In diesem Artikel:
Brauche ich überhaupt einen Guide?
Wo und wie finde ich einen guten Guide?
Eine lokale Agentur in Nepal beauftragen
Einen Freelancer-Guide engagieren
Den kompletten Trek bei einer internationalen Agentur buchen
Wie teuer ist ein Guide?
So läuft das Trekking mit einem Guide ab
Guide, Porter oder Porter-Guide – wo liegt der Unterschied?
Wie wird man eigentlich Trekking-Guide in Nepal?
Trinkgeld für den Guide – wie viel ist angemessen?
Mein Fazit
Einen Guide zum Trekking in Nepal zu finden ist leicht. Einen guten Guide zum Trekking in Nepal zu finden – hier wird es schon ein bisschen schwieriger. Gerade wenn man noch nie vorher in Nepal war, weiß man in der Regel gar nicht, wo man anfangen soll, weil es einfach so viele Informationen gibt: Touranbieter im Internet, die einem das Blaue vom Himmel versprechen, stark persönlich gefärbte Einschätzungen in Foren und jede Menge widersprüchliche Infos in Facebook-Gruppen und anderen sozialen Medien.
Die meisten meiner Treks in Nepal habe ich auf eigene Faust gemacht. Beim Manaslu Circuit war das nicht möglich – dort ist ein offizieller Guide zwingend vorgeschrieben. Also musste ich mich selbst auf die Suche machen und es hat ein bisschen gedauert, bis ich den richtigen Guide gefunden habe. Am Ende war das aber ein echter Volltreffer: Ich habe den geführten Trek wirklich genossen und ich stehe noch heute mit meinem Guide Prakash regelmäßig in Kontakt.
In diesem Artikel will ich dir ein paar Tipps aus der Praxis geben, damit auch du hoffentlich den idealen Guide für dich findest.
Auf einen Blick
Guidepflicht
Ein Guide ist nicht bei allen Nepal-Treks vorgeschrieben – viele der bekannteren Routen sind auch ohne Guide möglich.
Dennoch sinnvoll
Gerade für Anfänger oder Nepal-Erstbesucher kann es dennoch sinnvoll sein, sich einen Guide zu nehmen.
Drei Möglichkeiten
Lokale Agentur, direkt gebuchter Freelance-Guide oder Komplettpaket bei einem internationalen Veranstalter.
Früh buchen
Gute und erfahrene Guides können in der Hauptsaison bereits Wochen oder Monate im Voraus ausgebucht sein.
Kosten
Für einen guten lizenzierten Guide kannst du grob mit 30–40 US-Dollar pro Tag rechnen.
Guide ≠ Porter
Ein Guide führt und organisiert den Trek, trägt aber normalerweise nicht dein Gepäck.
Qualifikation
Achte auf Lizenz, Versicherung, Erfahrung und Erste-Hilfe-Kenntnisse – besonders bei anspruchsvollen Treks.
Empfehlung
Wenn möglich, wähle einen Guide aufgrund einer Empfehlung von jemandem, der tatsächlich mit ihm unterwegs war.
Brauche ich überhaupt einen Guide?
Ein Guide ist nicht zwingend für jeden Nepal-Trek vorgeschrieben. Viele der bekanntesten Trekkingrouten in Nepal kannst du grundsätzlich auf eigene Faust organisieren und begehen. Dazu zählen beispielsweise beliebte Treks wie der Annapurna Circuit, sowie die Wanderungen im Langtang Valley oder in der Everest-Region. Wenn du deinen ersten Trek in Nepal planst, kläre also zunächst mal ab, ob du für deine konkrete Route überhaupt einen Guide benötigst.
Wann lohnt sich ein Guide?
Auch ohne obligatorische Guidepflicht, kann es sinnvoll sein, mit einem Guide zu gehen. Er nimmt dir einen Großteil der Organisation ab, er kennt die Route aus eigener Erfahrung und gerade in unerwarteten Situationen kann es schön sein, jemanden an seiner Seite zu wissen. Das sage selbst ich, als überzeugter Solo-Wanderer.
Außerdem bekommst du mit einem guten Guide nochmal einen ganz anderen Zugang zu Land und Leuten, weil er z.B. dolmetschen kann und die Kommunikation mit Einheimischen ermöglicht, die kein Englisch sprechen. Die Nepali unterhalten sich meist sehr gerne mit Ausländern, häufig scheitert es aber an der Sprachbarriere.
