stärker ausbricht, ruft er vorher natürlich nicht brav beim vulkanologischen Institut in Port Vila an. Wer so eine Tour unternimmt, macht das auf eigenes Risiko.
  • Man kann auch eine “normale” Tour auf den Yasur buchen. Dafür werden 9750 Vatu fällig (ca. 75 Euro). Ich habe so eine Tour im Anschluss an meine Solo-Wanderung gemacht. Ich fand es aber nicht so prickelnd, da man im Prinzip einfach nur hochgefahren wird und es keine richtige Führung oder irgendwelche Erklärungen gab.
  • Offiziell ist es nicht vorgesehen, dass Touristen auf eigene Faust auf den Yasur gehen. Es gibt aber auch keine Warnschilder oder Absperrungen. Wenn man sich diskret anstellt, kommt man also auch so hoch.
  • Es gibt auf Tanna keinen öffentlichen Nahverkehr, kaum Fahrzeuge und wenige Straßen. Wer nicht vorher etwas mit der Unterkunft vereinbart, kommt am besten mit Hitchhiking durch. Hierzu muss man eventuell aber sehr lange warten, da nur selten Autos unterwegs sind.
  • Generell solltest du auf Vanuatu sehr viel Zeit und Geduld mitbringen, da meistens irgendetwas schief geht, das Flugzeug nicht landen kann oder dein Gepäck vergessen wird (ist mir in vier Wochen alles passiert). In diesem Fall hilft nur Gleichmut und die Gewissheit, dass alles irgendwann wieder gut wird.

Meine Empfehlung: Lonely Planet Vanuatu & New Caledonia

Es gibt nicht viele Reiseführer zu Vanuatu. In Ermangelung von Alternativen ist der Lonely Planet die beste Wahl.

Das Buch enthält allgemeine Infos, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Inseln und auch einige Vorschläge für Wanderungen und mehrtägige Trekking-Touren.

Die Unterkünfte sind teilweise nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. Insgesamt fand ich den Führer dennoch ziemlich hilfreich und kann ihn ruhigen Gewissens weiterempfehlen.

Mein Fazit

Eine wirklich spannende Tour. Nicht nur wegen des einzigartigen Schauspiels einen aktiven Vulkan zu beobachten, sondern auch durch die faszinierenden Einblicke in die Inselkultur. Obwohl Tanna eine der touristischen Hauptattraktionen Vanuatus ist, fühlt sich die Insel noch sehr ursprünglich an, was natürlich auch bedeutet, dass nicht immer alles bequem ist.

Gleichzeitig spürt man den Umbruch, den die westliche Zivilisation mit sich bringt. Wie lange werden die Anhänger des John-Frum-Kultes wohl noch an ihrem einsamen Strand von Vulkangöttern träumen? Ich schätze nicht mehr allzulange. Wer dieses faszinierende Stückchen Erde erkunden möchte, sollte sich also besser nicht zu viel Zeit lassen!

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Warst du auch schon mal auf einem Vulkan? Hast du noch Fragen zum Yasur oder Vanuatu? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören.