Kreta zu Fuß: Auf dem E4 durch die Lefka Ori

Wilde Küsten, einsame Strände, brennende Sonne und die menschenleere Wildnis der Weißen Berge. Das Teilstück des europäischen Fernwanderwegs E4 im Südwesten Kretas bietet genau die richtigen Zutaten für ein Trekkingabenteuer, das diesen Namen wirklich verdient. Lust auf eine Herausforderung? Dann bekommst du hier alle Infos zu der Tour.

In diesem Artikel:

Ich bin eigentlich eher durch Zufall auf Kreta gekommen, als ich irgendwann mal nach „Wüstengebieten in Europa“ gegoogelt habe. Die Weißen Berge von Kreta, das bis zu 2500 Meter hohe Gebirgsmassiv der Lefka Ori im Südwesten der Insel, wird nach wissenschaftlicher Definition nämlich als Hochwüste bezeichnet.

Noch spannender fand ich aber: Ein Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs E4 führt genau durch das Zentrum der Lefka Ori.

Wo bitte gibt es schon mal den Luxus, dass man eine echte Wüste auf einem Wanderweg durchqueren kann? In Zentralasien und Afrika kann man da lange suchen. Europa ist eben immer wieder für eine Überraschung gut – also nichts wie ab nach Kreta.

Zunächst stand aber eine sorgfältige Tourenplanung an. Die Weißen Berge von Kreta zu durchqueren ist kein Spaziergang und will gut vorbereitet sein. Praktischerweise gibt es einen Wanderführer* für genau dieses Teilstück des E4. In der Realität sah vieles dann aber doch ein bisschen anders aus.

Und genau deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Als Inspiration und Ergänzung für alle, die mit dem Gedanken spielen auf dem E4 in Kreta wandern zu gehen.

Denn es lohnt sich auf jeden Fall!


Auf einen Blick

  • Kombinierte Küstenwanderung/Hochgebirgstour durch den Südwesten Kretas auf dem E4
  • Länge: ca. 120 Kilometer
  • Dauer: 8 – 10 Tage
  • Schwierigkeit: Mittel bis schwer
  • Abenteuerfaktor: Sehr hoch
  • Zelt, Wasserfilter und warmer Schlafsack erforderlich
  • Zelten und Wildcampen problemlos möglich, viele idyllische Stellplätze
  • An der Küste zahlreiche preiswerte Unterkünfte und vorzügliche kulinarische Optionen

Hinweis: Die hier beschriebene Tour ist eher für erfahrene Wanderer geeignet. Sehr gute Trittsicherheit, eine gute Kondition, Trekkingerfahrung und grundlegende alpine Erfahrung werden vorausgesetzt. Die Wegfindung ist teilweise anspruchsvoll. Die alpine Variante des E4 führt durch wegloses, schlecht markiertes und ungesichertes Alpingelände.

Mehrtageswanderung auf dem E4 von der Südwestküste Kretas durch die Lefka Ori


E4 Kreta Markierung

Die Wanderung startet in dem lebhaften Hafenstädtchen Paleochora im äußersten Südwesten Kretas. Von hier aus folgt der E4 auf urtümlichen, manchmal steilen und meistens sehr steinigen Pfaden der Küste des libyschen Meers. Viele Abschnitte verlaufen durch baum- und schattenlose Macchia. Als Belohnung winken wildromantische, menschenleere Strände und paradiesische Zeltplätze.

Im Verlauf mehrere Tage passieren wir die verschlafenen Dörfchen Sougia, Agia Roumeli und Loutros bis wir schließlich in Chora Sfakion ankommen. Die „Hauptstadt der Südwestküste“ ist in Wirklichkeit auch nur ein größeres Dorf. Von hier aus wechseln wir über die bei Tageswanderern beliebte Imbros-Schlucht von der Küste ins Gebirge und legen einen letzten Zwischenstopp im Bergdorf Amoudari ein.

Hier wird es dann wirklich abenteuerlich: In mehreren anstrengenden Tagesetappen durchqueren wir die menschenleere Bergwüste im Zentrum der Weißen Berge. Nach 2 Übernachtungen in einem einsamen Hochtal und dem unbemannten Lager an der Katsivelli-Hütte erreichen wir schließlich die Kallergi-Refuge, die einzige bewirtschaftete Berghütte Kretas.

Von hier aus ist es dann noch ein letzter Tagesmarsch über das Omalos-Plateau und die zauberhafte Agia-Irini-Schlucht, bis wir wieder in Sougia an der Küste herauskommen. Da man hier so gut wie nichts anderes machen kann, als am Strand zu relaxen, ist das genau der richtige Ort um sich von den Strapazen der vergangenen Tage zu erholen!

Route und GPS-Datei

GPX-Download

Etappen des E4 auf Kreta

Um den Artikel nicht zu überfrachten, habe ich die einzelnen Etappen auf den folgenden Seiten getrennt beschrieben. Dort findest du Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten, guten Stellen zum Zelten, Wasserquellen und natürlich jede Menge tolle Fotos.

Los geht’s!

Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4Tag 5Tag 6Tag 7Tag 8Tag 9 Tag 10

Karten und Wanderführer für den E4

Meine Empfehlung: Outdoor-Führer für den E4 aus dem Conrad-Stein-Verlag

Dieser Wanderführer für den E4 auf Kreta* ist eine exzellente Ressource zur Tourenplanung. Außer einigen kleinen Unstimmigkeiten und den etwas optimistischen Gehzeiten fand ich den Führer extrem hilfreich.

Das Büchlein enthält viele nützliche Infos zur Wasserversorgung, Zeltplätzen, Sehenswürdigkeiten am Weg und alternativen Routen. Außerdem ist es handlich und klein genug, dass es in den Rucksack passt.

Ein empfehlenswertes Buch!

Neben dem empfehlenswerten Wanderführer aus dem Conrad-Stein-Verlag solltest du dir die hervorragenden topographischen Karten von Anavasi im Maßstab 1:25:000 bzw. 1:30.000 besorgen. Für die Tour brauchst du:

Blatt 11.17 Frangokástelo Plakiás* ist nur für Etappe 6 erforderlich und eigentlich verzichtbar, da der Weg durch die Imbros-Schlucht verläuft und man sich dort nicht verlaufen kann. Für den Rest der Etappe habe ich auf Sicht und mit GPS navigiert, der Weg ist aber sehr einfach.

Auf den Karten sind Quellen, Zisternen und Brunnen eingezeichnet.  Auf der Rückseite befinden sich zudem viele nützliche Hinweise auf kritische Stellen, den Zustand der Wege und schwierige Passagen. Die Anmerkungen waren auf dem Teil des E4, auf dem ich unterwegs war, fast durchweg zutreffend.

Achtung: Nicht alle Routen auf den Karten sind tatsächlich Wege! Abseits vom E4 handelt es sich teilweise um kaum erkennbare Trampelpfade, die nur von Ortskundigen oder mit Hilfe von GPS-Navigation gefunden werden können. Betreten auf eigene Gefahr! In den Lefka Ori gibt es, zumindest in dem Teil, auf dem ich unterwegs war, nur wenige Wege im herkömmlichen Wortsinn.

Lies auch:

Markierungen und Wegweiser

Der E4 in Kreta ist auf der von mir begangenen Route recht gut in Form von Stangen und Markierungen auf Felsen gekennzeichnet. Die Markierung ist durchgängig eine gelbe neben einer schwarzen Linie.

Die Häufigkeit der Markierungen schwankt allerdings von Etappe zu Etappe. An der Küste finden sich auf den meisten Abschnitten alle paar hundert Meter Markierungen. Wenn du 2-3 Minuten lang kein Zeichen oder keine Stange siehst, bist du vermutlich auf dem falschen Weg.

E4 zwischen Paleochora und Lissos

Auf der „Königsetappe“ zwischen Sougia und Agia Roumeli gibt es etliche Stellen, an denen die Markierungen nur schwer zu erkennen sind. Hier unbedingt genau hinschauen und lieber zum letzten Punkt zurückkehren, um nicht in absturzgefährdetes Gelände zu gelangen.

Im Gebirge ist die Orientierung schwieriger. Das gilt besonders für das Wegstück zwischen Niato-Plateau und Katsivelli-Refuge. Hier sind die Markierungen häufig nur schlecht zu erkennen und die E4-Stangen weit voneinander entfernt. Hin und wieder gibt es Steinmännchen. An vielen Orten musst du dir aber selbst den besten Weg suchen.

E4 in den Lefka Ori schwieriger Weg.
Jepp, das ist der Weg:) Bonuspunkte für alle, die die Markierung erkennen.