Ein Guide kann besonders dann sinnvoll sein, wenn du:
- Zum ersten Mal in Nepal unterwegs bist
- Wenig Erfahrung mit Trekking in großer Höhe hast
- Wenig Erfahrung mit Reisen in Entwicklungsländern hast
- Dich nicht selbst um die gesamte Organisation kümmern möchtest
- Einen besonders anspruchsvollen oder abgelegenen Trek planst
- Einfach jemanden zur Gesellschaft dabei haben möchtest
Gerade der letzte Punkt ist völlig legitim. Nicht jeder zieht gerne komplett auf eigene Faust los. Das ist eine persönliche Sache. Es ist völlig okay zu sagen „Ich will das lieber mit jemandem zusammen machen, der das Land kennt.“ Umso wichtiger ist es natürlich, nicht einfach mit irgendjemandem zu gehen, sondern einen Guide zu finden, der fachlich und menschlich zu dir, deinem Trek und deiner Art zu reisen passt.

Wo und wie finde ich einen guten Guide?
Man sollte meinen, es gibt einen unendlichen Nachschub an Trekking-Guides in Nepal – schließlich ist Tourismus für viele Leute immer noch eine der besten Einnahmequellen. Tatsächlich ist es aber gar nicht so einfach, einen guten Guide zu finden. Die Ausbildung ist für nepalesische Verhältnisse kostspielig und gerade während der Corona-Pandemie haben viele ihre Jobs als Guide aufgegeben, weil die Touristen ausblieben. Folge: die verbleibenden guten Guides sind rarer geworden und häufig schon Monate im Voraus ausgebucht.
Natürlich ist es immer noch sehr einfach, spontan jemanden zu finden. Sobald du das Flughafenterminal in Kathmandu verlässt, wirst du mit 99%iger Wahrscheinlichkeit von den ersten Schleppern angequatscht werden und auch in Thamel braucht man höchstens 30 Sekunden auf der Straße stehen und in die Luft schauen, bis du das erste Mal die Frage hörst: „Do you need guide?“.
Aber wir wollen ja eben nicht den Erstbesten nehmen, sondern einen guten Guide. Dazu hast du grob gesagt drei Optionen:
1. Eine lokale Agentur in Nepal beauftragen
Gerade wenn du noch nie in Nepal warst, ist das eine gute Wahl. Die Agentur kümmert sich um die Logistik, Permits, Anreise etc. und stellt auch einen Guide zur Verfügung. Der schwierigste Teil bei der Organisation eines Komplettpakets ist meist die Frage: „Bei welcher Trekkingagentur soll ich buchen?“ In Nepal gibt es Tausende von registrierten Agenturen und die Qualität ist nicht bei allen gegeben.
Viele Trekker entscheiden sich deshalb aufgrund einer vertrauenswürdigen Empfehlung von Freunden oder anderen Reisenden für eine bestimmte Agentur – meiner Meinung nach ein guter Ansatz. Eine andere Möglichkeit besteht darin, bei deiner Ankunft in Kathmandu oder Pokhara mehrere Trekkingagenturen persönlich aufzusuchen und dir vor Ort einen Eindruck von den verschiedenen Anbietern zu verschaffen. Genau so habe ich es beim Manaslu Circuit gemacht.
Alternativ kannst du die Agentur per E-Mail, WhatsApp oder Telefon kontaktieren. Viele nepalesische Agenturen haben inzwischen einen professionellen Webauftritt und organisieren die komplette Tour genauso wie ein internationaler Anbieter. Vereinbare am besten einen Video-Call, damit kannst du dir schon mal einen ersten Eindruck machen.
Darauf solltest du beim Buchen mit einer Agentur achten
Je nachdem, welches Paket und welche Agentur du buchst, können unterschiedliche Leistungen im Preis enthalten sein oder zusätzlich berechnet werden. Kläre vor der Buchung deshalb die folgenden Punkte ganz genau:
Transport
Wie kommst du zum Ausgangspunkt und vom Ende des Treks zurück – Inlandsflug, privater oder geteilter Jeep oder öffentlicher Bus?
