Stangensteig in der Höllentalklamm: Wie schwer ist er wirklich?

Der Stangensteig ist eine spannende Alternativ-Route zur beliebten Wanderung durch die Höllentalklamm bei Grainau – spektakuläre Tiefblicke und ein bisschen Nervenkitzel inklusive. Allerdings ist der Weg durch die steile Klamm als schwarzer Bergweg ausgewiesen. Was bedeutet das konkret? Genau das erfährst du in diesem Artikel.

In diesem Artikel:

Die Höllentalklamm zählt zu den beliebtesten Wanderungen in Garmisch-Partenkirchen. Ich habe diese Tour unlängst wieder selbst gemacht und sie mindestens genauso genossen, wie beim ersten Mal.

Was ein bisschen für Verwirrung sorgt: Man muss nicht zwangsweise durch die Klamm aufsteigen, sondern kann auch den Stangensteig nehmen, der oberhalb der Schlucht verläuft. Dieser spektakuläre Gebirgssteig ist eine schöne Möglichkeit, die Wanderung durch die Höllentalklamm zu einer Rundwanderung zu machen: Hoch über die Klamm bis zur Höllentalangerhütte, zurück über den Stangensteig. Oder umgekehrt – wie du willst.

Vor einigen Jahren haben wir diese Tour zum Aufwärmen für unsere Wanderung auf die Zugspitze gemacht. Allerdings stand vorher eine große Frage im Raum: Wie schwer ist der Stangensteig wirklich? Schließlich ist dieser Weg als schwarzer Bergweg ausgewiesen.

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Interaktive Karte und GPS-Track für den Stangensteig

Schau dir auf der Karte den Verlauf des Stangensteigs mit den wichtigsten Wegpunkten an. Du kannst auch reinscrollen und dir den Track der Wanderung als GPX-Datei herunterladen.

  1. 1 Hammersbach
  2. 2 Höllentaleingangshütte
  3. 3 Beginn Stangensteig
  4. 4 Eiserne Brücke
  5. 5 Mariensprung
  6. 6 Höllentalangerhütte
  7. 7 Hupfleitenjoch
  8. 8 Rinderscharte

Tourinfos auf einen Blick

Länge 11,5 km (hin und zurück von Hammersbach)
Höhenmeter +970 m / -970 m
Gehzeit ca. 5–6 Stunden
Schwierigkeit Mittel (T3)

Was ist der Stangensteig?

Der Stangensteig ist ein alter Arbeitsweg, der im 19. Jahrhundert als Zugang für die Arbeiter des Bleibergwerks im Höllental genutzt wurde. Heute ist der Weg ein alternativer Zustieg zur Höllentalangerhütte, der oberhalb der Höllentalklamm verläuft.

Infotafel über die Geschichte des Stangensteigs am Eingang des Wegs.

Die Route beginnt im Grainauer Ortsteil Hammersbach und führt zunächst durch den malerischen „Zauberwald“. Anschließend führt der Weg als Dr.-Heinrich-Weg oberhalb des normalen Klammwegs ins Höllental. Kurz vor der Höllentaleingangshütte zweigt der Weg nach rechts oben ab und wird zu einem schmalen Steig über der Höllentalklamm, von dem sich spektakuläre Blicke in die Schlucht bieten. Das ist der eigentliche Beginn des Stangensteigs.

Schmaler Wegabschnitt auf dem Stangensteig in der Höllentalklamm.
Schon der Beginn des Stangensteigs bietet schöne Tiefblicke in die Höllentalklamm.

Der Weg verläuft nun in leichtem Auf und Ab unterhalb der sehr steil abfallenden Südflanken der Waxensteine. Auf der Seite geht es mehrere hundert Meter tief in die Klamm herunter. Der Weg ist also definitiv ausgesetzt. An einigen besonders schmalen Stellen helfen Drahtseile. Ein schönes Highlight ist die Überquerung der Eisernen Brücke, 73 Meter über dem Höllentalklammweg.

Eiserne Brücke über den Stangensteig in der Höllentalklamm.
Die „Nepalbrücke“ über dem Hammersbach.

Die Brücke erinnert entfernt an die typischen Brücken, die man auch beim beim Trekking in Nepal immer wieder sieht. Wenn du runterschaust, siehst du tief unter dir die Wanderer in der Höllentalklamm. Nach der Brücke verläuft der Weg auf der anderen Seite des Tals. Zuletzt wird durch eine felsige Flanke bis zum Hammersbach abgestiegen. Danach ist es nicht mehr weit auf dem normalen Klammweg bis zur idyllisch gelegenen Höllentalangerhütte.

Wanderer durchqueren eine Felsstufe auf dem Stangensteig.
Ende (oder Beginn) des Stangensteigs in der Nähe der Höllentalangerhütte. Hier führt die Route auf einem kurzen Abschnitt durch eine felsige Steilflanke.