Viele Stangen sind in den Geröllfeldern auch umgestürzt und erst auf wenige Meter sichtbar. Andererseits muss man sich aber darüber freuen, dass es hier überhaupt so etwas wie Wegweiser gibt. Ich will mir gar nicht ausmalen, was für ein logistischer Aufwand es gewesen sein muss, meterlange Metallstangen in diese gottverlassene Gegend zu schleppen…

Gratwanderung auf dem E4 in den Lefka Ori.
Kaum zu erkennen: In weiter Entfernung steht eine E4-Stange auf dem höchsten Punkt des Grats. Bei schlechter Sicht kann die Orientierung in der gleichförmigen Berglandschaft zu einer echten Herausforderung werden.

Schwierigkeit des E4 in Südwest-Kreta

Nach mitteleuropäischen Maßstäben ist die Tour auf dem hier beschriebenen Teilstück des E4 auf Kreta ziemlich abenteuerlich. Die Wege sind Welten von den gut ausgebauten Wanderwegen entfernt, die man aus den Alpenländern oder beliebten Trekkingtouren wie dem Laugavegur Trail kennt. Stell dich stattdessen auf steinige Trampelpfade, extrem rutschige Passagen mit viel Geröll und viel wegloses Kraxeln ein.

Küstenvariante

E4 Kreta Küstenvariante.

Die Küstenvariante des E4 ist einfacher, aber es gibt einige unangenehme Abstiege über Geröll und ausgesetzte Passagen, die teilweise auch erklettert/hochgekraxelt werden müssen. Sicherungen fehlen bis auf sehr wenige Abschnitte (Zugänge zum Glyka-Nera-Beach und einige Stellen in der Agia-Irini-Schlucht) vollständig.

Wenn du keine Höhenangst hast, ist das aber kein Problem – der Schlüssel liegt darin, jederzeit langsam und konzentriert zu gehen.

Als große Herausforderung an der Küste empfand ich die extremen Temperaturen. Ich war in der zweiten Maihälfte unterwegs und es ging mittags teilweise bereits auf die 30 Grad zu. Versuche möglichst früh zu starten, mach regelmäßig Pausen und nimm ausreichend Wasser mit – mindestens 4 Liter pro Tag.

Alpine Variante

AlpineVariante des E4 in den Lefka Ori.

Das Wegstück des E4 durch die Lefka Ori, vor allem die Strecke zwischen dem Niato-Plateau und Katsivelli-Refuge, ist eine körperliche und mentale Herausforderung. Es sollte ausschließlich bei guten Wetterbedingungen und nur von erfahrenen Wanderern in Angriff genommen werden. Dieses Stück ist keine reine Wanderung mehr, sondern streift haarscharf die Grenze zum Bergsteigen.

In der Terminologie der Alpenvereine entspricht der E4 hier in etwa einer Alpinen Route, von der objektive Gefahren ausgehen: Unübersichtliches, spaltenreiches und nahezu wegloses Karstgelände, wenige Markierungen, einfache (aber ungesicherte) Kletterstellen und heikle Geröllhänge, die kaum umgangen werden können.

Dieses Gelände kann vor allem bei schlechtem Wetter, Nebel und nachlassender Konzentration durch Erschöpfung und Wassermangel äußerst gefährlich werden!


  • Hier unbedingt vorsichtig und langsam gehen – auch wenn es nervt und du nur 1 Kilometer pro Stunde vorankommst. Oft verhindert das Gelände ein rasches Vorankommen aber von selbst.
  • Es gibt keine übermäßig ausgesetzten Stellen auf der E4-Route durch die Lefka Ori und bis auf wenige Ausnahmen auch keine besonders gefährlichen individuellen Stellen.
  • Die eigentliche Herausforderung ist das stundenlange Kraxeln in unwegsamem Terrain, was mit Gepäck auf Dauer äußerst anstrengend ist und auch mental fordert. Genau an dieser Stelle bringt dich die Trekkingerfahrung über die Runden.
  • Unfälle sind in den Lefka Ori streng verboten! Du hast hier oben keinerlei Handyempfang und bist im Notfall mindestens einen langen Tagesmarsch von der Zivilisation entfernt.
  • Erkundige dich vorher außerdem über die Schneelage. Teilweise sind die Weißen Berge bis in den Juni verschneit, was Touren zu riskant bzw. unmöglich macht. Auskünfte bekommst du beim Bergführer der Kallergi-Refuge (einfach vorher eine E-Mail schreiben).
  • Hier solltest du dich auch über den aktuellen Wasserstand der Zisternen und Quellen schlau machen. Die Lefka Ori sind kein Ort, um auf dem Trockenen zu sitzen und der persönliche Wasserverbrauch ist in der Hitze enorm.
  • Geh davon aus, dass du die einzige Person bist, die auf der Alpin-Variante des E4 unterwegs bist. Von dem was ich gehört habe, sind hier oben meist geführte Gruppen und nur sehr selten individuelle Wanderer unterwegs.
Unterwegs in den Lefka Ori verlassenes Tal.
Unterwegs in den menschenleeren Tälern der Lefka Ori. Die Chance, anderen Wanderern zu begegnen ist hier ziemlich gering.