Ist der Flughafentransfer bei An- und Abreise enthalten?
Unterkunft
Schläfst du im Einzelzimmer oder musst du dir ein Zimmer mit anderen Teilnehmern teilen?
Ist die Unterkunft in Kathmandu bzw. Pokhara im Paket enthalten?
Getränke
Welche Getränke sind im Preis enthalten und wie viele pro Tag?
Alleinreisende
Fällt für Einzelreisende ein Einzelzimmer- bzw. Einzelreisendenzuschlag an?
Zusätzliche Leistungen
Welche weiteren Leistungen sind im Preis enthalten?
Manche Agenturen stellen beispielsweise kostenlos einen Schlafsack, eine Daunenjacke, Trekkingstöcke oder andere Ausrüstung zur Verfügung, falls du diese benötigst.
Trekkingroute
Wie genau sieht der geplante Routenverlauf aus, werden Straßenabschnitte vermieden?
Führt die Route durch Dörfer und zu den Sehenswürdigkeiten, die du sehen willst?
Verpflegung
Welche und wie viele Mahlzeiten sind im Preis enthalten? Standard sind drei Mahlzeiten pro Tag.
Kannst du auf dem Trek frei bestellen oder ist die Auswahl auf bestimmte Mahlzeiten beschränkt?
Permits
Sind sämtliche für den Trek benötigten Permits bereits im Gesamtpreis enthalten?
Art der Reise
Handelt es sich um einen privaten Trek oder eine Gruppenreise?
Falls es eine Gruppenreise ist: Wie groß ist die Gruppe und wie viele Trekker kommen auf einen Guide? Ideal ist hier ein möglichst kleines Verhältnis, z. B. ein Guide für fünf oder weniger Trekker.
Träger
Gibt es Träger (Porter), die sich um den Transport der großen Rucksäcke kümmern?
Wie viel tragen die Porter und wie viel musst du selbst tragen?
Gut bewertete Trekking-Agenturen in Nepal
Drei Agenturen, deren Guides ich auf meinen Treks schon selbst kennengelernt habe und von denen ich in Nepal immer wieder viel Gutes gehört habe, sind:
Meine persönliche Empfehlung
Aus eigener Erfahrung empfehlen kann ich Ammonite Adventures aus Kathmandu. Mit der kleinen, lokalen Agentur habe ich den Manaslu Circuit organisiert und dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Inhaber Krishna hat uns gut beraten, die Permits innerhalb von 24 Stunden organisiert und vor allem einen sehr fairen Preis gemacht. Mein Guide Prakash war offiziell registriert, versichert und wurde fair bezahlt – genau das war mir bei der Auswahl wichtig.
2. Einen Freelance-Guide engagieren und alles selbst bezahlen
Eine Alternative zum Komplettpaket ist, einen unabhängigen bzw. freiberuflichen, lizenzierten Guide zu engagieren und die einzelnen Leistungen des Treks selbst zu organisieren und zu bezahlen, z.B. Permits, Unterkunft, Verpflegung und den Transport während des Treks. Das ist vor allem dann besonders interessant, wenn du bereits eine persönliche Empfehlung hast, z.B. von Freunden, anderen Trekkern oder jemandem, der selbst schon mit diesem Guide unterwegs war.
Der größte Vorteil dieser Variante ist, dass sie meist günstiger als ein Komplettpaket ist. Viele der wirklich guten Guides arbeiten auch bewusst als Freelancer, weil sie so mehr verdienen können. Man kommt also gar nicht über die Agenturen an sie ran. Wenn du eine vertrauenswürdige persönliche Empfehlung hast, würde ich diese Option also bevorzugen. Viele Trekker, die einmal „ihren“ Guide gefunden haben, bleiben ihm dann auch bei späteren Nepal-Reisen treu – ich würde das ganz genauso machen.
So findest du einen Freelance-Trekking-Guide
Wenn du dich für einen unabhängigen Guide entscheidest, kann die Suche ohne persönliche Empfehlung etwas schwierig sein. Du kannst dich beispielsweise in Kathmandu oder Pokhara bei verschiedenen Trekkingagenturen umhören und persönlich mit mehreren Guides sprechen. Alternativ kannst du bereits vor deiner Reise online suchen. Viele Guides haben eigene Social-Media-Profile oder sind auf Plattformen wie Honeyguide gelistet. Dort findest du Infos zu Erfahrung, den Tagespreisen und kannst den Guide direkt kontaktieren.
