In diesem Artikel:
Warum wandern die beste Möglichkeit ist Kappadokien zu entdecken
Karte der Wanderungen
Die 10 schönsten Wanderungen in Kappadokien
Meine Top-Tipps für Wanderungen in Kappadokien
Das Thema „Hunde“
Was ist die beste Jahreszeit zum Wandern in Kappadokien?
Hier bekommst du eine Wanderkarte für Kappadokien
Sonstige Fragen
Mein Fazit
Feenkamine – so werden die bizarren Felsformationen von Kappadokien genannt: Von den Launen der Natur zu wundersamen Formen gestaltete Säulen aus weichem Tuffstein, zerklüftete Schluchten und ganze Täler voller skurriler Felsgestalten. Kann so etwas wirklich auf natürliche Weise entstehen? Früher glaubten die Menschen das nicht und dachten, die pilzförmigen Türme wären die Wohnungen von Feen, Geistern und anderen übernatürlichen Wesen.
Heute ist die im zentralen anatolischen Hochland gelegene Region dank ihrer Naturwunder eines der beliebtesten Reiseziele der Türkei. Da ist es fast schon ein bisschen peinlich, dass ich trotz meiner zahllosen Türkei-Urlaube nie in Kappadokien war. Zur Ehrenrettung muss ich sagen: Der türkische Teil meiner Familie auch nicht – die kennen Kappadokien auch nur aus dem Fernsehen.
Diesen Sommer stand aber mal wieder ein Familienbesuch in Istanbul an. Und dieses Mal wollte ich auch nach Kappadokien – natürlich zum Wandern. Rund um den touristischen Hauptort Göreme zieht sich ein extrem dichtes Netz aus Tälern (türkisch: Vadi) durch die Landschaft. Eines schöner als das andere, das hat mich schon seit Jahren gereizt. Klar… ich habe auch die obligatorische Heißluftballonfahrt gemacht, aber die Hauptattraktion – das waren eindeutig die Touren zu Fuß.
Ich war ganze 10 Tage in Kappadokien. In dieser Zeit habe ich so gut wie jedes einzelne Tal um Göreme ausgiebig kennengelernt. In diesem Artikel stelle ich dir meine zehn Lieblingswanderungen vor.
Auf einen Blick
Die schönsten Wanderungen für Anfänger
Die schönsten Sonnenuntergangswanderungen
Die besten Wanderungen abseits der Touristenpfade
Warum wandern die beste Möglichkeit ist Kappadokien zu entdecken
Kappadokien ist kein Geheimtipp, über 4 Millionen Besucher kommen jedes Jahr. Vor allem Göreme, eigentlich nur ein staubiges Dörfchen im anatolischen Hinterland, ist dank Instagram inzwischen extrem bekannt und fühlt sich ein bisschen wie Disneyland für Social-Media-Touristen an. Der Massentourismus hat teils skurrile Ausmaße angenommen: An den gut besuchten Aussichtpunkten gibt es z.B. vollautomatisierte 360-Grad-Fotoplattformen, bei denen eine montierte Kamera für den perfekten Shot um einen herumkreist!
Kappadokien ist also ziemlich voll, aber es gibt eine relativ einfache Methode den Massen aus dem Weg zu gehen: Wandern. Viele kommen nämlich nur für eine Ballonfahrt, das Foto-Shooting zum Sonnenuntergang und hängen sonst auf der Terrasse im Luxushotel rum. Die Täler zu Fuß erkunden? Ach nee… das ist viel zu anstrengend. Und man muss das auch gar nicht, denn viele Aussichtspunkte sind eh mit dem Auto erreichbar.
Für entdeckungsfreudige Fußgänger ist das natürlich ein Riesenvorteil. Wenn du tagsüber zu Fuß in der Natur unterwegs bist, hast du komplett deine Ruhe. Man trifft schon gelegentlich ein paar andere Menschen. Aber der landläufige Social-Media-Tourist ist lauffaul und bewegt sich nicht gerne allzu weit von seinem fahrbaren Untersatz weg: 500 – 700 Meter ist so ungefähr das zumutbare Maximum, das ich ausgelotet habe. Danach wird es sehr schnell ruhig.

