In diesem Artikel:
Testbedingungen
Gewicht und Packmaß
Platzgebot: Ein echter Ein-Personen-Palast
Aufbau: So einfach wie eh und je
Material und Verarbeitung im Praxistest
Wie schlägt sich das Zelt bei Regen und Wind?
Mein Fazit zum Hubba Hubba LT1
2026 ist für MSR so etwas wie eine kleine Revolution: Nach über 10 Jahren bekommen die beliebten Backpacking-Zelte Hubba Hubba ein Update verpasst, die altbewährte NX-Serie wird in den Ruhestand geschickt. Das ist tatsächlich ein tiefgreifenderer Wandel als ein einfaches Produktupdate. Im Endeffekt wird die NX-Reihe jetzt nämlich in zwei Lager aufgesplittet:
- Hubba Hubba LT*: Das neue Leicht-Modell für Puristen und Sommercamping
- Hubba Hubba HD*: Die robuste, schwerere Variante für anspruchsvolle Bedingungen
Damit geht MSR an den zentralen Markenkern der Hubba-Serie. Wir erinnern uns: Eines der großen Versprechungen war immer: Das Hubba Hubba ist beides – leicht und robust. Quasi der Allrounder unter den Backpackingzelten. Genau deshalb sind diese Zelte seit Jahren so beliebt. Und genau das wird jetzt – zumindest teilweise – aufgehoben, indem man die Serie in zwei Produktlinien aufteilt.
Für den vorliegenden Test habe ich mir die 1 Personen-Leichtvariante angeschaut, das Hubba Hubba LT1. Als langjähriger Fan und Power-User des alten MSR Hubba Hubba NX 2 (die 2-Personen-Version) war ich natürlich hochgradig gespannt, wie sich die neue Version in der Praxis schlägt. Die große Frage:
Ist das ein sinnvolles Update oder hat MSR eines der beliebtesten Trekkingzelte der Welt verschlimmbessert?
Um es schon mal vorweg zu nehmen: Beides trifft ein Stück weit zu. Der Facelift bringt klare Vorteile beim Komfort, allerdings wirkt das Zelt nun weniger robust. Ist das wirklich noch ein Hubba Hubba? Genau das klärt der Test. Das Zelt wurde mir für diesen Artikel von MSR zur Verfügung gestellt, meine Meinung und Bewertung wird davon nicht beeinflusst.

Was mir beim Hubba Hubba LT1 gut gefällt
- Sehr einfacher Aufbau
- Sehr komfortabel, viel Platz im Innenzelt
- Viele Optionen zur Gepäckaufbewahrung
- Gute Belüftung und Wetterschutz
Was man beim Hubba Hubba LT1 besser machen könnte
- Gestänge ist dünner als bei den alten Modellen
- Zelt wirkt insgesamt weniger robust
- Keine Reparaturhülse im Lieferumfang
Testbedingungen
Ich habe das Zelt über ein halbes Jahr bei verschiedenen Trekking-Touren getestet. Zweimal bei mehrtägigen Wanderungen in den polnischen Sudeten/Riesengebirge im Frühjahr, das andere Mal bei einer selbstgeplanten Durchquerung des Aladağ-Gebirges (Türkischer Zentral-Taurus) im Juli. Die Sudeten sind ein überwiegend bewaldetes, relativ regenreiches Mittelgebirge. Der Zentral-Taurus erreicht Höhen bis knapp 4.000 Metern und bot entsprechend alpine Testbedingungen.

Ich hatte im gleichen Zeitraum das 1-Personen-Zelt MT900 von Decathlon getestet, das ein ähnliches Marktsegment bedient, aber deutlich preiswerter ist. Im Artikel werde ich daher immer mal wieder vergleichen und auf Unterschiede eingehen. Ebenfalls noch zur Einordnung: Meine Größe beträgt 1,80 Meter. Ich habe das Hubba LT 1 in Kombination mit der 51 cm breiten Falt-Isomatte Therm-a-Rest Z-Lite Sol* verwendet.
Technische Daten des MSR Hubba Hubba LT1:
Gewicht und Packmaß
Das Hubba Hubba LT 1 ist ein doppelwandiges Zelt, d.h. es hat ein separates Innenzelt mit Gestänge, über das anschließend das Außenzelt angespannt wird. Dafür ist es tatsächlich sehr leicht. MSR gibt als Gesamtgewicht 1,23 kg mit allen Komponenten an – das kann ich bestätigen. Selbst nachgewogen komme ich auf 1.232 Gramm, also ziemlich genau auf die Herstellerangabe.
Mit einem Packmaß von 46 × 13 cm lässt sich das Zelt relativ platzsparend im Rucksack verstauen. Es nimmt deutlich weniger Platz weg als mein altes NX2, hauptsächlich weil es zusammengepackt dünner ist. Allerdings ist es weniger kompakt als das MT900 von Decathlon – Grund dafür sind die etwas längeren Stangensegmente beim Hubba. Bislang hatte ich damit keine Probleme, auch mit einem kleineren 30-Liter-Rucksack. Das LT1 ist aber nicht das kompakteste Zelt der Welt.