Egal, auf welchem Weg du deinen Guide suchst, einige Punkte solltest du bei der Auswahl beachten:
- Sprich mit mehreren Guides und vergleiche Preise und Leistungen.
- Frage nach der Erfahrung des Guides auf deiner konkreten Trekkingroute, auch abseits der klassischen Wege.
- Führe ein persönliches Gespräch, um herauszufinden, wie gut der Guide Englisch spricht und ob die Kommunikation zwischen euch funktioniert.
- Frage nach Erste-Hilfe- und Sicherheitstrainings und wie der Guide in einer Notfallsituation vorgehen würde.
- Überprüfe, ob der Guide über eine gültige Lizenz und Versicherung verfügt und lass dir entsprechende Nachweise zeigen.
- Vereinbare vorab den Tagespreis, die Anzahl der Trekkingtage und den Gesamtpreis.
- Kläre, wer den Transport zum Ausgangspunkt und vom Endpunkt des Treks bezahlt.
- Kläre, wer für Unterkunft und Verpflegung auf dem Trek aufkommt. Üblicherweise bezahlst du deine eigenen Kosten, während der Guide seine Unterkunft und sein Essen selbst übernimmt.
- Frage, ob der Guide Unterkünfte entlang der Route vorab für dich reservieren kann. Das kann gerade während der Hauptsaison im Oktober/November auf beliebten Routen sinnvoll sein.
- Kläre, wie flexibel die Planung ist. Kannst du bei Etappen, Pausen und Unterkünften mitentscheiden?
Meine Empfehlung
Wenn du einen Guide ohne Agentur suchst, kann ich dir Prakash, meinen Guide vom Manaslu Circuit, wärmstens empfehlen. Prakash arbeitet auch direkt mit Kunden. Er ist ein wirklich aufgeweckter Bursche, der dir viel über Nepal erzählen kann, sich um die wichtigen Dinge kümmert und dir trotzdem noch genug Freiraum lässt, den Trek auf deine eigene Art zu erleben. Außerdem ist er ein echter Climbing-Guide und kann auch noch gut singen. Mit Prakash durch Nepal zu ziehen, war wirklich ein Erlebnis.
Du möchtest mit Prakash unterwegs sein?
Dann kannst du hier eine unverbindliche Anfrage stellen. Teile uns einfach mit, welchen Trek du planst, in welchem Zeitraum du unterwegs sein möchtest und was dir bei der Tour wichtig ist. Ich leite deine Anfrage anschließend direkt an Prakash weiter.
Unverbindlich anfragen3. Den kompletten Trek bei einer internationalen Agentur buchen
Die bequemste Variante ist, ein Komplettpaket bei einer internationalen Reise- oder Trekkingagentur zu buchen. Anbieter wie Hauser oder der DAV Summit Club haben verschiedene Nepal-Treks im Programm, die du bereits von Deutschland aus buchen kannst. Das funktioniert sehr einfach: Du suchst dir einen Trek und das Wunschdatum aus, buchst und um den Rest kümmert sich die Agentur. Teilweise ist sogar schon der Flug nach Nepal bei diesen Angeboten mit inbegriffen.
Die Guides lernst du hier meist nur sehr spät kennen. Aber in der Regel gibt es einen deutschsprachigen Reiseleiter, der als Ansprechpartner vor Ort fungiert. Gerade die großen Agenturen machen das auch schon sehr lange und sind fest in Nepal verankert. Du kannst also davon ausgehen, dass das gut eingespielt ist. Außerdem hast du einen Ansprechpartner in Deutschland und einen Veranstalter im Hintergrund, der bei Problemen irgendwelcher Art nach deutschem Recht haftet.
Der große Nachteil im Vergleich mit einer lokalen Agentur: Der Preis ist deutlich höher – teilweise über 1.000 Euro mehr. Die internationalen Veranstalter arbeiten für die Durchführung vor Ort ebenfalls mit nepalesischen Agenturen und Guides zusammen und schlagen ihre eigenen Kosten und die Vermittlung auf den Reisepreis auf. Außerdem hast du quasi keinen Einfluss darauf, wer dich tatsächlich begleitet und wie flexibel der Trek gestaltet wird.