Spannender Mix aus Natur und Kultur
Zu entdecken gibt es in Kappadokien Fall einiges. Die spektakulär anzuschauenden Felsen sind aus gutem Grund die bekannteste Attraktion, schon die Entstehungsgeschichte ist spannend. Vor Jahrmillionen spuckten Vulkane wie der 50 km östlich gelegene Erciyes Dağı riesige Mengen Asche und Lava aus, die sich als weiches Tuffgestein ablagerten. Wind und Regen trugen das ungeschützte Gestein im Laufe der Zeit ab und so entstanden die ungewöhnlichen Formen.
Wie immer in Kleinasien ist aber auch die menschliche Geschichte hochinteressant. Kappadokien war lange vor dem Aufstieg des Islam das spirituelle Zentrum der christlichen Welt. Die ersten Christen versteckten sich während der Unterdrückung im römischen Reich in den abgelegenen Tälern vor ihren Verfolgern. Im 4. Jahrhundert gründete Basilius der Große in Kappadokien die ersten Klöster der europäischen Kulturgeschichte. Im Lauf der Zeit entstanden hunderte von Sakralbauten mit kunstvollen Fresken – allein rund um Göreme gibt es über 400 in die Felsen gebaute Klöster.

Eine weitere Besonderheit Kappadokiens sind die sogenannten Taubenhäuser. Diese Verschläge wurden in schwindelerregender Höhe in die Steilwände der Täler hineingemeißelt, um Tauben zu halten. Erreichbar waren sie nur über schmale Holzleitern. Die Tauben produzierten Dünger für die örtlichen Bauern. Außerdem wurde der Taubenmist im Osmanischen Reich zur Herstellung von Schießpulver verwendet und wie wir wissen hatten die Sultane großen Bedarf an Schießpulver.
tl;dr Kappadokien ist eine der faszinierendsten Landschaften zwischen Asien und Europa und vereint auf relativ kleiner Fläche einen perfekten Mix aus Natur und Kultur. Durch die überschaubare Größe kannst du zudem alles wunderbar zu Fuß erkunden.
Karte der Wanderungen
Die meisten der hier vorgestellten Wanderungen befinden sich in den Tälern im direkten Umkreis von Göreme. Ich empfehle daher, dass du dir eine Unterkunft in Göreme suchst. Ein Budget-Tipp ist das Diadem Cappadocia Guest House & Hostel*. Das ist nicht nur preiswert, sondern hat eines der freundlichsten Betreiber-Teams, die ich in den letzten 10 Jahren kennengelernt habe – absolut uneingeschränkte Empfehlung!
Die 10 besten Wanderungen in Kappadokien
Im Folgenden nun eine detaillierte Beschreibung meiner 10 Lieblingswanderungen in Kappadokien. Sämtliche Wanderungen habe ich auf eigene Faust gemacht und die genaue Route jeweils mit meinem GPS-Gerät aufgezeichnet. Ich empfehle für alle Wanderungen, dass du mindestens eine Offline-Karte auf dem Smartphone hast, ggf. auch einen GPS-Track. Du kannst dir die Tracks hier herunterladen:

Taubental und Liebestal: Die große Runde
Taubental und Liebestal sind die beiden beliebtesten Täler Kappadokiens, weil sie direkt neben Göreme liegen und gut erreichbar sind. Auf dieser Tageswanderung kombinieren wir die beiden Favoriten: Rauf geht’s durch das malerische, grüne Taubental zur Burg von Uçhisar. Der Rückweg führt und dann über das einsame Weiße Tal mit seinen schneeweißen Tuffsteinwänden zum berühmten Liebestal mit seinen… sagen wir mal, sehr maskulin geformten Tuffsteinfelsen.
