In diesem Artikel:
- Die 6 Jahreszeiten Nepals im Überblick
- Wichtigste Unterschiede zu den westlichen Jahreszeiten
- Klimatabelle für Nepal
- Die beliebteste Reisezeit für Nepal: Herbst
- Die zweite große Reisezeit für Nepal: Frühling
- Trekking während dem Monsun
- Regionale Unterschiede
- So beeinflusst die Höhenlage das Klima
- Fazit: Es gibt nicht die eine beste Reisezeit zum Trekking in Nepal
Der Himalaya unterscheidet sich beim Wetter in einem entscheidenden Punkt von den Alpen: Es gibt zwei klar definierte Trockenzeiten: Frühling und Herbst. Die Zeit von März – bis Mitte Mai und Mitte Oktober – Dezember zeichnet sich durch stabile Hochdrucklagen, klare Tage, moderate Temperaturen und gut begehbare Wege aus. Daher sind das die beiden beliebtesten Jahreszeiten zum Trekking in Nepal.
Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Es gibt nämlich viele regionale Unterschiede, außerdem wird das lokale Klima sehr stark von den Höhenlagen beeinflusst. Dazu kommt: Frühling und Herbst haben in Nepal eine etwas andere Bedeutung als bei uns im Westen – tatsächlich gibt es hier ganze sechs Jahreszeiten.
Bis ich all diese Feinheiten verstanden habe, hat es ein paar Jahre gedauert. Außer im tiefsten Winter habe ich Nepal inzwischen aber in allen Jahreszeiten erlebt. Daher habe ich selbst gesehen, wie stark sich all das auf das Trekking auswirkt. „Frühling“ und „Herbst“ bedeutet in Nepal nicht bloß andere Temperaturen, sondern riesige Unterschiede bei den Sichtverhältnissen, der Schneelage in höheren Regionen und dem Zustand der Wege.
Es gibt also einiges zum Wetter in Nepal zu erzählen – fangen wir direkt an!

Die 6 Jahreszeiten Nepals im Überblick
Wie erwähnt gibt es in Nepal traditionell sechs Jahreszeiten und nicht vier wie bei uns im Westen. Grund dafür ist der Monsun, der so heftig ist, dass er auf dem indischen Subkontinent tatsächlich eine eigene Jahreszeit darstellt und sich quasi zwischen Sommer und Herbst schiebt. Man kann die traditionellen Jahreszeiten Nepals zwar grob unseren westlichen Jahreszeiten zuordnen, aber es gibt auch ein paar wichtige Unterschiede.
Übersicht und Eigenschaften der Jahreszeiten in Nepal (zum Vergrößern anklicken):

