La Gomera: Wildcamping, Zelten, Camping – Erfahrungen und Tipps

Als ehemaliges Hippie- und Aussteigerparadies hat La Gomera auch heute noch einen gewissen Ruf unter Freunden alternativer Urlaubsformen. Vor allem kommt immer wieder die Frage auf, ob Wildcamping und Zelten auf La Gomera erlaubt oder zumindest geduldet wird. Ich war im letzten Winter zwei Wochen auf der Insel und habe den Selbstversuch gewagt.

In diesem Artikel:

Als ich meine Tour auf der großen Inselumrundung auf dem GR 132 plante, war schnell klar, dass ich auch einige Nächte im Zelt außerhalb von offiziellen Campingplätzen verbringen würde. Zum einen, weil ich die Vorstellung inmitten von Palmenhainen und Kakteen zu zelten wahnsinnig romantisch finde. Zum anderen aber auch aus purer Notwendigkeit: Der Inselrundweg führt durch unbewohnte Landschaften, in denen es schlicht keine andere Übernachtungsmöglichkeit gibt.

Genau deshalb stellte ich mir vorher natürlich die Frage: Darf man das denn einfach so?

Pro-Tipp: Nein, darf man nicht, aber es geht trotzdem:)

Wildcamping und Zelten auf La Gomera: Was ist erlaubt?

Die offizielle Regelung ist relativ eindeutig und lässt sich kurz zusammenfassen: Wildcamping, Zelten und Übernachten im Freien außerhalb von offiziellen Campingplätzen ist in La Gomera verboten. Dieses Verbot gilt für die gesamte Insel und schließt die beiden Nationalparks Garajonay und Majona ein. Neben diesen größeren Schutzzonen gibt es aber noch 17 weitere Naturschutzgebiete auf La Gomera: Hier ist freies Camping ebenfalls nicht gestattet.

Zur Frage, was passiert, wenn man beim Wildcamping in La Gomera erwischt wird, habe ich auf der Insel widersprüchliche Aussagen gehört. Einfache Verwarnung und die Ermahnung, das nicht noch mal zu machen. Geldstrafen von mehreren hundert Euro, vor allem falls man beim Zelten im Garajonay ertappt wird. Oder einfach gar nichts, wenn einen normale Einwohner und nicht die Polizeibeamten entdecken.

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Was ist mit den Hippies in den Felshöhlen von La Gomera?

Das Campingverbot betrifft natürlich auch die Strände und die berühmten Felshöhlen, die immer mal wieder (teilweise auch für längere Zeit) von modernen Hippies, Esoterikern und anderen Zivilisationsflüchtigen bewohnt werden, auf die der ewige Frühling La Gomeras eine geradezu magische Anziehungskraft ausübt. Auch das ist offiziell nicht erlaubt.

Von dem was ich gehört habe, taucht relativ regelmäßig die Polizei an den Stränden auf, wenn es den Gomeranern mal wieder zu viel mit den wilden Campern wird. Anschließend werden die ungebetenen Besucher vertrieben. Eine Zeitlang ist Ruhe und dann geht das Spiel wieder von vorne los.

Einen ganz interessanten Einblick in das Leben der “Höhlenbewohner” bietet dieses Interview:

Die Vorstellung mal ein paar Tage unter Hippies zu wohnen, fand ich zuerst schon ganz witzig. Es gibt aber etliche Berichte, denen zufolge die Hippiegemeinschaften Besuchern gegenüber nicht gerade aufgeschlossen sind. Ein bisschen kann ich das auch verstehen. Ich fände es als Aussteiger wahrscheinlich auch nicht gerade prickelnd, wenn ein blöder Tourist daher latscht, um mich wie im Zoo zu begaffen.

Genau deshalb verabschiedete ich mich auch wieder relativ schnell von dieser Idee und wandte mich der praktischeren Frage zu: Was ist als Wanderer mit Zelt auf La Gomera möglich?

Wildcamping und Zelten auf La Gomera: Was ist möglich?