Wegbeschreibung anzeigen
Aus dem Stadtzentrum folgen wir der Uzundere Caddesi einen knappen Kilometer nach Süden, die Straße verläuft immer am Bach entlang. Am Start der Wanderung steht ein Wegweiser mit Tafel und Karte. Zunächst laufen wir auf einer schattigen Schotterpiste, die kurz darauf zu einem richtigen Trail wird.
Etwa einen halben Kilometer hinter dem offiziellen Startpunkt zweigt rechts ein kleiner Pfad an einem Fass auf dem Boden ab. Dieser Weg ist schöner als der Hauptweg im Tal.
Um das Plateau zu verlassen, umgehen wir die steile Felsnadel vor uns über einen schmalen Pfad auf der rechten Seite (Weg mit Seil gesichert).
Wir gelangen daraufhin zu einem Höhenzug, der tolle Blicke auf Uçhisar und den schneebedeckten Gipfel des Erciyes Dağı weit im Osten bietet.
Kurz hinter einem Rastplatz zweigt rechts ein Weg ab, der direkt ins Ortszentrum von Uçhisar hochführt. Das Taubental verläuft noch ein gutes Stück weiter, man kommt dann aber an einer Schotterpiste hinter dem Ort raus, daher besser die erste Abzweigung nehmen.
Wer mag, besichtigt die Burg. Es gibt aber bis auf einen Aussichtspunkt nicht viel zu sehen und der Eintrittspreis ist ziemlich überteuert (600 TL, 12 Euro).
Um zum Liebestal zu gelangen, steigen wir über Treppen an der Burg vorbei in ein von beeindruckenden Felssäulen umgebenes Tal ab, fast wie ein natürliches Amphitheater.
Der Pfad führt dann zur Hauptstraße nach Göreme, der wir für ein paar hundert Meter folgen. An einem Parkplatz zweigen wir links auf einen Trampelpfad ab, der zwischen Feldern in das Weiße Tal führt.
Das Tal hat seinen Namen von den gleißend hellen Tuffsteinwänden, die in der Nachmittagssonne einen tollen Anblick abgeben.
Der weitere Weg ist unkompliziert – wir folgen einfach dem natürlichen Verlauf des Tals, das immer breiter wird und schließlich in das Liebestal übergeht.
Fast ganz am Eingang des Tals kommen dann auch die riesigen Feenkamine in Sicht, die dem Tal seinen Namen geben und zu mancherlei Assoziationen anregen.
Rotes Tal und Rosental: Die beste Wanderung in Göreme
Für mich die schönste Wanderung rund um Göreme. Das Rote Tal bietet zum Einstieg zerklüftete Schluchten und spannende Wege, teilweise mit leichten Kraxeleinlagen. Im Rosental erwartet uns dann Landschaftsgenuss in Reinform: Hunderte von phantasievoll angeordneten Tuffsteinpyramiden und rosafarbene Felswände, die in der Nachmittagssonne rötlich schimmern. Dazu als Kontrast saftig grüne Wiesen mit buntleuchtenden Wildblumen. Pure Wandermagie!
Wegbeschreibung anzeigen
Der Einstieg befindet sich in der Nähe vom Campingplatz Kaya – hier am besten mit dem Taxi hinfahren lassen (ca. 15 Minuten von Göreme), es gibt keinen schönen Weg dorthin.
Der Startpunkt ist ein Feldweg kurz vor dem Campingplatz, der uns in einem kurzen aber steilen Abstieg ins Meskendir Tal führt.
Der erste Abschnitt der Wanderung verläuft durch das Meskendir Tal. An den Steilwänden sind viele Taubenhäuser, manchmal laufen wir durch Tunnel in den Felsen.
Nach rund 1,5 Kilometern gelangen wir zu einer Abzweigung rechts, wo sich auch ein Wegweiser „Red Valley“ befindet. Diesem Weg folgen. Das zunächst offene Tal wird zunehmend labyrinthartiger.
Wir gelangen zu einem kleinen Kessel, in dem sich ein winziges Café befindet. Der Besitzer spricht kaum Englisch. Er hat aber eine sehr große Auswahl an fremdsprachigen Religionsschriften (auch deutsch), die er freigiebig verschenkt.