Wie schwer ist der Stangensteig?

Der Stangensteig ist als schwarzer Bergweg ausgezeichnet, d.h. als schwieriger Weg. Grund dafür sind hier aber nicht technische Schwierigkeiten, Kletterstellen oder der Zustand des Weges. Der Stangensteig ist eigentlich ein hervorragend ausgebauter Bergweg, an vielen Stellen sogar relativ flach. Bei gutem Wetter halten sich die Herausforderungen für trittsichere und schwindelfreie Wanderer also in Grenzen.

Sicherung mit Stahlseil auf dem Stangensteig.
Die meiste Zeit sieht der Stangensteig so aus.

Potentiell gefährlich ist der Stangensteig durch die Ausgesetztheit. Das Höllental ist im unteren Bereich eine extrem steile Schlucht. Der Weg quert die fast senkrechten Felswände an den wenigen Stellen, an denen das überhaupt möglich ist. Die Steilwand stürzt rund 150 Meter tief senkrecht in die Schlucht ab. Im unwahrscheinlichen Fall eines Ausrutschers kann das böse enden. Und leider gab es hier auch schon tödliche Unfälle. Vor einigen Jahren verunglückte etwa ein 65-Jähriger Mann aus Rheinland-Pfalz.

Für eine Begehung des Stangensteigs sollte man also schwindelfrei und trittsicher sein. Am Wichtigsten ist aber: aufmerksam gehen.

Das heißt:

  • Nicht aufs Handy gucken, während man läuft.
  • Für Fotos immer an einer sicheren Stelle stehen bleiben.
  • Nicht zu viel mit anderen Leuten quatschen.
  • Keine Kopfhörer aufziehen und Hörbücher oder Musik hören.
  • In größeren Gruppen einen Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Personen einhalten.

Das sind Sachen, die man immer wieder im Gebirge sieht. Bei einem normalen Spaziergang oder einer einfachen Wanderung ist das auch alles kein Problem. Auf solchen potentiell gefährlichen Wegen ist es meiner Meinung nach aber sinnvoller, etwas vorsichtiger zu sein. Auch wenn der Weg technisch gesehen nicht schwer ist.

Noch ein Tipp: Wenn es überhaupt eine kritische Stelle gibt, ist das der Abschnitt in der Nähe der Höllentalangerhütte. Hier wird eine Felsflanke durchquert, für einige Meter auch ohne klar erkennbaren Pfad. Klettern muss man allerdings nicht. Die Stelle sieht so aus:

Kurze felsige Passage auf dem Stangensteig.

Warum ist der Stangensteig als schwarzer Bergweg eingestuft?

Weil es einige ungesicherte Stellen ohne Drahtseile im ausgesetzten Gelände gibt. Ein Ausrutscher kann tödliche Folgen haben. Der Stangensteig zeigt meiner Meinung nach aber auch ein bisschen die Grenzen der deutschen DAV-Klassifizierung von Bergwegen auf. Das ist ein interessanter Punkt und der Stangensteig ist ein gutes Beispiel dafür – daher will ich hier kurz nochmal drauf eingehen.

Im Unterschied zur feingliedrigeren SAC-Skala bewertet der DAV Bergwege folgendermaßen:

  • Leicht
  • Mittel
  • Schwer

Das erste Problem: Die Kategorie „schwarz“ ist nach oben hin offen. Sie umfasst alle Wege, die schwieriger als ein mittelschwerer (roter) Steig sind. Das bedeutet: Ein schwarzer Bergweg kann ein schmaler Pfad im Wald sein – er kann aber auch eine extrem ausgesetzte, ungesicherte Steilwand im hochalpinen Gelände sein. Die Spanne innerhalb derselben Farbe ist riesig. Für den Gebietsunkundigen ist die tatsächliche Schwierigkeit aus der reinen Farbkennzeichnung häufig nicht ersichtlich.

Kletterstelle auf dem Weg zum Hupfleitenjoch.
Kurze Kletterstelle auf dem Weg von der Höllentalangerhütte zum Hupfleitenjoch. Solche technischen Passagen gibt es auf dem Stangensteig nicht.

Risiko vs. technische Schwierigkeit

Der zweite Punkt: In die Bewertung fließt zumindest ein Stück weit auch das Risiko ein. Der Stangensteig verläuft an einigen Stellen ungesichert an einer fast senkrecht abfallenden Abbruchkante, d.h. ohne Geländer oder Seile zum Festhalten. Dadurch ist das potentielle Risiko bei einem Absturz hoch, auch wenn es sich „nur“ um einen schmalen Gehweg ohne echtes Klettern handelt.