Platzgebot: Ein echter Ein-Personen-Palast
Wo das Hubba LT 1 hingegen wirklich punktet ist der verfügbare Innenraum – der ist für ein 1-Personen-Zelt nämlich wirklich gigantisch. Mit einer Länge von 2,24 m und einer Breite von 81 cm ist es ohnehin schon sehr großzügig bemessen. Dazu kommt das komplett rechteckige Design – die Füße haben genauso viel Platz wie der Kopf – außerdem stehen die Wände durch die Querstange in der Mitte fast senkrecht. Der Innenraum kann also wirklich genutzt werden und auch die Sitzhöhe von fast 1 Meter ist sehr ordentlich.

Das Ergebnis ist, ohne zu übertreiben, ein wahrer Palast für 1 Person. Ich kann in dem Zelt bequem sitzen, mich ohne größere Verrenkungen umziehen, kochen und an den Seiten und Fußenden habe ich mehr als genug Platz zum Verstauen von Gear und Kleinkram. Gerade im Vergleich mit dem recht eng geschnittenen MT900 habe ich mich manchmal fast schon gefragt, ob ich so viel Platz wirklich brauche. Auf jeden Fall muss man hier keine Angst haben, mit dem Schlafsack gegen die Innenwände zu stoßen etc. Das Hubba LT1 ist ein sehr sehr geräumiges Zelt.

Viel Komfort
Generell scheint sich MSR beim Hubba Hubba LT1 eine Frage gestellt zu haben: Wie können wir das Leben des Campers einfacher und bequemer machen? Daher finden sich in dem Zelt auch einige schöne Details. Praktisch fand ich z.B. die große Ablage über dem Kopfbereich. Dort kann man Stirnlampe, Smartphone oder andere Kleinigkeiten unterbringen. Zusätzlich gibt es an beiden Enden große Taschen über die ganze Breite des Zelts.

Auch bei der Belüftung gibt sich das LT1 keine Blöße. Durch das großflächige Mesh im Innenzelt und die zwei Belüftungsklappen im Außenzelt hatte ich keine ernsthaften Probleme mit Kondensation. Die Luft kann gut zirkulieren und auch morgens fühlte sich das Innenzelt nicht klamm an. Insgesamt ist das ist ein Zelt, in dem man sich gerne aufhält.

Aufbau: So einfach wie eh und je
Ebenfalls sehr positiv ist der extrem simple Aufbau. Im Prinzip läuft es identisch ab, wie bei der letzten Version des Vorgängermodells: Innenzelt ausbreiten, ggf. an den Enden abspannen. Danach wird das Gestänge eingefügt und das Innenzelt angeclippt. Zuletzt wird dann das Außenzelt eingehängt, zuerst an der Querstange, anschließend an den Enden.
Zunächst wird das Innenzelt ausgebreitet:

Danach werden die Stangen an den jeweiligen Enden befestigt:

Nun wird das Innenzelt mit Plastikclips am Gestänge befestigt:

Zum Schluss wird das Außenzelt eingehängt und abgespannt:

MSR hat hier am Aufbau nichts Grundlegendes geändert – warum auch? Es funktioniert genau so einfach wie immer. Wenn es doch mal haken sollte, ist praktischerweise eine Bedienungsanleitung in die Aufbewahrungstasche eingenäht. Ich wage aber zu behaupten, dass selbst absolute Zelt-Anfänger keine größeren Probleme bekommen werden. Das Ganze ist sehr intuitiv, fast schon selbsterklärend.
Im Unterschied zum Decathlon MT900 ist das LT1 komplett freistehend. Theoretisch muss man es also nicht mit Heringen abspannen, du kannst es z.B. auch auf harten Böden, Holzplattformen oder in Innenräumen aufstellen. Ein Vorteil dieses Designs ist auch, dass man damit ohne viel Zeitaufwand den Platz wechseln kann. Ich bin im Aladağ-Gebirge einmal nachts umgezogen, weil neben mir ein paar Felsbrocken den Berghang runtergepurzelt sind – eine Sache von vielleicht fünf Minuten. Ich habe das komplette Zelt so genommen wie es ist, fünfzig Meter weiter getragen und einfach wieder aufgestellt.