Basant (Frühling, März–Mai)
Im Frühling erwacht Nepal aus dem Winterschlaf. Da der Schnee sehr schnell schmilzt, sind bereits ab Mitte März Wanderungen in höheren Lagen problemlos möglich. Ein besonders Highlight zu dieser Zeit sind die blühenden Rhododendronwälder. Außerdem sind die Tage lang und die Temperaturen sehr angenehm. Der Frühling ist daher eine beliebte Zeit zum Trekking in Nepal. Ebenfalls erwähnenswert: Die Basecamps sind vollbesetzt, da die hohen Gipfel in der Regel im Mai bestiegen werden.
- 🌞 Vergleichbar mit unserem Frühling, aber in den tieferen Lagen oft wärmer und trockener.
- 🌼 Schnee in den Gebirgsregionen beginnt zu schmelzen, blühende Vegetation, klare Sicht in den Morgenstunden.
- 🥾 Ideal für Trekker, die moderate Temperaturen bevorzugen.
Grishma (Sommer, Mitte Mai–Juni)
Der Sommer in Nepal markiert den Übergang von der trockenen Vor-Monsun-Zeit zum Beginn der Regenzeit. In den Tälern wird es bereits sehr heiß, in Kathmandu steigen die Temperaturen z.B. auf 30 ° C Grad und mehr. Die Sicht verschlechtert sich durch die zunehmend diesige Luft, es kann aber auch klare Tage geben. Zu dieser Zeit sind vergleichsweise wenig Trekking-Touristen unterwegs.
- 🔥 Übergang zur heißen Jahreszeit, oft sehr hohe Temperaturen in den Tälern.
- 💧 Luftfeuchtigkeit steigt, Hitze kann in tiefen Lagen belastend sein.
- 🌫️ Durch die Luftfeuchtigkeit viel Dunst, Sicht in den mittleren Lagen oft schlecht.
Varsha (Monsun, Mitte Juni–Anfang Oktober)
Während dem Monsun regnet es in Nepal extrem viel. Vor allem ab Anfang Juli ist der Himmel tagelang am Stück mit dichten Regenwolken bedeckt. Durch die starken Regenfälle kommt es häufig zu schweren Erdrutschen und Überschwemmungen. Es gibt einige Regionen, in denen Trekking weiterhin möglich ist (siehe unten). Überlandreisen in Nepal sind aber stark erschwert.
- 🌧️ Die eigentliche Regenzeit, vergleichbar mit einer extrem verlängerten, intensiven Schlechtwetterperiode.
- ⛈️ täglicher Starkregen, Wolken und Gewitter, viele Routen können unpassierbar werden.
- 🚫 Zum Trekking eher ungeeignet, da schon die Anfahrt in die Bergregionen erschwert oder unmöglich ist.
Sharad (Herbst, Mitte Oktober–November)
Der Herbst ist die Hauptsaison für Trekkingtouren-Himalaya. Die Luft ist vom Monsun reingewaschen und kristallklar, die Fernsicht auf die hohen Berge des Himalaya unglaublich gut. Das Wetter ist sehr stabil und zeichnet sich durch wochenlange Schönwetterperioden aus. Allerdings herrscht auch mehr Betrieb in den Lodges als im Frühjahr.
- 🌤️ Die beliebteste Trekkingzeit, entspricht etwa unserem Herbst, aber mit außergewöhnlich langen, stabilen Hochdrucklagen.
- 🏔️ Extrem klare Sicht auf die Berge, moderate Temperaturen, trockene Wege – perfekte Bedingungen für die meisten Routen.
- 🥾 Höheres Besucheraufkommen, daher kann es in den Unterkünften voll werden.

Hemanta (Frühwinter, Ende November–Anfang Januar)
Hemanta ist die Übergangszeit zwischen Herbst und Winter. Ab Mitte November sinkt das Thermometer spürbar, in höheren Lagen treten jetzt große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht auf. Daher empfiehlt es sich, warme Kleidung für die Abendstunden, ggf. einen Schlafsack für die Lodge mitzunehmen. Tagsüber ist es bei Sonnenschein aber meist noch recht warm – ungefähr so wie in Mitteleuropa in der ersten Septemberhälfte.
- 🌙 Übergangszeit zwischen Herbst und Winter, ab Dezember deutlich kühlere Nächte, erste Schneefälle in höheren Lagen.
- 🧘 Weniger Touristen, ruhigere Trails, aber in den höheren Regionen kann es bereits ungemütlich werden.
- 🏞️ Ideal für Trekking in mittleren Höhen, bei guten Bedingungen auch hohe Pässe.
Shishira (Winter, Januar–Februar)
Der Winter ist die kälteste Jahreszeit in Nepal. Im hohen Himalaya herrschen jetzt extrem extrem niedrige Temperaturen (-20° C und niedriger), Pässe sind ggf. verschneit. Viele Lodges über 4.000 Meter schließen, die bekannten Treks (Everest, Annapurna, Langtang etc.) werden von Hartgesottenen aber auch im tiefsten Winter begangen. Die klaren, trockenen Tage bieten gute Bergblicke und relativ milde Temperaturen in den Hügeln und Tälern. Daher ist der Winter beliebt für Kulturreisen, Kloster-Retreats und Safaris in der südlichen Terai-Region.
- 🏔️ Kalte, trockene Jahreszeit, niedrige Temperaturen, besonders in Höhen über 3.000 Metern, häufig strahlend blauer Himmel.
- ❄️ Hohe Pässe (4.000 m+) sind häufig nur eingeschränkt passierbar und erfordern viel Erfahrung, viele Lodges schließen.
- 🏛️ Trekking eher in niedrigen Lagen, gut geeignet für Kulturreisen, z.B. im Kathmandu-Tal oder Besuch von Nationalparks wie Chitwan.
Schau dir meinen großen City-Guide zu Kathmandu an:

