Mt.Yasur auf Tanna: Allein auf einem aktiven Vulkan

Die meisten Besucher der Südseeinsel Tanna im Vanuatu-Archipel bezahlen eine Menge Geld, um einen Blick in den Schlund des Vulkans Mt. Yasur werfen zu dürfen. Eigentlich gar nicht nötig. Mit etwas Abenteuerlust kommst du auch ohne Guide auf den Vulkan.

Wie teuer ist ein „normaler“ Trip auf den Mt. Yasur?

Wenn man sich einer normalen Vulkan-Tour auf Tanna anschließt, werden für den Spaß 9750 Vatu fällig (ca. 75 Euro, Stand November 2019). Das ist vielleicht kein Vermögen, dafür bekommst du aber (meiner bescheidenen Meinung nach) auch nicht wirklich viel.

Im Preis inbegriffen ist eine Fahrt mit dem Truck bis zu einem provisorischen Camp. Von dort aus läuft man mit einer Touristengruppe in 5 Minuten bis zum Rand des Kraters und hat 1 ½ Stunden Zeit, um sich das Schauspiel anzuschauen.

Danach ist die Vorstellung vorbei und du wirst wieder in deine Unterkunft zurückgefahren. Nicht gerade sehr abenteuerlich, vor allem da die Guides darauf achten, dass sich niemand zu weit von der Gruppe entfernt.

Im Prinzip bekommst du für 75 Euro also eine nicht sonderlich lange Standard-Touri-Tour, kannst ein paar Selfies schießen und darfst dann sagen: „Ich war schon mal auf einem aktiven Vulkan“.

Irgendwie fühlt sich das nicht richtig an, oder? Wo bleibt da das Abenteuer?

Das muss doch auch anders gehen!

So kommst du auch ohne Guide auf den Vulkan

Als mir der Eigentümer meiner Lodge erklärte, wie eine typische Vulkan-Tour auf Tanna abläuft, hat mir das auf Anhieb nicht zugesagt. Nicht wegen dem Geld, sondern einfach weil ich es extrem langweilig fand.

Tanna wird von der Tourismus-Behörde Vanuatus als „Adventure-Island“ angepriesen. Aber was ist das für ein Abenteuer, wenn man durch die Gegend kutschiert wird und einem alle Entscheidungen abgenommen werden?

Richtig. Gar keins.

Ein Plan B musste her. Und eigentlich war alles viel unkomplizierter als ich zuerst gedacht habe.

Was mir nämlich niemand sagte: Du kannst einfach auf den Vulkan hochlaufen. Das Gebiet wird nicht bewacht, ist nicht abgezäunt und es gibt auch kein Kassenhäuschen am Krater wo man sich ein Ticket kaufen muss.

Was ja auch eigentlich eine ziemlich lächerliche Vorstellung ist. Aber ich bin mir sicher, dass es Orte auf der Welt gibt, wo es genauso abläuft.

Wie dem auch sei: Um ohne Guide und ohne zu zahlen auf den Mt. Yasur zu kommen, gehst du einfach hoch, wenn niemand hinschaut. Was auf Tanna ziemlich einfach ist, da nicht gerade viele Leute in der Nähe des Vulkans leben.

 Aber wie läuft das jetzt genau ab?

Alternative Route zum Mt. Yasur

Nach dem Gespräch mit meinem Host habe ich erst mal gar nichts gesagt und nur gemeint, ich überlege mir das mit der Tour nochmal. Innerlich wusste ich zwar schon, dass ich da eigentlich überhaupt keine Lust darauf habe. Mir war nur noch nicht ganz klar, was meine anderen Optionen waren.

Dass ich irgendwie auf den Vulkan komme, war natürlich klar. Das war schließlich der Hauptgrund, warum ich überhaupt nach Tanna geflogen bin.

Die Lösung kam, als ich dann am nächsten Tag über die Ascheebene wanderte und mir das Gebiet rund um den Vulkan anschaute. Das sieht ungefähr so aus:

Wie du siehst, führt eine Straße direkt neben dem Vulkan vorbei. Oder zumindest das, was auf Tanna als Straße durchgeht. Das ist der Weg, den auch die Trucks nehmen, die von Westen kommen. Ebenfalls deutlich ist, wie flach die Hänge des Vulkans ansteigen.

Als ich das erannte, wurde mir klar, dass man da tatsächlich einfach bis zum Kraterrand hochlaufen kann, so blöd es vielleicht klingen mag.

An dieser Stelle aber nochmal kurz eine Erklärung, wie du überhaupt in die Nähe des Vulkans kommst.

Der Flughafen White Grass, auf dem alle Touristen landen, befindet sich ungefähr 15 Minuten nördlich der Ortschaft Lénakel, welche an der Westküste der Insel liegt. Der Mount Yasur liegt hingegen am anderen Ende, nämlich im Osten von Tanna.

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Die meisten Leute (mich eingeschlossen) nehmen einen Truck von Lénakel und lassen sich über die Insel bis zu den Unterkünften südlich des Vulkans bringen. Diese Lodges liegen alle an einer einzelnen Straße im Dschungel und befinden sich in der Nähe des offiziellen Yasur-Besucherzentrums.

Die Fahrt von Lénakel dorthin dauert etwa 2 -3 Stunden mit dem Truck über eine ziemlich abenteuerliche Staubpiste mit viel auf und ab . Die Trucks werden meist von den Eigentümern der Lodges betrieben. Anderweitig ist es schwierig dorthin zukommen, da die Insulaner nicht unbedingt in diese Richtung fahren, wenn sie nicht müssen.

Am besten funktioniert Hitchhiking, alternativ kann man auch versuchen auf einem Truck mitzufahren, wenn gerade ein Flugzeug mit einem frischen Strom Touristen gelandet ist.

Die Strecke von Lénakel zum Vulkan zu laufen würde mindestens einen halben Tag dauern und ist für die meisten Besucher wahrscheinlich keine Option.

Ich hab’s auf dem Rückweg nach Lénakel versucht und bin ungefähr die Hälfte des Weges gelaufen. Kein großes Vergnügen – es gibt kaum Schatten, die Straße ist extrem staubig und es geht ständig auf und ab. Ein Fahrzeug ist eindeutig die bessere Option und ich sage das als jemand, der gerne läuft.

Bevor die Straße die Lodges am Yasur erreicht, führt sie über die große Ascheebene zu Füßen des Yasur und verläuft in südlicher Richtung direkt am Vulkan vorbei. Mit dem Auto fährt man etwa 20 Minuten von der Ascheebene bis zu den Bungalows.

Heißt im Klartext: Wenn man in einem Bungalow in der Nähe des Vulkans übernachtet, ist es überhaupt kein Problem zurück zur Ascheebene und von dort auf den Vulkan zu laufen.

Je nachdem wo die Lodge liegt, brauchst du knapp 45 Minuten bis zur “Ashplain” und von da vielleicht nochmal eine weitere Stunde bis hoch zum Rand des Kraters. Genau das habe ich auch gemacht – es war eigentlich eher eine spontane Entscheidung, weil es fast schon zu einfach war.

Wegbeschreibung

Die Route ist eigentlich recht simpel, wenn du in einer der Lodges in der Nähe des Vulkans startet. Von dort läufst du grob Richtung Norden und folgst einfach der Dirtroad, bis du zur Ascheebene gelangt.

Den Vulkan kann man nicht übersehen, er erhebt sich deutlich sichtbar zur Rechten. Du folgst zunächst aber weiter der Dirtroad, bis diese in einem Bogen nach Nordwesten abzweigt und wendest dich nach rechts, bevor sie einen ausgetrockneten Flusslauf überquert (genauer gesagt einen alten Lavakanal).

Das sieht dann so aus:

Von der rechten Seite her ragt ein bewaldeten Abschnitt bis an den nördlichen Hang des Vulkans heran. Am Rand der Bäume kannst du relativ bequem in einer alten Lavarinne hochlaufen, wobei man streckenweise etwas klettern muss.

Nach einem kurzen Anstieg wird es flacher und man kommt an einem Geröllfeld unterhalb der Nordseite des Kraters heraus. Von dort sind es dann nur noch einige Minuten bis zum Rand. Folge einfach dem Rauch und dem Geräusch der Explosionen:)

Wie gefährlich ist es alleine da hochzugehen?

Der Weg selbst ist nicht besonders herausfordernd, da die Hänge allesamt recht flach sind. In der Lavarinne muss man an einigen Stellen etwas klettern, was ich aber nicht besonders schwierig fand und ich bin absolut kein Kletterprofi.

Alternativ kann man die Lavarinne auch ignorieren und schon früher direkt von der Straße aus hochlaufen. Allerdings sind die Hänge ziemlich rutschig und man wird natürlich auch besser gesehen. Ich habe bei meinem Trip versucht, maximal unauffällig zu sein und deswegen den kleinen Umweg genommen.

Ich muss auch noch dazu sagen, dass ich bei Tageslicht hoch bin. In der Dunkelheit hätte ich es nicht gemacht. Allein schon deshalb nicht, weil dann auch die Trucks mit den Guides und den Touristen oben sind und ich keine Lust gehabt hätte, mich rauszureden oder zu rechtfertigen.

Natürlich solltest du dir aber vor allem im Klaren sein, was du da überhaupt machst. Der Weg an sich ist einfach, aber der Mount Yasur ist immer noch ein aktiver Vulkan, der alle paar Minuten Lava und glühende Gesteinsbrocken aus seinem Inneren hochschleudert.

Ich hab die Lavaströme leider nicht auf die Kamera bekommen, aber in Wirklichkeit sieht das natürlich noch vield beeindruckender aus.

Die Lava ist bei Tag übrigens schwarz, was ziemlich merkwürdig aussieht und so gar nicht den üblichen Vulkanklischees entspricht. Was mich auch überrascht hat, ist, dass man ziemlich weit weg vom Schlund ist und nicht bis ganz unten schauen kann.

Wenn du oben bist, solltest du aber auf keinen Fall versuchen, die Absperrungen zu überqueren. Tagsüber ist da oben keine Menschenseele und es gab in der Vergangenheit Unfälle, weil Leute genau das gemacht haben und von einem der glühenden Gesteinsbrocken getroffen wurden, die alle paar Minuten aus dem Krater geschleudert werden.

Das Ergebnis kann man sich ausmalen…

Dass ein aktiver Vulkan von Natur aus nicht ganz ungefährlich ist, sollte auf der Hand liegen. Es ist zwar ein kontrolliertes Risiko, da der Yasur permanent überwacht wird. Letzten Endes kann er aber trotzdem jederzeit ausbrechen, wie der Vulkanausbruch in Neuseeland im Dezember 2019 zeigt. Wenn du dir auch nur ein bisschen unsicher bist, würde ich es lassen und mich einer normalen Tour anschließen.

Darf man einfach so auf den Vulkan hochlaufen?

Bleibt noch die Frage: Darf man das denn überhaupt?

Offiziell ist es meines Wissens nach nicht vorgesehen, dass Leute alleine zu Fuß auf den Vulkan laufen. Wenn du jemanden in der Lodge fragst, gehe ich schwer davon aus, dass du die Antwort erhalten wirst: „Nein, darfst du nicht!!!“

Andererseits ist es aber auch nicht wirklich verboten. Es gibt keine Warnschilder oder Leute, die dich aufhalten und zurückschicken. Die Betreiber der Lodges gehen einfach davon aus, dass niemand auf die Idee kommt, alleine da hochzugehen. Und das scheint ja auch ganz gut zu funktionieren.

Als ich nach meinem Ausflug auf den Vulkan einigen Dorfbewohnern in Sulphur Bay davon erzählt habe, waren die allerdings nicht besonders überrascht davon.

Im Gegenteil: Sie meinten nur, sie würden selbst ab und zu auf den Vulkan gehen, um sich abends die Lightshow anzuschauen. Und natürlich zahlen die auch kein Geld dafür.

Was man aber noch erwähnen sollte: Das Gebiet, auf dem sich der Yasur befindet, ist (wie jedes Stück Land in Vanuatu) Privateigentum. Der Vulkan “gehört” also einem Familienclan, der auch das Besucherzentrum betreibt, und sich eine goldene Nase mit den ganzen Touristen verdient.

Inwieweit dieses Geld dann der Community zukommt, sei einmal dahingestellt. Ich habe aber mit einigen Einwohnern gesprochen, die nicht ganz glücklich über die aktuelle Lage waren und sich darüber beschwerten, dass nur eine Familie mit dem Vulkan abkassiert.

Fazit

Es ist relativ unkompliziert, den Mt. Yasur auch ohne Guide zu besuchen, wenn du kein Problem damit hast, durch Gelände ohne Wege zu laufen. Ungefährlich ist es trotzdem nicht und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich keine Empfehlung aussprechen.

Ich persönlich fand es zu keinem Zeitpunkt lebensbedrohlich oder besonders gruselig, sondern war eher beeindruckt, dass ich einem solchen Naturschauspiel ungestört so nahe sein durfte. Allerdings war ich mir auch über die Gefahren bewusst. Die Entscheidung einen aktiven Vulkan zu besteigen muss jeder selbst treffen.