Falls du beim Alpinen Sicherheitsdienst (ASS) des Deutschen Alpenvereins versichert bist, übernimmt der DAV im Fall einer Bergrettung mit Helikopter oder anderen Notfällen keine Kosten, sofern du über einen internationalen Veranstalter buchst. Der DAV stuft das in diesem Fall als nicht versicherungspflichtige Pauschalreise ein.
Wie teuer ist ein Guide?
Als grobe Orientierung kannst du bei einem guten lizenzierten Guide mit etwa 30 bis 40 US-Dollar pro Tag rechnen. Für anspruchsvollere oder spezielle Routen kann es auch mehr sein. Dazu kommen je nach Vereinbarung noch weitere Kosten wie Permits, Transport, Unterkunft und Verpflegung des Guides. Kläre also vorher, welche Leistungen im Preis enthalten sind und welche du zusätzlich bezahlen musst.
Beim Preis würde ich außerdem nicht versuchen, den letzten Dollar herauszuhandeln. Ein guter Guide verdient einen fairen Lohn und die Guides haben auf einem Trek selbst Kosten zu tragen, z.B. für das Essen und die Unterkunft – das gibt es nicht umsonst. Gerade bei einem längeren Trek macht es wenig Sinn, einen Guide nur deshalb auszuwählen, weil er fünf Dollar am Tag günstiger ist. Wenn Erfahrung, Qualifikation und die Chemie stimmen, dann sollte der Preis nicht das wichtigste Kriterium sein.

So läuft das Trekking mit einem Guide ab
Normalerweise triffst du deinen Guide vor dem Trek in Kathmandu oder Pokhara und ihr reist dann zusammen zum Ausgangspunkt. Während des Treks kümmert er sich um die tägliche Organisation, empfiehlt geeignete Pausenplätze und Unterkünfte und bespricht meist am Abend den Ablauf des nächsten Tages.
„Geführt“ heißt dabei natürlich nicht, dass du permanent neben deinem Guide herlaufen musst. Im Normalfall hast du jede Menge Freiheiten, kannst dich in der Lodge aufhalten, dich mit anderen Trekkern unterhalten oder die Umgebung erkunden. Auf dem Manaslu Circuit hatte ich z.B. etliche Tagesausflüge alleine gemacht. Guide und Trekker übernachten und essen in der Regel in derselben Unterkunft, allerdings in getrennten Zimmern.
Ein Guide trägt normalerweise nicht dein Gepäck. Dafür gibt es Porter. Was du von einem guten Guide allerdings erwarten kannst, ist eine vernünftige Vorbereitung auf Notfälle. Dazu gehören je nach Anbieter beispielsweise Erste-Hilfe-Ausrüstung, ein Pulsoximeter zur Kontrolle der Sauerstoffsättigung und gegebenenfalls weitere Notfallausrüstung.
Die meisten lizenzierten Trekking-Guides in Nepal sind Männer. Wenn du über eine Trekkingagentur buchst, wirst du deshalb in der Regel auch mit einem männlichen Guide unterwegs sein. Wenn du ausdrücklich mit einer Frau trekken möchtest, gibt es aber auch darauf spezialisierte Anbieter. Ein Beispiel ist die langjährig etablierte, von Frauen geführte Agentur 3 Sisters Adventure Trekking aus Pokhara. Hier ist ein großer Teil der Guides weiblich.
Guide, Porter oder Porter-Guide – wo liegt der Unterschied?
In Nepal gibt es auf den Treks neben den Guides weitere Hilfskräfte. Dazu zählen vor allem die Träger (Porter), die für den Transport des Gepäcks zuständig sind. Außerdem gibt es so genannte Porter-Guides, eine Art Mischung aus Träger und Touristenführer. Hier noch ein paar Erklärungen zum Unterschied:
Guide
Organisation & Begleitung
Ein Guide spricht in der Regel Englisch (einige sprechen auch Deutsch, Französisch oder Spanisch). Er kennt sich in der Gegend aus und ist dafür verantwortlich, dir den Weg zu zeigen. Außerdem kann er die lokale Kultur, Tier- und Pflanzenwelt und die Besonderheiten der Landschaft erklären.