Den E4 auf Kreta individuell oder mit Wanderführer laufen?

Wenn du Erfahrungen im Bergwandern und Trekking in schwierigem Gelände hast (bitte realistisch selbst einschätzen!), ist es – bei entsprechender Planung und guten Bedingungen – nicht übermäßig gefährlich, den E4 so wie hier beschrieben zu laufen. Tipps dazu bekommst du in diesem Artikel und auf den einzelnen Seiten mit den Beschreibungen der Etappen.

Wenn du dir unsicher bist, ist es besser einzelne Tagesetappen in einer geführten Gruppe laufen. Du kannst fast alle hier beschriebenen Etappen auch als Tageswanderung laufen. Viele Teilstücke des E4 auf Kreta sind sehr beliebt und es gibt auch etliche deutschsprachige Führer. Bastian von Cretetrotter bietet beispielsweise individuell zusammenstellbare Touren an.

Ausgesetzter Weg auf dem E4 zwischen Sougia und Agia Roumeli.
Luftiger Weg zwischen Sougia und Agia Roumeli. Solche Passagen tauchen an der Küste immer mal wieder auf – sie sind meist aber nur sehr kurz.. Dennoch sind Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unabdingbar.

Ausrüstung zum Trekking in Kreta

Für die Tour brauchst du eine an trockene, wüstenähnliche Hochgebirgsbedingungen angepasste Trekking-Ausrüstung. Das betrifft aber hauptsächlich die Bekleidung und die Schuhe. Sicherungsgeräte (Seil, Helm etc.) sind nicht erforderlich.

Generell solltest du versuchen, auf ein maximales Basisgewicht des Rucksacks von 5-7 Kg zu kommen, da du viel Wasser mitschleppen musst. Proviant ist an der Küste nicht das Problem, da es genügend Ortschaften gibt. Für die Durchquerung der Lefka Ori benötigst du Essen für 2 volle Tage.

Weiterlesen: Ultraleicht-Trekking für Einsteiger: 7 praktische Tipps, die du sofort anwenden kannst

Zeltplatz in den Lefka Ori.

Bekleidung, Schuhe

  • Schuhe: Durch die vielen Geröllpassagen sind knöchelhohe Wanderschuhe mit gutem Profil empfehlenswert. Ich bin mit den leichten Trekking-Stiefeln Salomon X Ultra 3 Mid Aero* sehr gut gefahren. Von Schuhen mit einer wasserdichten Goretex-Membran würde ich dringend abraten, wenn du nicht willst, dass deine Füße verglühen.
  • Sonnenschutz: Fast alle Wanderer, die ich gesehen hatte, waren mit einem Sonnenhut unterwegs, was eine sehr gute Idee ist. Je nach Belieben ist aber auch ein Buff* oder eine Baseball-Kappe möglich. Irgendeine Art von Sonnenschutz brauchst du aber auf jeden Fall!
  • Regenjacke: Zumindest in der Wandersaison ist Regen auf Kreta eher selten. Im Gebirge ist Regenschutz dennoch unverzichtbar, um ein Auskühlen im Notfall zu vermeiden. Ich hatte meine bewährte 2,5-lagige Patagonia-Torrentshell* dabei, die allerdings nicht zum Einsatz kam.
  • Bekleidung: Ein T-Shirt für tagsüber, ein Langarm-Shirt für abends, beides aus Merino war ausreichend. Zusätzlich hatte ich noch ein Trekking-Hemd dabei, um im Restaurant nicht wie ein Halbwilder auszusehen. Das war dann aber eher schon Luxus.
  • Isolation: Da es abends im Gebirge sehr kalt wird, ist eine Daunenjacke* unverzichtbar.  Außerdem hatte ich meine leichte Fleecejacke von Patagonia* dabei, was aber überflüssig war. Die Kombi Langarm-Shirt + Daunenjacke war ausreichend.
  • Hose: Zum Laufen tagsüber die Fjällräven Barents Pro Shorts*, eine recht leichte und schön robuste Wanderhose. Zum Wechseln die lange Bergans Moa Pants*. Ich hatte zunächst ein bisschen Bedenken wegen der stacheligen Macchia-Vergetation, die kurze Hose hätte zur Not aber ausgereicht.
  • Unterwäsche: 2 Unterhosen (Merino), 2 Paar Wandersocken. Jeweils eine am Körper, die andere im Rucksack. Gewaschen habe ich, wenn möglich, abends im Waschbecken in den Unterkünften.