Material und Verarbeitung im Praxistest
Bei der Verarbeitung des Zelts kann ich nicht meckern, die ist MSR-typisch hochwertig. Nähte, Ösen und Reißverschlüsse sind sauber vernäht, die Abspannpunkte verstärkt, sämtliche Nähte am Außenzelt mit Kunststoff verklebt, um ein Eindringen von Wasser zu verhindern. Dennoch war mein erster Eindruck sofort: das Material ist nicht mehr so robust wie beim Vorgänger. Und das hat sich in der Praxis leider auch bestätigt.
Gestänge
Fangen wir mit dem Gestänge an – das für mich die größte Schwachstelle des Zelts. Sowohl das alte MSR Hubba Hubba NX 2 als auch das alte Hubba NX 1 nutzten standardmäßig DAC-Aluminium-Gestänge mit einem Durchmesser von 9,3 mm. Das war ein solides, robustes Design, die Stangen haben auch starkem Wind standgehalten. Das habe ich in vielen Nächten selbst erlebt. Das neue Hubba LT 1 kommt hingegen nur noch auf 8,7 mm – klar irgendwo muss ja Gewicht gespart werden.
Aber sind die Zeltstangen wirklich der richtige Ort dafür?
MSR rechtfertigt das mit dem zusammenhängenden Hub-System, das wie ein „H“ geformt ist. Die Stangen teilen sich sowohl am Kopf- als auch am Fußende in jeweils zwei Füße auf. Wenn nun der Wind von der Seite drückt, wird die Kraft gleichmäßig auf alle vier Ecken verteilt. Die Stabilität ergibt sich also nicht so sehr aus der Materialstärke, sondern der Geometrie – so zumindest die Theorie.

Wenn ich mit meinem alten NX2 vergleiche hat sich für mich in der Praxis allerdings folgendes gezeigt: Durch die geringere Zeltbreite von nur 81 cm werden die Stangen beim Aufbauen automatisch in einen deutlich engeren und steileren Radius gepresst – einfach, weil die Grundfläche viel schmaler ist. Das Gestänge wird also von vorneherein sehr stark gebogen und steht unter einer massiven mechanischen Vorspannung – für mich nicht sehr vertrauenserweckend.
Interessant fand ich hier auch den Vergleich mit dem MT900 von Decathlon. Die Stangen beim MT900 sind mit nur 8,3 mm eigentlich dünner als beim LT1. Allerdings setzt Decathlon auf klassisches 7001-T6-Aluminium von Yunan. Dieses Rohr hat über das gesamte Segment hinweg eine konstante Wandstärke. MSR verwendet hingegen DAC NFL-Aluminium, das mittels eines Kaltverformungsverfahrens (Swaging) behandelt wurde. Dadurch haben die DAC- Rohre keine durchgängige Wandstärke: Im mittleren Teil sind die Stangensegmente etwas verjüngt, an den Enden etwas dicker.
Der große Vorteil, der sich daraus ergibt, ist natürlich das geringere Gewicht. Aber es hat auch einen Nachteil: Die geringere Fehlertoleranz bei punktueller Überlastung. Wenn beim Einstecken der Stangen der Winkel nur minimal falsch ist, reicht die normale Aufbauspannung aus, um das Material zu überlasten. Mit anderen Worten: Wenn du beim Aufbau nicht vorsichtig bist, knickt dir das DAC-Aluminiumrohr weg wie ein Streichholz.
All das ist keine reine Theorie für Gear-Nerds. Ich musste das leider bei meinem zweiten Aufbau des LT1 selbst erleben. Einmal nicht aufgepasst, das Rohr ein winziges Stück zu weit gebogen – und zack war die Stange gebrochen. Wie zu erwarten war, genau an der Stelle, wo sich das Rohr anfängt zu verjüngen. Das Rohr hat im dünnen Mittelteil einfach kaum Fleisch auf den Rippen, um die Last abzufedern.

Nun mag man einwenden: Selim, du Depp. Dann pass halt einfach besser beim Aufbau auf. Und fairerweise kann ich nicht ausschließen, dass ich vielleicht ein bisschen unachtsam war. Aber mit meinem alten NX2 habe ich das über viele Jahre und dutzende Nächte genauso gemacht, ohne auch nur ansatzweise irgendetwas zu beschädigen. Dass das LT1 direkt beim zweiten Aufbau einen Totalschaden am Gestänge erlitt, hinterließ bei mir in jedem Fall nicht den besten Eindruck.

Boden und Wassersäule
Abgespeckt wurde beim LT1 auch der Boden: Die alte NX-Serie hatte einen robusten 30D Ripstop-Nylonboden mit einer Wassersäule von 3.000 mm. Das Hubba LT1 muss hingegen mit nur 20D auskommen und die Wassersäule ist mit 1.800 mm auch etwas niedriger. Der Boden fühlt sich dadurch relativ filigran an und auf steinigen Untergründen steigt das Risiko für Durchstiche.
Ich persönlich finde das weniger relevant – ein kleines Loch im Boden ist kein Weltuntergang, wenn man den Zeltplatz gut gewählt hat und der Regenschutz von oben passt. Aber es bleibt festzuhalten, dass das Material beim LT 1 weniger widerstandsfähig ist. Und rein von der Haltbarkeit steht das Decathlon MT900 mit seinem 40D-Boden und der 3.000 mm Wassersäule im direkten Vergleich tatsächlich besser da.

