Dolomiten-Höhenweg Nr.1 – Etappe 2: Ücia Fodara Vedla – Ücia Lavarella

Route: Ücia Fodra Vedla (1.966 m) – Ücia Pederü (1.548 m) – Ücia de Fanes (2.060 m) – Ücia Lavarella (2.042 m)

  • Länge: 8,4 km
  • Höhenmeter: + 569, – 504
  • Gehzeit: ca. 3,5 Stunden (+ evtl. Ausflüge/Rundtouren in der Umgebung)
  • Übernachtung: Ücia Lavarella

Die heutige Etappe ist selbst bei einem Start in Fodara Vedla ziemlich kurz, wenn du eine Hütten-Übernachtung planst. Der nächste logische Stützpunkt ist die Fanes-Alm (Ücia de Fanes) die nur etwa 3 -4 Stunden entfernt liegt – bestenfalls eine Halbtages-Etappe. In diesem Fall bietet sich ein Ausflug in die westliche Fanes-Ebene an, was ich dann auch gemacht habe.

Von Fodara Vedla folgst du zunächst einer Straße, die sich recht steil talwärts zieht und schöne Blicke ins Rautal (Val dai Tamersc) unter den schroffen Felswänden der Sas de Crosta bietet. Schon nach einer guten Stunde erreichst du die große Ücia Pederü. Hier gibt es sogar eine Busanbindung, dementsprechend zivilisationsnah fühlt sich die Hütte an. Für eine Übernachtung wäre mir das nicht romantisch genug.

Die gut angebundene Hütte Ücia Pederü wird sogar mit dem Bus angefahren.

Die Alta Via folgt anschließend dem natürlichen Verlauf des Rautals, das in südwestlicher Richtung zum Valun de Fanes wird. Immer sanft ansteigend läufts du im Schatten imposanter Felsformationen – rechts die in einem scharfgezackten Grat auslaufende Banch dal Se, links die massiven Felswände der Eisengabelspitze (Furcia dai Fers).


Nächster Zwischenstopp ist die urige Almhütte Ücia de Pices Fanes, kurz darauf folgt die größere Ücia de Fanes, ein paar Kilometer dahinter die Ücia de Gran Fanes. Ich fand es etwas verwirrend, dass es in diesem Gebiet gleich drei Fanes-Almen gibt. Die meisten Leute übernachten anscheinend aber in der zweiten, also der Ücia de Fanes.

Mir sah die Hütte etwas zu trubelig aus, deswegen bin ich weiter zur knapp 10 Minuten westlich gelegenen Ücia Lavarella. Diese gemütliche kleine Hütte befindet sich abseits des großen Besucherstroms und man sollte es eigentlich nicht glauben: Die paar Minuten Wegstrecke machen einen Riesenunterschied. Die Hütte fühlt sich deutlich weniger touristisch und wie eine echte Berghütte an.

Die Lavarella-Hütte war eine der gemütlichsten Hütten der Tour.

Da es noch viel zu früh am Tag ist (ca. 11:30), kann ich hier natürlich nicht schon Schluss machen. Mein Plan ist von der Lavarella-Hütte auf dem Wanderweg Nr. 7 in die westliche Fanes-Ebene zu spazieren. Von dort will ich auf den Piz Lavarella (3055 Meter) steigen und anschließend auf dem “Sentiero Tru Dolomieu” bis zum Gebirgsee Lé de Conturines zu laufen, um dort zu zelten.

Die Wanderung startet fantastisch und ist durchaus auch als ambitionierte Tagestour empfehlenswert (ca. 7-8 Stunden mit Start/Ziel in der Lavarella-Hütte). Auf einem sehr naturnahen Steig geht es über mehrere Felsstufen auf die Hochebene, vorbei an plätschernden Wasserfällen und mit tollen Ausblicken auf die Almen im Tal.


Der westliche Teil des Naturparks Fanes-Sennes bietet trotz des bedeckten Himmels tolle landschaftliche Eindrücke. Die Ebene bildet hier ein Tal, das wie ein riesiger langegezogener Kessel wirkt. Begrenzt wird es im Süden von bizarren Felspyramiden, während sich weit am Horizont Kreuzkofel, Neunerkofel und Zehnerkofel in den Himmel schieben.

Einsame Gebirgslandschaften auf der westlichen Fanes-Hochebene.

Ein weiterer Grund, warum es sich lohnt, hier oben zu wandern: Murmeltiere. Ich glaube ich habe noch nie so viele der niedlichen kleinen Nager auf einmal gesehen. Alle zwei Minuten sehe ich es um mich herumhuschen, manchmal gleich mehrere auf einmal. Leider sind die Viecher viel zu schnell weg, um ein gutes Foto zu knipsen.

Andere Leute sind in dieser abgelegenen Landschaft kaum unterwegs und das obwohl der Wanderweg bestens in Schuss und sehr angenehm zu laufen ist. Ich treffe einen Österreicher, der gerade vom Zehnerkofel zurück ist, es leider aber nicht auf den Gipfel geschafft hat – der Himmel sah ziemlich übel aus. Ich gehe trotzdem weiter, noch halten die Wolken.

Am Lavarella-Sattel angekommen, löst sich der Wanderweg in einen schwach erkennbaren Trampelpfad auf. Immerhin gibt es aber noch sporadische Markierungen auf den Felsen. Wenn du den Gipfel besteigen willst, solltest du kleineren Kraxeleien auf jeden Fall nicht abgeneigt sein. Außerdem wird der Weg immer rutschiger, je höher es geht.


Ungefähr 200 Höhenmeter unter dem Gipfel macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Das Gipfelkreuz verschwindet in einer bedrohlichen grauen Wolke. Von oben weht ein eisiger Windstoß herab, der mich auf dem losen Geröll fast die Balance verlieren lässt. Mein Bauchgefühl sagt mir klar und deutlich: “Schluss für heute”. Obwohl ich keinerlei Lust auf den rutschigen Abstieg habe, drehe ich um.

Sieht auf dem Bild harmlos aus, aber dank zunehmender Bewölkung und starkem Wind war dieser steile Schotterweg auf die Lavarella-Spitze so ungemütlich, dass ich wieder umgedreht bin,

Zurück geht es auf dem gleichen Weg, den ich gekommen bin. Etwas schade – bei gutem Wetter ist die Runde sicherlich eine Wucht. Der Weg weist keine größeren Kletterstellen auf und ist auch nicht übermäßig ausgesetzt. Für halbwegs erfahrene Bergwanderer sollte es kein Problem sein. Wenn du Glück mit dem Wetter hast: Unbedingt empfehlenswert!

Blick zurück auf auf die in düstere Wolken gehüllte Lavarella-Spitze.

In der Lavarella-Hütte gibt es übrigens eine Informationstafel und Broschüren mit weiteren Wanderungen in der Umgebung. Wenn dir die Tour zur Lavarella-Spitze zu lang ist, gibt es also noch genügend andere Möglichkeiten dir die Beine zu vertreten. Ich fand die Hütte aber auch so gemütlich genug, dass man gerne ein paar Stunden in der Gaststube verbringt.

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