Wichtigste Unterschiede zu den westlichen Jahreszeiten
- In Nepal ist der Frühling generell trockener als in Europa.
- Der Sommer ist sehr kurz, die Hitze in den Tälern ist aber extremer als bei uns.
- Der Monsun ist eine eigenständige Jahreszeit, die unser westliches Verständnis von „Sommerregen“ weit übertrifft.
- Herbst und Frühwinter bieten häufig stabilere Wetterfenster als im Westen.
- Der Winter in Nepal wird vor allem von der Höhenlage beeinflusst: In großen Höhen kann es extrem kalt werden, während die Täler oft erstaunlich mild bleiben – das ist in unseren Breitengraden weniger ausgeprägt.
Klimatabelle für Nepal
Schau dir in der Übersicht die Durchschnittstemperatur, Sichtweite und Niederschlag je nach Region und Jahreszeit an (zum Vergrößern anklicken).

Hinweis: In der Tabelle habe ich Herbst und Frühwinter zusammengefasst, damit es nicht zu unübersichtlich wird. Die Temperaturen sind jährliche Durchschnitte und als allgemeine Richtwerte zu verstehen. Wenn die Sonne scheint, ist es in den Bergregionen häufig gefühlt wärmer, bei starkem Wind sinkt die gefühlte Temperatur.
Die beliebteste Reisezeit für Nepal: Herbst
Mitte Oktober bis Anfang Dezember ist die beliebteste Reisezeit für Nepal: Der Himmel ist klar, die Aussichten auf die Berge sind fantastisch und wenn die Sonne scheint, knackt das Thermometer tagsüber locker die 20° C. Durch die südliche Lage Nepals auf dem Globus zieht sich der Herbst zudem sehr lange. Während es bei uns ab Mitte November schon ziemlich ungemütlich wird, sieht man in Nepal zu dieser Zeit immer noch die Bauern auf den Feldern, wie sie ihre Ernte einbringen.

Die besondere geografische Lage Nepals ist wohl auch der Grund, warum es neben dem eigentlichen Herbst überhaupt die weitere Jahreszeit „Hemanta“, d.h. Frühwinter, gibt. Diese Jahreszeit hatnur wenig mit unserem Verständnis von Winter zu tun, wir empfinden das eher wie einen verlängerten September. Die Lufttemperaturen sinken ab Ende November zwar schon deutlich, aber durch die starke Sonnenstrahlung merkt man das tagsüber kaum.
✅ Vorteile vom Herbst in Nepal
- 🏔️ extrem gute Sicht
- 🌤️sehr stabiles Wetter
- 🌧️ wenig bis kein Regen
- 🌡️ noch bis in den Dezember tagsüber warme Temperaturen
❌ Nachteile vom Herbst in Nepal
- ❄️ ggf. Schneefall in höheren Lagen
- ⚠️ ggf. durch Monsun beschädigte Wege
- 🌙 Nächte in den Bergen ab November sehr kalt
- 🌅 Tage sind kürzer als im Frühling