Danach geht es weiter zwischen den Steilwänden und über eine Leiter durch einen sehr schmalen Tunnel. In diesem Abschnitt gibt es viele unmarkierte Abzweigungen, daher ist ein GPS-Track bzw. eine Offline-Karte sinnvoll!
Der Übergang ins Rosental erfolgt über einen steilen Bergrücken an einem weiteren Café. Hier führt der Weg über eine Leiter eine recht steile Felsrinne hinauf (ca. 20 Meter, seilgesichert). Es ist weniger dramatisch als es von unten aussieht.
Oben erwartet uns ein toller Aussichtspunkt mit dem ersten Blick auf die weitläufigen Wiesenlandschaften des Rosentals. Um hinunter zu gelangen folgen wir dem Bergrücken ein kurzes Stück und steigen dann rechts über eine weitere steile Rinne ab.
Der Abschnitt durch den Talgrund des Rosentals ist das Highlight der Wanderung. Wir folgen dem Wegweiser „Ayvali Church“ nach Nordwesten, teils auf etwas ausgewaschenen Kammwegen, bis zu einem Café unterhalb der Kirche.
Noch vor dem Café verlassen wir den Hauptpfad und steigen links durch eine Art Canyon aus dem Rosental ab.
Auf dem letzten Abschnitt wandern wir auf Feldwegen über die drei Hügelketten zwischen dem Rosental und Göreme.
Dieses Stück ist nochmal recht lang, landschaftlich aber sehr reizvoll – unterwegs kommen wir an zahlreichen Feenkaminen vorbei und der Weg führt teilweise direkt daran vorbei.
Einsames Zemi Valley: Feenkamine abseits der Massen
Die Feenkamine im Zemi Valley sind nicht weniger spektakulär als die im Liebestal auf der anderen Seite von Göreme. Und doch wird es nur von einem Bruchteil der Leute besucht. Diese Wanderung verbindet das Zemi Valley mit dem parallel verlaufenden Görkündere Vadisi zu einer entspannten Rundtour mit schönen Kontrasten: Offene Landschaften und beeindruckende Felsformationen im Zemi Tal, leichtes Dschungelfeeling auf dem Rückweg durch das Görkündere Vadisi.
Wegbeschreibung anzeigen
Los geht’s an der Müze Caddesi ein paar Minuten außerhalb von Göreme. Am Zemi Hotel steht eine Infotafel mit Wegweiser, dem wir folgen.
Die zunächst breite Piste passiert das Görkünde Café, 10 Minuten später erreichen wir einen schönen Talkessel mit den beeindruckenden bis zu 15 Meter hohen Feenkaminen.
Hinter dem Talkessel führt die Route über ein sanft ansteigendes Grasplateau, mehrere kleine Seitentäler werden durchquert. Nach rund 1,5 km verlassen wir das Zemi Tal über den Höhenzug rechts von uns.
Nun folgen wir dem breiten Feldweg, der für einen weiteren Kilometer auf dem Kamm verläuft. Kurz vor dem Ende des Wegs zweigt links ein unscheinbarer Trampelpfad zur schön gelegenen Zisternen-Kirche ab (ca. 15 min hin und zurück).
Wieder auf dem Feldweg laufen wir noch ein paar hundert Meter weiter und steigen dann links in das obere Görkündere Vadisi ab.
Im weiteren Verlauf werden einige Felsstürze passiert, beim zweiten über eine mäßig steile Betontreppe, da die Schlucht von Felsbrocken blockiert ist.
Der Pfad im Talgrund ist stellenweise matschig, etwa 15 Minuten nach dem zweiten Felssturz verbreitert er sich aber zu einem Feldweg.
Klein aber fein: Wanderung durch das Schwertertal
Das Schwertertal (türkisch: Kılıçlar Vadisi) ist ein kleines, aber eindrucksvolles Tal zwischen dem Zemi Valley und dem Roten Tal. Seinen Namen hat es von den spitz zulaufenden Tuffsteinformationen, die von weitem wie Schwerter oder Säbel aussehen. Vor allem der obere Teil des Tals ist spannend – hier führt der Weg durch einen steilen, sehr schmalen Mini-Canyon. Genau den erkunden wir auf dieser kurzen, aber intensiven Rundwanderung.