Außenzelt
Wasserschutz und Materialstärke sind beim LT 1 identisch zur NX-Serie (20D- Ripstop-Nylon, Wassersäule 1.200 mm). Allerdings setzt MSR beim neuen Modell statt der klassischen Durashield-Polyurethan-Beschichtung auf eine Polyether-Urethan-Beschichtung und PFAS-freies Silikon. Das ist einerseits besser für die Umwelt. Außerdem soll es die sogenannte Hydrolyse verhindern, also das Zersetzen der Beschichtung durch Feuchtigkeit. Das war ein gängiger Kritikpunkt der alten MSR-Zelte. Etliche Nutzer berichteten, dass die Beschichtung im Lauf der Zeit abblätterte oder klebrig wurde.
Eine weitere Neuerung ist das sogenannte Solution-Dyed-Verfahren. Dabei wird das Nylon-Granulat des Zeltstoffs bereits vor dem Spinnen des Fadens eingefärbt (beim alten NX wurde der fertige Stoff nachträglich in ein Farbbad getaucht. Das soll bis zu 80 % Wasser und Energie bei der Herstellung sparen und das Zelt UV-beständiger machen.
Nach einem halben Jahr im Einsatz kann ich zur Langzeithaltbarkeit noch keine Aussagen treffen. Was allerdings auffällt: Das neue Material hat eine andere Haptik und es knistert ein bisschen mehr. Das Zelt ist durch die hohe Gestängespannung ohnehin recht straff gezogen. Daher neigt der Stoff dazu, im Wind zu vibrieren. Es fühlt sich definitiv etwas „rascheliger“ an als das alte NX.

Wie schlägt sich das Zelt bei Regen und Wind?
Nach der vielen Kritik am Material will ich doch noch ein paar Worte zum Wetterschutz verlieren. Der war in der Praxis nämlich durchaus überzeugend. Gerade bei meinem zweiten Sudetentrip hatte ich fast jeden Tag Regen und auch auf nassen Grasböden gezeltet. Dennoch erwies sich das Zelt als absolut wasserfest.
Bei nächtlichem Dauerregen verrichteten die eingenähten Regenrinnen in der Tür ihren Dienst wie vorgesehen. Auch der Boden hielt trotz der auf dem Papier schwächeren Wassersäule gut stand. Weder von oben noch von unten kam irgendwelche Nässe ins Zelt. Ein echter Lebens- (und Nerven)retter war zudem das feinmaschige Mesh-Gewebe, das mich sehr gut vor den allgegenwärtigen Kriebelmücken im Riesengebirge schützte.

Besonders heftigen Starkwind habe ich mit dem Zelt noch nicht erlebt und ich würde das auch in Zukunft gerne vermeiden. Mit dem alten NX hatte ich da etwas weniger Bedenken, hier macht mir vor allem das Gestänge Sorgen – umso unverständlicher, dass MSR nicht mal eine Reparaturhülse für gebrochene Stangen mitliefert. Insgesamt würde ich dem Zelt aber einen recht guten Wetterschutz bescheinigen, wenn man sich die Beschränkungen vor Augen hält.

Mein Fazit zum Hubba Hubba LT1
MSR hat mit dem Hubba Hubba LT1 vieles richtig gemacht und ein großartiges Sommerzelt gebaut. Es ist wahnsinnig geräumig, bietet guten Wetterschutz und ist für ein doppelwandiges Zelt sehr leicht. Wie könnte man das nicht gut finden? Aber um das zu erreichen musste MSR an der Materialschraube drehen – und zwar auf Kosten der Robustheit: Das alte Hubba NX war ein deutlich widerstandsfähigeres Arbeitstier und genau deshalb war es ja auch so beliebt.
Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ist das noch ein Hubba? Ja… irgendwie schon. Die DNA ist noch klar erkennbar, aber die neueste Evolutionsstufe hat einen etwas anderen Weg eingeschlagen: Weg vom Allrounder, hin zu mehr Komfort. Damit sitzt das LT 1 meiner Meinung nach nun irgendwo zwischen den Stühlen: zu empfindlich für ein robustes Trekkingzelt, zu schwer für die echten Ultraleicht-Freaks. Gibt es einen Markt dafür? Das bleibt abzuwarten – ich bin auf jeden Fall auf das Feedback der Community in den nächsten Jahren gespannt!
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