Meine Erfahrungen
Bei meinem letzten Trip von Ende September bis Mitte Dezember habe ich mal genau auf den Kalender geschaut: Ab dem 02. November bis zum Tag meines Rückflugs am 16. Dezember hatte ich jeden einzelnen Tag einen klaren, blauen Himmel – und zwar von morgens bis abends. An Regen war überhaupt nicht zu denken und selbst die typische Quellwolkenbildung hielt sich stark in Grenzen.
Das waren also 45 Tage am Stück perfektes Wetter mit nahezu perfekten Aussichten, das ist schon sensationell. In den Alpen wäre so etwas völlig unvorstellbar. Da darf man sich drüber freuen, wenn man mal eine Woche am Stück keinen Regen hat und auch das ist eher selten. Dennoch gibt es im Herbst ein paar Sachen, die mir aufgefallen sind.
Die 3 beliebtesten Touren im Kathmandu:
Wetter in der ersten Oktoberhälfte unbeständig
Der Oktober ist relativ wechselhaft. Häufig hört man, dass Anfang Oktober die beste Reisezeit in Nepal losgeht. Teilweise wird sogar empfohlen, dass man schon ab Mitte September losziehen kann. Das war wahrscheinlich früher mal so, aber durch den Klimawandel hat sich das inzwischen geändert. Bis Mitte Oktober habe ich viel Regen erlebt, in der Regel zur Mittagszeit. Im weiteren Verlauf des Monats wurde es besser, aber es war immer noch relativ bewölkt, vor allem ab dem späten Vormittag. Wirklich herausragend wurde das Wetter dann erst Ende Oktober.
Schneefall in höheren Lagen
Was im Herbst definitiv passieren kann: Schneefall in den höheren Lagen. In der Annapurna-Region lag die Schneegrenze Mitte Oktober bei etwa 4.800 Metern, die hohen Pässe waren also schon verschneit. Zum Glück hatte ich Microspikes dabei, ansonsten wäre es schwierig geworden

Zwei Wochen später wollte ich von der Helambu-Region über den Ganja-La-Pass (5,122 m) ins Langtang-Valley wandern. Leider zog genau zu dieser Zeit der Zyklon Montha aus der Bucht von Bengalen über den Himalaya und sorgte für meterhohen Neuschnee. Die Passüberquerung konnte ich natürlich vergessen. Zur gleichen saßen hunderte von Trekkern in dem Ort Manang auf dem Annapurna Circuit fest.
Im November war es dann wieder besser, zumindest kam kein Neuschnee mehr. Dennoch sind wir bei der Überquerung des Larke-Pass (5.106 m) auf dem Manaslu Circuit Mitte November stundenlang durch Schnee gelaufen. Landschaftlich natürlich absolut herrlich. Beim Abstieg vom Pass waren die Microspikes aber wieder sehr hilfreich und ich war froh, dass ich warme Handschuhe dabei hatte.

Wege teilweise stark überwachsen oder zerstört
Das ist eine direkte Folge des Monsuns: Da es im Sommer so viel regnet, wuchert die Vegetation geradezu. Gerade die etwas weniger begangenen Wege können dann schon mal unter dichtem Grasbewuchs verschwinden. Das erleichtert die Orientierung nicht gerade und macht das Laufen generell etwas beschwerlicher. Auf den bekannteren Treks ist das zum Glück nicht ganz so stark ausgeprägt.

Eine weitere Sache: Während dem Monsun kommen im Himalaya häufig Erdrutsche vor, sogenannte Landslides. Diese Landslides beschädigen gelegentlich die Wege. In der Regel reparieren die Einheimischen die Schäden, aber das kann dauern. Es könnte also passieren, dass vom Monsun beschädigte Wege im Herbst noch nicht wieder repariert sind. Bis im Frühjahr ist dann meist aber alles wieder in Stand gesetzt.

Die zweite große Reisezeit für Nepal: Frühling
Der Frühling, also die Zeit von Anfang März bis Mitte Mai, ist die zweite große Reisesaison in Nepal. Die Temperaturen sind höher als im Herbst und das Wetter ist in der Regel ebenfalls stabil. Allerdings ist die Fernsicht im Frühling nicht ganz so gut, weil sich in der warmen, trockenen Luft Staub und Dunst lagern. Die Atmosphäre enthält zudem mehr Feuchtigkeit. Das begünstigt die Bildung von Quellwolken: Warme Luft steigt aus den Tälern auf und wird tagsüber durch kräftige Aufwinde Richtung Berge transportiert.

