Lykischer Weg Tag 8: Ich bin dann mal raus – Das vorzeitige Ende

Route: Gelemiş – Yeşilköy – Kalkan

  • Länge: 21 km (+ Taxi nach Kalkan)
  • Höhenmeter: + 649, – 624 hm
  • Übernachten: Pansiyon Gül in Kalkan

Am Morgen kommen mir leichte Zweifel, die letzten zwei Tage wirken im Rückblick leicht sinnfrei. Warum genau habe ich überhaupt nochmal den Abstecher nach Patara gemacht? Aber es hilft nichts… jetzt bin ich hier und muss irgendwie weiter. Der Besitzer des Hotels meint zwar noch, es wäre besser nach Kalkan zu fahren, aber ich probiere es doch zu Fuß. Auf der Karte sieht die Route ja ganz schön aus. Lektion: Vertraue niemals blind einer Karte.

Zunächst laufe ich ein Stück des Wegs wieder zurück, auf dem ich vor zwei Tagen heruntergekommen bin. An einem Wegweiser nehme ich dann aber die Abzweigung nach Süden. Der Weg macht hier nochmal einen großen Schlenker und verläuft an der Küste der Halbinsel Yalıburun bis es wieder zum Aquädukt bei Dellikemer zurückgeht.

Wegweiser zur Halbinsel von Yalıburun.

Leider stellt sich dieser Abschnitt schnell als Lowlight des bisherigen Trips heraus. Statt einem schönen Küstenweg erwarten mich frisch gebaggerte Pisten und eine komplett mit halbfertigen Villas zugepflasterte Landschaft. Vor 10 Jahren mag das noch ein idyllisches Fleckchen Erde gewesen sein. Inzwischen gibt es hier gar keine richtigen Wege mehr, es fühlt sich eher wie eine große Baustelle an, auf der die Leute irgendwann mittendrin aufgehört haben weiterzumachen. Was vermutlich auch der Realität entspricht.


Dazu kommt: Ich darf zuerst die Halbinsel bis ganz zur Küste runterlaufen und direkt danach an den Baggern vorbei auf der anderen Seite wieder hoch. Das ist langweilig, anstrengend und es wartet nicht mal eine Belohnung. Aber was will man machen? Wieder oben breitet sich der weitere Verlauf der Küste hinter der Bucht von Kalkan vor mir aus: Wieder viele Dörfer und Straßen in den Berghängen. Im Prinzip geht es also genau so weiter wie die letzten Tage.

Blick über die Bucht von Kalkan. Die Küste ist hier schon ziemlich zugebaut, die Straße nach Kaş verläuft direkt am Meer entlang.

Ziemlich genau an diesem Punkt sinkt meine Motivation noch weiterzugehen rapide. Aber was sagen die Thruhiker immer? Man soll nichts überstürzen und im Zweifelfall erstmal eine Pause einlegen. Also dann… ich sehe zu, dass ich ins nächste Dorf Yeşilköy komme. Das liegt zwar nicht mehr am Lykischen Weg, aber das ist mir in diesem Moment egal. Zwei Stunden laufe ich weiter auf Schotterpisten, dann bin ich da. In Yeşilköy nehme ich mir ein Taxi nach Kalkan und miete mich in der gemütlichen Pansiyon Gül ein. Weiterplanen ist angesagt.

Kalkan ist ein wunderhübsches Städtchen in toller Lage am Meer.

Im Wanderführer heißt es, dass die nächsten Etappen ganz schön sind. Allerdings tauchen für meinen Geschmack etwas zu häufig die Worte „Schotterpiste“ und „Traktor-Track“ auf. Mal ab und zu ein bisschen Roadwalking geht schon in Ordnung. Aber in den letzten Tagen hat das doch überhandgenommen, es fühlte sich mehr wie Pflichterfüllung an. Am Ende kann ich mir auch nichts davon kaufen, wenn ich jetzt bis Kaş weitermache. Und mit dem Thruhiking-Ethos – man muss einen Weg unbedingt vollständig laufen – konnte ich eigentlich noch nie was anfangen. Eine Wanderung soll in erster Linie Spaß machen.

Letzter Tag in Kalkan. Danach fahre ich weiter nach Osten.

Und so ist die Entscheidung schnell und ohne schlechtes Gewissen getroffen: Ich beende den Trip schon vorzeitig in Kalkan. Am nächsten Tag fahre ich stattdessen nach Çıralı, das weiter im Osten liegt. Da ich noch eine Woche Zeit habe, schaue ich mir einige der anderen Abschnitte des Lykischen Wegs an und erkunde das Olympos-Massiv. Im Rückblick die beste Entscheidung überhaupt. Hier ist der Weg nämlich wirklich wieder interessant.

Werde ich den Likya Yolu irgendwann fortsetzen? Ein bisschen reizt es mich schon, auch wenn es noch so viele andere Wandergebiete in der Türkei gibt. Hinter Kaş soll es jedenfalls wieder schöner werden – einen Eindruck davon habe ich rund um den Olympos ja schon bekommen.

In jedem Fall habe ich bei der Heimfahrt das Gefühl: Es hat sich doch gelohnt, nach Lykien zu fahren – trotz der etwas durchwachsenen letzten Tage. Die Landschaften waren großartig, ich hatte einige wirklich interessante Begegnungen – wenn man alles zusammenzählt, überwiegen die schönen Eindrücke doch bei Weitem. Die Türkei macht einfach immer wieder Spaß.

Und das ist am Ende vielleicht auch viel wichtiger als ein perfekter Wanderweg.

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