Meine Empfehlungen zum Trekking mit Zelt*

Hochwertiges Reisehandtuch von Packtowl

Wetterfester Kocher von SOTO

Stirnlampe “Petzl Actic Core”

Ultraleichte atmungsaktive Campschuhe

Ausrüstung

  • Navigation: Ich habe hauptsächlich mit Karte und meinem Suunto-Kompass* navigiert, was dank dem guten Wetter auch kein Problem war. Dennoch würde ich bei solchen Touren nur sehr ungern auf mein Garmin Etrex 32x* verzichten. Aufgrund der anspruchsvollen Wegfindung im Gebirge kam es mehrmals zum Einsatz.
  • Wasserfilter: Unverzichtbar, da du Wasser aus Zisternen entnehmen musst, die eine ideale Brutstätte für Bakterien sind – vor allem, wenn tote Tiere im Wasser schwimmen. Ich hatte wie immer den Sawyer Mini* dabei und hab’s überlebt.
  • Zelt: Ich hatte das ultraleichte 1-Personenzelt Six Moon Designs Lunar Solo* am Start. Ein schönes Zelt mit ausreichend Platz für eine Person. Teilweise war es recht windig, was aber kein Problem war. Die Heringe sollten auf felsigen Untergrund ausgelegt sein.
  • Rucksack: Das war meine zweite Tour mit dem Hyberg Attila X* und auch hier hat mich der Rucksack wieder überzeugt. (Zum Test) Bequem, ausreichend Platz und schön leicht. Gerade bei den vielen Anstiegen in der Hitze eine echte Erleichterung!
  • Schlafen: Statt einem herkömmlichen Schlafsack hatte ich meinen Katabatic Palisade Quilt* dabei, der laut Hersteller für Temperaturen bis -1° Grad ausgelegt ist. Mir war in den Bergen trotzdem recht kalt damit. Ein Schlafsack mit Komfort bis 0° Grad sollte im Sommer aber eigentlich ausreichen.  
  • Isomatte: Thermarest Neo Air Xlite* – der Klassiker. Zur Sicherheit noch das Reparatur-Kit, das ich zum Glück aber noch nie verwenden musste.
  • Reepschnur: 5 Meter robuste Reepschnur* zur Sicherheit, wenn der Wasserstand in den Zisternen zu niedrig und/oder kein Eimer vorhanden ist und man improvisieren muss. War zum Glück kein Thema, aber theoretisch kann es passieren. Und es wäre wirklich extrem ärgerlich, vor der Zisterne zu stehen und nicht ans Wasser heranzukommen.
  • Kochen: Sturmtauglicher Kocher Soto Windmaster*, dazu den Titan-Topf Snow Peak Trek 700* und eine faltbare Tasse von Sea to Summit*. Großartig gekocht habe ich aber nicht: abends Nudeln in den Topf, fertig. Morgens eine Tasse Kaffee, Brot und Käse.
Camping an der Katsivelli Refuge in den Lefka Ori.
Einfache Küche im Camp an der Katsivelli-Refuge.

Wasserversorgung am E4 in Kreta

Die Versorgung mit Trinkwasser auf Kreta empfand ich als nicht ganz so schlecht wie auf dem GR 132 im ähnlich trockenen La Gomera. Es ist aber trotzdem ein kritisches Thema. An der Küste gibt es immerhin in unregelmäßigen Abständen Brunnen, Zisternen und Quellen (und natürlich Ortschaften), in denen du nachfüllen kannst. Mehr Infos dazu in den Beschreibungen der einzelnen Etappen.

Wasserquelle am E4.
Kleine Quelle am Wegrand des E4 auf der Küstenvariante.