Je weiter der Frühling voranschreitet, desto schlechter wird die Sicht. Außerdem wird es ab Mai in den Tieflagen teilweise schon unangenehm heiß. Der Übergang zum Sommer ist fließend, ähnlich wie in der Herbstsaison der Übergang zum Winter. Die traditionelle nepalesische Jahreszeit Grishma ist so etwas wie ein extrem verkürzter Hochsommer in unseren Breitengraden, höchstens ein Monat, bis der Monsunregen Mitte Juni für Abkühlung sorgt.
✅ Vorteile vom Frühling in Nepal
- 🌸 blühende Rhododendron-Wälder und grüne Landschaften
- 🌡️ angenehm warme Temperaturen, besonders tagsüber
- 🌞 längere Tage als im Herbst
❌ Nachteile vom Frühling in Nepal
- 🌫️ Dunst und Wolkenbildung am Nachmittag
- 🌥️ generell etwas schlechtere Sicht als im Herbst
- 🌡️ im Tiefland bereits unangenehm heiß
Meine Erfahrungen
Das schönste am Frühling fand ich die Blütezeit im Himalaya, die Landschaft erstrahlt geradezu: Die Rhododendron-Bäume stehen in voller Farbenpracht, die Wiesen sind ein bisschen grüner als im Oktober, überall sprießt und blüht es – ein toller Kontrast zu den weißen Schneegipfeln des Himalaya. Im Herbst ist es hingegen kahler, gerade oberhalb der Baumgrenze färbt sich das Gras nach dem Monsun überraschend schnell wieder braun.

Ebenfalls sehr erfreulich im Frühling sind die wärmeren Temperaturen. Natürlich ist das in Nepal immer auch von der Höhenlage abhängig (siehe unten). Ab 3.500 m ist auch im Frühling warme Kleidung für die Abendstunden ratsam. Dennoch war es z.B. in Manang auf dem Annapurna Circuit im Frühjahr bestimmt 5° C wärmer als im Herbst. Das macht schon einen Unterschied. Noch ein paar weitere Punkte:
Längere Tage
Nepal liegt zwar näher am Äquator als Europa, d.h. die Unterschiede in der Tageslänge sind über das Jahr verteilt nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei uns. Dennoch sind die Tage im Frühling etwas länger. Im April geht die Sonne etwa um 18:30 Uhr unter, ab Mitte Oktober hingegen schon um 17:30 Uhr. Im Frühling hast du also rund 1 Stunde mehr Sonne pro Tag.

Mir ist es ab Mitte November bei längeren Wanderungen ein paar Mal passiert, dass ich gerade noch so zum Sonnenuntergang an meinem Ziel ankam oder sogar ein Stück in der Dunkelheit laufen musste. Im Frühling hatte ich dieses Problem nie und ich fand es auch angenehmer, dass ich da etwas mehr Spielraum hatte.
Ab dem Vormittag Wolken und Dunst
Ab Ende April wird die Luft durch den nahenden Monsun zunehmend diesiger, die Sicht wird dann jeden Tag ein bisschen schlechter. Generell ist im Frühling mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Dadurch wird die Luft milchig, was die Fernsichten auf die Berge spürbar reduziert. Dieses Phänomen ist in den höheren Lagen (ab 4.000 m) nicht so stark ausgeprägt, auch hier kommt es ab dem späten Vormittag aber zu einer stärkeren Wolkenbildung.

Als wirklich störend empfand ich die schlechte Sicht vor allem im Hügelland südlich des Himalaya-Hauptkamms – und gerade dort verlaufen einige der beliebtesten Trekking-Routen Nepals. Als ich z.B. Anfang Mai auf dem dem Mardi Himal Trek war, wurde es bereits ab 8:00 Uhr morgens so diesig, dass ich von den Bergen fast nichts mehr gesehen habe. Das war beim zweiten Mal auf diesem Trek im Herbst völlig anders – die Sicht war von morgens bis abends nahezu grenzenlos.
Wenig Schnee in höheren Lagen
Das ist eine direkte Folge der wärmeren Temperaturen: Die Schneegrenze liegt im Frühling deutlich höher, je nach Region teilweise weit über 5.000 Metern. Dadurch sind die Wege in höheren Lagen viel einfacher zu begehen und es macht vor allem die Überquerung der hohen Pässe deutlich unkomplizierter.