Er kümmert sich zudem um die Übernachtungen in den Unterkünften und das Bestellen der Mahlzeiten. Der Guide trägt seinen eigenen Rucksack, aber kein Gepäck der Touristen – außer in Notfällen, zum Beispiel bei einem Unfall.
Porter
Gepäcktransport
Porter sind in der Regel lokale Hilfskräfte oder jüngere Nepali, die später einmal Guide werden wollen. Sie sind dafür zuständig, dein Gepäck zu tragen. Meist sprechen sie nicht so gut Englisch, weil für die Kommunikation mit dem Kunden der Guide da ist.
Wenn du einen Porter anstellst, nimm bitte ein bisschen Rücksicht auf das Gewicht. Ich habe auf meinen Treks immer mal wieder Touristen gesehen, die ihre Träger so behandelten, als sei die Kolonialzeit nie zu Ende gegangen, und 20 bis 30 Kilo schleppen ließen. Das ist eindeutig zu viel – 15 kg pro Träger sollte das Maximum sein.
Porter-Guide
Begleitung & Gepäcktransport
Die meisten Guides beginnen ihre Laufbahn als Porter und arbeiten sich im Lauf der Zeit nach oben. Diejenigen, die schon ein Stück weiter oben in der Hierarchie stehen, arbeiten häufig als sogenannte Porter-Guides.
Sie tragen dein Gepäck, sprechen gleichzeitig aber auch Englisch und kennen sich in der Gegend aus. Porter-Guides sind eine gute Wahl für preisbewusste Solo-Trekker, die nicht mehrere Leute anheuern wollen, aber trotzdem jemanden an ihrer Seite haben möchten.
Wie wird man eigentlich Trekking-Guide in Nepal?
Viele, wenn nicht die meisten Guides in Nepal, starten ihre Laufbahn als Porter, in der Regel für 2-3 Jahre. Das ist quasi die Grundausbildung, durch die fast alle gehen. Wer diese harte Schule übersteht und gezeigt hat, dass er gut mit den Touristen kann, beginnt dann in der Regel die Ausbildung zum Guide. Erstens, weil es mehr Prestige bringt und zweitens natürlich einen viel besseren Verdienst.
Generell ist es so, dass man nepalesische Guides nicht 1:1 mit europäischen Bergführern vergleichen kann. Gerade die Vermittlung von Wissen und Erfahrung läuft in Nepal häufig immer noch sehr informell ab: Die jüngeren Anwärter gehen einfach bei den Treks mit und schauen sich in der Praxis an, wie das Geschäft abläuft. Dennoch hat sich die Ausbildung in den letzten Jahren stark professionalisiert.
VOM PORTER ZUM LIZENZIERTEN PROFI
Zugangsvoraussetzungen
Der Bewerber muss mindestens zwei bis drei Jahre aktiv als Träger (Porter) oder Camp-Assistent im Tourismussektor gearbeitet haben. Außerdem ist ein staatlicher Schulabschluss erforderlich (SEE, Secondary Education Examination, vergleichbar mit der mittleren Reife). Ein medizinisches Attest muss zudem die körperliche Eignung für extreme Höhen bescheinigen.
Ausbildungsinhalte
Die Kurse werden von staatlich anerkannten Institutionen wie der Nepal Academy of Tourism and Hotel Management (NATHM) in Zusammenarbeit mit dem Tourismusministerium durchgeführt. Die Ausbildung dauert rund 5 bis 6 Wochen (ca. 35 bis 45 Tage) und ist ein Mix aus Theorie und Praxis in den Bergen.
Höhenmedizin
Erkennung und Behandlung von Höhenkrankheit, Erfrierungen und Dehydration sowie Protokolle für Notfall-Evakuierungen per Helikopter.
Navigation & Geografie
Kartenkunde, Kompass- und GPS-Nutzung sowie detaillierte Kenntnisse über Nepals Flora, Fauna, Geschichte und Geologie.
Erste Hilfe
Intensiver Wilderness-First-Aid-Kurs für medizinische Notfälle und die Versorgung unter abgelegenen Bedingungen.
Interkulturelle Kompetenz & Sprache
Englisch-Intensivtraining, Führung von Gruppen und Konfliktmanagement.