Wegbeschreibung anzeigen
Start ist wieder an der Müze Caddesi auf dem Feldweg zum Göreme Camping. Hier gehen wir rechts am Wegweiser Kılıçlar Vadisi auf den schmalen Pfad, der zu einem ersten schönen Aussichtspunkt mit Felsenkirche führt.
Der Weg verläuft für einige hundert Meter auf dem Kamm zwischen Schwertertal und Göremebecken. Auf einem weiteren Pfad steigen wir zwischen mehreren Felstürmen in das Tal hinab.
Nach 250 Metern wird das Tal merklich enger, der Canyon ist stellenweise nur noch knapp zwei Meter breit.
Gelegentlich müssen wir über Felsbrocken kraxeln, schließlich wird eine fünf Meter hohe Steilstufe über eine Holzleiter überwunden.
Nach einem weiteren Felssturz öffnet sich das Tal, kurze Zeit später erreichen wir den Parkplatz an der Hauptstraße oberhalb des Open Air Museum.
Für den Rückweg nehmen wir zunächst die gepflasterte Straße, die direkt am Museums-Komplex vorbeiführt.
Ich selbst war nicht im Museum, weil ich den Preis überteuert fand (30 € + 12 € extra für die große Kirche). Das Zelve Open Air Museum (siehe Tour 8) ist größer, preiswerter und hat mehr zu bieten. Wer es sich unbedingt anschauen will, hat jetzt aber die Gelegenheit dazu.
Ilhara Valley: Durch den Grand Canyon Kappadokiens
Das Ilhara Vadisi ist der „Grand Canyon“ Kappadokiens. Das etwa 18 Kilometer lange Tal wurde über Jahrtausende vom Melendiz-Fluss in das weiche Gestein des nahegelegenen Hasandağı-Vulkans gegraben, die Dimensionen sind beeindruckend: An manchen Stellen sind die Steilwände bis zu 200 Meter hoch. In dem Tal herrscht zudem ein mediterranes Mikroklima mit üppiger grüner Vegetation. Am Ende dieser tollen Wanderung wartet mit der Selime-Kathedrale zudem die größte Felsenkirche in ganz Kappadokien.
Gomeda Valley: Felsenkirchen und Taubenhäuser
Das grüne Gomeda-Tal liegt etwas abseits der bekannten Routen, ca. 10 km östlich von Göreme. Hauptattraktion sind hier nicht die Feenkamine – die gibt es zwar auch – sondern die zahlreichen kunstvoll angelegten Taubenhäuser und mehrere fantastische Felsenkirchen. Außerdem ist das Tal stellenweise sehr tief, deshalb wird es auch gerne das „kleine Ilhara Valley“ genannt. Wer die lange Anfahrt zum echten Ilhara-Tal scheut, findet hier einen mehr als würdigen Ersatz.
Akdağ-Besteigung: Auf den höchsten Berg von Göreme
Der Akdağ (Weißer Berg) ist mit 1.327 Metern der höchste Berg im Göreme-Nationalpark und ein echter Geheimtipp für Wanderer, die Routen abseits der üblichen Pfade suchen: Vom Gipfelplateau bietet sich eine spektakuläre 360°-Grad-Panorama-Aussicht über das Herz Kappadokiens. Außerdem befindet sich hier oben in einmalig abgeschiedener Lage das vollständig erhaltene Grabmal eines Sufi-Heiligen aus dem 14. Jahrhundert. Die besten Zutaten für eine der Top-Wanderungen rund um Göreme!