Der Thorong-La-Pass auf dem Annapurna Circuit war Mitte April bis auf ein paar winzig kleine Schneezungen z.B. völlig schneefrei. Auch die Hochpässe und Gletscher auf dem Three Passes Trek konnte ich relativ einfach überqueren, da es immer nur sehr kurze Abschnitte mit Schnee gab und auch nie an kritischen Stellen. Die Microspikes habe ich nur einmal benutzt, wahrscheinlich wäre es sogar ohne gegangen.
Schau dir meinen Guide zum Everest Three Passes Trek an:

Trekking während dem Monsun
Der Monsun ist das wichtigste jährliche Wetterereignis auf dem indischen Subkontinent und es ist so einschneidend, dass es tatsächlich eine eigene Jahreszeit darstellt. In Nepal entfallen auf die Zeit zwischen Juni und September etwa 70-80 % des gesamten jährlichen Niederschlags. Diese extreme Konzentration von Starkregen auf einen sehr kurzen Zeitraum, macht Trekking im Monsun zu einer äußerst anspruchsvollen – und nassen – Angelegenheit.

An dieser Stelle eine kurze Erklärung zum besseren Verständnis des Monsuns:
Wenn wir von Monsun reden, meinen wir üblicherweise den Südwest-Monsun. Er entsteht, wenn sich der indische Subkontinent im Frühsommer stark aufheizt, wodurch ein Tiefdruckgebiet entsteht. Feuchtwarme Luft strömt daraufhin vom Ozean Richtung Festland. Auf dem Weg nach Norden wird diese Luft gegen die Gebirgsketten des Himalaya gedrückt. Sie steigt auf, kühlt ab – und regnet sich ab. Deshalb fallen während des Monsuns in kurzer Zeit enorme Niederschlagsmengen, besonders an den Südhängen des Himalaya.
Typischer Verlauf des sommerlichen Südwest-Monsuns mit regionalen Eintritts-Daten:

An der obigen Grafik kann man gut erkennen, dass der Monsun nicht auf einen Schlag beginnt, sondern bogenförmig aus dem Golf von Bengalen nach Norden zieht. Im weiteren Verlauf verschiebt sich die Richtung leicht von Ost nach West, daher regnet es in den östlichen Himalaya-Staaten Bhutan, Sikkim und Arunachal schon etwas früher. In Nepal beginnt der Monsun normalerweise rund um den 13. Juni.
Wie äußert sich der Monsun in Nepal?
Der Monsun führt in Nepal in der Regel zu Überschwemmungen, wenn die Flüsse über die Ufer treten. Da 80% Nepals aus Bergen besteht, sind Erdrutsche außerdem sehr häufig. Diese Erdrutsche blockieren Straßen und Wege oder zerstören sie komplett. Durch die tiefhängenden Monsunwolken ist die Sicht häufig sehr schlecht. Zudem werden die Blutegel in den Wäldern zu einer echten Landplage.
Beim Trekking sieht das dann so aus:

Meine Erfahrungen im Monsun
Ich war kurz Ende Juni in Kathmandu (vor meinem Trip nach Ladakh), danach ab Mitte September wieder in Nepal. Im Juni hat es die gesamten drei Tage durchgeregnet. Im September war der Monsun leider längst noch nicht vorbei, wie ich zunächst angenommen hatte. Es war nicht mehr ganz so extrem wie im Juni, aber auch nicht wirklich angenehm.
Meistens hatte ich ein paar trockene Stunden am Morgen. Spätestens ab 12:00 Uhr fing es zu regnen an, der Himmel war grau und komplett bewölkt. Von den Bergen hat man dann nicht mehr viel gesehen. Die Wege waren zudem extrem schlammig, teilweise auch weggerutscht, was das Wandern nicht gerade einfacher gemacht hat. Und die Blutegel hatte ich ja schon erwähnt. Wenn ich mich nur eine Minute irgendwo hingestellt habe, kam mir eine ganze Schar der Biester die Schuhe hochgekrochen. Das war schon grenzwertig.