Prüfung & Lizenz
Am Ende der Ausbildung wartet eine mehrtägige theoretische und praktische Prüfung. Wer diese besteht, erhält vom Tourismusministerium die offizielle Guide-Lizenz (ausgestellt als Lichtbildausweis).
Die Lizenz ist aber kein Freifahrtschein auf Lebenszeit: Sie muss alle fünf Jahre verlängert werden. Dafür muss der Guide regelmäßige Auffrischungs- und Erste-Hilfe-Kurse nachweisen.
Die Königsklasse: Der Climbing Guide
Normale Trekking-Guides dürfen Gruppen nur auf offiziellen Wanderwegen führen. Wenn du planst, einen sogenannten Trekking-Gipfel über 6.000 Metern zu besteigen (z. B. Island Peak oder Mera Peak), reicht diese Lizenz nicht aus.
Dafür muss der Guide die Zusatzausbildung der Nepal Mountaineering Association (NMA) absolvieren. Diese umfasst einen Basic Mountaineering Course (40 Tage) und Advanced Mountaineering Course (45 Tage) nach indischem Vorbild. In diesen Kursen werden Bergsteigen, Eisklettern, Seil- und Spaltenrettung trainiert, z. B. am bekannten Yala Peak im Langtang Valley.
Trinkgeld für den Guide – wie viel ist angemessen?
Es gibt in Nepal keine Verpflichtung, dem Guide ein Trinkgeld zu geben. Das erfolgt rein auf freiwilliger Basis und eigentlich sind Trinkgelder in der traditionellen Nepali-Kultur unbekannt. Dennoch machen es fast alle Trekker so, weil das inzwischen eine fest etablierte Tradition ist: Die internationalen Kunden geben den einheimischen Führern nach dem Ende des Treks ein Trinkgeld, um ihre Wertschätzung auszudrücken.
Wie viel Trinkgeld ist angemessen?
Wie viel du selbst gibst, würde ich von den folgenden Punkten abhängig machen:
Wie zufrieden warst du insgesamt mit dem Guide?
Ist der Guide auf deine Wünsche eingegangen, etwa bei flexibler Etappenplanung oder der Auswahl der Lodges?
War er engagiert und hat er dich bei Problemen oder schwierigen Situationen unterstützt?
Ein guter Richtwert für Trinkgelder sind 10-15 % des gesamten Guidehonorars. Üblicherweise wird das Geld am letzten Trekkingtag oder beim Abschiedsessen in bar übergeben. Dazu noch ein paar nette persönliche Worte – das sollte nicht allzu schwerfallen, denn auf dem Trek lernt man sich ja ganz gut kennen.
Du musst natürlich nicht zwangsläufig Geld geben, sondern kannst dem Guide auch anderweitig eine Freude machen. Viele Kunden verschenken Ausrüstung oder Wanderschuhe. Vielleicht erfährst du ja auch, dass es irgendetwas gibt, das sich der Guide schon lange wünscht. Ich habe unserem Guide Prakash z.B. nach dem Trek eine Lederjacke in Kathmandu gekauft. Das hatte zwar rein gar nichts mit Trekking oder Bergsteigen zu tun, aber ich wusste, dass er sich die Jacke sehnlichst gewünscht hat. Und ich fand das eine schöne Geste, besser als einfach nur Geld zu geben.
Mein Fazit
Ein Guide macht einen Trek in Nepal nicht automatisch besser. Und persönlich schätze ich es sehr, dass man auf vielen Routen in Nepal weiterhin auch ohne Begleitung unterwegs sein darf. Dennoch fand ich es selbst eine gute Erfahrung, auch mal geführt zu gehen. Und gerade für Anfänger kann es durchaus Sinn machen, sich für den ersten Trek einen Guide zu suchen.
Ein guter Guide kann eine große Bereicherung sein und den Trek sicherer und interessanter machen. Ein schlechter kann dir hingegen die Freude an der ganzen Tour nehmen – das Netz ist voll von solchen Erfahrungsberichten. Bevor du dich für einen Guide entscheidest, nimm dir also ruhig ein bisschen Zeit für die Suche. Wenn du jemanden gefunden hast, dem du vertraust, hast du im besten Fall einen Begleiter, mit dem du auch bei deiner nächsten Nepal-Reise wieder losziehen möchtest.
Hat dir der Artikel geholfen?
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