Im Hinterland von Çavuşin: Der Schleichweg nach Zelve
Eine landschaftlich spektakuläre Kurzwanderung, die zwei nicht ganz so bekannte, aber sehr sehenswerte Attraktionen miteinander verbindet: Die imposante Burg von Çavuşin mit der Höhlenkirche Johannes des Täufers und das Freiluftmuseum von Zelve, ein riesiger Wohn- und Höhlenkomplex verteilt über drei malerisch ineinander verschachtelte Gebirgstäler – für mich eine der Top-Attraktionen in Kappadokien. Aber auch der Weg dorthin ist sehr schön, daher volle Empfehlung!
Kraxelabeneteuer im Devrent Valley
Das Devrent Valley liegt an der Straße zwischen Avanos und Ürgüp und ist berühmt für die fantasievoll geformten Felsformationen, die an Tiergestalten erinnern – die bekannteste ist das „Kamel“. Offizielle Wanderwege gibt es nicht, die meisten Touristen halten nur kurz am Fotospot. Ich wollte das aber nicht auf sich beruhen lassen und habe tatsächlich einige Ziegenpfade entdeckt, die man zu einem kurzen, aber intensiven Rundtrip kombinieren kann.
Unbekanntes Çat Valley: Abseits der bekannten Routen
Das Çat-Tal nördlich von Nevşehir ist ziemlich unbekannt, genau deshalb wollte ich es mir unbedingt anschauen. Und am Ende hat es mir auch gut gefallen: Durch das Tal führt eine einfache Wanderung, auf der man unglaublich viele Taubenhäuser sieht. Wahrscheinlich ist das Çat Vadisi sogar das Tal mit den meisten Taubenhäusern im Umkreis von Göreme! Am Ende befindet sich mit dem Freilichtmuseum von Gülşehir zudem eine weitere sehenswerte Attraktion abseits der bekannten Highlights.
- ✔ selbst aufgezeichnet & vor Ort getestet
- ✔ für Garmin, Navi-Apps oder Smartphones
- ✔ sofort nutzbar – keine Planung nötig
Meine Top-Tipps für Wanderungen in Kappadokien
Hier noch ein paar nützliche Tipps, wenn du auf eigene Faust in Kappadokien wanderst:
Orientierung
Die bekannteren Routen, z.B. sind im Taubental oder im Rosental sind zumindest teilweise ausgeschildert und markiert. Gelegentlich gibt es Wegweiser oder große Wegsteine, manchmal sogar mit Kilometerangaben. Daneben aber auch gefühlt eine Million unmarkierte Trampelpfade und Ziegenwege. Viele der Routen kreuzen sich auch, was zusätzlich für Verwirrung sorgt. Du kannst dich also nicht darauf verlassen, dass du immer nur den Markierungen zu folgen brauchst und automatisch am Ziel ankommst.
Navigation und GPS
Lade dir auf jeden Fall vorher eine Offline-Karte für die Navigationsapp deiner Wahl runter, bevor du losziehst. Die meisten Wege werden in den üblichen Apps angezeigt. Wenn du ganz bestimmte Wanderungen machen willst, ist es sinnvoll sich vorher einen GPS-Track herunterzuladen, z.B. die Tracks die ich hier anbiete. Damit kannst du gezielt navigieren und musst dir nicht selbst die Route zusammensuchen.
Handy-Empfang
Gerade in den Tälern kommt es vor, dass du zeitweise kein Signal hast. Stelle beim Wandern also sicher, dass du eine Offline-Karte dabei hast. Ansonsten ist der Handy-Empfang gut, ich hatte in der Regel eine stabile 4G-Verbindung.
Richtige Schuhe
Du läufst häufig über Tuffstein, der im ersten Moment harmlos wirkt. Tatsächlich ist Tuffstein aber ziemlich rutschig und es gibt gelegentlich auch mal steilere Passagen. Die Schuhe sollten also ein gutes Profil mit Grip haben. Ich hatte normale Trailrunner dabei und bin damit sehr gut gefahren. Durch die hohen Temperaturen ist eine gute Belüftung sinnvoll. Von wasserfesten Schuhen (GoreTex etc.) würde ich abraten.