Aus diesen Gründen würde ich Trekking im Monsun eher nicht empfehlen. Es ist kein Ding der Unmöglichkeit, aber mir hat es keinen so großen Spaß gemacht, ohne Sicht im Regen durch die Berge zu laufen. Ein weiteres ganz praktisches Problem ist die Anfahrt: Da viele der Straßen kaputt sind, ist es manchmal schwer oder gar nicht möglich zu den Trekking-Gebieten zu gelangen. Für die Fahrt von Kathmandu nach Pokhara habe ich wegen einem Erdrutsch beispielsweise 16 Stunden gebraucht.
📌 Tipp: In den letzten Jahren zieht sich der Monsun bis weit in den Oktober hinein. Das ist besonders ärgerlich für die Nepali, da eines der wichtigsten Feste des Landes, Dashain, im Oktober gefeiert wird und seit einiger Zeit regelmäßig ins Wasser fällt. Starte deinen Trek daher besser erst ab Mitte Oktober – das ist sicherer.
Regionale Unterschiede
Nepals bekannteste Trekkingregionen liegen zwar alle im zentralen Himalaya, aber sie unterscheiden sich klimatisch. Dabei spielen die geografische Lage (West–Ost-Ausrichtung, Regenschatten) und die Höhenlage der jeweiligen Routen eine Rolle.
- 👉 Die Annapurna-Region liegt weiter westlich und erhält jährlich gesehen etwas weniger Niederschlag.
- 👉 Die Everest-Region ist stärker vom Sommermonsun beeinflusst, profitiert aber im Herbst von sehr stabilen Hochdrucklagen.
- 👉 Die Langtang-Region liegt vergleichsweise nah am Kathmandu-Tal und bekommt überdurchschnittlich viel Niederschlag.
Durchschnittlich regnet es im Osten Nepals mehr als im Westen. Ein Grund dafür ist die oben erwähnte Ost-West-Verschiebung des Monsuns. Der Feuchtigkeitsstrom trifft zuerst auf den östlichen Himalaya, wo es die stärksten Niederschläge gibt. Auf dem Weg nach Westen verliert die Luft zunehmend Feuchtigkeit, sodass der Monsun schwächer wird.
Niederschlagsverteilung in Nepal

Wichtig: Die lokale Topographie ist oft wichtiger als die allgemeine Ost–West-Lage. Der regenreichste Ort in Nepal ist z.B. Lumle, ca. 20 km nordwestlich von Pokhara. Diese Region verzeichnet trotz der westlichen Lage im Monsun monatliche Niederschläge von über 1.000 mm (zum Vergleich: Kathmandu jährlich 1.400 mm).
Grund dafür ist, dass Lumle sich direkt in der Haupt-Staulage des Südwestmonsuns befindet. Es liegt genau dort, wo der Monsun am stärksten gegen den Himalaya gedrückt wird. Solche stark regional begrenzten Wetterphänomene sind in Nepal keine Seltenheit, weil die Kombination aus tiefen Tälern und hohen Gebirgszügen das Wetter auf sehr engem Raum stark beeinflusst.
Regenschatten-Regionen von Nepal
In diesem Zusammenhang steht auch der sogenannten Regenschatten. Das sind die Regionen, die hinter dem Himalaya-Hauptkamm liegen. Die großen Gebirgsmassive bilden eine Art natürliche Mauer, an der die Regenwolken nicht vorbeikommen. Das bewirkt, dass alle Regionen hinter dem Himalaya deutlich weniger Regen abbekommen, selbst im Monsun.