Generell sind natürliche Wasserquellen aber nie zu 100% sicher. Nach einem schneearmen Winter können die Quellen z.B. bereits im Mai versiegt sein. Geh deshalb lieber auf Nummer sicher und nimm eher einen Liter zu viel als zu wenig mit. Bei den ganzen Rumkraxeleien und der Hitze verbrauchst du Unmengen an Wasser. Ich hätte locker 1 Liter pro Stunde trinken können, wenn ich mich nicht beherrscht hätte.

Besonders kritisch ist die Versorgung in den Lefka Ori. Hier musst du sehr gut vorausplanen, wo du das nächste Mal auffüllst. In den Anavasi-Karten sind Quellen eingezeichnet, weitere Infos ebenfalls in den Beschreibungen der einzelnen Etappen. Einschließlich Notfall-Vorrat solltest du in den Bergen morgens mit etwa 4-5 Litern Wasser starten.

Offene Zisterne in den westlichen Lefka Ori.
Offene Zisterne im westlichen Teil der Lefka Ori zwischen Katsivelli-Refuge und Kallergi-Refuge.

In den Lefka Ori brauchst du auch unbedingt einen Wasserfilter, da das Wasser teilweise nur in offenen Zisternen zur Verfügung steht. Im Prinzip sind das große mit Plastikplanen ausgekleidete Löcher im Boden, in denen Regenwasser aufgefangen wird.

Das sieht in der Nahaufnahme dann auch schon mal so aus:

Tote Maus in einer offenen Zisterne in den Lefka Ori.
Lecker… Hier solltest du wirklich volles Vertrauen in deinen Wasserfilter haben.

Zelten und Wildcampen auf Kreta

Für die hier beschriebene Tour ist ein eigenes Zelt/Tarp erforderlich, außer du übernachtest einige Tage im Freien.

Zelten und Wildcampen ist an der gesamten Küste kein Problem. Die Griechen haben in dieser Beziehung ein ziemlich relaxte Leben-und-Leben-lassen-Einstellung, die ich sehr angenehm fand. Selbst in der Nähe der Ortschaften gibt es häufig „inoffizielle“ Campingplätze, an denen sich niemand stört.

Inoffizieller Campingplatz am E4 hinter Sougia.
Inoffizieller Campingplatz hinter Agia Roumeli.

Eine Ausnahme ist anscheinend der Glyka-Nera-Strand, der in früheren Zeiten als Mekka von Zeltcampern auf Kreta galt. Ein örtlicher Wanderführer erzählte mir, dass die Besitzer der dortigen Strandbar öfter mal Camper vom Strand vertreiben.

Außerdem waren die hinteren Bereiche mit Zäunen abgesperrt (wurde anscheinend vor ein paar Jahren abgezäunt, nachdem ein Pärchen dort durch Steinschlag ums Leben kam. Danke an Leser Kookinos für die Info!)

In den Lefka Ori ist Zelten in dem stark verkarsteten Felsgelände an vielen Stellen nicht möglich. In den Anavasi-Karten sind ebene Stellen markiert, auch hier noch ein paar weitere Infos dazu in den Beschreibungen der Etappen.

Zeltplatz in der Karstlandschaft der Weißen Berge von Kreta.
Eine grüne Insel in der rauen Berglandschaft der Lefka Ori.

Die Notunterkunft am Katsivelli-Refuge würde ich nicht zum Übernachten empfehlen. Die fensterlose Biwakschachtel war völlig verwahrlost, zugemüllt und mit diversen Extrementen von Schafen und Ziegen zugesch…en. Auf der Wiese nebenan gibt es aber viele gute Stellflächen.

Anreise

Von Chania aus mit dem KTEL-Bus nach Paleochora (Fahrplan). Die Fahrt dauert knapp 2 Stunden. Auf dem Rückweg entweder mit dem Bus von Sougia direkt nach Chania (fährt aber nicht jeden Tag). Alternativ mit der Anendyk-Fähre zurück nach Paleochora (Fahrplan) und dann am nächsten Morgen wieder nach Chania. Tickets kannst du direkt vor Ort kaufen.

Entspannen nach einem langen Tag beim Wandern auf dem E4 in Kreta.
An der Küste gibt es viele gemütliche Unterkünfte, in denen du dich von den Strapazen des Weges erholen kannst.