Sonnenschutz
In den Tälern ist es häufig angenehm kühl, weil es dort meistens einen Bach und Vegetation gibt, teilweise sogar schattenspendende Bäume. Aber es gibt auch viele Stellen ohne Schatten und die Sonne in Zentralanatolien ist sehr stark. Daher ist Sonnenschutz unverzichtbar.
Wasser und Verpflegung
Die Einheimischen haben an strategischen Stellen kleine Cafés aufgestellt und verkaufen dort frischen Orangensaft oder Granatapfelsaft. Aber man kann sich nicht hundertprozentig darauf verlassen, dass die Cafés immer offen sind. Daher lieber ein Picknick und ausreichend Wasser mitnehmen (2 Liter). Es gibt vereinzelt Trinkbrunnen, ich habe sie im GPS-Paket markiert. Das Wasser aus den Bächen ist nicht trinkbar, da die Dörfer dort häufig ihr Abwasser durchleiten.
Das Thema „Hunde“
Das ist wahrscheinlich die häufigste Frage: „Muss ich mir wegen Hunden Sorgen machen?“ Mit gutem Grund: In der Türkei gibt es unglaublich viele freilaufende Hunde und Straßenhunde. Nicht ganz so viele wie in Indien, aber schon deutlich mehr als in südeuropäischen Ländern wie Spanien oder Portugal.
Interessanterweise habe ich in Göreme aber nur vereinzelt Hunde gesehen, und wenn dann meistens nur in Gärten oder in sicherer Entfernung hinter einem Zaun. Ich wurde schon ein paar Mal angekläfft, ansonsten habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Bei der Wanderung von Çavuşin nach Zelve hat mich ein Hund mal eine Stunde lang begleitet. Der war aber sehr brav und er hat immer schön gewartet, ob ich auch nachkomme.

Was ist die beste Reisezeit zum Wandern in Kappadokien?
Die beste Reisezeit für Wanderungen sind die Monate Mai/Juni und dann wieder ab September bis Mitte November. Zu diesen Zeiten ist es in Anatolien angenehm, aber nicht übermäßig heiß. Die Sommer in Anatolien sind sehr heiß und trocken (35° – 40° C). Zu dieser Zeit sind die hohen Gebirgsmassive des Taurus besser zum Wandern geeignet, z.B. das rund 90 km südlich gelegene Aladağlar-Gebirge.
Ich war Anfang Juni in Göreme und habe es sehr genossen. Das ist die Übergangszeit zwischen Frühling und Sommer. Die Natur war noch schön grün, gerade in den Tälern. Außerdem waren die Tage sehr lang, ca. 10 Stunden Sonne – perfekt, um viel Zeit draußen zu verbringen. Mittags war es aber schon ziemlich heiß, an manchen Tagen über 30°C.
Hier bekommst du eine Wanderkarte für Kappadokien
Hier noch ein letzter Tipp, den ich vorher gerne gewusst hätte: In Göreme gibt es tatsächlich einen kleinen Outdoor-Shop, nämlich Göreme Outdoor, ein paar Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum. In dem Laden bekommst du Wanderschuhe, Funktionskleidung und Campingausrüstung. Außerdem – man glaubt es nicht – eine offizielle Wanderkarte für Kappadokien. Ja so etwas gibt es tatsächlich!

Die Wanderkarte Cappadocia Trek im Maßstab 1:25.000 enthält markierte und unmarkierte Routen – teilweise auch Wege, die (noch) nicht in den üblichen Apps auftauchen. Genau so bin ich auch auf einige meiner Wanderungen abseits der Haupttäler gekommen. Die Karte bekommst du ausschließlich bei Göreme Outdoor, sie wird dort nämlich im Eigenverlag herausgeben. Ein Grund mehr, da mal vorbeizuschauen!

Sonstige Fragen und FAQ
Zum Abschluss meine Einschätzung zu einigen häufigen Fragen, die beim Wandern in Kappadokien immer wieder aufkommen.
Kann man in Kappadokien auch ohne Wandererfahrung wandern?