Ein Beispiel um das zu verdeutlichen: Der nahegelegene Weg von der Höllentalangerhütte zum Hupfleitenjoch ist als roter Bergweg ausgezeichnet. Wir erwarten also, dass er leichter sein sollte. Tatsächlich muss auf diesem Weg aber eine 5 Meter hohe, senkrechte Felsstufe herabgekraxelt werden. Das ist technisch gesehen schwieriger als alles auf dem Stangensteig. Allerdings ist diese Stelle mit einem Drahtseil und Steigbügeln gesichert. Der Weg wird demnach als rot bewertet – obwohl er sich für die meisten Wanderer schwerer anfühlen dürfte als der schwarz kategorisierte Stangensteig.

Hinweis: Sämtliche Einschätzungen zur Schwierigkeit gelten nur für gute Wetterbedingungen. Bei schlechtem Wetter, Regen oder Schnee ist von einer Wanderung auf ausgesetzten Wegen wie dem Stangensteig abzuraten.

Ist für den Stangensteig ein Klettersteigset erforderlich?

Nein. Der Stangensteig ist ein stellenweise ausgesetzter Wanderweg ohne besondere technische Schwierigkeiten. Wer sich in diesem leicht ausgesetzten Gelände unwohl fühlt, kann natürlich ein Klettersteigset als moralische Unterstützung mitnehmen – schaden kann es nicht. Allerdings gibt es, wie erwähnt, Gehpassagen, die nicht mit Geländern oder Stahlseilen abgesichert sind. Man könnte sich also gar nicht überall einklinken, selbst wenn man es wollte.

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Kann man den Stangensteig im Winter begehen?

Ja. Aber das ist vielleicht nicht die beste Idee. Die Höllentalklamm ist im Winter gesperrt und öffnet in der Regel erst Ende Mai. Im Unterschied dazu ist der Stangensteig im Winter geöffnet und kann – theoretisch – begangen werden. Allerdings verläuft der Weg direkt unter der steil abfallenden Südflanke der Waxensteine – im Winter gehen in diesem Steilgelände natürlich regelmäßig Lawinen herunter.

Bei Schnee und Eis steigt zudem das Risiko auszurutschen. Ein Absturz auf vereistem Weg ist keine theoretische Möglichkeit, sondern eine echte Gefahr. Natürlich kann man sich Grödel oder Steigeisen anziehen, aber warum das Risiko eingehen? Such dir stattdessen lieber ein schönes Wanderziel im Süden, beispielsweise La Gomera oder Teneriffa auf den Kanaren. Die Bergwege sind dort mindestens genauso spektakulär und das Wetter ist im Winter deutlich freundlicher.

Blick auf de Stangensteig vom Hupfleitenjoch.
Blick ins Höllental vom Hupfleitenjoch. Der Stangensteig führt durch die Steilwände auf der rechten Bildseite.

Ist der Stangensteig aktuell gesperrt oder geöffnet?

Je nach aktuellen Witterungsverhältnissen kann der Stangensteig auch zeitweise gesperrt werden. Das war beispielsweise nach dem heftigen Unwetter im Juni 2020 der Fall, als die Wege aufgrund umgestürzter Bäume, Felsstürze und Wassermassen unpassierbar waren.

Auch ein besonders heftiger Winter mit viel Schnee kann dazu führen, dass der Stangensteig gesperrt wird. Aktuelle Informationen ob der Stangensteig gesperrt oder geöffnet ist, findest du auf der Webseite der Höllentalangerhütte. Die Seite wird regelmäßig aktualisiert.

Blick zum Zugspitzmassiv über das Höllental.

Mein Fazit zum Stangensteig

Der Stangensteig ist ein schöner Bergweg mit spektakulären Aussichten. Vor allem der Blick von der Eisernen Brücke auf die winzig anmutenden Wanderer in der Klamm ist ein echtes Highlight. Der Weg bietet sich gut als Rückweg durch die Höllentalklamm an. Alternativ kannst du auch über das Hupfleitenjoch oder die Rinderscharte zum Kreuzeck laufen – diese Wege sind allerdings schwieriger.

Die Bewertung als „schwarzer Bergweg“ klingt dramatischer als es in Wirklichkeit ist. Wenn du schwindelfrei und trittsicher bist und regelmäßig auf normalen Bergwegen wanderst, wirst du bei guten Wetterbedingungen keine Probleme auf dem Stangensteig haben. Und wenn dir die Ausgesetztheit doch nicht zusagt, suchst du dir einfach eine andere Tour aus. Es gibt ja noch viele andere schöne Wanderungen in Garmisch-Partenkirchen.

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Hast du noch Fragen zum Stangensteig? Kennst du andere spannende Touren in der Gegend? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich darauf, von dir zu hören.