Unterkünfte

In den Orten an der Küste gibt es viele schöne und preiswerte Unterkünfte. Nähere Details dazu in den jeweiligen Beschreibungen der Etappen. In Chania kann ich die Alena Apartments empfehlen. Apartment mit Küche und Balkon (und Blick auf die Lefka Ori) für etwa 30 Euro die Nacht. Entfernung zum Busbahnhof: 1 Minute. Direkt nebenan gibt es einen Laden mit Gaskartuschen. Bequemer geht’s nicht! 

Beste Reisezeit für den E4 auf Kreta

Als beste Reisezeit zum Wandern auf dem E4 in Kreta gelten die Monate Mai/Juni und September. Ich fand es in der zweiten Maihälfte an der Küste aber teilweise schon grenzwertig heiß. Stell dich auf Backofentemperaturen und durchgeschwitzte Klamotten ein!

Das T-Shirt sah abends in der Regel so aus:

Durchgeschwitztes T-Shirt nach einem Tag auf dem E4.

In den Lefka Ori herrschen wüstenähnliche Temperaturen. Die Luft ist zwar deutlich kühler, aber ab ca. 10:00 Uhr morgens wird es auch hier sehr schnell heiß. Abends kühlt es hingegen schnell ab. In der ersten Nacht gingen die Temperaturen bis knapp über den Gefrierpunkt runter. Das Wasser vor dem Zelt fühlte sich wie frisch aus dem Eisfach an.

Je nachdem, wie hart der vorige Winter war, liegt in den Lefka Ori bis in den Juni Schnee. Ich hatte Glück und musste nur einmal eine winzige Schneezunge überqueren. Das kann aber auch ganz anders aussehen. Da die Landschaft überall von Spalten und Karsttrichtern durchzogen ist, ist eine Durchquerung der Berge bei starkem Schneefall zu riskant.

Kretische Küche nach einem Wandertag auf dem Europäischen Fernwanderweg 4.
Ein weiteres Highlight des E4 auf Kreta: Die hervorragende griechische Küche.

Und sonst?

  • Griechenland liegt in der Osteuropäischen Zeitzone. Daher wird die Uhr in Kreta eine Stunde vorgestellt.
  • Die Verständigung ist kein Problem. Du kommst auf dem E4 in Kreta mit Englisch sehr gut durch. Die Leute sind generell hilfsbereit, entspannt und wahnsinnig freundlich.
  • Auf Kreta gibt es einige Schlangenarten, die aber als ungefährlich für Menschen gelten. Ich habe nur eine einzige Schlange gesehen, die aber sofort wieder im Unterholz verschwand.
  • Der Bankautomat in Sougia funktioniert anscheinend nicht immer. In den Orten der Küste kannst du aber in fast allen wichtigen Geschäften (Hotels, Minimärkte, Restaurants) mit Kreditkarte zahlen.
  • Das Essen ist durchweg ausgezeichnet – nutze es bei jeder Gelegenheit. Eine Spezialität der Region sind „Sfakian Pies“, eine Art mit Käse gefüllter Fladen, der mit Honig bestrichen wird.
  • Wenn du im Rucksack noch Platz für ein Buch hast, kann ich den Roman „Alexis Sorbas*“ des griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis empfehlen, der in Kreta spielt.
Abendstimmung in einem Tal der Weißen Berge von Kreta.

Mein Fazit zum E4 in Kreta

Was für eine Tour! Landschaftlich grandios, manchmal unbequem, einsam und streckenweise doch ein bisschen außerhalb meiner Komfort-Zone. Aber genau das gehört zu einem richtigen Trekking-Abenteuer eben dazu. Dank der freundlichen, entspannten Art der Griechen und der hervorragenden kretischen Küche waren die gelegentlichen Strapazen aber schnell wieder vergessen.

Mir hat dieses Teilstück des E4 in Kreta mal wieder gezeigt, dass es in Europa abseits der bekannten Routen noch wahnsinnig viel Neuland zu entdecken gibt. Und das ganz ohne Menschenmassen. Ich schätze, mit dem E4 bin ich noch nicht fertig. In Bulgarien soll es ein weiteres spannendes Teilstück geben, das die höchsten Gebirge des Landes durchquert. Mal schauen, was der Sommer noch so bringt…

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Hast du noch Fragen zu der Tour? Warst du schon auf einem anderen Teil des E4 in Kreta unterwegs? Dann nichts wie ab in die Kommentare – ich freue mich, von dir zu hören!