Besonders gut sichtbar ist dieser Effekt in der Annapurna-Region: Während die Südflanken des Massivs im Monsun monatliche Niederschläge von 600 – 800 mm verzeichnen, liegt der Niederschlag in Jomsom oder Manang nur bei rund 50 mm. Die Regionen nördlich des Annapurna-Hauptkamms weisen damit ein extrem trockenes Klima auf, das an Trans-Himalaya-Regionen wie Tibet oder Ladakh erinnert.

In der obigen Karte siehst du die bekanntesten Regenschatten-Regionen von Nepal. Diese Gegenden eignen sich auch während dem Monsun, also in den Monaten von Juni bis September, gut zum Trekking.
In Nepal zählen u.a. dazu:
- 🏜️ Upper Mustang – Ehemaliges Königreich mit tibetisch geprägter Kultur, karge Wüstenlandschaft und spektakuläre Erosionsformen.
- 🥾 Manang – Weitläufiges Hochtal mit Blick auf Annapurna II & III, bekannter Zwischenstopp am Annapurna Circuit.
- ⛺ Nar Phu – Abgelegenes Seitental oberhalb von Manang mit ursprünglichen Bergdörfern.
- 🏔️ Dolpo – Abgeschiedene Hochgebirgsregion mit dem legendären Gebirgssee Shey Phoksundo, abgeschieden und kulturell stark tibetisch beeinflusst.
- 🗻 Humla – Eine der entlegensten Gegenden Nepals, wenig touristische Infrastruktur, Trekking abseits klassischer Routen.
Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist bei diesen Regionen die Anfahrt sein: Du musst erst mal hinkommen und das ist, wie erwähnt, im Monsun etwas erschwert. Außerdem braucht man bis auf das Manang-Tal für alle erwähnten Regionen ein spezielles Restricted-Area-Permit. Individual bzw. Solo-Trekking ist hier nicht erlaubt.

So beeinflusst die Höhenlage das Klima
Die Höhenlage hat ebenfalls einen sehr starken Einfluss auf das Klima. In den tieferen Lagen sind die Temperaturen im Allgemeinen höher und sie werden auch stärker von den Jahreszeiten geprägt. In großen Höhen herrscht hingegen ein alpines Klima mit dauerhaft kühlen bis extrem kalten Bedinungen vor.
Einen Überblick bietet die folgende Grafik:

Eine gute Regel zum Merken ist: Pro 1.000 Höhenmeter sinkt die Temperatur im Durchschnitt um 6–7 °C. Da die meisten Treks in Nepal auf relativ engem Raum beträchtliche Höhenunterschiede aufweisen, passierst du üblicherweise mehrere Klimazonen, auf dem Annapurna Circuit z.b. von der subtropischen über die gemäßigte bis in die hochalpine Klimazone.
Daraus ergibt sich, dass du am besten mehrere Schichten Bekleidung mitnimmst, die du nach dem Zwiebelprinzip kombinierst. Das gilt übrigens unabhängig davon, ob du im Frühling oder im Herbst unterwegs bist. Ab 3.500 Metern wird es auch in der wärmeren Jahreszeit kühl, vor allem abends.

Fazit: Es gibt nicht die eine beste Reisezeit zum Trekking in Nepal
So… damit sind wir durch. Ich gebe zu, das waren jetzt relativ viele Informationen. Wichtig finde ich bei all dem, dass es nicht die eine beste Reisezeit gibt. Frühling und Herbst haben beide ihre Vor- und Nachteile und ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht ganz zwischen den beiden Jahreszeiten entscheiden.
Ich würde daher folgendes empfehlen: Wähle deine Reisezeit weniger nach einer „perfekten“ Jahreszeit aus, sondern schau einfach, was deine Prioriäten sind: warme Temperaturen, besonders klare Sicht, weniger Besucher oder bestimmte Trekkingrouten. Dann findest du ganz automatisch die Reisezeit, die am besten zu dir und deinen Plänen in Nepal passt!

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