Ja, auf jeden Fall. In Kappadokien gibt es zahlreiche einfache Wanderungen. Gerade das Taubental, Liebestal oder Zemi Valley sind sehr anfängerfreundlich. Allerdings solltest du dich auch bei den einfachen Touren auf unebene Wege, kurze steilere Passagen und rutschigen Tuffstein einstellen. Es gibt also durchaus Stellen, an denen Trittsicherheit gefragt ist.
Wie viel Zeit sollte ich für die Wanderungen einplanen?
Das hängt natürlich von der jeweiligen Route ab. Viele Wanderungen lassen sich aber problemlos als Halbtagestour machen. Ich würde dennoch immer etwas Puffer einrechnen: Es gibt es viele interessante Aussichtspunkte, Höhlen und Felsenkirchen, an denen man gerne mal länger stehen bleibt. Selbst die kürzeren Touren können daher länger ausfallen, als es die reine Kilometerangabe vermute lässt.
Sind die Wanderwege in Kappadokien kostenlos?
Ja. Die meisten Wege durch die Täler sind kostenlos zugänglich. Die einzige Ausnahme ist der Weg durch das Ilhara-Tal, wo du 15 € Eintritt zahlen musst. Ansonsten kann es vorkommen, dass du an kostenpflichtigen Sehenswürdigkeiten und touristisch erschlossenen Bereiche vorbeikommt, für die Eintritt verlangt wird. Die eigentlichen Wanderwege sind in der Regel aber gratis.
Brauche ich für die Wanderungen einen Guide?
Für die meisten Wanderungen brauchst du meiner Meinung nach keinen Guide. Wenn du dich mit Offline-Karten und GPS auskennst und die Route vorher entsprechend vorbereitest, kannst du die Touren problemlos auf eigene Faust unternehmen. Ein Guide könnte aber insofern interessant sein, wenn du etwas über die Geschichte der Orte erfahren willst, die du unterwegs siehst.
Kann ich die Wanderungen mit einer Ballonfahrt verbinden?
Ja - das geht überraschend gut! Die Ballons starten normalerweise sehr früh am Morgen, sodass du anschließend noch mehr als genug Zeit für eine Wanderung hast. Ich habe das an einem Tag auch so gemacht: Morgens die Ballonfahrt für den 360° Blick, mittags dann in Richtung Rosental. Gerade wenn du die Täler von oben gesehen hast, ist es nochmal ein ganz anderes Erlebnis, zu Fuß da durchzuwandern.
Kann man in Kappadokien auch im Winter wandern?
Ja wahrscheinlich schon, auch wenn ich keine persönliche Erfahrung damit habe. Aber die Leute vom Hostel haben mir Fotos aus dem Winter gezeigt - wenn die Täler von Schnee bedeckt sind, sieht das schon genial aus. Bedenke aber, dass Anatolien im Winter bitterkalt ist. Und mit Schnee und Eis wird es natürlich schwieriger, in dem abschüssigen Terrain zu laufen.

Mein Fazit
Wer wandert, sieht Orte, die anderen verborgen bleiben – an diese Binsenweisheit musste ich in Kappadokien sehr oft denken. Denn es ist zwar schön, die Täler aus dem Heißluftballon zu bewundern. Aber die eigentliche Magie dieser einzigartigen Landschaft entfaltet sich erst, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Umso überraschender ist, dass das bislang immer noch vergleichsweise wenige Leute machen.
Wäre Kappadokien in Italien oder Spanien, wäre es inzwischen wahrscheinlich längst eine der Top-Wanderdestinationen Europas und entsprechend überlaufen. Aber die Türkei ist eben noch kein etabliertes Outdoor-Reiseland, so ist Göreme bislang eher ein Ziel von Sightseeing-Touristen. Mein Tipp: Nutze das aus, solange das noch so bleibt. Du wirst es nicht bereuen!
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Hast du noch Fragen oder Anmerkungen? Kennst du andere spannende Wanderungen in Kappadokien, die man kennen sollte? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich darauf, von dir zu hören.













































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