Verbote sind eine Sache, die Realität eine andere. Die Realität auf La Gomera sieht so aus: Bis auf die sechs größeren Gemeinden an der Küste ist die Insel extrem dünn besiedelt. Der größte Teil von La Gomera besteht aus weitläufigen Naturlandschaften, in denen die winzigen Dörfchen nur einen Bruchteil der Fläche einnehmen.

Das gilt vor allem für den Süden der Insel zwischen der Hauptstadt San Sebastian de La Gomera und Valle Gran Rey. Hier gibt es, abgesehen von dem Flughafen und dem Örtchen Playa Santiago auf einer riesigen Fläche nur ein paar verstreute Siedlungen, etliche verlassene Geisterdörfer und ansonsten sehr viel Platz.

Wildcamping in La Gomera.
Wie wahrscheinlich ist es, dass hier nachts jemand vorbeikommt?

Hier einen ruhigen Platz für eine Nacht zu finden war überhaupt kein Problem: Wo es keine Straßen gibt, besteht auch keine Chance, dass zufällig mal ein Polizist vorbeikommt. Wie es mit längeren Aufenthalten an einem Ort aussieht kann ich nicht beurteilen, da ich das Zelt immer erst abends aufbaute und direkt am nächsten Morgen weg war. Ich vermute, selbst das dürfte kein Problem sein. Empfehlen würde ich es aber nicht.

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Herausforderungen beim Zelten in La Gomera

Darüber, beim Zelten erwischt zu werden, machte ich mir keine großen Sorgen. Ein echtes Problem war hingegen die Wasserversorgung. Auf La Gomera gibt es kaum natürliche Wasserquellen. Fast alle auf den Karten eingezeichneten Wasserläufe sind ausgetrocknet. Praktisch musste ich also immer „trocken“ campen und sämtliche Wasservorräte selbst mitnehmen.

Trocken campen an sich finde ich nicht so schlimm. Zeltplätze neben einem Fluss oder See sind zwar praktisch und machen sich gut auf Fotos. Dafür hat man dann aber immer auch mit Luftfeuchtigkeit und Kondensation zu kämpfen. Blöd war nur, dass ich mir nie sicher sein konnte, wann denn jetzt die nächste Wasserquelle kommt. Und der Verbrauch in der Hitze ist doch recht groß.

Zelten im Garajonay Nationalpark in La Gomera erlaubt?
Solche kleinen Bachläufe sind auf La Gomera die absolute Ausnahme – ich hab sie eigentlich nur im Norden gesehen und wenn dann auch nur sehr sporadisch.

Die ersten beiden Tage, an denen ich zeltete, habe ich also immer schön brav 5 Liter Wasser mit mir rumgetragen. 2 Liter für den ersten Tag, 1 Liter für Waschen und Kochen im Zelt und dann nochmal 2 Liter für den nächsten Tag bis zur (hoffentlich) nächsten Wasserquelle. Danach bin ich aus mehreren Gründen (vor allem wegen dem schlechten Zelt) ohnehin vom Wildcamping abgekommen und habe nur noch einmal für mehrere Tage im Garajonay-Nationalpark gezeltet.

Theoretisch könntest du bei einer Rundwanderung auf La Gomera auch durchgängig zelten. Das Problem ist halt nur, dass du nie weißt, wann das nächste Mal Wasser kommt. Eventuell hast du Glück und entdeckst irgendwo eine kleine Pfütze oder ein Rinnsal. Verlassen kann man sich darauf aber nicht. Brunnen habe ich keine gesehen, auch nicht in den Orten.

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Eventuell kannst du in einer der kleineren Ortschaften nach Wasser fragen. Wahrscheinlich ist das sogar die sicherste Lösung. Einige der Orte, auch wieder vor allem im Süden, wirkten aber so, als seien sie fast vollständig verlassen (z.B. Jerdune, Vegaipala, El Rumbazo, Lo del Gato). Im Nordosten der Insel gibt es hingegen überhaupt keine Ortschaften mehr. Hier habe ich nur einen halbvollen Speicher für Regenwasser bei Enchereda entdeckt. Der kann aber auch genauso gut leer sein, wenn du vorbeikommst.

Offizieller Campingplatz La Vista in La Gomera.
Camping La Vista – der einzige offizielle Campingplatz La Gomeras fühlt sich nicht großartig anders an als das Zelten in der freien Natur.

Offizielle Zeltplätze zum Camping auf La Gomera

Der einzige offizielle Campingplatz La Gomeras „ Camping La Vista“ befindet sich am Rand des Garajonay-Nationalparks in dem kleinen Örtchen El Cedro. Es ist ein reiner Zeltplatz, der auf mehreren Terrassen angelegt ist und Zeltplätze zum geradezu lächerlich niedrigen Preis von 2 Euro/ Nacht bietet.

Hier gibt es auch ein Restaurant, in dem du zu ähnlich günstigen Preisen essen und Wein kaufen kannst. Ein echter Hit war auch die Freiluftdusche mit Kaltwasser. Der Platz liegt zudem ideal in der Nähe der Wanderwege im Nebelwald – praktisch, weil du dir damit die langwierige Anfahrt sparst und von hier aus ideal das Zentrum der Insel erkunden kannst.

Der Platz ist extrem naturnah, was aber auch gerade der Reiz ist. Im Prinzip war es auch nicht großartig anders als Wildcamping, nur dass ich nebenan Wasser und hundert Meter den Berg hoch das kleine Restaurant zum Abendessen hatte. Wenn es überhaupt einen Nachteil gab, dann dass es hier jeden der vier Tage, die ich da war, regnete. Aber das liegt eben an der Lage an den Nordhängen.

Neben dem Campingplatz „La Vista“ soll es einigen spanischsprachigen Webseiten zufolge auch noch die Möglichkeit geben, am Playa de Ávalo zu zelten. Dazu muss man sich anscheinend vorher bei der Inselverwaltung voranmelden. Ob es dieses Angebot inzwischen noch gibt, kann ich nicht bestätigen – einen Versuch ist es wert.

Camping am Strand in La Gomera.
Freies Camping am Strand ist in La Gomera nicht erlaubt.

Tipps und Hinweise zum Zelten auf La Gomera

Wenn du auf Gomera außerhalb der offiziellen Plätze zeltest, sei dir darüber im Klaren, dass du eine besondere Verantwortung trägst. Es geht nicht nur darum „nicht erwischt zu werden“, sondern die Natur so zurückzulassen, dass auch die Leute nach dir noch eine Freude daran haben.

  • Schlage dein Zelt nur für eine Nacht an einem abgelegenen Ort außerhalb der Sichtweite von Ortschaften auf und verlasse den Platz im Morgengrauen.
  • Hinterlasse keinen Müll und nimm alles, wirklich alles, wieder mit. Nicht nur die offensichtlichen Dinge wie leere Flaschen, sondern auch Essensreste, Klopapier, Zigarettenkippen, etc.
  • Mach auf keinen Fall ein offenes Feuer. La Gomera ist wie erwähnt extrem trocken und es herrscht permanent akute Brandgefahr. Auch beim Hantieren mit Gaskocher etc. gilt extreme Vorsicht.
  • Zelte auf keinen Fall im Garajonay-Nationalpark! Erstens wird hier vermehrt kontrolliert. Zweitens gibt es einen offiziellen Zeltplatz. Drittens gab es hier vor einigen Jahren schon einmal einen verheerenden Waldbrand, der etwa 20% der Fläche dieses weltweit einzigartigen Ökosystems vernichtete.
  • Zelte möglichst nur mit wenigen Leuten oder alleine und vermeide es, in größeren Gruppen aufzuschlagen.
  • Verhalte dich ruhig und vermeide abends laute Musik, Rumgegröle, Sauforgien etc.

Fazit

Wildcamping mit Zelt war auf La Gomera war zumindest als Solo-Wanderer kein großes Problem. Allerdings habe ich auch bewusst die bekannten Hotspots umgangen und mir ruhige, abgeschiedene Orte für eine Nacht mit einem kleinen Trekkingzelt gesucht. Landschaftlich ist die Insel zum Zelten sehr reizvoll. Einzig der allgegenwärtige Wassermangel ist ein kleiner Wermutstropfen.

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